Neo-Austria-Coach Peter Stöger

"Linz ein Spieler wie jeder andere"

Ende Mai kehrte Peter Stöger nach sechs Jahren als Coach wieder zur Austria zurück. Der Ex-Neustadt-Trainer spricht im Interview mit Sturm12.at über seine Rückkehr nach Favoriten, seine Pläne mit den Veilchen, Stürmer Roland Linz und den Schlager gegen Sturm am Samstag.

Peter Stöger

© GEPA pictures/ Mario Kneisl – honorarfrei

Es ist für Peter Stöger die Rückkehr zu dem Verein, mit dem er die größten Erfolge als Spieler und Trainer feiern konnte. Ende Mai heuerte Stöger nach dem Intermezzo zwischen 2005 und 2006 (dort holte er mit Frenkie Schinkels Cup sowie die Meisterschaft) wieder als Chefcoach bei Austria Wien an, nachdem der violette Wunschkandidat, Ex-Sturm-Trainer Franco Foda, sich für Kaiserslautern entschieden hatte. Der erfolglose Veilchen-Coach Ivica Vastic hatte ja nach dem verpassten internationalen Platz im Mai den Hut nehmen müssen.

Stöger, der seit seinem Austria-Engagement vor über sechs Jahren sich als Trainer bei der Vienna und dem GAK seine Sporen verdiente und zuletzt Wiener Neustadt in der Liga hielt, wurde vom Verein mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet – ohne berüchtigte Europacupklausel (Anm. Einjahresvertrag verlängert sich nur bei Erreichen eines Europacupplatzes), die vor ihm Karl Daxbacher und Vastic unter Druck gesetzt hatte. Dieser Druck wurde dem 46-jährigen Wiener nicht auferlegt, dennoch wird von ihm erwartet, nach dem verkorksten letzten Jahr die Favoritner wieder ins internationale Geschäft zu führen.

Im Interview mit Sturm12.at spricht Stöger über seine Rückkehr nach Favoriten, seine Pläne mit den Veilchen, den im Vorjahr bei Vastic reichlich umstrittenen Stürmer Roland Linz und den Liga-Schlager gegen Sturm heute.

Herr Stöger, vor mehr als sechs Jahren waren sie zuletzt als Coach bei der Austria engagiert, unter ihrer Regie mit Frenkie Schinkels holten die Violetten den Cup und ihren letzten Meistertitel. Nun sind sie wieder zurückgekehrt. Wie empfinden sie es, wieder bei der Austria zu sein?
Ich freue mich, wieder bei der Austria zu sein, die eine Top-Adresse im österreichischen Fußball ist. Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe, die auf mich wartet.

Ist ihnen der Abschied von Wiener Neustadt, die sie in der Vorsaison in der Liga halten konnten, schwergefallen?
Ich hatte ja eigentlich damit gerechnet, länger in Neustadt zu bleiben. Es war eigentlich nicht zu erwarten, dass wir ein gutes Jahr spielen würden. Ein Kompliment an die Mannschaft, die in der vorigen Saison das sehr gut gemacht hat. Klar ist es mir nicht leicht gefallen, Neustadt zu verlassen, denn ich hatte eine schöne Zeit dort. Aber die Chance bei der Austria ist eine riesige Aufgabe, und die wollte ich wahrnehmen.

Hatten sie damit gerechnet, dass sich wieder die Chance bei der Austria ergibt?
Ich war schon ein wenig überrascht. Aber ich habe an meine Chance geglaubt, habe mich vor allem nach meinem Abgang von der Austria 2006 durch meine Engagements bei Vienna, GAK und Wiener Neustadt bewusst weiterentwickelt. Diese Stationen waren für mich sehr lehrreich. Mit der Rückkehr zur Austria ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.

Bei ihrer letzten Station in Wiener Neustadt haben sie sehr defensiv spielen lassen. Wie wird ihre Ausrichtung bei der Austria sein? Immerhin hat die vergangene Euro gezeigt, dass offensive Teams sehr erfolgreich waren.
In Neustadt war die Ausrichtung klar, das Ziel war es, in der Liga zu bleiben. Im Endeffekt haben da die vielen Spiele zu Null den Nicht-Abstieg garantiert. Bei der Austria werden wir versuchen, offensiv orientiert aufzutreten und attraktiven Fußball zu zeigen.

Was ist ihre Philosophie als Trainer? Welches System wird bei den Violetten zu sehen sein?
In der Vorsaison hatte es ja ein 4-2-3-1 gegeben. In der Vorbereitung haben wir zumeist in einem 4-3-3-System gespielt. Ich denke, dass wir heuer dieses System in der Saison spielen werden, etwa mit Roland Linz und Roman Kienast im Sturm. Kienast ist aber nach seiner Verletzung zurzeit noch nicht so weit für die vollen 90 Minuten. Mein Ziel ist es, fünf bis sechs offensiv orientierte Spieler aufzustellen.

Mit Dare Vrsic von Olmpija Ljubljana hat sich die Austria mit einem kreativen Mann fürs Mittelfeld verstärkt. Ist das ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann?
Durchaus. Vrsic ist ein Spieler, der hohe technische Qualitäten besitzt und immer wieder für ein Tor gut ist. Er soll als einer der offensiv orientierten Spieler im Mittelfeld zur Geltung kommen.

