SV Schwechat

Der Ajax-Bezwinger

Platzsturm, Attacken gegen den Schiedsrichter, Belagerung des Klubhauses, Abstieg. Das ist weder die Geschichte eines Wiener Großklubs, noch eines kleineren Grazer Vereins, sondern jene des SK Sturm anno 1965. Und der legitime Vorgängerverein des SV Schwechat war mitbeteiligt.

© CC-by-sa Roberto Verzo (Wikimedia Commons)

Vor dem allerersten Cup-Duell zwischen Sturm Graz und der SV Schwechat blickt Sturm12.at auf die weitreichende Geschichte des Traditionsklubs zurück. Und auch auf einen großen, kaum bekannten Teil Sturm-Geschichte.

Abstieg dank Schwechat
8. Mai 1965 – Gruabn. Wilde Szenen am Sturm-Platz rund um die 1:3-Heimniederlage gegen die Admira. Der Platz wird von einigen Fans gestürmt, Schiedsrichter Schram wird ob einiger Fehlentscheidungen noch über eine Stunde lang im Klubhaus von wütenden Anhängern belagert. Die Mannschaft von Karl Adamek ist somit quasi abgestiegen. Selbst drei Siege und ein Remis aus den verbleibenden vier Partien reichten nicht mehr für den Klassenerhalt. Sturm stieg – zum bisher letzten Mal in der Vereinsgeschichte – ab.

In der selben Saison, ein paar Wochen früher, kam der ehemalige Austrianer Karl Adamek nach Graz. Er beerbte den erfolglosen Walter Strammer beim Tabellenletzten. Dieser musste den Hut nehmen, nachdem seine Elf in den vergangenen sieben Runden nur zwei Zähler erringen konnte. Da half auch das späte Ausgleichstor von Josef Neuhold per Elfmeter beim 1. Schwechater SC nichts. Das 1:1 (und die 0:1-Niederlage am Sturm-Platz im August 1964) waren die einzigen Duelle auf höchster Ebene mit den Süd-Wienern und trugen zumindest ihren Teil dazu bei, dass die Schwarz-Weißen ein letztes Mal den Gang in die Regionalliga Mitte antreten mussten.

Schon 1958/59 trafen die beiden Klubs aufeinander. Im letzten Jahr vor der Ligareform spielte Sturm in der zweitklassigen Staatsliga B schon einmal gegen die Schwechater. In Graz schlugen Toni Kaltenegger und Co. die Blau-Weißen 5:1, in Schwechat gab es für die Truppe von Ludwig Durek allerdings eine 0:5-Retourkutsche.

Ein Klub, viele Namen
1903 steht im Klubwappen der SV Schwechat geschrieben. Die Vereinshistorie ist tatsächlich sogar bis 1899 zurückzuführen. Doch wie in Österreich fast schon usus, war auch der heutige SV geprägt von Fusionen und Übernahmen. Zunächst waren es der ASK Schwechat und SK Graphia Wien, später lange Zeit (mit Unterbrechungen als SK Neukettenhof) SC Germania Schwechat und Phönix Schwechat, die den Klubnamen und das Gründungsdatum stolz auf ihren blau-weißen Dressen trugen.

In die Geschichte ging aber eben jener 1. Schwechater SC ein, der nach dem zweiten Weltkrieg in Österreichs Fußballligen für Furore sorgte. Sechs Saisonen lang erlebte der Sportclub seine größte Zeit, in der Staatsliga, sowie in der Nationalliga A. Platz vier 1963/64 ist noch heute die beste Platzierung der Vereinshistorie. Und in einer ewigen Tabelle würden die Schwechater auf mehr Punkte, als namhaftere Vereine, wie VSE St.Pölten, der 1. Wiener Neustädter SC, der Kremser SC, oder die Lustenauer Austria kommen. Umso tragischer dann der Niedergang. Aus finanziellen Gründen strebten die Schwechater eine Spielgemeinschaft mit Austria Wien an und verloren daher – mehr oder weniger freiwillig – den Platz in der Nationalliga. Und in der zweitklassigen Regionalliga Ost musste man 1974 den Gang in die Drittklassigkeit antreten – durch eine Ligareform wiederrum unfreiwillig.

