Florian Kainz

"Ich kann mit der Erwartungshaltung umgehen"

Florian Kainz ist anders geworden. Selbstsicherer, souveräner, eloquenter. Das war nicht immer so. Der Youngster über Kritik in den Medien, seine Verletzung und ab wann er wieder Gas geben wird.

© Sturm12.at Peter Troissler

© Sturm12.at Peter Troissler

Florian, du bist von den Lesern von Sturm12.at zum Spieler der Frühjahrs-Saison 2011/2012 gewählt worden. Herzliche Gratulation dazu.
Danke. Es freut mich sehr, wenn ich von den Fans Feedback bekomme – und dann noch so gutes. Für das Selbstvertrauen ist es extrem wichtig, dass man Preise bekommt. Das ist natürlich eine super Sache.

Hörst du dir prinzipiell Feedback an, wenn Fans mit dir über deine Leistung sprechen, wenn Medien deine Leistung beurteilen oder zählt nur das Wort des Trainers und alles andere klammerst du aus?
Natürlich höre ich es mir an. Ich habe mir aber abgewöhnt, nach jedem Spiel meine Bewertungen durchzulesen. Wenn ich das Gefühl hatte eine gute Partie gespielt zu haben, dann lese ich mir das schon durch. Wenn ich selbst weiß, dass ich schlecht war, dann muss ich mir das nicht auch noch durchzulesen. Im Endeffekt ist es aber so, dass ich auf die Meinung des Trainers Wert lege, mir anderes Feedback zwar anhöre, mir aber keine Gedanken darüber mache, wenn es negativ ist.

Bewertungen in der Kleinen Zeitung, der Kronen Zeitung oder den Spielercheck, den wir vorige Saison noch hatten schaust du dir also nicht an?
Das kann man so auch nicht sagen. Ich schaue es mir schon an. Aber es ist nicht so, dass ich das jetzt nach jedem Spiel mache. Wie gesagt, ich weiß selbst, ob ich eine gute oder schlechte Leistung geboten habe.

Ab wann wird man denn Florian Kainz wieder benoten müssen?
Der Plan ist, dass ich nächste Woche zu laufen beginne. Zuerst stehen normale Grundlagenläufe an, danach werde ich das Programm mit Walter Niederkofler steigern und auch wieder intensiv ins Krafttraining einsteigen. Zur Länderspielpause Anfang September (11.9. gegen Deutschland, Anm.) kann ich hoffentlich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

© Sturm12.at Peter Troissler

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Was für eine Verletzung hattest du denn eigentlich? Man hat gehört du hast einen Bluterguss in der Wade und dann musste doch operiert werden. Was war denn da genau?
Das ist von den Medien falsch vermittelt worden. Es war nie ein normaler Bluterguss. Beim Nationalteam habe ich einen Muskelfaserriss in der Wade erlitten und im Knie war Flüssigkeit. Das Knie wurde behandelt, wodurch ein Hämatom entstanden ist. Die Flüssigkeit hat sich dann zwischen den Muskelschichten abgelagert. Ich bin dann ins Training eingestiegen, habe im Trainingslager alles trainiert. Aber es war dann so, dass die Wade extrem aufgegangen ist. Durch eine Ultraschalluntersuchung hat man die Flüssigkeit zwischen den Muskelschichten dann entdeckt. Die musste dann auch entfernt werden.

War es im Nachhinein ein Fehler, dass du ins Trainingslager eingestiegen bist? Wenn du länger pausiert hättest, hätte sich das von selbst geklärt?
Im Gegenteil. Es war gut, dass ich trainiert habe, weil so zu sehen war, dass sich meine Wade aufbläst wie ein Ballon und eine Operation notwendig war. Wenn ich länger nicht trainiert hätte, hätte sich das noch länger hinausgezögert.

Keine Verletzung kommt zu einem guten Zeitpunkt. Aber ist deine nicht noch blöder? Neuer Trainer, neues System, du hattest keine Möglichkeit die ganze Vorbereitung mitzumachen.
Einerseits war es gut, dass ich mich in der Vorbereitung verletzt habe und nicht mitten in der Saison, weil ich so viel weniger Spiele versäume. Andererseits ist es, wie du gesagt hast, ein extrem unguter Zeitpunkt, weil man in der Vorbereitung bei einem neuen Trainer vermehrt auf das System trainiert. Aber für eine Verletzung gibt es prinzipiell keinen guten oder schlechten Zeitpunkt.

Bei der Pressekonferenz gestern hatte man das Gefühl Peter Hyballa erwartet sich sehr viel von dir.
Das sehe ich auch so. Im Trainingslager habe ich bemerkt, dass er relativ viel von mir erwartet. Natürlich auch, weil ich im Frühjahr Shootingstar und Youngster des Jahres war, in den Medien viel geschrieben worden ist. Natürlich erwartet er da viel von mir, möchte noch mehr aus mir herausholen. Er kann mit jungen Spielern sehr gut umgehen und ich denke, dass er, wenn ich wieder ganz fit bin, für meine persönliche Entwicklung ein guter Trainer sein wird.

Wenn ich dann einmal nicht so gut spiele, werden mich die Medien anschießen, das ist klar. Aber das weiß ich und damit werde ich umgehen können.

