Mo's Corner

Irgendwann ist dann auch gut

Peter Hyballa ist ein Sprücheklopfer. Von vielen Seiten wird er darauf reduziert. Da tut man ihm unrecht. Peter Hyballa ist nämlich viel mehr als der “geile”, extrovertierte Sprücheklopfer. Genauso wie Fußball mehr als Fußball ist.

© 2011 Sturm12.at

Er klopft gern Sprüche, er raucht und trinkt mit Maß und Ziel, Understatement ist ganz sicher nicht sein Ding – Geradlinigkeit, Ehrlichkeit, Menschlichkeit und fachliche Kompetenz dagegen schon. Dass mag kein “marktgerechtes” und immer vorbildhaftes Verhalten für einen Trainer sein – aber Peter Hyballa weiß, dass ein bestimmtes Maß an Verrücktheit und Besessenheit nötig ist, um sich in dieser zuweilen skurrilen Welt des Fußballs durchzusetzen.

Wie alles, was rund ist, ist auch der Fußball ein Sinnbild für das Ungewisse, für das Glück und die Zukunft”  - Peter Handke

Für alle Vögel gibt es Lockspeisen, und jeder Mensch wird auf seine eigene Art geleitet und verleitet - J.W. v. Goethe

Wer sich für das, was er gerne hat, nicht anzünden läßt wie einen Heustadl, der hat nichts besseres verdienen können als den bösen Himmel” – Werner Schwab

Spieler sind auch keine Roboter, sie sind Menschen” – Peter Hyballa

Irgendwann ist dann auch gut.” Ein überraschender Satz aus dem Munde des scheinbaren Sprücheklopfers und Schnellsprechers Peter Hyballa. Ist dieser Satz doch weder besonders originell, und noch weniger “geil”. Und doch beschreibt er den oft manisch wirkenden und extrovertiert agierenden Menschen Peter Hyballa für mich besser als viele seiner gern zitierten “Sager”. So sehr er auf Engagement und Leidenschaft Wert legt, so sehr er den Qualitäts- und Leistungsgedanken immer wieder betont, so sehr verbirgt sich hinter dem “Konzepttrainer” Hyballa, der “Fußballlehrer” Hyballa, der über Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Zusammenhänge Bescheid weiß, der weiß, dass sich ein (funktionierender) Fußballer aus Talent, psychischen und physischen Voraussetzungen, aber auch aus Faktoren wie Fleiß und Empathie zusammensetzt und dem auch im Leistungssport Fußball Grundwerte wie Respekt und Gerechtigkeit wichtig sind. Wenn er davon spricht, wie es ihn freut, dass “die Jungs im Training mitziehen“, wenn er die Wichtigkeit seines Trainerstabes öffentlich immer wieder hervorhebt, “ohne mein tolles Betreuerteam ginge das nicht” und darauf hinweist,  dass “Fußballer auch mal Fehler machen dürfen, um sich weiterzuentwickeln”  und weil “sie Menschen und keine Roboter sind“, dann sagt das mehr über den Fußballlehrer Peter Hyballa aus, als so mancher medienwirksame Spruch und beschreibt den Menschen Peter Hyballa besser, als das von den Medien bevorzugte (Zerr)Bild des bemüht lässigen und konsequent extrovertierten Deutschen.

Eine ganze Menge Welt
Glaubt man manchen Philosophen, dann ist das Fußballspiel eine Fortsetzung des Lebens und das, was im Spiel passiert, eine Abbildung des Lebens unter speziellen Rahmenbedingungen und in der Welt des Fußballs findet sich eine ganze Menge Welt. Diese mitunter bizarre Welt, in der sich wirklich jeder zum Experten berufen fühlt und in der unablässig Emotionen im Spiel sind – Begeisterung, Ärger, Wut, Verzweiflung, Euphorie bilden das oszillierende Gefühlsfundament in diesem (Gesellschafts)Spiel, Lebensfreude und Trauer, Jubelstimmung und übergroßer Ärger liegen so nah beieinander, dass selbst vor ihren Fernsehgeräten und Laptopbildschirmen sitzende Menschen von diesem Virus erfasst werden. Und fast jeder hat natürlich alles schon vorher  gewußt oder weiß es jetzt besser.

