Sturm gegen Austria

12 legendäre Spiele

Sturm gegen Austria. Schwarz gegen Violett. In einer Sturm-Geschichtsstunde blickt Sturm12.at auf die zwölf bedeutsamsten Spiele gegen die Veilchen, auf große Momente, aber auch auf bittere Niederlagen und auf die Gesamtbilanz von bisher 175 Meisterschaftspartien.

© 2011 SturmTifo.com

Wenn man recherchiert, findet man nicht mehr viel über die erste Partie von Sturm Graz gegen die Wiener Austria vom 7. September 1941. In der Ostmark Gauliga unter der Führung des Nationalsozialismus war es mitten im zweiten Weltkrieg überhaupt schon schwer genug einen geregelten Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Was man aus dieser Partie aber weiß, sind die Fakten. 5.000 am Sturm-Platz. Dolfi Huber und Karl Sesta treffen zum 2:0-Erfolg der Veilchen. Sturm bleibt nach der Saison in der Liga, da sie aufgrund des Spieler-Mangels und der schwieriger gewordenen Fahrten nach Wien vorzeitig zurückziehen. Was danach folgte, waren 190 weitere Pflichtspiele, in denen Sturm12.at die bedeutungsvollsten herauspickte und via Spielfilm revue passieren lässt.

Spiele, wie das 3:2 im Herbst 2010 (inklusive des Fan-Boykotts nach den Vorkommnissen rund um die Anreise zum Spiel), das 0:0 2003 (dem Ivica-Vastic-Comebackspiel), bei dem der vormalige Sturm-Star gnadenlos ausgepfiffen wurde und Micha Petrovic seinen Einstand als Sturm-Coach feierte, das 0:1 im Frühjahr 2010, bei dem Schiedsrichter Drabek das Roland-Linz-Tor gab, obwohl dieser meterweit im Abseits stand, das 1:1-Auswärtsremis im Herbst 2006, bei dem die Sturm-Anhänger – nach dem späten Ausgleich von Bojan Filipovic - vor lauter Freude den eher mäßig aufgestellten Zaun vor ihrem Block umwarfen und auf dem Feld mit den Spielern jubelten, oder der erste Sturm-Sieg bei der Austria im Sommer 1975 (4:2) fanden keinen Platz. Dafür aber die folgenden, packenden zwölf Fights zwischen Schwarz und Violett auf dem Grün.

Cupfinale und Provinzangelegenheiten
28. Juli 1947. Sturm Graz – Austria Wien 2:2
Ein Freundschaftsspiel zwischen dem Provinzverein Sturm und der renommierten Kaffeehaus-Elf aus Wien X. Doch es war mehr als das. Die Bundesländerklubs drängten auf eine gesamtösterreichische Liga und konnten nur in wenigen Kräftemessen mit den Großstadtvereinen beweisen, dass sie dazu bereit waren. Und die Herren um Josef Meszaros aus Subotica, Hans Gmeindl und Max Lamoth schlugen sich über den Erwartungen, konkurrierten über die volle Spielzeit mit den Stars aus Wien und rangen ihnen ein 2:2-Remis ab. Die österreichischen Auswahlspieler Otto und Ernst Melchior, sowie Erich und Ernst Stojaspal waren nach Spielende genauso voll des Lobes, wie Austria-Präsident Dr. Michel Schwarz. Die Austria wurde – auch durch dieses Spiel – mit an Board des Projekts “Staatsliga” geholt, womit dieses Unentschieden großen Anteil an der ersten, österreichweiten Fußballliga hatte.

4. Juli 1948. Austria Wien – Sturm Graz 2:0
Mehrere Hundertschaften traten an jenem Juli-Tag die lange, beschwerliche Zugreise nach Wien an. Sonderzug. Grenzkontrollen am Semmering. Sechs Stunden Wartezeit. Doch es zahlte sich aus. Wenn auch am Ende des ersten Cupfinales mit “provinzialer” Beteiligung der Sieger Austria hieß, die Grazer fuhren mit einem besonderen Erlebnis und mit einem Haufen neuen Verehrern zurück in die Steiermark. 0:2, aber die Zeitungen überschlugen sich mit Gratulationen für die Schwarz-Weißen. Dies war der endgültige Grundstein zur Staatsliga.

29. April 1951. Sturm Graz – Austria Wien 3:2
Staatsliga. Endlich. Zwar noch mit überwiegender Wiener Beteiligung, aber diese wurde nach und nach durch die Bundesländer-Vereine aus der Liga gespielt. Übrig blieben die großen Vereine. Und gegen diese taten sich die Blackies schon damals schwer. Bis in den April 1951 dauerte es, bis der erste Sieg gegen einen “Großen” gelang. Sturm lag zwar bereits zur Pause mit 1:2 zurück (Ernst Stojaspal und Rudi Pichler trafen für die Viola), doch Kurt Schindlbauer markierte mit seinem zweiten Treffer im Spiel den Ausgleich, ehe Robert Niederkirchner eine Viertelstunde vor Spielende den 3:2-Endstand besorgte.

