Chants & Goals

Der August

Über den Wert von Vertrauen und Geduld, über Versprechen, die zu schönsten Hoffnungen Anlass geben und über das Selbstverständnis von Fans an sogenannten schlechten Tagen. Mit der passenden Musik von Pink Floyd, Mudhoney, Matthew Dear, Julian Cope u.a.

© Sturm12.at

04.08.2012:  SV Mattersburg – Sturm Graz 3:1  ( Sukuta-Pasu )
JULIAN COPE: ” Trampolene ”
DUM DUM GIRLS: ” Bedroom Eyes “

Auswärtsfahrten nach Mattersburg gleichen sehr oft dem Öffnen eines der in den 70er-Jahren sehr beliebten Überraschungssackerl – Freude und Enttäuschung lagen da oft sehr nah beieinander und man konnte sich nie sicher sein, was einen beim Blick ins Sackerl wohl erwarten würde. Das Pappelstadion in Mattersburg bietet die Gewissheit einer ordentlichen und bezahlbaren Verpflegung, einer der Nachkriegszeit nachempfundenen Gestaltung der Tribünen für die Fans der Gästemannschaft und ein Heimpublikum, dessen Begeisterungsfähigkeit wohl der Stille und Weite des Burgenlandes geschuldet ist. Damit erschöpft sich die Aufzählung der Mattersburger Gewissheiten aber schon – die Spiele gegen den burgenländischen Bundesligisten ähneln dagegen meist einer unvorhersehbaren Geisterbahnfahrt: spannend, überraschend und immer ein wenig gruselig. Man erinnere sich an langweilige 0:0-Partien mit anschließenden Fanprotesten per Busblockaden, unglaubliche 6:5-Siege nach 5:0-Führung im Schneetreiben und in der Nachspielzeit “verschenkten” 3:1-Führungen. Das Spiel am 04.08.2012 reihte sich nahtlos in die Serie der ungewöhnlichen Mattersburg-Auftritte des SK Sturm Graz ein. Einer überzeugenden ersten Halbzeit mit dem ersten Pflichtspieltor des potentiellen Publikumslieblings Richard Sukuta-Pasu folgten nach der Pause 48 ” verschlafene Schlafzimmerblick”-Minuten mit bösem Erwachen – einer bitteren 1:3-Niederlage nach späten Gegentoren der Mattersburger. Auch wenn es nicht allen Auswärtsfahrern in der ersten Enttäuschung bewußt war – Vertrauen und Geduld waren im August noch öfter gefordert.

11.08.2012: Sturm Graz – Wolfsberger AC  4:1  ( Okotie 2, Sukuta-Pasu, Szabics )
MATTHEW DEAR: ” Don And Sherri ”
JAPANDROIDS: ” The House That Heaven Built “

Eine Woche nach der enttäuschenden Niederlage in Mattersburg war der Aufsteiger aus dem benachbarten Bundesland, der Wolfsberger AC  in Graz zu Gast und bewies mit einigen Hundertschaften von Gästefans und einem spielerisch überzeugenden Auftreten der Mannschaft, dass er durchaus eine Bereicherung für die höchste österreichische Spielklasse darstellen kann. Die organisierten Gruppen der Grazer Nordkurve sorgten mit stimmungsvollen Gesängen und dem mittlerweile etablierten Sturm-Klatscher für sehr gute Stimmung, warben per Spruchband am Stadionvorplatz – ” Rapid wir kommen” – für das bevorstehende Auswärtsspiel in Wien-Hütteldorf und nahmen auch die Grazer Sportpolitik ins Visier: ” Sturmnachwuchs-Förderung: 500.000 Euro: Gestrichen  -  Erneute GAK-Rettung: 1,7 Millionen: Akzeptiert”. Ebenso motiviert und ambitioniert agierten die elf Sturm-Akteure auf dem Liebenauer Rasen und überzeugten nach dem kurzzeitigen Schock eines 0:1-Rückstandes mit einer trefferreichen und von Tempo, Spielwitz und Lauffreudigkeit bestimmten Leistung, die nicht weniger als ein echtes Versprechen war, das zu schönsten Hoffnungen Anlass gab.

