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© 2012 SturmTifo.com

David Schloffer

Der kämpfende Techniker

Seit frühester Kindheit hegt David Schloffer eine Affinität zu Sturm Graz. Jetzt trägt er selbst das Trikot, das einst nur seine Ikonen überstreiften. Ikonen wie Ivica Vastic. Sturm12.at erzählt er die Geschichte seiner noch jungen Karriere.

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David Schloffer steht seit der Saisonvorbereitung diesen Jahres im Kader der Kampfmannschaft. Ein Jugendtraum ging für ihn damit in Erfüllung. Es war ein langer und schwerer Weg, doch er lernte bereits in seiner Kindheit Dingen die nötige Zeit zu geben, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, den Blick stets nach vorne zu richten und nicht aufzugeben. Unter Christian Peintinger avancierte er 2010 erst in der zweiten Saisonhälfte zum Stammspieler, jene Rolle, die ihm unter Dietmar Pegam und Markus Schopp in der darauffolgenden Saison erhalten blieb und ihm letztendlich den ersehnten Aufstieg in neuformierte Mannschaft von Sturm Graz bescherte. Peter Hyballa und Ayhan Tumani schenkten ihm in allen fünf Begegnungen dieser noch jungen Saison bereits ihr Vertrauen. Insgesamt stand er 73 Minuten als Profi auf dem Spielfeld. Und hat noch lange nicht genug.

“Vastic war immer mein liebster Spieler.”
David Schloffer

Der Anfang
Im Jänner 1999 begann David Schloffer im Alter von sechs Jahren in der südsteirischen Gemeinde Markt Hartmannsdorf beim örtlichen USV Hartmannsdorf Fußball zu spielen. “Als ich fünf war meinte mein Vater noch, dass ich zu jung für einen Verein bin. Mein Nachbar, der damals schon gespielt hat, hat mich dann einmal zum Training mitgenommen und dann dauerte es nicht mehr lange bis ich auch begonnen habe. Ich war der Kleinste unter den Großen.” Das Leben des angehenden Fußballers änderte sich dabei nur geringfügig. “Für mich wurde es schnell zur Gewohnheit, dass ich unter der Woche zum Training gehe und am Wochenende Spieltag ist.”

Sein Herz war schon von klein auf schwarz-weiß. “Ich war schon immer Sturmfan”, stellt der heute 20-Jährige klar. Und auch einen sehr bekannten Namen aus dieser Zeit sollte er sich zum Vorbild nehmen: “Vastic war immer mein liebster Spieler.” Ein Spieler, mit dem er sich heute aber nicht vergleicht: “Ich bin offensiv überall einsetzbar, muss aber noch an meiner Übersicht und am Stellungsspiel arbeiten. Ein Vastic-Typ bin ich sicher nicht.”

Als Sechsjähriger sollte es  jedoch noch einige Zeit dauern, bis sein Traum, einmal für Sturm spielen zu dürfen, Realität werden sollte. Die Gegenwart hieß damals noch USV Hartmannsdorf. Eine Zeit, die er sehr schätzt und auf die er sehr gerne zurückblickt: “Wir haben damals alles in der Region gewonnen. Ich habe so ziemlich auf jeder Position gespielt, aber überwiegend in der Offensive als Stürmer, da Tore schießen für mich das Schönste war. Es ist aber auch einmal vorgekommen, dass ich bei einem Turnier einmal als Verteidiger oder Libero auf dem Spielfeld gestanden bin.”

Wenn man David Schloffer heute als Spieler beobachtet, dann erkennt man schnell, dass er über eine technische Versierheit verfügt, die an die typischen Wiener Käfigfußballer erinnert. Diese Klasse hat er sich rund um die Trainingseinheiten erarbeitet. “Wenn wir um vier Uhr nachmittags Training hatten, dann haben wir um drei bereits auf die Tore geschossen, dann hatten wir Training und haben uns danach nochmal getroffen und weitergespielt. Und das jeden Tag, weil es Spaß gemacht hat. Da haben wir oft vier fünf Stunden als Kinder mit Fußball verbracht und gegaberlt.”

