Vor dem kommenden Auswärtsspiel von Sturm Graz beim SC Wiener Neustadt, blickt Sturm12.at auf die lange Geschichte eines Stadions, das vor wenigen Jahren ein völlig überraschendes Comeback im Profifußball bekam. Geplant war dieses Comeback nur zur Überbrückung, doch mittlerweile ist das längst vom Glanz der alten Zeit ausgebleichte Stadion ein Bestandteil des Bundesliga-Alltags.
Zurück auf die große Fußballbühne
7. Juni 2008 – Wiener Neustädter Stadion. Der 1.Wiener Neustädter SC schlägt im letzten Saisonspiel den SC Theresienfeld vor rund 150 Zusehern mit 7:1. Zu diesem Zeitpunkt stand schon längst fest, dass die Zukunft des Traditionsvereins ausgerechnet im 100. Bestandsjahr auf mehr als wackeligen Beinen steht. Die Blau-Weißen haben abermals den Aufstieg in die 1.Landesliga verpasst und bekamen zudem auch noch neue Konkurrenz in der eigenen Stadt.
Frühling 2008, Oberwaltersdorf. Frank Stronach kaufte die Lizenz vom SC Schwanenstadt, verfrachtete den Verein nach Oberwaltersdorf und brauchte eine Stadt, die seinen Stadionplänen und dem Aufbau eines neuen Tiger-Team einwilligen würde. Wiener Neustadt bot sich dazu an. Der WNSC, sowie die Admira Wiener Neustadt sind weit weg vom alten Glanz, das Umfeld ist zumindest für die zweite Liga gegeben und vorübergehend für die Bundesliga ausbaufähig. Somit brachte der Einstieg des Finanzkrösus wieder ein wenig Leben in das alte, baufällige Stadion.
Vorbei der Glanz
19. März 2002. 49. Spielminute im Cup-Achtelfinalspiel zwischen dem 1. Wiener Neustädter SC und dem SK Sturm. Charles Amoah trifft zur Entscheidung im Spiel des Landesligisten gegen den dreifachen Champions-League-Teilnehmer. 3:0 – Bengalen im Nord-Osten des Stadions, wo die rund 300 mitgereisten Sturmfans sich eingefunden haben, ein Fan springt auf die Laufbahn und feiert mit dem Torschützen. David Mujiri erzielte noch das Tor zum 4:0-Endstand – Sturm ist im Viertelfinale. 4.500 Zuschauer waren gekommen. Es war eines der letzten großen Spiele des alten, weiten Neustädter Runds. Nur eine Saison später stieg der 1. WNSC in die 2. Landesliga ab, war erstmals in der Geschichte fünftklassig. Doch schon beim Cup-Schlager waren die Tribünen längst sanierungsbedürftig. Alte Holzsitzplätze und eine weite, mit Unkraut verwucherte Stehplatztribüne, die sich über das restliche Stadion erstreckte. Dazu eine Anzeigetafel, die ihrem Namen wirklich nicht gerecht wurde und alte Kabinengänge, die schon beim ersten Anblick wohl durch jede Kontrolle des Gesundheitsamts fliegen würde.
Stronach ist mit dem Plan gekommen, ein neues Stadion zu bauen. Knapp über 10.000 Besucher sollten darin Platz finden und den – in Anlehnung an den alten WNSC 2010 umbenannten – SC Wiener Neustadt in den Europacup treiben. Bis dahin wurde das alte Stadion modernisiert. Sitzschalen statt Holztribüne, Stahlrohr statt Laufbahn, eine Kunst-Laufbahn-Überdeckung für die Sandbahn und ein kleiner, provisorisch (den Sicherheitsauflagen gerade einmal entsprechend) errichteter Auswärtssektor. 7.036 Zuschauer bieten seit jenem Sommer 2008 Platz. Gerade ausreichend für die Gastspiele von Rapid Wien und das meisterschaftsvorentscheidende Spiel einer reisefreudigen Grazer Anhängerschaft. Doch schon vor dem schon jetzt legendären Sturm-Spiel sagten Stadt und Land (Ende 2010) für ein neues Stadion ab. Kein Stadion, kein Stronach. Wie bei der Austria in Wien zieht sich der Austro-Kanadier wenig später aus dem Klub zurück und überlässt diesen – wie auch den Fußballplatz – sich selbst.