Im Grunde hat sich die Austria am Transfermarkt heuer eher zurückgehalten. Wird es noch Verstärkungen geben?
Wir haben schon junge Spieler zu uns gelotst, wie etwa Thomas Murg vom GAK oder Sebastian Wimmer vom LASK. Zudem ist Lukas Rotpuller auf meinen Wunsch von Ried zurückgeholt worden. Ich denke, dass der Kader besser ist, als er sich im Vorjahr verkauft hat. Was wir noch suchen, ist eine wendige, quirlige Spitze. Hier sondieren wir gerade den Markt.

In der Vorsaison sorgte die Causa Roland Linz unter dem damaligen Coach Ivica Vastic für Aufregung in Favoriten. Wie ist ihre Relation zu Linz?
Für mich ist Linz ein Spieler wie jeder andere, der seine Qualitäten besitzt. Für ihn gilt das, was auch für alle anderen gilt. Wer seine Leistung bringt, der wird spielen.

Stichwort Vorjahr. Da hat die Austria das internationale Geschäft mit Platz vier verpasst. Was muss sich heuer ändern, damit dieses Szenario nicht wieder eintritt?
Ich denke nicht, dass sich so viel verändern muss. Im Vorjahr hat nur ein Punkt auf die Admira und Rang drei gefehlt. Die Spieler haben mehr Qualität als den vierten Platz. Man muss an Kleinigkeiten arbeiten. Zum Beispiel sind in der vorigen Saison zu viele Partien in den letzten Minuten noch verloren gegangen oder man hat da noch den Ausgleich kassiert. Hier gilt es, auf der mentalen Ebene zu arbeiten, um eine Partie rüberzubringen.

In ihrem Vertrag fehlt die berüchtigte Europacupklausel, die Daxbacher und Vastic vor ihnen unter Druck gesetzt hatte. Sehen sie das als Vertrauensbeweis seitens des Vereins?
Ehrlich gesagt hätte ich mit der Klausel kein riesiges Problem gehabt. Ich glaube einfach, dass der Verein erkannt hat, dass es bessere Konstrukte gibt, um das Team voranzubringen – also etwa, dass man mehr Ruhe bekommt und die Entwicklung der Mannschaft nicht ins Stottern gerät, weil häufig der Trainer gewechselt wird.

Was sind ihre Ziele in dieser Saison?
Das Hauptziel ist das internationale Geschäft, was der Wunsch des Vereins ist. Das wäre gut für das Image und das Budget des Vereins. Zudem wollen wir attraktiven und interessanten Offensivfußball den Zuschauern bieten.

Ist für sie Red Bull Salzburg, trotz der jüngsten Blamage in der Champions-League-Qualifikation gegen den luxemburgischen Meister Düdelingen, nach wie vor Titelfavorit Nummer eins?
Ich denke schon. Sie haben von den Einzelspielern her das beste Team und von den Mitteln, die sie zur Verfügung haben, sind sie automatisch Favorit.

Am Mittwoch ist die Austria mit Verspätung in die Liga-Saison gestartet, beim Aufsteiger WAC gab es auswärts einen hart erkämpften 1:0-Sieg. Welche Schlüsse haben sie aus diesem Match gezogen?
Heuer wird die Liga sehr ausgeglichen sein. Es wird nirgendwo leicht sein, einfach drei Punkte zu holen – auch bei Wolfsberg, die einen technisch guten Fußball spielen. Es war eine knappe Partie mit dem besseren Ende für uns. Ich bin zufrieden, dass es mit dem Sieg dort geklappt hat.

Woran gilt es noch zu arbeiten?
Es gibt noch genug zu tun. Teils waren die Umschaltphasen noch zu lang, auch bei der Defensive gab es ein paar Dinge, die mir noch nicht so gefallen haben. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir diese Aspekte in den Griff bekommen.

Am Samstag wartet daheim der Schlager gegen Sturm. Die Grazer haben zuletzt gegen Salzburg 0:2 daheim verloren und dabei noch einige Abwehrschwächen offenbart. Sehen sie es als Vorteil für die Austria, dass es bei Sturm noch nicht so läuft?
Nein, ich glaube nicht. Im Gegensatz zu den meisten Beobachtern habe ich die Salzburger nicht so gut gesehen, und Sturm war bei weitem nicht so schlecht. Sturm hat ein sehr gutes Team, das gegen Salzburg nur seine Chancen nicht genutzt hat. Die Umstellung und der Neubeginn sind bei den Grazern viel extremer als bei uns, da braucht es wohl noch etwas Zeit.

Was für ein Match erwarten sie gegen Sturm am Samstag?
Ich denke, es wird für die Zuseher ein sehr interessantes, schönes Match zweier offensiv auftretender Mannschaften mit vielen Chancen werden.

Das Interview führte David Donnerer

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Kommentare

archaeopterix says:

Austria war schon immer ein schwerer Gegner, der aber sicher auch nicht defensiv spielen wird !? Vielleicht kommt uns dies etwas entgegen & wird auch ein schönes Spiel !?-

Black Boy says:

Darauf spekuliere ich auch. Ein offensiver Gegner kommt uns im Normalfall entgegen. Leider kann ich krankheitsbedingt nicht dabei sein und werde das Spiel vorm Fernseher genießen (hoffentlich ;-) )

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