Glanzparade

Die absolute Gegenwart

Seit Peter Hyballa in Graz ist blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Auf der Strecke blieben dabei das ein oder andere Talent und auch der „übliche“ Umgang mit Sturm-Ikonen und der schwarz-weißen Vergangenheit. Pure Lust auf Konfrontation oder einfach schonungslose Konsequenz?

© Sturm12.at

“Man muss auch eines klar sagen und das versuch ich jetzt auch reinzubringen in diesen Klub: Was früher war ist schön und gut. Jetzt ist aber die absolute Gegenwart. Jeder arbeitet im absoluten Konkurrenzkampf und die, die heute gespielt haben, haben einen Tick besser gearbeitet als die, die nicht gespielt haben.“ Peter Hyballa, nach dem Heimspiel gegen die Austria.

Peter Hyballa und der Umgang mit Traditionen, längst akzeptierten Gegebenheiten und uneingeschränktem Ikonenstatus. In Österreich, einem Land in dem man mit lebenden Legenden in HD-Zeiten mittlerweile mehr Freude hat, weil sie beim Konsum von Chips und Bier zumindest für einige Stunden mit Überschallgeschwindigkeit diverse Minderwertigkeitsbefindlichkeiten durchbrechen können, ein äußerst gefährliches Spiel mit dem Feuer. Zumindest wenn man es in der Beliebtheitshitparade ganz nach oben schaffen will. Aber wer muss das schon? Peter Hyballa definitiv nicht, solange er das erreicht was er will. Schon in den ersten Monaten von „Sturm neu“ (mittlerweile in „Sturm ganz neu“ mutiert) wurde klar, dass er sein Ding, ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht. Das schmeckt einigen nicht. Menschliche Defizite orten manche, konsequente Vorgehensweise andere. Zurzeit wird ja eher wenig gemotzt. Wenn er allerdings beim „schlafenden Riesen“ (Hyballa über Sturm beim 12er-Stammtisch) scheitern sollte, wird es woanders weitergehen, sagte er mir damals. So ist eben das Geschäft. No regrets, no apologies.

Zu aller Anfang wurde oft von Stallgeruch, Ausbildungsverein oder Karriereplattform gesprochen. Wörter, die nach Monaten der eifrigen Verwendung schließlich im Messendorfer Gerätekammerl verstaut wurden und schon Schimmel angesetzt haben dürften. Echte Kerle braucht dieser Verein. Nicht nur Führungsspieler, sondern echte Kerle. Also Spieler, die mutig genug sind um ein gewagtes Offensivkonzept nicht nur durchziehen zu können, sondern auch begreifen, dass dieses System ein hohes Maß an Disziplin, Konzentration und Aufopferung erfordert. So ist auch das Hyballa’sche Auswahlverfahren diesem Motto treu. Legenden und Liebkinder sind da auch nur einfache Männchen auf dem schwarz-weißen Taktikschachbrett. Ausnahmen gibt es nicht.

Schon zu aller Anfang wurde den Sturm-Jungspunden eine zweiwöchige Bewährungszeit eingeräumt. In diesen Wochen hatten sie die Gelegenheit zu begeistern. In dieser Zeit wurde aber auch der restliche Kader seziert. Nach echten Kerlen hielt der Coach Ausschau. Spieler die den Kampf suchen, das Duell, die sich was trauen, reingehen, motiviert sind. Eier haben. Attribute die von der Kurve ja auch über 90 Minuten gefordert und forciert werden, also an sich ur-eigenste Sturm-Eigenschaften sind. Konsequenz: Patrick Wolf – ein Kerl, aber technisch zu schwach, deswegen weg. Andi Hölzl – ein Kerl, zum Glück wieder fit. Florian Neuhold, talentiert, aber nicht bissig, engagiert und fokusiert genug. Jürgen Säumel – wichtig aber immer verletzt, längerfristige Planung unmöglich. Manuel Weber, Führungsspieler, Kapitän, „ein lieber Typ“ (O-Ton Hyballa), aber wenig Kerl. Mario Haas, eine Legende muss doch wirklich kein Kerl sein, oder? Egal. Darüberhinaus schien es, dass man Darko Bodul zuerst weniger wollte, dann war man begeistert, nun macht er grad wieder wieder schwerere Zeiten durch, weil defensiv zu wenig Kerl. Auch mit Imre Szabisc musste der ein oder andere Kelch ausgefochten werden. Er schien vorm Absprung zu stehen, dann verlängerte er urplötzlich. Definitiv Kerl.

