Um acht Uhr in der Früh wollte sich Gerhard Goldbrich mit mir treffen. Ich verspäte mich. “Auto oder öffentlich”, fragt der neue General Manager von Sturm Graz. “Öffentlich”, antworte ich. “Verdammt”, meint Goldbrich. Schon vor einer Woche wurde der Termin vereinbart. Goldbrich würde sich sehr gerne mit uns treffen, sich unterhalten – auch über Sturm12.at – und bedankte sich schon damals für die “herzlichen Begrüßungsworte“ von Jürgen Pucher.
“Bei der Holding sagen schon alle General zu mir”, beginnt Goldbrich das Gespräch. Mit einem Interview hat er auch kein Problem, “aber unterhalten wir uns doch einfach einmal so“. General, weil die Kleine Zeitung eben so getitelt hat. “Kurz hat mich das geärgert, mittlerweile finde ich es lustig.” Wohl auch, weil zwischen seiner Art und der Art wie man sie sich von Generälen erwartet extrem viel Spielraum ist. Sagt Goldbrich und streckt seine Hände weit auseinander um den Spielraum vorstellbar zu machen. “Ich verstehe euren kritischen Ansatz, habe auch kein Problem damit. Mich ärgert aber, wenn Gerüchte veröffentlicht werden, ohne sie zuvor zu hinterfragen”, gibt er uns mit ins Gespräch. Etwa dass er damals als Fußballer nur des Geldes wegen nach Tirol gewechselt wäre. “Hausgemachter Blödsinn. Aber niemand hat mich gefragt ob ich wirklich weg wollte, damals brauchte der Verein das Geld.“
Oder dass er, als die Logo-Diskussionen begonnen haben, sich sofort auf die Seite von Puntigamer gestellt hätte. “Wissen Sie wie das wirklich war? Ich wurde damals als Sponsor gefragt ob mich das Puntigamer-Logo im Sturm-Logo stört. Tut es nicht. Nichts anderes habe ich gesagt.” Goldbrich selbst war damals noch nicht im Vorstand, war nicht einmal kurz davor im Vorstand zu sein. Christian Jauk hat ihn erst wenige Tage vor der Generalversammlung gefragt. “Ich bin aber auch heute davon überzeugt, dass das Puntigamer-Zeichen im Logo keine anderen Sponsoren abschreckt. Auch wenn das eines der Hauptargumente der Fangruppen ist.” Dass ein Logo im Logo aus Markensicht – Goldbrich spricht von brand, nicht Marke – nicht zielführend ist, weiß er aber sehr gut. “Aber es ist nicht leicht jemandem etwas wegzunehmen, was er bereits hat. Stellt euch vor was mit dem Marketing-Beauftragten bei Puntigamer passiert, wenn er zurück ins Büro kommt und sagt: Wir zahlen Sturm Graz jetzt mehr, dafür bekommen wir weniger.” Es wird im Gespräch aber klar, dass auch Goldbrich Interesse daran hat, dass Logo Logo-frei zu bekommen – eben aus Marken-Gründen. “Im Endeffekt brauchen wir aber das Geld. Ich glaube den Fan-Vertretern, dass mehr Merchandising-Artikel verkauft würden. Aber wie viel können wir damit kompensieren?”
Immer wieder fällt der Begriff Strategie. Naheliegend, dass nach genau dieser dann auch gefragt wird. “Das will ich noch nicht so genau benennen, ich bin ja erst seit zwei Wochen nicht im Amt.” Ideen gibt es aber genügend. Angefangen beim Merchandising, dem Online-Shop, einer App. Goldbrich könnte ewig weiter aufzählen, sagt er. “Ich bin jetzt in der Phase, wo ich mir einen Überblick verschaffe und wir entscheiden, welche fünf Themen gehen wir als erstes an. Ich bin niemand, der auf tausend Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Ein Thema nach dem anderen wird abgearbeitet.“ Wie alle anderen Angestellten bei Sturm Graz hat auch Gerhard Goldbrich einen unbefristeten Dienstvertrag. Zeit Themen umzusetzen ist also genügend. Geduld wird aber doch noch gefragt sein. Der 45-Jährige spricht von eineinhalb Konsolidierungs- & Entwicklungsjahren. ”Dass es eineinhalb Jahre sind kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Dafür weiß ich noch nicht genug. Aber ungefähr solange wird das dauern.” Und dann? “Konkret wird das erst in den kommenden zwei Monaten evaluiert.”
Sportlich ist aber klar, dass Sturm Graz im Europacup spielen muss. “Das müssen Sie mich jetzt sagen lassen. Ich bin absolut begeistert wie schnell es dem Trainerteam gelungen ist einen anderen Spielstil zu etablieren. Und die Stimmung in der Mannschaft ist hervorragend.” Zu dem Trainer-Team gehört auch Ayhan Tumani – gleichzeitig sportlicher Geschäftsführer. “Sturm hat seit Jahren nicht mehr so viele Tore nach Standardsituationen erzielt. Die Standards trainiert hauptsächlich Ayhan Tumani. Ja, sollen wir jetzt auf diese Tore verzichten, nur weil er sportlicher Geschäftsführer ist? Solange er bereit ist am Platz zu stehen kann und soll er das machen.” Im Endeffekt, glaubt Goldbrich, wird es aber doch notwendig sein das Trainerteam zu verstärken. Der Arbeitsaufwand als sportlicher Geschäftsführer ist nämlich extrem.
