Neo-Wolfsberger Michael Liendl

"Sind auf einem guten Weg"

Im Sommer wechselte Michael Liendl von der Austria zu Aufsteiger Wolfsberg, wo er sich gleich als Führungsspieler im Mittelfeld etablierte. Der gebürtige Grazer im Sturm12.at-Interview über den bisherigen Saisonverlauf, seinen Beweggrund für den Wechsel und das kommende Duell mit Sturm.

© GEPA (honorarfrei)

Er gilt als Denker und Lenker im Mittelfeld des WAC. Michael Liendl hat seit seinem Wechsel im Sommer eine tragende Rolle im Spiel des Aufsteigers eingenommen und hält bewerbsübergreifend bei einer beachtlichen Bilanz von fünf Toren und fünf Assists in 13 Spielen. Bevor der 27-jährige zentrale Mittelfeldspieler bei den Kärntnern anheuerte, kickte er für den GAK, Kapfenberg und zuletzt für die Austria.

In der 13. Runde der Bundesliga empfängt Wolfsberg am Samstag in der heimischen Lavanttal-Arena Sturm Graz und will sich dabei für das 1:4-Debakel in Graz revanchieren. Liendl spricht im Sturm12.at-Interview über den bisherigen Saisonverlauf des Aufsteigers, seinen Beweggrund für den Wechsel, seine Ziele und das kommende Duell mit Sturm.

Ein Drittel der Meisterschaft ist gespielt. Der WAC liegt mit 14 Punkten nur vier Zähler hinter einem Europa-League-Platz, und komfortable acht Punkte vor dem Letzten Wacker Innsbruck. Kann man mit der bisherigen Saison aus deiner Sicht zufrieden sein?
Im Großen und Ganzen schon. Wir haben gute, aber auch weniger gute Spiele gezeigt. In Summe kann man mit der Punkteausbeute zufrieden sein. Wir müssen noch daran arbeiten, die extremen Ausrutscher abzustellen, wie etwa das 1:4 gegen Sturm oder zuletzt das 2:5 daheim gegen Ried.

Ihr habt regelmäßig gegen Teams aus der unteren Tabellenregion gepunktet und zudem mit dem Heimsieg gegen Rapid und dem Remis bei der Austria Ausrufezeichen gegen die Großklubs gesetzt. Hast du damit gerechnet, dass ihr die Großen mehr als nur ärgern konntet?
Man konnte damit nicht rechnen. Wir spielen aber in jeder Partie auf Sieg, und in diesen Matches hat alles zusammengepasst. Wir waren zu hundert Prozent konzentriert und haben unser Spiel aufgezogen. Wenn wir nicht voll fokussiert sind, dann bekommen wir vier, fünf Tore, wie eben zuletzt gegen Ried.

Das Toreschießen klappt bei euch ganz gut, wie zum Beispiel der 6:0-Kantersieg gegen Wiener Neustadt zeigte. Allerdings habt ihr zuletzt eben deutliche Pleiten gegen Ried und Salzburg einstecken müssen. Wie erklärst du dir, dass eure Abwehr nicht immer sattelfest ist?
Das ist nicht allein ein Problem der Abwehr, sondern der ganzen Mannschaft. Wir müssen einfach konzentrierter agieren, sonst bekommen wir drei Tore in zehn Minuten wie gegen Ried. So eine Nachlässigkeit wird in der Bundesliga eiskalt ausgenützt, und dann ist es schwer, wieder in die Partie zurückzukommen.

Gegen deinen ehemaligen Klub, die Austria, wart in beiden Duellen hingegen knapp am Sieg dran und hattet zahlreiche Chancen, die ihr aber nicht verwerten konntet. Fehlt es euch da noch ein wenig an der Cleverness, um solche Spiele zu gewinnen?
Ja, ich denke uns fehlt noch ein bisschen Cleverness und Routine, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Wir müssen hinten kompakter stehen und vorne unsere Chancen besser nützen. Gegen Salzburg etwa sind wir dreimal allein aufs Tor gelaufen, konnten unsere Möglichkeiten aber nicht verwerten. Da müssen wir besser werden.

“Hatte nicht das Gefühl, dass mich die Austria unbedingt wollte.”
Michael Liendl

Du bist in diesem Sommer doch für manche überraschend von der Austria zu Aufsteiger Wolfsberg gewechselt. Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?
Ich war mit dem Angebot der Austria nicht zufrieden. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie mich unbedingt wollten. Ich wollte mich verändern und da kam das gute Angebot von Wolfsberg. Zudem wollte mich der Trainer (Anm. Nenad Bjelica), das hat meine Entscheidung erleichtert.