Wer jetzt annimmt, ich wolle mich hier grundsätzlich über das Verhalten der Fans und Kunden lustig machen, über ihre besserwisserischen Kommentare, ihre schmähenden Worte, ihren begeisternde Anteilnahme, ihr Glück und ihre Trauer, der täuscht sich. Dafür liebe ich diesen Sport und sein Drumherum zu sehr. Wenn mir etwas mißfällt, dann ist es ein vorschnelles und unreflektiertes Urteilen, das Respekt und Gerechtigkeitssinn vermissen lässt. Auch wenn (viel zu viel!) Geld im Spiel ist und es ganz sicher die wichtigste Nebensache der Welt ist – es ist und bleibt ein SPIEL der und für die Massen. Und wer hinter dem Ganzen wirklich nur Fußball und nichts als Fußball entdeckt, und nicht die agierenden Menschen sieht und erkennt, der irrt sich .  Also lasst es irgendwann auch mal gut sein, bringt die notwendige Geduld auf, damit sich neue Ideen in Ruhe  weiterentwickeln können – denn nicht nur Peter Hyballa weiß “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” und “Das nächste Spiel ist immer das schwerste“.

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Heimo Mürzl (hm)

Jahrgang 1962, verbrachte seine Kindheit fern großer Fußballstadien in Mariahof, einem kleinen Ort in der Obersteiermark. Die Fußball-WM 1970 in Mexiko, die unvergessene Ajax-Jahrhundertmannschaft rund um Johan Cruijff und das so unglücklich endende Messestädte-Cup-Duell von Sturm Graz gegen Arsenal London machten den von Kleinauf selbst kickenden Buben zum späteren Fußballverrückten. Mit dem Studiumbeginn in Graz wurde es ihm auch endlich möglich, sein Fantum nicht nur vor dem Fernsehschirm auszuleben, sondern selbst im Liebenauer Stadion und in der Gruabn Teil der kollektiven Emotionen zu werden. So verbringt er auch heute noch sehr viel Zeit in den diversen Weihetempeln des runden Leders, wo Sehnsüchte erzeugt und mitunter auch gestillt werden. Mit großer Freude schreibt er für das Extra der Wiener Zeitung und das SturmEcho, das Klubmagazin des SK Sturm Graz.



Kommentare

…manchen philosophen? wer?

Sartre, um einen der berühmtesten zu nennen.

Klingt wie Ror Wolf nur falsch zitiert bzw abgeändert. Das leben ist die Fortsetzung des Fußballspiels, nicht umgekehrt.

Auch schön, Albert Camus:
“Denn auch wenn mir die Welt in all den Jahren einiges geboten hat, alles, was ich schließlich am sichersten über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball, habe ich bei RUA gelernt.”
http://philo.at/pipermail/philweb/2009-March/003480.html

jorge diaz says:

entwickelt sich da eine echte liebesbeziehung zw. dem verfasser dieses artikels und dem cheftrainer? blinde liebe, ohne die auswirkungen zu hinterfragen?

Welche Auswirkungen?Spieler die gefordert und gefördert werden und deshalb als Menschen wachsen können und nicht mit gestrichenen vollen Hosen wie leckgeschlagene Roboter über das Feld traben?Eine offensivere Spielweise, die mehr den Geist des Vereins entspricht, als es in den letzten Jahren der Fall war?Es rein um die Leistung geht, ob jemand spielt oder nicht?Damit kann ich leben.

gruabnjunior says:

