Gerhard-Hanappi-Stadion

Die "Kathedrale des Fußballs"

Rapid ist seiner Anhängerschaft nach eine Religion. In das Stadion wird somit gepilgert und dem eigentlichen Namen ein Sankt vorgesetzt. Wenn das alles in ehrliche, leidenschaftliche Emotionen umschwingt und dann auch von einem Philosophen geehrt wird, dann wird es zu einer Kathedrale.

© 2011 SturmTifo.com

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Pünktlich vor dem morgigen Schlagerduell von Sturm Graz gegen Rapid Wien startet Sturm12.at mit einer neuen Historik-Serie. Nach der Geschichte des jeweiligen Gegners geht es weiter in die Spielstätte, in der die Schwarz-Weißen am folgenden Wochenende gastieren. Los geht es somit mit einem Stadion, das nach einem WM-Dritten und Weltauswahl-Kicker benannt wurde, in dem Sturm den Grün-Weißen die höchste Heimpleite zufügte und das von Ivica Osim einen sehr ehrenvollen Beinamen erhielt.

Hanappi und sein Lebenswerk
Gerhard Hanappi. Er war Teil der jener Nationalmannschaft, die 1954 bei der WM in der Schweiz den 3. Platz erreichte, nie wieder schnitt ein Team besser ab. Der Wiener wurde zudem einmal Österreichs Fußballer des Jahres (1955), Teamkapitän und wurde zweimal in ein Welt-Auswahlteam gewählt. Nach seiner langen Karriere bei Wacker Wien und Rapid war er Architekt und erschuf sich selbst sein Lebenswerk. Das Weststadion, 1977 eröffnet, war die neue Heimstätte seiner Grün-Weißen und wurde Hanappi zu Ehren nach seinem viel zu frühen Ableben 1981 – nach Lymphdrüsenkrebs starb Hanappi mit nur 51 Jahren – in Gerhard-Hanappi-Satdion umbenannt.

Die Pfarrwiese
Kabineneingänge schräg hinter dem Tor, Holzbänke, Wellenbrecher vor einer alten, rustikalen Holztribüne, auch auf der Gegengerade stand eine solche. Eine enorm enge, drückende Atmosphäre. Das war die Pfarrwiese. Die Heimat der Hütteldorfer für rund 66 Jahre. Bis zu 20.000 Besucher drängten einst in die Spielstätte und verwandelten den Platz in einen Hexenkessel, wie man es im Hanappi-Stadion lange Zeit vermissen ließ. Zunächst für 4.000 Besucher erbaut war schnell klar, dass man ob des Zuschauerandrangs die Kapazitäten erweitern musste. Und zu Spitzenzeiten, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, hatte Rapid – auch aufgrund der oftmaligen Siedlungen ins Praterstadion für Topspiele – den noch heute gültigen Rekordzuschauerschnitt von rund 26.000 Besuchern pro Spiel. Mitverantwortlich für den Boom natürlich auch außerordentlich trefferreiche Partien, wie ein 11:2 gegen den LASK, ein 9:0 über die Vienna, das 7:5 über den Rivalen Austria, oder die bislang höchste Sturm-Niederlage der Geschichte – ein 12:1. 1977 wurde dann das noch immer aktuelle Stadion der Wiener, nur einen Katzensprung von der alten Pfarrwiese weg, erbaut und eröffnet.

“Kathedrale des Fußballs”
Doch der Zuschauerboom kam nur gelegentlich wieder. Nur 1982, als 25.000 ins völlig überfüllte Stadion pilgerten und mit einem 5:0-Erfolg über Innsbruck den Meistertitel feierten, und 1995/96 waren es wieder durchschnittlich mehr als 10.000. Und selbst das nur dank den Meisterehren und 48.000 im meisterschaftsentscheidenden Spiel gegen Sturm im Ernst-Happel-Stadion. Eher im Gegenteil war Rapid in den 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre finanziell gebeutelt und mit Imageschäden behaftet alles andere, als ein Fanmagnet. Beispielsweise 1994 kamen zum 4:2-Auswärtserfolg von Sturm ins ehemalige Weststadion gerade einmal 2.500 Zuseher. Dennoch bezeichnete ausgerechnet Sturm-Legende Ivica Osim das Stadion wenige Jahre später als “Kathedrale des Fußballs”.

Zu dieser wurde das Stadion aber erst nach der Jahrtausendwende. 2001 wurden Stadiondach, Tonanlagen und einige weitere Details grunderneuert und renoviert. Bis zum Oktober 2003 kamen Überdachungen der West- und Osttribüne hinzu. Und Sankt Hanappi wurde zu dem, was es heute ist – eine Festung. Seit dieser Saison kamen jede Saison mindest 12.000 im Schnitt, die letzten sechs Jahre waren es sogar nie unter 15.000. Knapp 600 Meisterschaftsheimspiele, sowie acht Cupfinali (darunter Sturm gegen SV Ried 1998, 1:3) und neun Länderspiele (zuletzt 2007, ein 0:0 gegen Paraguay) hat das Stadion nun am Buckel. Und in der kommenden Saison wird es wieder renoviert und wohl auch etwas ausgebaut. Bis zu 25.000 Zuschauer sollen schlussendlich 2014 in Hütteldorf Platz finden.

