SC Wiener Neustadt/Gloggnitz - Sturm Graz Damen

Zwölf Tore, ein Trommler und ein Flitzer

Es war ein Spaziergang für die Sturm-Damen gegen Wiener Neustadt. Mit einem souveränen 12:0 bleiben die Blackies weiter Tabellenführer der zweiten Frauenliga. Neben der Leistung der Grazerinnen beeindruckten vor allem die Neustädter Fans und ein herzig-frecher Vierbeiner.

© 2012 Sturm12.at (dd)

16 Uhr, Stadion Wiener Neustadt.Von außen hat es nicht den Anschein, als würde hier heute ein Fußballspiel stattfinden. Keine fahnenschwingenden Fangruppen, die ihre Kehlen mit dem einen oder anderen Bier auf Touren bringen. Keine Heerscharen von mit Schals und Trikots ausgestatteten Anhänger oder schwer gepanzerte Polizisten sind am Vorplatz zu sehen. Securitys und Ordner? Fehlanzeige. So schnell konnte man noch nie in ein Stadion kommen.

Rahmenprogramm Vergnügungspark und Gasthaus
Im Stadion sieht es auch nicht wirklich nach Fußball aus. Da steht ein Vergnügungspark, zu dem sich einige Familien mit ihren Kleinsten begeben. Das Gasthaus nebenan ist auch gut gefüllt, die Biere fließen. Dann kommen plötzlich rund 30 schwarz-weiß und blaugestreifte Damen aufs Feld. Es ist die 5. Runde der Frauen 2. Liga Süd/Ost.

Bis zum Anpfiff füllt sich die Tribüne nur spärlich. Geschätzte 200 Zuschauer werden es wohl sein, die den Tabellenführer der zweiten Frauenliga Ost aus Graz gegen Wiener Neustadt/Gloggnitz stolpern sehen wollen. Es ist eine sehr familiäre Kulisse, viele Kinder sind da. Ein paar wackere Neustädter Schlachtenbummler mit Fahnen und ein Trommler schaffen es auch noch rechtzeitig. Trotz ihrer geringen Zahl machen sie mächtig Dampf und feuern ihre Damen an.

Veronik trifft zur Führung
Kurz nach 16 Uhr pfeift der Schiedsrichter die Begegnung an. Assistiert wird er, nun ja, von einer Ersatzspielerin der Sturm-Damen und einem zwölfjährigen Jungen, der aber mehr von seinem Smartphone begeistert scheint. So verpasste er aber einen Traumstart der Sturm-Damen, die bereits nach zwei Minuten programmgemäß mit 1:0 in Führung gingen. Ein schnörkelloser Angriff. Teamspielerin Heike Manhart fackelt im Mittelfeld nicht lange und schickt Alexandra Veronik mit einem präzisen Pass, diese stürmt allein aufs Neustädter Tor zu und bezwingt problemlos die Keeperin des Heimteams. Der bis dahin eifrige Neustädter Trommler verstummte.

Klare Angelegenheit für die Schwarz-Weißen
Es entwickelte sich ein einseitiges Fußballspiel, in denen die technisch und körperlich überlegenen Sturm-Damen Ball und Gegner laufen ließen und sich Chancen praktisch im Minutentakt erspielten. Die Neustädterinnen waren derart unter Druck, dass sie nicht aus ihrer eigenen Hälfte befreien konnten. Nach rund zehn Minuten muss es 2:0 für die Blackies stehen, doch die lassen einen Riesensitzer aus. Praktisch 30 Sekunden später macht es der Tabellenführer besser und trifft quasi vorentscheidend zum 2:0. Wieder ein kluger Pass in die Tiefe, diesmal aber auf Manhart, die dann mühe- und humorlos zum 2:0 einschieben kann. Nach zehn Minuten sah das bereits stark nach einem Spaziergang für die schwarz-weißen Damen aus.

© 2012 Sturm12.at (dd)

Nach nicht einmal einer Viertelstunde dann die Entscheidung für die steirischen Gäste. Gefährlicher Eckball zur Mitte, Veronika Hammer bringt sich in Position und köpfelt relativ unbedrängt zum 3:0 ein. Entgeisterte Blicke auf den Rängen. “Was ist los mit euch Mädels?!”, schrie eine rüstige Zuschauerin von der Tribüne, sichtlich fassungslos ob des Gezeigten. Sie musste keine zwei Minuten später das 4:0 der Sturm-Damen sehen. Wieder ein guter Eckball, wieder stand eine Sturm-Spielerin richtig und köpfelte die Kugel in die Maschen. Manhart durfte sich feiern lassen. Der lautstarken Neustädter Zuseherin war nicht zum Feiern zumute, sie donnerte ein “Reißts euch zsammen, Mädels!” aufs Feld.

