Chants & Goals

Der September

Einen sportlich durchaus schönen September konnten auch fallende Feigenblätter und feige Blattmacher nicht zu sehr beeinträchtigen. Es macht großteils wieder Spaß und erscheint sinnvoll als Sturm-Aficionado unterwegs zu sein – auch wenn Spieler,Trainer und Schiedsrichter fehlerhaft agieren und nicht jedes Spiel gewonnen werden kann. Mit der passenden Musik von Grizzly Bear, Beth Orton, The Men, Richard Hawley, Element Of Crime u.a.

© Sturm12.at

01.09.2012: SV Ried – Sturm Graz 0:1 ( Eigentor/Bukva)
THE SOUP DRAGONS: ” I´m Free ”
DIE SCHMETTERLINGE: ” Tschotscholossa “

Die “Keine Sorgen Arena” in Ried hat in jüngster Zeit für die Spieler und Fans von Sturm Graz  jeden Schrecken verloren und  sich zu einem guten Auswärtsboden entwickelt. Auch das Meisterschaftsspiel am 1.September bestätigte diesen Trend ein weiteres Mal. Eine Co-Produktion von Haris Bukva und einem Rieder Verteidiger sorgte für das einzige Tor in diesem Spiel, nicht weniger als 19 Mann aus Karlsruhe  – wie einer der Reverends of The Church of being in a good mood richtigerweise feststellte, waren das mehr Personen aus Karlsruhe als jeder der etablierten Fanclubs aus Graz in Ried stellen konnte – für große Unterstützung aus dem befreundeten Teil aus Deutschland und eine nette “Sturm Graz ist geil!”-Choreographie für einen netten Fußballabend in einem aus der österreichischen Fußballlandschaft nicht mehr wegzudenkenden “Fußballdorf”.

15.09.2012: Sturm Graz – Wacker Innsbruck 3:0  ( Vujadinovic 2, Szabics )
GRIZZLY BEAR: ” Speak In Rounds”
FRANKIE VALLI AND THE 4 SEASONS: ” Can´t Take My Eyes Off You”

Ein grundsätzlich erfreulicher Fußballabend mit schalem Nachgeschmack. Wieso konnte ich mich an diesem Abend nicht völlig unbeschwert über eine solide Leistung, drei Tore – darunter zwei Kopfballtreffer von Nikola Vujadinovic, souveräner Sachwalter in Fragen der Luftraumüberwachung – und einen ungefährdeten Sieg freuen? War es die “Luftschlösser” bauende Präsentation der Stadionpläne wenige Tage zuvor, war es die Irritation über die aktuelle Entwicklung von Sturm Neu über Sturm Noch Neuer zu Sturm Uralt oder die nur gefühlte und nicht bewiesene Akkordierung zwischen Vereinsspitze und organisierten Fangruppen – die für Grazer Verhältnisse üppig und gestylt wirkende Choreographie “Nordkurve in Arbeit”, die aufgesetzt und eingesagt wirkende dreimalige Danksagung von Stadionsprecher Ludwig Krentl an die Nordkurve ließen mich fälschlicherweise spontan daran denken – eine von Herzen kommende und unverstellte Begeisterung wollte sich an diesem Abend nicht einstellen. Vielleicht auch, weil das Geburtstagsständchen für Mario Haas einer lästigen Pflichtübung glich und der spontan entstandene chant für Richard Sukuta-Pasu – Sukuta-Pasu, du bist der beste Mann/ Sukuta-Pasu, der Mann der alles kann/ Sukuta-Pasu, mach ihn rein für den Verein -  mit absolutistischer Attitüde abrupt beendet wurde…

22.09.2012: Wiener Neustadt – Sturm Graz 1:1 ( Weber )
DINOSAUR JR.: ” Watch The Corners”
WILD NOTHING: ” Shadow”

Eine Auswärtsfahrt nach Wiener Neustadt gleicht nicht selten einer Selbstgeißelung. Mieses Wetter – Wind und Regen – tristes Umfeld und enttäuschende Leistungen und Ergebnisse sind beinahe vorhersehbar und doch findet sich immer wieder eine stattliche Anzahl an fußballverrückten Sturmfans, die sich diese Reise in die real existierende Fußballprovinz antut, um meist wieder enttäuscht die Heimreise anzutreten. Auch dieses Mal reichte ein schöner Distanzschußtreffer von Manuel Weber nicht für drei Punkte. Der Ausgleichstreffer des sympathischen Ex-Sturmspielers Peter Hlinka sorgte für ein deja vu der Wiener Neustädter Auswärtsfahrten – Tristesse.