Das “Turnier der Knöpfe”
Im Juli 2004 hatte er es dann endlich geschafft, er war Spieler von Sturm Graz und besuchte fortan die Akademie der Schwarz-Weißen. Beim sogenannten “Turnier der Knöpfe” in Markt Hartmannsdorf wurde der heutige Teambetreuer der zweiten Mannschaft und damalige Trainer im Nachwuchs, Robert Jerovsek, erstmals auf  Schloffer aufmerksam. Zu einem Engagement sollte es jedoch vorerst nicht kommen. “Es hat sich verzögert, da ich noch die Hauptschule bei uns im Ort beenden musste. Und somit spielte noch ein Jahr beim Verein. Aber wenn du ein Angebot von Sturm bekommst, dann willst du natürlich unbedingt gleich dort spielen. Aber es dauerte halt noch eine Zeit. Mein Vater ist dann mit mir immer zu den Trainings gefahren.” Für ihn war es natürlich eine Umstellung, vom Dorfklub zu jenem Verein zu wechseln, dem er seit seiner frühesten Kindheit sein Herz geschenkt hatte. “Es war natürlich etwas anderes. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, bis ich mich so richtig eingelebt hatte.” Damals hatte sich auch noch ein weiterer Verein für das junge Talent interessiert: der GAK. “Das hat mich als Sturmfan aber nie interessiert.”

“Dass ich einmal Profi werden kann, habe ich immer geglaubt.”
David Schloffer

Rückschläge
Seine Zeit bei Sturm wurde auch von einem Konkurs begleitet, den er aber als “junger Spieler nicht so mitgekriegt” hat. “Meine Eltern haben darüber gesprochen, ich bin ja zu dieser Zeit eigentlich gerade in die Akademie gekommen. Aber ich konnte mir nie vorstellen, dass es mit Sturm aus ist oder es den Verein nicht mehr gibt.” Wie der Verein erlebte auch Schloffer Rückschläge- “Mit 16 Jahren hatte ich eine schwere Verletzung. Es dauerte ein halbes Jahr bis ich wieder fit war. Nur in kleinen Schritten konnte ich wieder zurückkommen.”

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Ungewisse Zukunft
Mit 18 Jahren schaffte er unter Christian Peintinger den Aufstieg in den Kader der Sturm Amateure. Wie zahlreiche andere Spieler war es auch für den Mittelfeldspieler ein schwerer Schritt vom Nachwuchs- in den Erwachsenenfußball: “Ich war zugegeben nicht der zweikampfstärkste Spieler und da das Spiel in der Regionalliga deutlich körperbetonter ist, war es ein sehr schwerer Schritt.” Seine Zeit in der zweiten Mannschaft erforderte Geduld. Zunächst sollte Alexander Rother den Vorzug bekommen, erst nach dem Trainingslager mit der Kampfmannschaft bekam Schloffer die erwarteten Einsatzminuten in der Regionalliga. “Ich bin eigentlich als Reservist mit auf Trainingslager geflogen und spielte dann eigentlich so gut wie immer.” Zudem hatte er damals einige Optionen den Verein zu wechseln. “Ich hatte einige Angebote aus der zweiten Liga.” Auch schon während der seiner Zeit in der schwarz-weißen Akademie hätte er die Möglichkeit gehabt seine Ausbildung woanders fortzusetzen, doch “das ist wegen der Schule nicht gegangen. Mir war sehr wichtig, dass ich die Matura habe. Mit 15 oder 16 weiß man ja nicht, ob man Fußballer wird oder nicht.”

Kein Einsatz für die Nationalmannschaft
Doch auch so sehr sich Schloffer anstrengte, für einen Einsatz für eine der Nachwuchsnationalmannschaft Österreichs sollte es nie reichen: “Ich weiß nicht warum. Als ich noch für die U15 spielte wurde ich mit 13 Toren Dritter oder Vierter der Torschützenliste in der Toto-Jugendliga und stand einmal auf Abruf. Dann war es nie mehr wirklich ein Thema. Und kurz darauf folgte ja meine Verletzung.”