Speedway als Zuschauergarant
Ein Zuschauerschnitt von rund 5.500, weit über 10.000 Besucher bei den Topspielen gegen Rapid, Austria und Wiener Sportclub. Das war der Wiener Neustädter Sportclub Ende der 1950er Jahre bis Ende der 1960er. 1955 eröffnet, kamen bis zu 14.000 Zuseher zu den wichtigsten Partien und hauchten dem blau-weißen Rund Leben ein. Nach dem Cupfinaleinzug 1965 und durch das LASK-Double im selben Jahr, zauberte man in Niederösterreich sogar ein wenig Europacupflair auf die Tribünen. Universitatea Cluj (damals unter dem Namen Stiinta Cluj) war aber der einzige Gast im Cup der Cupsieger-Bewerb. Nach dem Abstieg aus der Nationalliga 1967 gingen nicht nur die Zuschauerzahlen stark zurück. Der WNSC verlor auch selbst nach und nach an Bedeutung. Das Stadt-Stadion hingegen feierte noch einmal ein kurzes Comeback in der höchsten Spielklasse. 1972/73 durfte sich der bekannteste Stadtrivale der Blau-Weißen, die SV Admira in der Nationalliga präsentieren. Nachdem der sofortige Abstieg aber schon früh fixiert war, kamen nur noch wenige Hundertschaften zu den Spielen.
Seit damals tat sich – trotz einer umfangreichen Modernisierung, inklusive einer Flutlichtanlage in den 1980er Jahren – wenig. Einige Jahre Zweitligafußball (bis 1995) mit dem WNSC, das Supercupfinale 1992 und eine Hand voll gut besuchter Cuppartien. In Wiener Neustadt hat längst der jährliche Speedway-Gastauftritt den Fußball überholt und brachte zumindest einmal im Jahr Zuseher in das brache Stadion.
Für das Stadion selbst war die Stronach-Übernahme wohl eine letzte Überlebensgarantie. Doch die Zeit dreht weiter an der Uhr. Und steigen die Blau-Weißen ab, könnte es bloß ein Überleben mit Ablaufdatum werden.

Sturm12.at ist ein privates und unabhängiges, journalistisches Medium, das seinen Fokus auf die Berichterstattung über den Fußballklub SK Sturm Graz gerichtet hat. Gegründet wurde Sturm12.at am 20. Februar 2009 von Christopher Houben und Julia Wendl. Das Hauptaugenmerk der Arbeit bei Sturm12.at liegt auf der tiefgreifenden Analyse von Sturm Graz und des österreichischen Fußballs.
Das Positive an diesem “Stadion” ist, dass es von Graz aus sehr leicht und schnell erreichbar ist. Nix wie hin und Fernglas nicht vergessen (damit man auch was sieht – über die breite Laufbahn hinweg)
Kann mich noch gut an das Historische 2:1 für uns errinnern, musste jeweils 1/2 h auf ein Bier warten.
endlich wieder ein bericht, der dem niveau der seite angepasst ist! fundiert recherchiert und mit interessanten geschichtsdetails gespickt! wohltuend nach einem journalistisch gesehenen gräueltag!
haha, der 2.post den ich heut von dir lese und das 2.mal den pucher provoziert!! herrlich, aber warum du das um halb 7 in der früh scho nötig hast bleibt mir ein rätsel!!
erst der zweite??
warum ich das um halb sieben nötig hab…weil mir da das erste mal langweilig war in der arbeit
Man sollte mit JP nicht so hart ins Gericht gehen. Mit den Kernaussagen hat er ja meistens recht, ihm fehlt halt die journalistische Qualität und das Gespür, dass einen guten Kolumnenschreiber ausmacht.