Den höchsten Sieg im Hanappi-Stadion erzielten die Grün-Weißen 1977 mit einem 11:1 über den GAK. Die höchste Niederlage setzte es 2007 beim legendären 5:1-Erfolg der Schwarz-Weißen in der Bundeshauptstadt.

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Kommentare

<blockquote cite="Den höchsten Sieg im Hanappi-Stadion erzielten die Grün-Weißen 1977 mit einem 11:1 über den GAK. Die höchste Niederlage setzte es 2007 beim legendären 5:1-Erfolg der Grazer in der Bundeshauptstadt."
Da könnte man doch glatt meine, dass unsere roten Freunde grün-weiß aus dem Stadion gefegt haben

vor 3-4 jahren war es noch um einiges mehr hexenkessel als heute leider! aber trotzdem Rapid-STurm das beste was Österreich zu bieten hat!

Eigentlich ist der Zuschauerschnitt von 15.000 bei den Grünen eh traurig. Bei der Einwohnerzahl und dem riesigen Einzugsgebiet. Vielleicht schreckt auch dieses sektenähnliche Getue der “Fans mit einem Verein” viele normale Zuseher ab.

saurons_mouth says:

“fans mit einem verein”, wenn ich das schon höre… der verein sollte immer an erster stelle stehen, denn ohne verein keine fans und nicht umgekehrt (siehe wr. neustadt oder rb dosen ;) ) !!!

genauso traurig ist, dass sturm nicht über den schnitt von unter 11.000 hinauskommt, seit jahren.

wien hat aber 10 mal so viele einwohner als graz, dass da bei einigen spielen teilweise nur 13.000 kommen (bei 10.600 dauerkarten) finde ich eigentlich schon verwunderlich. wenn sturm ein ausverkauftes haus hat, dann sind sogesehen 10% von graz im stadion, bei einem ausverkauften hanappi sind nichtmal 1% der wiener im stadion. das sollte man nicht vergessen. so gesehen ist der schnitt von sturm garnicht mal so schlecht.

Wien hat aber auch 2 Großklubs und viel mehr Einwohner die nicht aus Wien stammen und sich nicht mit den Wiener Vereinen identifizieren können.

Das kannst du nicht 1:1 vergleichen, absolut nicht.

@sektor12 du weißt schon dass Graz mehr als 150000 Einwohner hat oder?

sturm1972 says:

Da bei den Sturmspielen mindestens 2/3 der Zuschauer nicht aus Graz kommen,ist die Diskussion über das Verhältnis zwischen der Grazer Einwohnerzahl und der Besucheranzahl überflüssig !

@ jp Und die Jahre 2007 bis 2011 zählen für dich nicht: Gesamtschnitt 11.866? Mehr ist selbstverständlich immer besser, gewünscht und verbunden mit der Frage: Wie groß ist das Potenzial – das wird vor allem für die Verantwortlichen von großer Wichtigkeit sein, die planen, die UPC-Arena zuschauermäßig auszubauen bzw. aufzustocken

Hanappi Stadion? Ein hässlicher Betonklotz an der Peripherie…genau richtig für Rabid. :D

vic_blacky says:

vollkommen richtig ;)

Tja, die Grünen… Was soll man zu denen eigentlich noch sagen?? Womöglich Rekordmeisterlügner?! ;)
Eigentlich ein durch und durch unnötiger verein…

ich finde das stadion ist alt, baufällig und richtig hässlich. kein schöner ort um fußball zu schauen. es mag vielleicht tradition haben das stadion, aber ich finde das stadion ist überhaupt nichts besonderes.

Der beste auswärtssektor in der Bundesliga (ausgenommen Infrastruktur )

Ein Stadion mit Charme und Kult. Ähnlich wie das Horr Stadion. Die gesichtslosen, neuen Einheits-Stadien, wie eben das neue Liebenauer Stadion, können da nie mithalten. Nebenbei sollte auch bemerkt werden, dass das Gerhard Hanappi Stadion anfangs eigentlich für beide Wiener Großklubs, also auch die Austria, vorgesehen war.