Die torreichen Partien
30. August 1969. Sturm Graz – Austria Wien 6:3
Der Meister kam nach Graz. Doch groß auf spielten die Blackys. Vor rund 13.000 Besuchern am Sturm-Platz fegten die Hausherren unter Coach “Karawanken”-Gerd Springer die Elf von Ernst Ocwirk mit 6:3-Toren vom Feld. In einem der legendärsten Spiele gegen die Wiener erzielten Heli Wagner, Ernst Hölzl, Heinz Zamut und im Dreierpack Robert Kaiser. Josef Hickersberger und zweimal Helmut Köglberger markierten nur die Ehrentreffer. Für Kaiser bedeuteten die Tore in jenem Herbst die Einberufung in das Nationalteam. Für Sturm aber war es ein unbezahlbarer Prestigegewinn.

23. Mai 1981. Austria Wien – Sturm Graz 5:2
Es ging um alles – um die Meisterschaft. Für die Austria um nur eine von vielen. Für Sturm um die erste. Im vielleicht vorentscheidenden Duell behielten aber die Wiener die Oberhand. Gernot Jurtin - Sturms bester Torjäger bis Ende der 1990er Jahre – erzielte zwar zwei Tore und brachte seine Mannschaft wieder mit 2:3 heran. Am Sportclub-Platz siegten schlussendlich aber die Hausherren souverän mit 5:2 und sicherten sich wenige Wochen später auch die Meisterschaft im Herzschlagfinish.

1. Dezember 1984. Sturm Graz – Austria Wien 4:5
Im Jahr des ersten – noch vergeblichen – Drängens von Hannes Kartnig ins Sturm-Präsidium spielten die Grazer zwar brav im oberen Mittelfeld mit, an die Europacup-Plätze war aber kein Herankommen. Mitschuld daran hat auch eine historische Niederlage gegen die Austrianer aus Wien. Zweimal gingen die Gäste in der Gruabn mit je zwei Toren in Führung. Beide Male konnten die Schwarz-Weißen ausgleichen. Zunächst durch Bozo Bakota und Walter Hörmann, dann durch Heinz Thonhofer und abermals Hörmann. Doch eine Minute vor Schluss nickte der junge Toni Polster nach einem Herbert-Prohaska-Freistoß zum unglaublichen 4:5-Sieg der Favoritner ein.

14. August 1987. Sturm Graz – Austria Wien 3:4
Was für eine Partie! Rund 9.500 drängten sich auf den Sturm-Platz. Nach 20 Minuten der erste Aufreger. Abwehr-Chef Micha Petrovic trat zum Elfmeter an und schlenzte den Ball in die Arme von Franz Wohlfahrt. Kurz darauf erzielte Alfred Drabits die Gäste-Führung. Doch die Hausherren gaben nicht auf, kämpften sich zurück und führten durch die Treffer von Heinz Thonhofer (32.), einen Harry-Krämer-Abstauber (53.) und ein Solo von Udo Benko (75.) zwischenzeitlich bereits 3:1. Thonhofer hat in der 78. sogar das 4:1 am Fuß, doch im Gegenzug lenkte er einen Christian-Prosenik-Versuch ins eigene Tor – nur noch 3:2. In der Schlussphase überschlug sich die Sturm-Defensive. Manfred Zsak brachte in der 83. den 3:3-Ausgleich und Offensiv-Star Tibor Nyilasi schoss vier Minuten vor dem Ende (nach einer Prohaska-Ecke) seine Veilchen doch noch zum Sieg.

14. Juni 1995. Sturm Graz – Austria Wien 6:0
11.000 kamen in die Gruabn und sahen eine junge, aufstrebende Sturm-Elf, gecoacht von Ivan Osim, auf dem Weg zum Vizetitel. Andrej Tchernishov, Arnold Wetl, Ivica Vastic, Mario Haas, Gilbert Prilasnig und Gerd Wimmer trafen an einem denkwürdigen Abend. 6:0 gegen die Austria. Es ist bis heute die höchste Meisterschafts-Niederlage der Viola und eines der Fabelspiele in der jüngeren Osim-Zeit. Damals starteten die Schwarz-Weißen mit dieser Partie zudem eine Serie gegen die Favoritner von sechs Siegen nacheinander (Torverhältnis 16:0). Das gab es noch nie!