Dazu irgendwie passend, dass eine der wenigen Konstanten beim SK Sturm in diesem Jahr jene der missglückten Abschiede und der kommunikativen Armseligkeit ist. Foda, Muratovic, Gludovatz, Stangl, Neuhold – um nur einige zu nennen – können ein Lied davon singen. Muratovic wurde im erlesenen Kreis seine Eliminierung mitgeteilt, bei Foda wurden Neuling Christopher Houben in Verbindung mit dem Frischling Paul Gludovatz auf Druck von ganz oben in den Ring geschickt. Neuhold wurde mit einer vorübergehenden Trainingspause belegt. Nur Stangl zog selber die Notbremse. Beide, Stangl und Neuhold waren für Hyballa einfach nicht „Kerl“ genug.

Christian Gratzei wurde, zur Überraschung vieler, nach einem kaum zu bemängelnden Auftritt in Salzburg, ausgerechnet vor den Augen von Teamchef Marcel Koller und Teamtormanntrainer Otto Konrad gegen die Austria auf die Ersatzbank platziert. Für seine A-Team-Ambitionen ein weniger guter Umstand. Andererseits steht dort auch ein Ersatzmann im Tor und für den verletzten Austria-Goalie Heinz Lindner wurde Wild-West Keeper Lukas Königshofer nachnominiert. Will heißen, selbst in Zeiten größten Reservistendaseins, keine unbedingt aussichtlose Situation im österreichischen Teamtor zu stehen.

Trotzdem kommt die Frage auf, inwieweit dieser Fokus auf Westernhelden die menschlichen Komponenten, technischen Qualitäten, das Potential für Geniestreiche oder einfach sensibleren Spielertypen ungerechtfertigterweise vernachlässigt? Fehlt für jene Aspekte im System Hyballa der Platz oder gar die Geduld? Kann Florian Neuhold bei einem anderen Coach sogar massiv aufblühen und zum Führungsspieler werden? Ist das launische Diva-Gehabe a la Arnautovic oder Bodul zähmbar bzw. gar entschuldbar und auch auf lange Sichte sogar zum Wohle des Erfolges vernachlässigbar? Sind einige wenige Patzer ausreichend um die Nummer 1 ausgerechnet vor der Länderspielwoche durch einen in der Vorbereitung ganz und gar nicht fehlerfreien Kollegen zu ersetzen? Muss eine Legende vielleicht sogar zum Wohle der Mannschaft hofiert und bevorzugt werden? Oder ist gerade dieser kategorische Bruch mit vorgeformten ur-österreichischen Gewohnheiten und Rücksichtnahmen einfach nur konsequent, zielgerichtet, erfolgsversprechend und beneidenswert?

Während man bei Franco Foda – selbst Sturm-Legende – immer auch das Gefühl hatte, er würde im Zweifelsfall mit tendenzieller Rücksichtnahme für schwarz-weißes Blut handeln, nimmt Hyballas Plan darauf keine Rücksicht. Zum Leidwesen von Mario Haas beispielsweise, dem Hyballa trotz allem einen „fantastischen Abschied“ bereiten will. Hyballa geht seinen Weg. Holpriger Start und klassische „Einfahrer“ inbegriffen. Dafür prickelt es jedesmal aufs Neue beim Stadionbesuch. Was einen erwartet steht zumeist in den Sternen. Ein bisserl wie beim Happel Ernst und seinem berühmten „heute spielen wir Hollywood“. Ob dabei die justamente Lust auf Konfrontation und Sensation als Motivation dient oder grenzenloses Vertrauen in die eigene Philosophie bleibt dahingestellt. Vielleicht ist Peter Hyballa ja auch einfach nur ein „echter Kerl“.