Wäre ein Wechsel ins Ausland eine Option gewesen?
Das war ein Thema und ist nach wie vor ein großes Ziel von mir. Es gab Möglichkeiten, doch das hätte sich länger hingezogen, teils bis zum letzten Transfertag am 31. August. Ich wollte aber nicht hoch pokern und habe mich dann für den Schritt zu Wolfsberg entschieden.

Welche Liga würde dich denn international reizen?
Die deutsche Liga wäre eine reizvolle Option, dort haben es bereits viele Österreicher geschafft.

Wolfsberg ist im Vergleich zur Austria doch ein anderes Ambiente. Welche Unterschiede gibt es im Bezug auf das Umfeld beider Vereine?
Es ist natürlich viel kleiner und auch noch nicht so professionell wie bei der Austria, einem Traditionsverein. Das Umfeld ist familiärer und ruhiger. Es gibt nicht gleich so einen Wirbel wenn man zwei-, dreimal verliert. Noch befindet sich der Verein im Aufbau, aber es geht gut voran. Das Umfeld macht Wolfsberg aus.

In dieser Spielzeit stehen bei dir bewerbsübergreifend fünf Tore und fünf Assists auf dem Konto. Bist du zufrieden mit deinen bisherigen Leistungen?
Ja, ich bin durchaus zufrieden, wenngleich es immer noch Luft nach oben gibt und ich mich verbessern muss. Ich habe mich im Team etabliert und hoffe, dass es so weitergeht und die Mannschaft Erfolg hat.

Wo siehst du deine Stärken und wo ortest du bei dir noch Luft nach oben?
Ich denke, meine Stärken sind der linke Fuß und der Abschluss. Ich kann auch gute Standards schießen und ein Spiel organisieren und lesen. Wo ich mich noch verbessern muss, ist in der Defensive und beim Zweikampfverhalten.

Derzeit liegt ihr als Aufsteiger in Reichweite eines Europa-League-Platzes. Was ist euer Ziel in dieser Saison?
Nicht absteigen ist unser primäres Ziel. Es kann sehr schnell gehen, dass man unten drinnen ist. Derzeit sind wir auf einem guten Weg Richtung Klassenerhalt. Alles andere als der Liga-Verbleib wäre eine Draufgabe, da muss man die Kirche im Dorf lassen. Wir sind ein kleiner Verein und müssten eine perfekte Saison spielen, damit wir unter die ersten vier, fünf Plätze kommen. Wenn es mehr wird als der Klassenerhalt, sagen wir natürlich nicht Nein.

“Ich spiele viel lieber vor 10.000 als vor 1.000 Zuschauern.”
Michael Liendl

Die Lavanttal-Arena war bei euren bisherigen Heimspielen immer gut besucht. Inwiefern hat sich die Unterstützung der Fans auf eure Leistungen ausgewirkt?
Es ist natürlich immer schön, wenn die Fans hinter uns stehen. Sie sind sehr wichtig und tun dem Team gut. Die Aufbruchsstimmung wie nach dem Aufstieg ist nach wie vor da. Ich spiele viel lieber vor 10.000 als vor 1000 Zuschauern. Wenn das Stadion bei uns voll ist, kommen 7500 Leute, das bringt eine tolle Stimmung.

Am Samstag trifft ihr daheim auf den Vierten Sturm Graz, gegen den ihr in Graz eine herbe 1:4-Pleite hinnehmen musstet, obwohl ihr eine solide Leistung gezeigt habt und sogar in Führung gegangen seid. Wurdet ihr damals unter eurem Wert geschlagen?
Ja, definitiv. Wir sind schnell in Führung gegangen und haben geglaubt, dass es zu einfach wird. Dann waren wir zu unkonzentriert und haben dann ein, zwei Schritte weniger gemacht. So etwas geht gegen eine Top-Mannschaft wie Sturm natürlich schief. Die nutzen das eiskalt aus und machen dann ihre Tore. Wir sind besser als das 1:4 und wollen das am Samstag auch zeigen.

Das Duell mit Sturm wird ausverkauft sein. Was ist für euch gegen die Grazer vor vollem Haus möglich?
Ein Sieg ist sicher möglich, denn in dieser Liga kann bei einem guten Tag jeder jeden schlagen. Es muss am Samstag alles passen bei uns, dann können wir gegen Sturm gewinnen.

Wie erwartest du Sturm in Wolfsberg?
Ich glaube, sie werden ähnlich offensiv wie damals in Graz auftreten und versuchen, uns unter Druck setzen. Da müssen wir uns darauf einstellen und dagegen halten.

Abschließend: wie geht’s aus?
Ich tippe auf einen 3:1-Sieg von uns.

Das Interview führte David Donnerer

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Kommentare

Oh, verdammt, doch 3-1 für Wolfsberg? Dann muss ich schnell meinen Kicktipp ändern!

archaeopterix says:

Alles ist möglich …..

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