Da gehört neben der Kampfmannschaft nämlich auch die Jugend dazu. “Sie glauben ja gar nicht, wie viel da schon passiert. Das wird einfach noch viel zu schlecht kommuniziert.” Ein kurzer Blick zum pressesprecherischen Begleitschutz. Einigkeit. Immerhin wären erst vor kurzem einige Jugendspieler aus Salzburg zurück nach Graz gekommen, aus der Südstadt ebenso. “Ich weiß das auch erst seit wenigen Tagen.“ Dass ein Schladminger lieber nach Salzburg wechselt als nach Graz zu Sturm, ist für Goldbrich logisch. “Das ist alleine die geographische Nähe. Aber wenn man einen Zirkel in Graz steckt und eine gewisse Distanz umschlägt – das muss uns gehören. Da müssen wir die Eltern davon überzeugen, dass Sturm Graz perfekt ist für die Ausbildung ihrer Kinder. Und ich rede da nicht nur von Fußball.” 22 Partnerschulen hat Sturm Graz. Einige Lehrstellen gibt es, wo die Jugendspieler einen Beruf erlernen können und eben am Tag vor dem Spiel vor einem Nachtdienst verschont bleiben. “Wir sind da tatsächlich sehr weit. Ich habe das im Detail erst erfahren“ Dazu kommt, dass Sturm mit Gilbert Prilasnig, Arnold Wetl, Markus Schopp und wie sie alle heißen mögen, renommierte ehemalige Fußballer im Nachwuchsbetreuer-Team hat.
Markus Schopp ist nach dem Spiel gegen den LASK massiven Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt gewesen. Die Vorwürfe haben sich jetzt schon gelegt, Fabiano ist für vier Spiele gesperrt worden. Goldbrich damals zur Kleinen Zeitung: “Markus Schopp hat mit Rassismus so viel zu tun wie mit Stricken.” Stellt sich die Frage, wie gut Goldbrichs Strickfähigkeiten sind, um das beurteilen zu können. “Ich bin da falsch zitiert worden. Ich habe gesagt, dass Schopp mit Rassismus so viel zu tun hat wie ich mit stricken. Und ich stricke nicht.”
Neben Tumani ist Daniela Tscherk im Dreierteam, das Sturm ab 1. Dezember als solches leitet. Ein bekannter Vorwurf: Warum dauert die Suche so lange und dann nimmt man zwei Leute aus dem Verein. “Das lasse ich mir so nicht gefallen. Wir haben unzählige Hearings gemacht – im Endeffekt sind Tumani und Tscherk einfach die Kandidaten gewesen, die uns überzeugt haben und mit denen ich mir eine Zusammenarbeit am besten vorstellen konnte.” Eine interessante Frage: Wie sieht das in diesem Dreiergespann mit Haftungen aus? “Ich weiß jetzt nicht warum Sie das interessiert”, sagt Goldbrich. Eine Antwort, die sehr viel Potential bietet Gerüchte zu forcieren. Wir werden, wenn wir sie vernehmen, nicht sofort schreiben sondern zuerst nachfragen. Das ist versprochen.
Mit Gerhard Goldbrich haben sich Heimo Mürzl und Clemens Ticar getroffen.

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Wow, erklassiges Interwiew mit ebenso kritischen Fragestellungen!
Der spricht ja wirklich wie ein echter General.
danke sturm12 erklassiges Interwiew
sorry erstklassiges Interwiew
Ich muss euch auch zu diesem Interview gratulieren.
Top!! Nicht nur die Fragengestaltung auch die Situationsbeschreibung.
Weiter so…
Ganz egal ob Goldbrich Recht hat oder nicht, aber ich finde diese Art der Beantwortung “Ich weiß jetzt nicht warum Sie das interessiert” alles andere als sympathisch – und so nebenbei wäre eine Gegenfrage dazu aus meiner Sicht, dass erstens genau diese Themen vor allem seitens der Vereinsführung seit der letzten Übernahme immer wieder thematisiert wurden und weil man als Sturm-Mitglied oder sehr interessierter Fan seit Kartnig’s Zeiten für genau diese Themen ordentlich sensibilisiert wurde – ist wohl nachvollziehbar, oder keine Lust auf den mündigen Sturm-Fan?