Aus dieser Epoche bestehen aber auch außerhalb der Meisterschaft die größten Erfolge. 1967 scheiterte man am Linzer ASK im Cup-Halbfinale, nachdem zunächst Sturm-Bezwinger Wacker Wien und Austria Salzburg eliminiert wurden. Schon 1963 gelang der größte Coup der Vereinshistorie. Im Rappan-Cup (Vorgänger des UEFA Intertoto Cup) schlugen die Schwechater den Titelverteidiger Ajax Amsterdam mit 5:2.

Fahrstuhlmannschaft im Bundesligastadion
1979 gliederte sich der 1. Schwechater SC in die Sportvereinigung Schwechat ein und trägt seither auch deren Namen. Ein Jahr später wurde mit dem Bundesligaspiel zwischen Austria Wien und der Vienna das Rudolf-Tonn-Stadion feierlich (vor 7.700 Besuchern) eröffnet. Die SV Schwechat fand aber nur noch einmal zurück in den Profifußball. 1985/86 feierte man ein Kurzzeitcomeback in der zweiten Liga für eine Saison. Der Zuschauerrekord in diesem Stadion gelang aber im Jahr 2003, als im Relegationsrückspiel gegen Wacker Tirol unglaubliche 8.500 Besucher kamen. Durch die 2:3-Niederlage verpassten die Blau-Weißen aber den Sprung zurück in Liga zwei und mussten wenig später sogar den neuerlichen Gang in die Wiener Stadtliga hinnehmen. Mittlerweile ist die SV wieder zurück in der Ostliga, in der man sich heuer durchaus stark präsentiert. Als vierter ist man als zweitbeste Kampfmannschaft nur drei Punkte hinter dem SC/ESV Parndorf.

Allein die schöne Tribüne aus dem Ende der 1970er Jahre und der Charme der neben vorbeifließenden Schwechat sollte der Vorfreude auf die Cup-Begegnung keine Grenzen setzen. Doch gerade gegen die Vereine aus der Regionalliga Ost taten sich die Schwarz-Weißen in den letzten Jahren gewohnt schwer (2x SV Horn, Parndorf). Dennoch darf man sich als Bundesligist auch dort keinerlei Blößen geben. Weiterkommen ist das Ziel – egal wie.

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Kommentare

Anscheinend zählt für uns der Cup überhaupt nichts?! Auf der offiziellen homepage: Zeit bis zum nächsten Spiel – 5 Tage 4 Stunden….! So kann man natürlich auch ausdrücken, dass einem der Cup ziemlich egal ist.

archaeopterix says:

@ Beachtliche Recherche von BS !! – Ich erinnere mich gerade einmal, daß es damals diesen Verein gegeben hat ! – Danke & Daumenhalten – in England sind im Cup schon 4. Klassige Vereine weitergekommen !!!! …..y

In welchen Archiven gräbt man solche Infos aus?!?! Alle Achtung!

Dickes Lob an den Herrn Sikora für seine Recherchen! Wow.

“Da half auch das späte Ausgleichstor von Josef Neuhold per Elfmeter beim 1. Schwechater SC nichts.”

verwandt mit dem Flo Neuhold?

Nein, sind nicht miteinander verwandt…

Eine zugehörige Off-Topic Frage, die mich schon länger beschäftigt: Wird einem Verein, der auf keine Kontinuität als Rechtspersönlichkeit verweisen kann, wie zum Beispiel der Innsbrucker Fußballverein, trotzdem sämtliche Titel und Erfolge zugerechnet, die sämtliche Vorgänger-Vereine erobert hatten?