Eigentlich ist es meiner Meinung nach aber auch ziemlich egal, wie ein Stadion aussieht – wichtig ist der Verein, der dort spielt und wichtig sind auch die Fans, die dort für die Atmosphäre sorgen. Ob wir jetzt in einer solch typischen Einheitsarena stehen oder von mir aus auf einem Fußballplatz mit Naturtribünen – entscheidend für den Kultstatus sind andere Faktoren als die Optik und Architektur des Stadions! Für den ganz speziellen Charme sorgen im Endeffekt die Mannschaft und die Fans. Sie erzeugen die vielen wichtigen sich langsam mehrenden Erinnerungen, die einer Spielstätte ihren ideellen Wert verschaffen. Diese ideelle Besonderheit ist im Endeffekt nur davon abhängig, wieviel “Kultiges” dort “stattfindet” – so könnte man z.B. das 1:0 von Mario Haas gegen Real Madrid (trotz Niederlage) als eine dieser Erinnerungen sehen oder auch das filmreife Finale des letzten Spieles in der Saison 2010/11, indem Sturm zwar schon vor Spielende als Meister feststand, aber trotzdem noch den Sieg gegen Wacker drauflegte! Das schneereiche 2:0 im Cup gegen Salzburg, das 4:1 gegen Bregenz, als es um den Klassenerhalt ging, das letzte richtige Grazer Derby, das 1:1 gegen Salzburg kurz vor der Winterpause als Sturm Winterkönig wurde, das gesamte Spiel gegen Juve, in dem FlashGordon zum kurzzeitigen 1:1 ausglich, das gemeinsame Auftreten von Sturm- und Rapidfans gegen die Fekter, viele geniale Choreos und Stimmungsmomente mit Gänsehautfaktor…nur eine kleine Auswahl an Beispielen!

@pukl: Kann dir in vielen Punkten nur zustimmen, auch wenn ein Kultverein in Kombination mit einem kultigen Stadion (das auch durchaus ein hochmodernes sein kann – wie etwa mMn in Dortmund, Düsseldorf, oder Frankfurt der Fall) natürlich noch einiges mehr an Anreiz bietet. ;)

sturmfan09 says:

Haben wir es nötig?

Haben wir es nötig uns per Spruchban für den Gegner extra anzukündigen und haben wir es nötig deren Stadion 2 Tage zuvor zu huldigen, Kult hin oder her??

Es geht weder um Real Madrid noch um die Anfield Road sondern um Rapid und deren Hanappi!!

Also große Spiele (besonders Auswärtsfahrten, bei denen JEDER Fan zählt) per Spruchband anzukündigen ist doch längst nichts Neues mehr. Und vom Vorwurf einer “Huldigung des Stadions” nehme sowieso Abstand! Es ist ein Teil einer historischen Serie auf dieser Seite, nicht mehr und nicht weniger.

Beim Spruchband geht es darum alles zu mobilisieren um das hanappi zu rocken! Das Spiel der spiele in der Liga!

Ich wusste vor dem Beitrag nicht, dass Gerhard Hanappi in der Weltauswahl gekickt hat. Danke für die Info und Nein, das war nicht sarkastisch. Dem Stadion huldigen? Es ist gerade für so ein kleines Land wie Österreich wichtig, dass man Fussball feiert.

Weil wenn ich mir die Vorberichte vom Länderspiel gegen die Türkei angesehen habe, dann hab ich das typische österreichische Bild gesehen und gehört: “De kennan eh ne kicken, de verliern gegen de Tirkn”. Tut mir Leid, mit solchen destruktiven Leuten möchte ich nicht in einen Topf geworfen werden. Am Ende sind wir alle Fussballfans, egal in welcher Ecke des Stadions man sitzt.

Eine modernisierung vom Hanappi-Stadion tut dem österreichschen Fussball gut, egal wie es finanziert wird. Der Zuseherschnitt wird gehoben und der Werbewert der Liga steigt. Sollte es auch bei Sturm irgendwann dazu kommen, dass das Stadion erneuert wird, dann hat das auch einen guten Einfluss auf die Liga.

archaeopterix says:

Die historische Info von bs@ ist ausgezeichnet ! Rapid ist einmal ein Kultklub in Österreich un wenn sie nach Graz kommen hatten wir schon immer ein volles Haus !!- Auch mein 1. Spiel in der Gruabn war 1938 in der Gruabn ! Ich habe Gerhard Hanappi in der damals noch spielenden Weltauswahl nach dem Krieg gesehen ! Kapitän war damals Ernst Ocwirk von der Austria und im Tor Walter Zemann von Rapid – alles Spieler mit Sonderklasse ; man sieht auch damals den Stellenwert von österreichischen Fußballern in der Welt ….. !!!

War da nicht der Turl Brinek nicht auch dabei?

sturm1972 says:

@archaeopterix :
Gib uns Bescheid,wann du deinen 100er feierst,dann organisieren wir eine Party !! Kann ja nicht mehr lange dauern,wenn du 1938 schon in der Gruabn warst !!!

archaeopterix says:

@ leomann : Nein, Turl Brinek war n. m. E. nie beim jährlichen Weltteam dabei, das dann auch 1 mal gespielt hat .- Aber mir ist Brinek in bester Erinnerung ! Er war auch ein Klassespieler bei Wacker Wien , groß und etwas übergewichtig ! – Er schoß uns 2 Tore in einem einzigen Spiel in der Gruabn im Südtor. Es waren 2 Freistöße, einer Links oben ins Kreuz, der 2. rechts oben …..

archaeopterix says:

sturm 1972@: archae ist halt eimal älter ! Danke für die ehrenvolle aufmerksame Einladung – wird eine schöne Fete ! – Gut , daß ich mich an einige Kleinigkeiten noch erinnere …..

@jt
Möchte hiermit archaeopterix für einen 12er-Stammtisch “Sturmzeugen” vorschlagen!!

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