Florian Kainz

Du hast selbst die Worte Shootingstar und Youngster verwendet. Ist das ein Druck, der dich stört?
Ich muss ohnehin mit jeder Bezeichnung, mit der ich konfrontiert werde, umgehen. Es ist für mich aber kein besonderer Druck. Natürlich weiß ich, dass die Fans in der Saison mehr von mir erwarten, weil ich letztes Jahr speziell im Frühjahr gute Leistungen geboten habe. Wenn ich dann einmal nicht so gut spiele, werden mich die Medien anschießen, das ist klar. Aber das weiß ich und damit werde ich umgehen können.

Du hast Sturm während deiner Verletzung aus einer gewissen Distanz beobachten können. Wie beurteilst du den Saisonauftakt?
Eigentlich gut, obwohl die Ergebnisse nicht so waren, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich finde gegen Salzburg haben wir gut gespielt, aber die ersten zwanzig Minuten verschlafen und dann keine Tore gemacht, gegen die Austria auch gut gespielt, wobei wir da schon glücklich gewonnen haben. Und jetzt gegen Mattersburg war es nicht so berauschend, aber das ist klar, dass man am Anfang Partien hat, wo noch nicht alles greift. Im Endeffekt bin ich von der Leistung im Training und in den Spielen sehr positiv überrascht.

Das heißt die Stimmung in der Mannschaft ist intakt.
Die Stimmung ist gut, da gibt es nichts. 

Man liest immer von Unruhen, die im Verein herrschen sollen. Sind diese Unruhen ein mediales Konstrukt oder nimmst du die auch wahr?
Wenn im Training etwas vorfällt, wird das natürlich von den Medien größer gemacht als es eigentlich ist. Jetzt wo wir einen neuen Trainer haben, will sich jeder im Training noch mehr beweisen. Da gibt es einfach ein paar die besonders ehrgeizig sind, das ist nun einmal so. Aber es ist auch so, dass wir intern nicht nur Freunde sein können und dass es Reibereien gibt. Wir haben jetzt wieder einen gr0ßen Kader, da ist klar, dass nicht alles rein läuft. Aber als Unruhen würde ich das nicht bezeichnen.

Du hast einige Trainingseinheiten unter Peter Hyballa machen können. Wo würdest du einen Unterschied zu Franco Foda festmachen?
Jeder Trainer ist anders, jeder Trainer hat seine eigenen Ansichten. Bei Peter Hyballa war es so, dass wir extrem viel Passspiel gemacht haben, sehr viele intensive, kurze Übungen. Bei Franco Foda haben wir wöchentlich ein, zwei Mal Taktik trainiert. Da ist es darum gegangen, wie wir verschieben sollen, aber auch um die spezifische Vorbereitung auf den Gegner. Es ist aber nicht entscheidend, wie der Trainer trainieren lässt, sondern wie wir das im Spiel dann umsetzen.

Peter Hyballa legt Wert auf die Offensive, Franco Foda war die Defensive wichtig. Äußert sich das irgendwie im Training?
Das ist aus meiner Sicht schwer zu sagen, weil ich nur eine Woche trainiert habe. Aber bei Franco Foda war es am Anfang ja auch so, dass er, zur Zeit von Basti Prödl, offensiv spielen ließ. Da war Sturm offensiv überragend in der Liga. Am Schluss war es aber schon so, dass wir vermehrt darauf geachtet haben, dass wir gut stehen und unsere Spielsituationen gut aufbauen können. Bei Peter Hyballa ist das jetzt alles wieder offensiver – aber wie sich das im Training äußert, kann ich nicht beantworten.

Peter Hyballa setzte in den ersten Partien auf ein 4-4-2 mit Raute. Auf welcher Position siehst du dich in dem System?
Halblinks, halbrechts. Auf jeden Fall auf der Halbposition. Zur Position hinter den Spitzen kann ich jetzt nicht viel sagen, weil ich dort noch nie gespielt habe. Aber das ist auch eine sehr attraktive Position. Wir haben aber auf jeder Position sehr viele gute Spieler. Ich muss also schauen, dass ich überhaupt spiele. Wenn ich von meiner Verletzung zurück komme, muss ich einfach Gas geben.

Wirst du dir das Spiel am Samstag anschauen?
Ja, sicher.

Was tippst du?
Ich glaube, dass wir das Spiel gewinnen werden.

Das Interview führte Clemens Ticar.

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Kommentare

saurons_mouth says:

“Zur Position hinter den Spitzen kann ich jetzt nicht viel sagen, weil ich dort noch nie gespielt habe.” hat kainz nicht einmal letzte saison im ZOM gespielt?
und @ct: mal wieder ein TOP interview von dir!

zwergbumsti says:

Daran könnte ich mich nicht erinnern. Soviel ich mitgekriegt hab spielte Kainz ausschließlich auf der außenbahn

archaeopterix says:

Ich bin überzeugt, mit Kainz kommt zusätzliche Qualität in unser Offensivspiel hinein!Leider dauert es sicher bis Herbst !?? …

warum sind die fotos von diesem artikel und vom “mediabriefing” so graustichig? die schauen alle aus wie leichen…

mautner-markhof says:

non color mit viel contrast… is ein farbtrend … seit ca. 5 jahren … haste anscheinend verpasst!

Instragram ist auch ein Trend, nur außerhalb seines “Social-Networking-Lebens” sollte man damit eher sparsam umgehen. Will sagen, technisch eh gut, nur für dieses Format eher unpassend.

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