Warum dieses letzte Thema eventuell so schnappig seitens Goldbrich beendet wurde, kann wohl daran liegen, dass die Aussage “Wir haben unzählige Hearings gemacht – im Endeffekt sind Tumani und Tscherk einfach die Kandidaten gewesen, die uns überzeugt haben und mit denen ich mir eine Zusammenarbeit am besten vorstellen konnte.” einfach nicht stimmt – denn das pfeifen die berühmten Grazer Spatzen inzwischen schon vom Stadion-Dach, dass die Bestellung von Fr. Tscherk alles andere als das Ergebnis einer intensiven Bewerbungsauseinandersetzung mit Fr. MAg. Tscherk vorangegangen ist und dass sie sich eher überrumpelt fühlte mit der Beförderung, im wahrsten Sinne des Wortes, gerade wegen der auf sie zukommenden Haftungsfrage, oder?
ABER etwas fehlt mir in diesem Interview als auch in der Außendarstellung von Goldbrich, dass so fast keiner in dieser Qualität geschafft hat, nämlich die Ausblendung seiner GAK-Vergangenheit – nämlich gleich zweimal: einmal als Spieler und einmal, und das ist nun wieder ein Gerücht, als Ursache für seine Kurzzeit als Sturm-Vorstand (da sollen angeblich im Hintergrund Alt-GAKler dafür verantwortlich gewesen sein?)
Guter Kommentar! Dass das alles ein verzweifelter Schnellschuss war, kommt auch mir immer wieder in den Sinn! Ich warte allerdings noch die Winterpause ab, um mir ein Urteil zu erlauben!
Ich sehe das nicht so eng – alle Kandidaten aus den Hearings haben wenig EInblick in die Vereinsstruktur – wenn eine Bewerbung innerhalb des Vereins abgegeben wird, ist dieser (oder diesen) Person(en) die Struktur und auch das mögliche Umfeld bekannt – d.h. die Argumentation innerhalb der Hearings ist leichter auf eine Strategie mit bekanntem Umfeld/Ressourcen umzulegen, als es für Externe möglich wäre – d.h. auch für mich, dass es durchaus positiv sein kann, solche Positionen intern zu (um)besetzen, da die Gesmtstrategie (wenn vorhanden
) bereits in einer Konzeptform integriert ist.
Und es wird doch leichter sein, einen neuen Co-Trainer zu verpflichten, der “nur” Trainingsarbeit mit der Mannschaft verrichtet, als einen Geschäftsführer Sport, der die Struktur-Sturm von innen kennt.
Ich finde nicht nur die Fragen gut, sondern vorallem die (Art der) Antworten!
Ich stelle mir ja die Frage, was eigentlich ein Herr Goldbrich für Qualifikationen mitbringt und jetzt bei Sturm als GM zu arbeiten? Seine Vergangenheit als Spieler zählt für mich da nicht und seine bisherige berufliche Karriere hat mit Sportmanagement auch nichts zu tun.
Der Vorstandsgünstling soll lieber etwaige Haftungsfragen beantworten und nicht über’s Logo philosophieren. Denn nach der GV, also in Amt und Würden als Vorstand, hat er sich sehr wohl sehr darüber gefreut wie die Initiative nicht die benötigte Mehrheit bekam.
Sehr gut geführtes Interview! Die Beantwortung der Fragen stimmt mich nicht gerade positiv.
“Strategie – Online Shop, Merchandising und App”: Sind zu 100% operative Themenstellungen. Das hat mit Strategie so viel zu tun wie Fußball mit, ahm, Stricken.
“Stellt euch vor der Marketing Beauftragte bei Puntigamer…”: Also bitte. Wie lächerlich ist dieser Vergleich. Natürlich muss man sich auf ein Paket einigen bei dem das Sponsoring auch finanziellen Rückfluss für Puntigamer bedeutet.
Sind aus meiner Sicht 2 Beispiele warum inhaltlich wenig gekommen ist.
Sehe ich auch so!
Ja, sehe das auch so – seine Darstellung hier erreicht mich als “patzig” und “arrogant”
Beim Thema Online-Shop kann man sowieso nur mehr lachen. “Nehmen wir uns auf die Agenda” hört man da seit Jahren immer wieder, scheinbar hat man diesbezüglich aber keine ernsthaften Ambitionen, denn der große Aufwand was brauchbares zu erstellen wäre überschaubar.
Was habt ihr euch von einem politisch rotem Protektionskind erwartet? Sturmliebe? War doch einer der größten Kartnignachjubler.
Für mich ein Kasperl, auch wenns hart klingt, der aalglatt rüberkommt, mit Profifußball nichts am Hut hat und obendrei einmal so RICHTIG unsympathisch ist. Da hatte ja sogar Heinz Schilcher sowas wie Ausstrahlung. Wird wohl im Endeffekt der Hüpfer für Tumani und Hyballa sein.
Generalmanager Kojak war gestern im ORF zu sehen, außer Spesen und Alibiaussagen nichts gewesen. Mich würde es ja interessieren, welche zehn Punkte er in seinem Hauptfokus für die nächsten Monate sieht (wenn möglich einmal keine Worthülsen), welche Qualifikation er aus seiner Sicht mitbringt und wie er Entscheidungen seiner beiden Stellvertreter hinterfragen wird.
Ein Stammtisch mit Goldbrich, Santner und Mürzl wäre doch schön.
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