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Michael Pelitz (mp)

1977 in Graz geboren, in Mürzzuschlag aufgewachsen und mit ca. 14 Jahren der dortigen schwarz-weißen Eisenbahner-Jugend als stets einsatzwilliger, aber minder talentierter Offensivgeist er- bzw. entwachsen. Zumindest die Knipserqualitäten sind ihm bis heute geblieben. Ab da an stand der Tennissport - bis heute große Leidenschaft und Ausgleichsbeschäftigung - im Mittelpunkt des sportlich-aktiven Interesses. Nach einem Austauschjahr im pazifischen Nordwesten der Vereinigten Staaten gings über Umwege ans Anglistik/Amerikanistik- und Medienstudium, daneben erste (weniger) (erfolgreiche) musikalische Gehversuche. Durchs Bruderherz zum wahren Sturm-Afficionado mutiert und bis zum Fansektortransport leidenschaftlicher "22er"-Dauerkartenbesitzer (an selber Stelle mit JD eine Freundschaft erstritten - Anmerkung: MP hatte zumeist recht...). Nach Studienabschluß, Co-Leitung der Musikplattform "Platoo", die vom schwarz-weißen Lieblingsbelgier Jan-Pieter Martens gegründet wurde, weitere Musikprojekte und noch viel viel mehr...



Kommentare

Glanzparaden sind und bleiben die besten Beiträge auf sturm12…

Da sind wir wieder so weit – die “Kerle”. Aber die sucht man mehr oder weniger vergebens in unserer Mannschaft.

Ich will gar nicht erst damit beginnen jede einzelne Textpassage hier zu kommentieren, ich bin der Meinung – völlig egal ob er Rücksicht nimmt auf Legenden oder nicht, alles eigentlich egal was er macht und wie er es macht. Gemessen wird er an seinem Erfolg, an den Mannschaftsleistungen und an den Ergebnissen. Wenn die stimmen dann ist’s gut – und wenn nicht, dann ist die Ära Hyballa nur ein weiteres unter vielen “Missverständnissen”. Soviel dazu!

Keine_Flaute says:

Man muss schon unterscheiden:
Neuhold und Stangl haben laut Hyballa einfach nicht das Potential um Stammspieler zu werden, das hat nicht mit “echten Kerlen” oder dergleichem zu tun. Man wird sehen wie es mit beiden weitergeht. Stangl wird aber mMn nicht über die 2. Bundesliga hinauskommen, genausowenig attestiere ich Neuhold den großen Sprung. V.a. Neuhold konnte scheinbar mit den Vorschlusslorbeeren nicht umgehen. Ich kann ein noch so hohes Ansehen beim Vorgänger genossen haben, aber neuer Trainer heißt neu beweisen.

Und am Ende des Tages werden die besten verfügbaren Spieler auch aufgestellt. Alter, Status oder sonstige Sonderstellungen dürfen keine Rolle spielen.

Stimme dir zu, finde auch nicht dass es bei den beiden mit “echten Kerlen” zu tun haben muss. Was ich mich aber schon lange Frage: Hatte Neuhold unter Foda wirklich ein so hohes Ansehen? Wurde nicht unter ihm dauernd Neuhold gefordert? Also ich mag mich mal nicht erinnern, dass Foda grossartig über ihn geredet hätte? Hatte eher das Gefühl, dass auch ihm Neuhold nicht grossartig überzeugte. Und damals hatte Neuhold noch Konkurrenzkampf mit einem Burgstaller, Pürcher…
Ich will ja keinem zu nahe tretten. Eigentlich ein Wunder, dass nicht schon spekuliert wird, dass Neuhold zu Kaiserslautern wechseln könnte (??). Oder einer der anderen “Foda-Lieblinge”…? Eben.