13. April 1998. Sturm Graz – Austria Wien 5:0
Ostermontag. Ajax Amsterdam war es bereits am Vortag. Arsenal London wird es noch in ein paar Wochen später werden. Genauso der 1.FC Kaiserslautern. Meister 1997/98. Sieben Runden vor Schluss sahen rund 13.500 Besucher die souveränste, überwältigendste und einfach beste Sturm-Elf, die je in eine Meisterschaft ging. Und diese zauberte auch an jenem Abend, der den bis dato größten Erfolg der Klub-Historie darstellte. Mit einem grandiosen 5:0-Heimerfolg überrollte der Ivan-Osim-Dampfer die Violetten und fixierte den ersten Titel der Vereinsgeschichte.

Zurück zu alter Stärke
2. November 2008. Austria Wien – Sturm Graz 1:3
Eine nie zuvor dagewesene Euphorie überstrahlte in dieser Zeit sogar jede Niederlage. Über 2.000 Sturm-Anhänger folgten ihrer Mannschaft zum Auswärtsspiel im Franz-Horr-Stadion. Und diesmal wurden sie belohnt. Auf dem Weg zum Herbstmeistertitel zeigten die Blackies eine grandiose Leistung nach der anderen und gingen auch bei der Austria mit zwei Toren in Führung. Mit dem Pausenpfiff traf Rubin Okotie zum 1:2-Anschluss. Es wurde spannend. Zumindest bis zur 82. Minute, als der große Moment des Mario Haas gekommen war. Einer der Größten. Der Super-Mario selbst sprach danach von einem “Weltklasse-Tor” – zurecht. Im vollen Lauf bekam der Stürmer von Andreas Hölzl ideal den Ball, zog an Szabolcs Szafar zunächst vorbei, überhob aber dann den Torhüter per Ferse ins lange Eck. Eines der schönsten Tore der Sturm-Geschichte und einer der schönsten Auswärtssiege in Wien.

11. Mai 2011. Sturm Graz – Austria Wien 1:1
Vor der Nordkurve stieg der Schriftzug “Hexenkessel Liebenau” empor. Mit Bengalen untermalt und einem Überroll-Transparent in der Mitte gaben die Fans die Marschroute vor. Und Liebenau war an jenem Abend wirklich ein Hexenkessel. 15.323 (Ausverkauft) Zuseher sahen eine packende Partie im Kampf der beiden Meisterschaftsanwärter. Roman Kienast brachte die Schwarzen auch voran (37.). Doch – ein weiteres Mal – aus Abseitsposition erzielte Roland Linz den Ausgleich knapp vor der Pause. Der Endstand half Sturm mehr – am Ende der Saison winkte der dritte Meistertitel der Geschichte.

10. Dezember 2011. Sturm Graz – Austria Wien 5:1
Die Akteure betraten bei eisiger Kälte das Spielfeld. Dennoch kamen 10.531 und ein Teil davon – jener auf der Nordseite des Stadions – heizte mittels Pyroshow den Massen und anscheinend im Besonderen auch den Blackys ein. Seit über fünf Jahren konnten die Grazer nicht mehr zuhause gegen die Favoritner gewinnen. Seit dem 1:0-Erfolg durch das Amadou-Rabihou-Elfmeter-Tor 2006. Und auch diesmal egalisierte Zlatko Junuzovic (in seinem letzten Pflichtspiel für die Austria) kurz vor der Pause die Darko-Bodul-Führung. Doch diesmal war alles anders. Keine Spur von den eher matten Vorstellungen im Herbst. Die Franco-Foda-Elf spielte groß auf und kam durch einen lupenreinen Hattrick von Kienast, sowie Boduls spätem Kontertor noch zu einem überragenden 5:1-Erfolg.

Die Gesamtbilanz gegen die Wiener sieht allerdings weniger rosiger aus, als die aufgezählten zwölf Spiele. In bislang 175 Meisterschaftspartien (seit Einführung der Staatsliga) erreichten die Schwarz-Weißen nur 45 Siege. 89mal siegten die Veilchen, bei 41 Remis (Torverhältnis 212:327). Die Bilanz der letzten vier Spiele spricht aber nach drei Erfolgen und einem Unentschieden für die Steirer.

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Kommentare

Markelinho says:

das 5:1 war das spiel als der Franco Foda herum geweint hat ICH BEKOMME KEINE KLAUSEL war das letzte gute spiel under Foda

Sashlyrics says:

ja, weil er gemeint hat er wird sturm verlassen. böse zungen behaupten, die spieler bereiteten ihm ein abschiedsgeschenk..

vic_blacky says:

Ich habe gar kein so schlechtes Gefühl, warum soll es nicht wieder klappen.?
Auf die Schwoazen.!Drück euch live die Daumen.!(:

Sehr gut recherchiert!
Nur ein ganz kleiner Fehler hat sich eingeschlichen:
“Und auch diesmal egalisierte Zlatko Junuzovic (in seinem letzten Pflichtspiel für die Austria)”
Es war sein vorletztes, da er gegen Salzburg in der 19. Runde auch gespielt hat.

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