Manhart macht das halbe Dutzend voll
In der selben Tonart ging es bis zur Pause weiter, praktisch aus jedem Angriff der Sturm-Damen resultierte ein Tor. Vor allem über die linke Seite spielte Christina Fischler stark. In der 25.Minute zirkelt sie eine Maßflanke auf Stephanie Kovacs, die das Leder nur mehr über die Linie drücken muss. Sturm-Coach Josef Glauninger nahm es wohlwollend zur Kenntnis und konnte beruhigt von der Bank zusehen, wie seine Schützlinge weiter aufs Tempo drückten. Schon nach gut einer halben Stunde war das halbe Dutzend voll. Heike Manhart spazierte, als ob es das Einfachste auf der Welt wäre, an sechs Neustädterinnen vorbei, überspielte dann noch die glücklose Torfrau und haute den Ball in die Maschen.

Trotz des 0:6 ließen die Neustädter Fans ihre Damen nicht im Stich, mit bewundernswerter Geduld und Hartnäckigkeit ertrugen sie das Debakel. Frenetisch bejubelten sie die erste Torchance ihrer Elf kurz vor der Pause, der Trommler holte dafür alles aus sich heraus. Ihr Enthusiasmus sprang aber nicht so recht auf die Neustädter Damen über, die noch vor der Pause zwei Treffer hinnehmen mussten. Zunächst überraschte Fischler mit einem Weitschuss vom linken Strafraumeck die bemitleidenswerte Neustädter Torfrau, dann trug sich noch Manhart zum vierten Mal in die Torschützenliste ein.

Eklatanter Klassenunterschied
8:0 für die Sturm-Damen zur Pause – eine Machtdemonstration. Ob der Einseitigkeit war es kein fußballerischer Leckerbissen, aber es war durchaus ansehnlich, was die 22 Damen auf dem Grün boten. Die Sturm-Damen zeigten einige feine Kombinationen mit schnellem Kurzpassspiel und hebelten vor allem mit Steilpässen über die linke Seite die Abwehr der Neustädterinnen aus. Diese wehrten sich tapfer und mit fairen Mitteln, der Klassenunterschied war aber doch zu eklatant. Sie ließen sich auch zu keinen Härteeinlagen hinreißen.

© 2012 Sturm12.at (dd)

In der Pause trudelten noch einige Zuseher ins schmucke Neustädter Stadion ein, gute Nachrichten konnte man ihnen nicht überbringen. “Um Gottes willen, 0:8 schon?”, entfuhr es einem älteren Herren, der sich gerade nach dem Spielstand erkundigt hatte.

Neustadt kämpft, Sturm trifft
Nach dem Seitenwechsel änderte sich nichts am Charakter des Spiels. Die Sturm-Damen schalteten aber gefühlte vier Gänge zurück, während die Neustädterinnen zumindest ein Ehrentor erzielen wollten. Die Heimelf spielte forscher und engagierter, das Tor schossen trotzdem die Steirerinnen. In der 50. Minute überhob Veronik die Torfrau des Heimteams zum 9:0. Hatte der Stadionsprecher bis dahin Spielstand und Torschützinnen durchgesagt, so beließ er es nun, demoralisiert, nur mehr beim Spielstand.

Die Neustädterinnen kämpften brav weiter. Die Zuschauer auf den Rängen, besonders der Trommler, honorierten das. Sie durften aber kein Ehrentor ihres Teams bejubeln, sondern mussten resignierend das 10:0 der Sturm-Damen mitansehen. Ein schönes Zuspiel auf Veronik und diese tunnelte die gegnerische Torfrau, die wirklich zu bemitleiden war. Die Gäste aus der Steiermark ließen trotz des hohen Vorsprungs keine Gnade walten und visierten das Dutzend an.

Geschenk zum 11:0
Nach gut einer Stunde waren es dann schon elf Treffer, die auf der Visitenkarte des Tabellenführers standen. Aus Neustädter Sicht war es ein bitterer und billiger Treffer gewesen. Ein, mit Verlaub, wirklich misslungener Abschlag der Neustädter Schlussfrau, der genau vor die Füße von Melanie Wenhardt kommt, die das Leder nur mehr ins leere Tor befördern muss.

© 2012 Sturm12.at (dd)

Danach verflachte die Partie, die Sturm-Damen legten, wie es schien, eine künstlerische Pause ein. So ergab sich rund 25 Minuten vor Schluss tatsächlich der erste Corner für die Heimelf, was natürlich den eifrigen Trommler auf den Plan rief. Auch die Zuschauer glaubten an das Wunder, frenetischer Jubel brandte auf. “Schießts ein Tor! Schießts ein Tor!”, hallte es von den Rängen. Müsste gar Sturms Torfrau Anna-Carina Kristler, die bis dahin erst einen Ball zu fangen hatte, erstmals hinter sich greifen? Die Ecke kommt gut, doch die Abwehr der Sturm Damen steht ebenso gut und haut die Kugel aus der Gefahrenzone. Ernüchterung auf der Tribüne. “Heut wird des wohl nix mehr”, meint ein rüstiger Herr folgerichtig.

