Stadion Wals-Siezenheim

EM in der Discothek

Micha Petrovics Elf zeichnete sich zumeist durch kampfbetonte und aufopfernde Auftritte aus. Daher hat Petrovic auch heute noch einen guten Ruf. 2004 zeigten seine Mannen eine solche Leistung in Salzburg, 2006 ebenso. Das Stadion Wals-Siezenheim ist dennoch das erfolgloseste der Sturm-Geschichte.

© 2010 SturmTifo.com

Vor dem richtungsweisenden Auswärtsspiel von Sturm Graz beim FC RedBull Salzburg blickt Sturm12.at auf die kurze, aber ereignisreiche Geschichte des Stadion Wals-Siezenheim. Von Micha Petrovics Knappen und der Seele der violetten Salzburger.

Viel Herz und Einsatz
17.April 2004. 31. Runde. SV Austria Salzburg gegen SK Sturm Graz. Kein Spiel, wie jedes andere. Schon gar nicht in dieser Spielzeit. Beide tief im Abstiegskampf, dazu verloren die Grazer auch noch das erste Spiel im neuen Stadion glatt 0:5. Die Union Ultrá Salzburg zog ihre 5-Jahres-Choreographie auf. Und schon vor Spielbeginn gab es auf den Tribünen kleinere Scharmützel rund um den Auswärtssektor. 90 Minuten später – Jubel unter den rund 400 mitgereisten Sturmfans. Die Blackies erkämpften sich ein wichtiges 0:0 im Abstiegskampf. Am Ende der Saison schaffte die Elf von Micha Petrovic den Klassenerhalt. Es war für über sieben Jahre der einzige Punktgewinn im Salzburger Neubau.

Fast exakt zwei Jahre später ist alles anders. Aus dem schmucken, neuen Stadion wurde eine Arena. Eine Bullen-Arena. Statt den charmanten, weißlichen Sitzen und der rustikalen, hölzernen Außenfassade dirigierten nun Disco-Musik, bunte Lichter und eingefärbte Sitze. “Wir pfeifen auf euer Event!” – So kommentierten die Sturm-Anhänger den Einstieg von Dietrich Mateschitz in den österreichischen Fußball im Herbst zuvor. Und auch die Mannschaft schien Spiel für Spiel, Jahr für Jahr einfach auf diese Partie zu pfeifen und zeigte teilweise ängstliche und beschämende Auftritte. Zwölf Niederlagen gab es in diesem Stadion gegen Red Bull en Suite. Und selten war man näher an einem Punktgewinn dran, wie im April 2006.

9. Spielminute. Angriff der Schwarz-Weißen. Und Christoph Leitgeb nimmt sich ein Herz, zieht aus der zweiten Reihe ab und trifft sensationell zur Führung der Gäste. Sturm spielte aufopfernd, mutig, mit Offensivdrang und wurde später mit Glückwünschen über die gezeigte Leistung überhäuft. Weniger spendierfreudiger zeigte sich allerdings Marc Janko. Dieser traf zunächst doppelt zur 2:1-Führung und fixierte auch noch den 3:2-Endstand, nachdem Olivier Nzuzi zwischenzeitlich ausgleichen konnte.

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Violette Seele
30.188 Zuseher passen seit der EM 2008 in das Stadion, das mit dem Standort Wals-Siezenheim auch gleichzeitig den Vereinssitz des aktuellen Bundesligaklubs bildet. Im Meisterschaftsbetrieb, wie auch International oder in einem der ÖFB-Partien (Cupfinale 2004, Länderspiel 2010) konnte diese Zuschauerzahl aber nie erreicht werden – nicht einmal annähernd. Einzig die drei Spiele der EM 2008, sowie die Testspiele der Bullen gegen Bayern München und Arsenal London vermochten volle Ränge zu bringen. Und durch die Jahr für Jahr schwindenden Zuschauerzahlen wird das Stadion mehr und mehr zu einer seelenlosen Stätte.

Es sei denn, die Austria kommt. Eine laute, bunte und kreative Fangemeinde kommt einmal im Jahr zurück in ihr altes Wohnzimmer. Waren es bisher die Partien gegen die Juniors des Getränkeherstellerklubs, wird es ab dieser Saison der FC Liefering sein, der – ebenso von RedBull gesponsort, um durch eine Gesetzeslücke der Bundesliga eine Amateurmannschaft der Bullen in die zweite Liga zu schleusen – wohl in Wals-Siezenheim den SVAS kommendes Frühjahr empfangen wird. Dann kommt wieder Leben in die Arena. Denn nach den anfänglich guten Zuseherzahlen und bis auf die Spiele gegen Sturm, Rapid und Austria Wien, ist zumeist eher gähnende Leere bei den Heimspielen der Rot-Weißen angesagt.

Typisch österreichischer Stadionbau
Wie kann es anders sein. Eher auf halb-legalen Wege steht auch dieses Stadion in der Vorortgemeinde von Salzburg. Für die EM wurde das Stadion von 18.250 Besucher auf über 31.000 erweitert. Danach sollte es wieder zurückgebaut werden – soweit so gut. In einer durchaus typischen, heimischen Sitte war der Oberrang allerdings zunächst nur für drei Partien im Jahr zugelassen – es fehlten die für die Kapazität nötigen Parkplätze rund um das Stadion. Die zugelassene Zahl drei ist auch nicht verwunderlich, wurde doch genau dreimal bei der Euro der Platz bespielt. Doch dem nicht genug, wurden auch hier (ähnlich, wie in Klagenfurt) die Pläne des Rückbaus wieder umgeworfen und der Oberrang nur durch einen (politisch beeinflussten) umweltbehördlichen Beschluss nicht als Schwarzbau deklariert.

Als Spitze des Berges fungierte aber der Rasen. Als Kunstrasenprojekt (von der UEFA gefördert) durften aber bis 2006 keinerlei internationale Spiele auf dem Feld ausgetragen werden. Erst als das Luzhniki-Stadion in Moskau ebenfalls mit einem Kunstrasen bestückt wurde, hob die UEFA das Verbot auf. Zu spät für die beiden Europacupspiele von Austria Salzburg, die in Linz ausgetragen werden mussten. Früh genug für die Bullen, um im heimischen Stadion Europacupluft zu schnuppern. Während der EM wurde – kurioser Weise – auf den Kunstrasen ein Naturrasen gelegt. Den Spielern erfreute das zwar wenig (was dabei passieren kann, zeigte das Champions League-Finale 2008, bei dem John Terry der Rasen im Elfmeterschießen “verrutschte”), für die UEFA reichte es. Endgültig zur Farce wurde das Projekt aber mit dessen Ende, als im Sommer 2010 der Kunstrasen ganz verschwand, um auch Länderspiele austragen zu können.

Kunstrasen hin, Naturrasen her. Sturm ist in diesem Stadion bisher sieglos, die Bilanz katastrophal. Es ist somit längst an der Zeit mit Mut und Entschlossenheit in die Mission “Auswärtssieg in Salzburg” zu gehen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

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