Sehr gute Frage, die in Fußball-Österreich viel zu selten gestellt wird. Hier wird von Seiten der Bundesliga (mMn) viel zu schwämmig und nur zwischen “legitimer Nachfolgeverein” (oftmals zumindest durch die selbe Lizenz) und eben “kein legitimer Nachfolgeverein” unterschieden.
Bsp Ibk: Alle Titel wurden mit der selben Lizenz gewonnen, auch wenn die Klubs anders hießen. Und der jetzige Verein hat zwar nicht mehr die Lizenz der damaligen Vereine, ist aber aufgrund des Namens und der Anerkennung der Vereinschronik ein legitimer Nachfolger, der die Titel für sich beansprechen darf.
Bsp RBS: Gerade hier müsste eigentlich noch genauer differenziert werden. Denn es ist zwar die selbe Lizenz, aber es fand nicht nur ein kompletter Namens- und Farbenwechsel, sondern auch ein Standortwechsel (von Salzburg nach Wals-Siezenheim) statt. Ginge es somit nach den Lizenzen von Pasching und Schwanenstadt, müsste man hier auch die bisherigen Erfolge (der Austria) aus der Vereinschronik streichen! Aber das dürfte der Bundesliga wohl (ähnlich, wie die Erfolge der Wiener Klubs in der Wiener Liga vor 1949) zu reflektiert sein. Und einfach (unnötige) Arbeit bedeuten.

Verweigerer says:

Werd` mir die Schwechater vor Ort geben. Hoffe, ich bin da nicht der Einzige…

Bist ned…

Unter der Woche ist immer schlecht, aber vielleicht schaffs ich mir nach der Arbeit ein Schwechater zu geben ;-)

donbernardo says:

auch von mir großes lob an den king of stats!! unfassbar, dass man sowas irgendwo ausgraben kann, du solltest dir a proffession suchen die dich mehr fordert!! ;)

Ceterumcenseo says:

Nur eine kleine Korrektur:
Trainer im Herbst 1964 war der Tscheche Rudolf Suchanek, Walter Strammer war ehrenamtlicher Sektionsleiter – heute würde man “technischer Direktor” und Sportdirektor sagen, Strammer war Besithzer von “Hostra”-Gummiwaren.
Nach dem Abgang von Strammer und der Entlassung von Suchanek nach dem vorverlegten Frühjahrsspiel gegen Schwechat (der im Juni 1964 mit Sturm in die Staatsliga aufgestiegen war) kam der Wiener Ex-Austria-Spieler Karl “Waschi” Adamek am 31.Dezember 1964 als Trainer zu Sturm. Sektionsleiter wurde Karl Sachs.
Damals war der ehrenamtliche Sektionsleiter (Vorstandsmitglied) Letztverantwortlicher für die Aufstellung. Damit räumte bei Sturm Gerd Springer – ab November 1967 – auf.

Danke für diese ausführliche, informative Ergänzung! ;)

nostredamus7 says:

Die Infos bekommt man relativ einfach, http://de.wikipedia.org/wiki/SV_Schwechat.
Irgendwie wird beim “Sturmologen” immer die Quelle (Wikipedia im Großteil) vergessen.
Auf jeden Fall danke für die Information zum heutigen Gegner.

Natürlich ist auch Wikipedia ein Teil meiner Quellen. Gewisse historische Fakten bekommt man als Außenstehender fast nur auf Wiki. Dennoch distanziere ich mich davon, dies als Hauptquelle zu verwenden. Denn ich schenke der Vereinshomepage, sowie anderen Quellen (austriasoccer.at, sturmarchiv.at, bundesliga.at, den Büchern “Wir sind Sturm”, “Geliebter Feind” und “Kicken”, Erzählungen und Geschichten, die ich aufgeschnappt habe) deutlich mehr vertrauen. Diese sind es dann auch schließlich, die solche Artikel von Wikipedia-Einträgen abheben lassen. ;)

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