Und Manhart macht das Dutzend voll
In der 71. Minute beendeten die Sturm-Damen ihre kurze Torauszeit und machten das Dutzend voll. Die überragende Manhart, wer sonst, überlistete mit einem gefühlvollen Heber vom Strafraumeck die Neustädter Torfrau und krönte ihre tadellose Leistung. 12:0, das hat schon was. Die Höhe der Führung war sicher der eiskalten Effizienz der Schwarz-Weißen zuzuschreiben, die praktisch jede Chance in ein Tor verwandelten. Trotz des Rückstandes munterten die Neustädter Aficionados ihr Team auf, von Exodus hin zum Vergnügungspark oder zum Gasthaus auf ein Krügerl keine Spur. Vorbildlich.

Fast ein Spielabbruch
Sie konnten zumindest mit einem Lächeln auf den Lippen nachhause gehen. Der Grund dafür hieß Morton, war klein und pelzig. Und verdammt flink auf den Beinen. Da huschte dieser freche Vierbeiner doch tatsächlich in Null-Komma-Nix aufs Spielfeld und wollte der Kugel nachjagen! Ein beherzter Sprint seines Herrchens verhinderte aber in letzter Sekunde vielleicht sogar einen möglichen Spielabbruch. “Nächstes Mal sollte er lieber doch die Leine mitbringen”, konstatierte ein Zuseher daraufhin schelmisch.

© 2012 Sturm12.at (dd)

Dann war Schluss, ein aus Sturm-Sicht gelungener Nachmittag ging zu Ende. Ein Dutzend Tore erzielt, zu Null gespielt und souverän die Tabellenführung der zweiten Frauenliga Ost behauptet. In dieser Tonart kann es für die Sturm-Damen weitergehen. Auch Coach Josef Glauninger zeigte sich gegenüber Sturm12.at zufrieden ob des Gezeigten. “In der ersten Hälfte haben wir wirklich gut gespielt, nach der Pause haben wir dann doch ein paar Chancen ausgelassen. Auf diese Leistung kann man aber natürlich aufbauen”. Zwar sei Wiener Neustadt/Gloggnitz kein Maßstab im Vergleich zu Parndorf, Neulengbach Juniors oder dem 1. DFC Leoben/GAK, doch solche Spiele müsse man auch erst einmal so hoch gewinnen, ist Glauninger überzeugt.

“Können den Aufstieg heuer schaffen”
Die Sturm-Damen bleiben weiter auf Aufstiegskurs und haben mit fünf Siegen in fünf Spielen sowie einem beeindruckenden Torverhältnis von 34:1 einen fehlerfreien Start in die Saison hingelegt. “Ich bin zuversichtlich, dass wir heuer den Aufstieg schaffen können, das Team ist gut drauf. Der nächste Gegner kann kommen”, sagte der Trainer der Sturm-Damen. Der nächste Kontrahent ist übrigens der oben angesprochene DFC Leoben/GAK und kommt am 22. September um 18 Uhr in die Gruabn. Die letzte Begegnung der beiden im Cup konnten die Sturm-Damen erst in der Verlängerung mit 3:2 für sich entscheiden. Es wartet also wohl ein härteres Stück Arbeit auf die weiblichen Blackies, als nach dem heutigen Zwölf-Tore-Spaziergang.

Spieldaten
Wiener Neustadt/SV Gloggnitz – Sturm Graz Damen/Stattegg 0:12 (0:8)
Sonntag, 9. September 2012, 16.00 Uhr - Stadion Wiener Neustadt

Sturm Graz Damen/Stattegg
Kristler – Fischler (46. Wenhardt), Traussnigg (61. Brunner), Kovacs, Manhart (K), Hammer (46. Klug), Schweiger, Schachner (61. Handl), Zorec, Tauschmann, Veronik

Ersatz
Handl, Klug, Wenhardt, Brunner

Tore
0:1 Veronik (3.)
0:2 Manhart (10.)
0:3 Hammer (14.)
0:4 Manhart (16.)
0:5 Kovacs (24.)
0:6 Manhart (34.)
0:7 Fischler (38.)
0:8 Manhart (43.)
0:9 Veronik (50.)
0:10 Veronik (56.)
0:11 Kovacs (58.)
0:12 Manhart (70.)

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden



Kommentare

archaeopterix says:

Gratulation unseren Sturm – Ladies !! Wenn das so weitergeht, seit ihr nächstes Jahr in der Bundesliga .-

Also ich bin dafür, dass wir beim nächsten Auswärtsspiel in Wiener Neustadt einfach mal die Damen ranlassen – wie sich unsere Herren in Wr. Neustadt bis jetzt so immer präsentiert haben, war ja sowieso zum Teil nicht zum Ansehen :D
Nein, ehrlich – da wird anscheinend wirklich hervorragende Arbeit (im Vergleich zu den anderen Teams) geleistet. Ist schon beeindruckend, wie die Mädls zur Zeit auftrumpfen. Weiter so!

Pennerversammlung says:

Sehr gut, weiter so!

Pingback: Sturm12.at | Sturm-Damen: “Die nächsten zwei Wochen sind entscheidend”

Pingback: Sturm12.at | Sturm-Damen: Mission Aufstieg gefährdet

Hinterlassen Sie einen Kommentar