@matto: Die Frage von “jorge diaz” ist insofern berechtigt, als dieser Artikel (bewußt oder unbewußt) versucht einen Teil von Hyballa (den intelligenten, empathischen) als den realen Hyballa zu beschreiben. (PS: Ich bemerke das als ausgesprochener Befürworter seiner Trainertätigkeit bei Sturm). Was nicht vorkommt ist der kritische Blick auf manche Dinge*, bei denen es sich Lohnen würde. Der sollte, auch wenn man ihm richtigerweise VIEL Zeit gibt, in subtiler Form immer da sein. *) Ich meine zB. die Aussage Mentaltrainer bräuchte er in seinem Betreuerstab keinen, die Spieler sollten quasi gefälligst selbst einen Doc aufsuchen wenn sie ein Problem haben. Ein psychologischer Fachmann wäre jederzeit ebenso ablösefrei zu haben wie Tobias Kainz und verdient wahrscheinlich auch noch weniger. Wird trotzdem als Firlefanz abgetan. Wenn sich ein Trainer als moderner Leader definiert, dann muß man ihm mangelnde Fortschrittlichkeit in Teilbereichen (hier ist also plötzlich Schluß mit progressiver Denker der auf ein Team baut?) – bei erster Gelebenheit – als groben Fehler vor Augen halten / ganz laut ins Ohr flüstern. Das wird im angesprochenen Fall niemand bei Sturm (ob neu oder alt) machen, der Boulevard schon gar nicht, der wird ihn genau für diese Blödheit ein Stück weit besser akzeptieren. Von Sturm12 Redakteuren erwarte ich mir jedoch, daß sie hier dem neuen Mann von Beginn weg auf den Zahn fühlen. Denn in dieser Causa muß man dem Trainer keine Zeit geben – Hyballa kann nicht ernsthaft sich selbst als Mentalcoach und Cheftrainer in Personalunion ansehen. (Tut er wohl auch nicht). Diese Flanke ist offen und wird das (egal wie empathisch der Coach den Spielern gegenüber auftritt) auch bleiben solange kein Umdenken und Fehler eingestehen stattfindet. Dazu wiederum braucht es eben kritischere Sichtweisen und Kommentare als in diesem Mo’s Corner zu finden sind.

jetzt weiss ich also das hyballa raucht und in massen trinkt.er sagt auch solche sätze wie:“Fußballer auch mal Fehler machen dürfen, um sich weiterzuentwickeln,

mir erschliesst sich der inhalt des artikels nicht.der autor will gegen ein angebliches zerrbild der medien von hyballa ankämpfen und bemüht seinerseits nur relativ inhaltsleere statements.hyballa bringt einen das auch nicht näher.

wie überhaupt der ganze artikel wohl eher dazu dienen soll das der autor seinen schwab gesehen/gelesen hat.
das ganze wirkt fast so als hätte hier der zwillingsbruder von christoph leitl mal versucht einen möglichst gescheiten artikel über fussball zu schreiben.

jorge diaz says:

genauso ist es!! dem herrn mürzl (aufgrund seines lebensalters müsste er das eigentlich schon selbst zur Genüge erfahren haben) ins Stammbuch geschrieben:

Liebe auf den ersten blick ist anfangs zwar intensiv, kühlt aber relativ rasch ab und endet in enttäuschung
Echte liebe entwickelt sich langsam, dauert aber immerwährend

Also geben wir PH auch die chance sich kritisch mit ihm auseinandersetzen zu dürfen. Vielleicht hat er sich genau das verdient.
Dem OSIM ist im Herbst 1994 noch keine solche blinde Euphorie entgegen geschwappt. Eventuell wär das sogar für diesen, größten aller Trainer, dies zuviel Druck gewesen.

gruabnjunior says:

Also das ist mir nun auch wieder zu esoterisch. “Nur ja keine Liebe für den Trainer und schon gar nicht auf den ersten Blick”… Wieso soll man es nicht von Anfang an lieben wenn mal ein Trainer mit modernen Ideen daherkommt? Wenn sich nach einem Jahr abzeichnet, daß er nichts umsetzen kann bleibt eh noch genug Zeit zum ärgern.

gruabnjunior says:

PS: wobei ich bezweifle, daß wir uns ärgern werden ;)

hast du dazu quellen ct? würd mich interessieren…@purzel das zitat kenn ich natürlich :-D

Know-it-all says:

@soul stax
Das ist kein Artikel. Mo’s Corner gibt die Sicht Heimo Mürzls wieder. Der Beirag erhebt keinen Anspruch auf alleingültige Wahrheit und kann durchaus auch als Startpunkt für eine Diskussion gesehen werden. Wollte man den Aussagen HMs widersprechen, würde die Formulierung der eigenen Sicht auf die Dinge wohl genügen. Fragwürdige Vergleiche und/oder Unterstellungen zeugen auf jeden Fall nicht von einer gepflegten Diskussionskultur.