25.09.2012: SV Schwechat – Sturm Graz 0:5 ( Okotie 3, Weber, Szabics )
MOON DUO: ” Sleepwalker”
RICHARD HAWLEY: ” The Only Road”

Nur wenige Tage später verschlug es viele Sturmfans im Rahmen des Cup-Achtelfinalspieles gegen den SV Schwechat in die Heimstätte des dortigen Regionalliga Ost – Vereines und wurde zum Schauplatz eines ebenso erfolgreichen wie vergnüglichen Fußballabends. Ein Stadion, “old style”, mit breiter Laufbahn zwischen Spielfeld und Zusehertribüne, wuchtigen Flutlichttürmen und echtem Ostblock-Charme, der Genuß von vorzüglich schmeckenden Liptauer-Salzstangerln vor Spielbeginn, eine engagiert agierende und vor allem in der zweiten Halbzeit auch spielerisch überzeugende Sturmmannschaft und ein letztlich souveräner 5:0-Sieg sorgten für beste Unterhaltung und gute Stimmung. Eine gute Stimmung, die sich auch auf die für ein Cupspiel zahlreich vor Ort befindliche Exekutive übertrug – der Dank dafür galt der an diesem Abend doch recht ansehnlichen Zahl der anwesenden “Erlebnisorientierten” - der diensthabende und verantwortliche Einsatzleiter freute sich sehr, sich um 21.11  bei allen ( inklusive Hundeführern) bedanken und verabschieden zu können, nicht ohne ein offizielles Dienstende mit 22 Uhr bekanntzugeben.

30.09.2012: Red Bull – Sturm Graz 3:2 ( Okotie, Florian Kainz)
THE MEN: ” Turn It Around”
DIIV: ” Air Conditioning “

Obwohl das Auswärtsspiel in der Red Bull Arena mit einer unglücklichen Niederlage endete und Fehlentscheidungen der sogenannten Unparteiischen und individuelles Fehlverhalten mancher Sturm-Spieler für kurzfristigen Ärger sorgten, bot dieses Spiel fast alles, was man sich von einem Spiel mit Beteiligung des SK Sturm Graz erwartet: Spannung, Stimmung und Spielkultur. So hat es trotz mancher Niederlage Sinn, Sturmfan zu sein und Spaß, in einem mit guter Musik beschallten und netten Menschen besetzten Bus – das “Air Conditioning” wäre in Fällen akuter (Durchfall)Winde noch zu verbessern – stundenlang quer durch Österreich zu reisen. Wenn dann auch noch Analysen wie “Foul bricht Pressing” die Heimfahrt trotz Niederlage vergnüglicher machen und nur eine Woche später das brisante Heimspiel gegen die Wiener Austria folgt, scheint das Dasein als Sturm Graz – Aficionado wieder für wenige Stunden völlig in Ordnung zu sein.

BONUSTRACKS:
” Ohne dich will ich nicht / mit dir kann ich nicht sein “
ELEMENT OF CRIME: “Ein Hotdog Unten Am Hafen”
BETH ORTON: ” Thinking About Tomorrow” 

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Heimo Mürzl (hm)

Jahrgang 1962, verbrachte seine Kindheit fern großer Fußballstadien in Mariahof, einem kleinen Ort in der Obersteiermark. Die Fußball-WM 1970 in Mexiko, die unvergessene Ajax-Jahrhundertmannschaft rund um Johan Cruijff und das so unglücklich endende Messestädte-Cup-Duell von Sturm Graz gegen Arsenal London machten den von Kleinauf selbst kickenden Buben zum späteren Fußballverrückten. Mit dem Studiumbeginn in Graz wurde es ihm auch endlich möglich, sein Fantum nicht nur vor dem Fernsehschirm auszuleben, sondern selbst im Liebenauer Stadion und in der Gruabn Teil der kollektiven Emotionen zu werden. So verbringt er auch heute noch sehr viel Zeit in den diversen Weihetempeln des runden Leders, wo Sehnsüchte erzeugt und mitunter auch gestillt werden. Mit großer Freude schreibt er für das Extra der Wiener Zeitung und das SturmEcho, das Klubmagazin des SK Sturm Graz.



Kommentare

AssamdelNegro says:

Wenigstens Einer, der meine Gefühlslage vom Wacker-Match teilt!
Wie immer, ein bravouröser Kommentar! Danke Heimo…..

Sehr schöne, nette, lustige und auch passende Zusammenfassung des letzten Monats!
Generell sind deine Chants und Goals immer sehr lesenswert, nur weiter so!

bianconero says:

Nett geschrieben. Einzig, jeder Absatz hat den Beigeschmack dass hinter der Fassade das Böse wartet. Pessimismus in jeder Zeile. Der schwarze Humor täuscht da leider nicht hinweg. Kritisch zu sein ohne Kritik zu üben funktioniert für mich nicht wirklich. Unterhaltsam sind die subjektiven Eindrücke allemal.

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Zum Heimspiel gegen Wacker:
Auch wenn mir die Choreo sehr gut gefiel, so erging es mir doch ähnlich wie Herrn Mürzl. Alles wirkte betont harmonisch und wenig ehrlich, auch wenn das zumindest aus meiner Sicht beim Geburtstagsständchen für den Bomber nicht der Fall war!

Keine Ahnung, was das war! Zwangseuphorische Kurvenlethargie? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass ich das schon öfter erlebt habe, vor allem wenn es sportlich gut lief!

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