Eine letzte Saison als Amateur
Seine letzte offizielle Saison in der zweiten Mannschaft beendete er mit 29 Spielen in der Regionalliga Mitte, fünf Toren und einem Einsatz im heimischen ÖFB-Cup. Eine Spielzeit mit der er ganz zufrieden ist: “Spielerisch bin ich zufrieden, mit der Torausbeute natürlich weniger. Im Herbst habe ich unzählige Chancen vergeben. Zu den Möglichkeiten bin ich gekommen, das war nicht das Problem. Im Frühjahr unter Schopp war es dann ebenfalls okay.” Können diese unkonstanten Leistungen auch mit dem Umstand zusammenhängen, dass die Sturm Amateure in den letzten zwei Saisonen jeweils im Abstiegskampf steckten und die Lage oftmals gefährdet wenn nicht sogar hoffnungslos erschien? “Für uns junge Spieler war es natürlich nicht leicht. In der vorherigen Saison wussten wir gar erst am letzten Spieltag, als wir mit einer ganz jungen Mannschaft Vöcklamarkt mit 3:1 besiegten, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben. Ein Abstieg in die Landesliga wäre damals wie heute eine Katastrophe. Aber ich könnte nicht sagen, dass ich in der letzten Saison den Druck hatte. Wenn, dann nur gegen Ende der Saison.”

Der Aufstieg in andere Sphären
Im Sommer 2012 beschloss der Verein einen Paradigmenwechsel vorzunehmen. Der sollte auch David Schloffer zugute kommen. Mit Peter Hyballa und Ayhan Tumani wurden zwei junge Trainer verpflichtet, die die Philosophie von Sturm Graz gänzlich änderten, aber wie auch schon Franco Foda und Thomas Kristl auf junge Spieler setzen. Fortan zählte die Nummer 18 zum Kader für die neue Saison. Eine Veränderung, die er so nicht erwartet hatte: “Es ist anders. Aber ich glaube nicht, dass es zählt ob man jung oder alt ist. Es gibt auch ältere Trainer die viel mit den Spielern sprechen und auf junge Talente setzen. Bei Hyballa fällt vor allem auf, dass er jeden Spieler gleich behandelt. Er sagt dir sofort, ob du etwas gut oder schlecht gemacht hast. Es gibt kein Versprechen, ob du nun spielst oder nicht. Es zählt die Trainingsleistung.”

Unter Franco Foda schaffte er nicht den Aufstieg in den Kader der Kampfmannschaft: “Das war sehr schwer für mich. Ich habe ihm aber zu verdanken, dass er mir die Chance gegeben hat, mich für die Kampfmannschaft zu empfehlen, damals im Trainingslager in Belek.” Und ergänzt: “In dieser Zeit hat er mir sehr viel geholfen.” Schon viele vor ihm schafften den Schritt letztendlich nicht, verblieben in den Reihen der Sturm Amateure, und hofften auf diesen einen Moment, zu dem es jedoch nie kommen sollte. So entschieden sich in der Vergangenheit Spieler wie Mario Kreimer, Robert Kothleitner, Florian Wurzinger oder jüngst Marvin Weinberger, ob des Alters von 20 bis 23 Jahren, ihre Karriere andersweitig fortzusetzen. Ob Sturm diesen Paradigmenwechsel daher dringend benötigt hat, lässt Schloffer mit seinem Statement offen: “Einer findet es gut, andere finden es weniger gut. Ich finde es schön, dass wir in Zukunft offensiver spielen und das Spiel beherrschen wollen.” 

“Mein mittelfristiges Ziel sind Einsätze, vielleicht auch ein Stammplatz. Langfristig gesehen möchte ich mich nicht festlegen. Es kann das Ausland sein, aber ein ganzes Leben bei Sturm wäre auch nicht schlecht. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Soweit denke ich nicht voraus, ich möchte mich jetzt einmal bei Sturm durchsetzen. Ich bin zu fünf Einsätzen gekommen, aber habe noch nichts erreicht.”, so definiert Schloffer, der er vor kurzem einen Vertrag bis 2014 mit Option auf zwei weitere Jahre verlängert hatte, die mittel- und langfristigen Ziele seiner Karriere.

Und wer weiß, in zehn Jahren vielleicht heißt es aus dem Munde eines jungen Fußballers irgendwann einmal: “Mein liebster Spieler war Schloffer.”