saurons_mouth says:

ähnlich wie die glanzparaden stellen auch die artikel von @hm jedesmal aufs neue einen anspruch an den intellekt des lesers.
danke heimo, dass du mit deinen artikeln immer wieder in die tiefe gehst und den leser auch a bisserl zum nachdenken anregst!

du hast vergessen, die 12 Meter zu erwähnen.

@jp :
Meinst du,das Heimo im letzten Absatz vergessen hat den 12 Meter zu erwähnen ?!

saurons_mouth says:

@jp: ich spreche von GUTEN artikeln, die einen ANSPRUCH an den INTELLEKT des lesers stellen.

Markelinho says:

jp deine 12 meter haben nichts mit den anspruch an den intellekt des lesers zu tun den dein 12 meter ist eine ansamlug von meinugen von Laola1.at und anderen seiten die nur so mit gerüchten um sich schmeißen und wenn dafon 10% der Gerüchte war sind ist mann schon gut dabei so kenne ich halt deinen 12 METER

Zumindest mit der Selbstironie hat er euch überlistet – der JP, dieser Fuchs!

saurons_mouth says:

TOP @another! :D

@sauron, kommentar 1: aso! @sauron, kommentar 2: bist du sicher, dass du das richtig verstanden hast?

saurons_mouth says:

@jp: bist du sicher, dass du noch unterscheiden kannst zwischen normalen aussagen, die ohne beleidigung oder seitenhiebe auskommen, und aussagen wie die deinen?

inglorious says:

@ sauron und jp: “irgendwann ist dann auch gut”, gell? ganz im ernst, habt’s euch wieder lieb!

saurons_mouth says:

wieso denn? ich finds ja nur amüsant (und lachhaft) ;)

gruabnjunior says:

find die 12meter mindestens genauso anspruchsvoll wie die corner und paraden. sorry fürs schleimen jp

Ja, finde ich auch, dass irgendwann einmal gut zu sein hat: Anfänglich war es mir unmöglich ein Fernvertrauen auf den auf den ersten Blick fußballmanischen, sturren und fetischartigen Trainer P.H. aufzubauen.
In der Zwischenzeit konnte ich mich ordentlich zu diesem Thema entspannen, da sich eine nun schon zur Gewohnheit werdende Sturm-Tradition (mit einer Ausnahme in den letzten 20 Jahren ) bestätigte: Trainer hui, Organisation und Funktionäre pfui.
Kennzeichnend zum Beispiel wie P.H. durch seine Aus- bzw. Einwechslungsstrategie gegen die Admira und durch das spontane Umstellen des Spielsystem in der 2. Rieder-Hälfte die Sieg ermöglichte und sicher stellte – Chapeau.

Summa summarum: sehr interessante Fußballpersönlichkeit und sehr konträr zu dem, was wir bisher an Sturm-Trainern erlebten

archaeopterix says:

Ich sehe Hyballa für jeden unserer Spieler als Fuśball – Lehrer , der eine moderne adäquate Spielweise kreieren kann & wird !! Ich bin überzeugt , daß er mit unseren vorhandenen Qualitäten das Maximum herausholen wird weil er auch selbst enormen Ehrgeiz hat ! Auch für Spielertransfers hat er eine gute Hand und er wird ganz sicher für einen punktuell optimalen Transfer im Winter vorausplanen !?? ………

inglorious says:

Fein geschrieben, Mo! Und wer denkt, dass Fußball und Philosphie nicht zusammenpassen, der frage nach bei Monty Python ;-) http://www.youtube.com/watch?v=ur5fGSBsfq8

100 Punkte für “unseren” neuen Trainer ! 100 Punkte auch für den Abstecher in die Philosohpie !
Allerdings würde mich interessieren, ob es noch so viele Sypathien für Hyballa gebe mit 2 bis 3 Punkten weniger auf dem Konto. :/

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