18.08.2012: Rapid Wien – Sturm Graz 3:0
THE FRESH & ONLYS: ” Presence Of Mind ”
O EMPEROR: ” Po “

Nicht weniger als ca. 1500 Sturm Graz-Fans machten sich an einem heißen Samstagnachmittag auf den Weg, um ihre Mannschaft beim Meisterschaftsspiel gegen Rapid Wien stimmkräftig zu unterstützen – die Anfahrt gestaltete sich für die per Bus reisenden Aficionados wieder einmal als eine Mischung aus Vorfreude, Slapstick und Ärgernis. Wieso die Exekutive in Wien es jedes Mal schafft, grundsätzlich im Rahmen bleibendes Verhalten beinahe zum Kippen zu bringen, entzieht sich meiner Kenntnis, entbehrt aber jeder Logik was die Grundschule der Konfliktvermeidung betrifft. Während also die Wiener Exekutive an diesem Samstag zuviel Motivation und Aggressivität an den Tag legte, schien die Truppe von Peter Hyballa jegliche Aggressivität und Motivation in der Kabine gelassen zu haben und ergab sich beinahe ohne Gegenwehr ihrem Schicksal und taumelte hilflos in eine 0:3-Niederlage. Einer der per Bus reisenden Aficionados brachte es scharf zugespitzt auf den Punkt: ” Das war heute eine bodullose Frechheit mit zwei faulen Gratz(eiern) “.

25.08.2012: Sturm Graz – Admira Wacker 3:2 ( Sukuta-Pasu 2, Vujadinovic )
PINK FLOYD: ” Wish You Were Here ”
MUDHONEY: ” You Got It ( Keep It Out Of My Face ) “

Veränderung benötigt Zeit, neue Wege einzuschlagen ebenso und Geduld zu haben sollte zum Selbstverständnis von Fußballfans gehören. Nur so ist eine Saison wie die bisherige ohne temporäre psychische Beeinträchtigungen zu verkraften, glichen die ersten sechs Meisterschaftsrunden doch einer Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsgurt. Das Heimspiel gegen die wackeren Admiraner von Didi Kühbauer ließ wunderschöne Momente sehr abrupt auf blankes Entsetzen prallen, um sich nach einigen Schreckmomenten doch noch in einem kollektiven Freudentaumel aufzulösen. Anders formuliert, folgten einer glanzvollen ersten Halbzeit mit einer verdienten 2:0-Pausenführung unverständlich hilflose 20 Minuten nach Wiederanpfiff, die erst nach der Einwechslung von Edeljoker David Schloffer und Martin Ehrenreich durch das Siegestor von Richard Sukuta-Pasu endgültig und erfolgreich überwunden wurden. Ein das Stadionrund trotz der enttäuschenden Zuseherzahl von knapp 8500 Besuchern fast zum Beben bringender Sturm-Klatscher und Extra-Sprechchöre für den zweifachen Torschützen Richard Sukuta-Pasu rundeten diesen gelungenen Fußballabend in Liebenau äußerst stimmig ab. Fazit: Unter dem neuen Trainer Peter Hyballa tut sich bei Heimspielen wieder etwas – diese Tatsache sollte sich bald herumsprechen und das Stadion bei den nächsten Heimspielen bis zum Rand füllen.

BONUSTRACK:
THE SMITHS: ” How Soon Is Now ?”

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Heimo Mürzl (hm)

Jahrgang 1962, verbrachte seine Kindheit fern großer Fußballstadien in Mariahof, einem kleinen Ort in der Obersteiermark. Die Fußball-WM 1970 in Mexiko, die unvergessene Ajax-Jahrhundertmannschaft rund um Johan Cruijff und das so unglücklich endende Messestädte-Cup-Duell von Sturm Graz gegen Arsenal London machten den von Kleinauf selbst kickenden Buben zum späteren Fußballverrückten. Mit dem Studiumbeginn in Graz wurde es ihm auch endlich möglich, sein Fantum nicht nur vor dem Fernsehschirm auszuleben, sondern selbst im Liebenauer Stadion und in der Gruabn Teil der kollektiven Emotionen zu werden. So verbringt er auch heute noch sehr viel Zeit in den diversen Weihetempeln des runden Leders, wo Sehnsüchte erzeugt und mitunter auch gestillt werden. Mit großer Freude schreibt er für das Extra der Wiener Zeitung und das SturmEcho, das Klubmagazin des SK Sturm Graz.



Kommentare

Vielleicht sollte Hyballa gleich immer vorsorglich zur Pause wechseln, damit zumindest ein bis zwei Spieler auch noch nach der Pause konzentriert sind ^^

saurons_mouth says:

und nahmen auch die Grazer Sportpolitik ins Visier: ” Sturmnachwuchs-Förderung: 500.000 Euro: Gestrichen – Erneute GAK-Rettung: 1,7 Millionen: Akzeptiert”
die 500.000 sind uns doch vom land gestrichen worden..

Wenn es vom Land gestrichen wird, könnte doch die Stadt einspringen, dass Geld vorhanden ist, beweist eben die Causa GAK.

Markelinho says:

war schon immer so der GAK wird huntertmahl geredet und sturm bekomt keinen cent
DANKE HERR NAGEL

Ich muss mir diese Text-Verschlüsselungs-App auch mal runterladen :-) “geredet”… perfekt!

Verdammt, das war als Antwort auf Markelinho gedacht, kann man das bitte löschen?

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