archaeopterix says:

Netter Artikel ! – Gludovatz hat mit großem Rätselraten und Spannung Hyballa gebracht ! Er passt gut zu Sturm – Neu, denn er macht wirklich an vorderster Front alles N E U !! Origineller Typ mit Köpfchen !!!! ………

hyballa ist genau der richtige für sturm meiner meinung nach der sein ding ohne rücksicht auf verluste durchzieht.schluss endlich wenn er scheitert wird ihm keiner nachsagen “ja aber er hat dem haas oder dem neuhold eine chance gegeben”
was mir beim foda unter anderem nicht gefallen hat ist das er haas eine zeit lang dauernt aufgestellt hat obwohl die leistungen ausgeblieben sind….hyballa hat bodul die ersten paar spieltage spielen lassen und als er gemerkt hat das da wenig kommt hat er ihn logischerweise auf die bank gesetzt….
was mir bei sturm fehlt ist säumel….ein abräumer der die zügel an sich reist und anderen sagt was sache ist….einer der läuft wie ne eins und fightet bis zum umfallen (ein gattuso-typ) :D

guter Artikel, zu Neuhold schreibt die Kleine Zeitung:
“Florian Neuhold trainiert wieder normal mit der Mannschaft mit. Will er sich aber in die Mannschaft spielen, “muss er mir mehr anbieten. Das habe ich ihm schon einige Male gesagt”, erklärt Hyballa.” -
das Kapitel scheint noch nicht geschlossen zu sein…

Für Hyballa natürlich nicht – immerhin hat der Spieler Vertrag, da kann er öffentlich nicht einfach sagen dass das – wie du so schön sagst – Kapitel geschlossen ist. Aber für Neuhold ist es das, definitiv.

Markelinho says:

kann mir bitte einer sagen wieso der hyballa den foda liebling neuhold aufstellen sollte wenn der so blöd ist und nicht 100% leistung und einsatz gibt das gleiche gilt für jeden unserer spieler wer nicht 100% leistung und einsatz gibt spielt auch nicht

Dann darf ein Weber aber auch nicht spielen!

Markelinho says:

mann kann den weber vieles absprechen aber 100% leistung und Einsatz bringt er fast immer und viel was besseres haben wir bei sturm nicht solange der säumel verletzt ist

Wenn das 100% sind was der zeigt dann gute Nacht. Da brauch ich mir allein nur anschauen wie “zaghaft” und halbherzig er in die Zweikämpfe geht…

Markelinho says:

der weber zeigt immer noch mehr einsatz als ein neuhold der zu blöd ist für unseren SK Sturm mehr einsatz zu zeigen als ein Dudic oder Vujatinovic sogar der Ferdl hat mehr einsatz gezeigt als Fodas Liebling

Bezüglich Neuhold: Hyballa, Pressekonfernenz von gestern. Anscheinend hakt es da auch noch woanders.

archaeopterix says:

c’ est ca ! Man muß einmal davon ausgehen, daß der derzeitige Status quo unserer Spieler eben ihrer Qualität entspricht !! Einmal a bisserl mehr, einmal auch weniger ! – dazu kommt noch der spezielle Einfluß des Trainers in Aufstellung , System & Taktik für den Gegner – und dann 90 min warten ………

Ich hoffe nur dass die Krone einen Blödsinn schreibt “heute keine großen Überraschungen… Forcher bleibt im Tor…) Dass ist die einzige Personalie die ich komplett anders sehe als Hyballa. Zugegeben ich habe ihm noch nie beim Training zugesehen aber die Freundschaftsspiele haben gezeit warum er Dortmunds NR3 ohne Perspektive auf mehr war…

Korigiere NR 4 (Ersatzgoali von der 2er)

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