Amateur-Kommentar

Vorurteile platzen lassen

Im letzten Heimspiel der Regionalliga Mitte – Herbstsaison wurden die Sturm Amateure vom SAK ergebnismäßig mit einem 1:4 gedemütigt. Die Frage nach der Zielsetzung der Sturm Amateure scheint geklärt. Es ist der Klassenerhalt. Es bleibt die Frage nach dem Wie.

© SturmTifo.com 2012

Vierzehn der fünfzehn Spiele der Herbstsaison der Regionalliga Mitte sind absolviert, und wer jetzt davon spricht, dass sich die Sturm Amateure mitten im Abstiegskampf befinden, kann sich das sparen. Es bräuchte wohl mehr als ein wenig mehr Spielglück und etwas gezieltere Hilfe von der Kampfmannschaftsabteilung, um den Sturm Amateuren einen Abstiegskampf bis zum Meisterschaftsende zu ersparen. Das liegt möglicherweise an der großen Fluktuation innerhalb der Mannschaft – kaum zwei Spiele wurden mit ein und derselben Aufstellung absolviert – möglicherweise an den, dem geringen Durchschnittsalter geschuldeten, großen Leistungsschwankungen oder auch an der grundsätzlichen Qualität der Nachwuchskicker, denen man sehr gerne Talent und eine Perspektive zugestehen möchte. Vielleicht aber auch an den Trainern, denen Walter Hörmann aufgrund ihrer Tätigkeit in der dritthöchsten Liga wohl Drittklassigkeit zuschreiben würde. Was ich hier aber nicht tun werde, da sich das Trainer-Duo Markus Schopp und Günter Neukirchner mit Ruhe, Sachlichkeit und Kontinuität darum bemüht, den jungen Kickern bei ihrer Entwicklung zu helfen und einen Fußball spielen läßt, der trotz fehlender Resultate nicht selten näher am Sinn des Fußballspielens ist, als das, was viele der restlichen Regionalliga Mitte – Mannschaften bieten.

Frage nach dem Sinn
Über den Sinn des Fußballspieles und des Fußballerdaseins sollten sich mitunter auch Nachwuchsspieler Gedanken machen. Resultate wie das 1:4 gegen den SAK passieren manchmal. Aber manchmal öffnen sie einem auch die Augen. Dafür zum Beispiel, dass nicht alles, was man tut, auch einen sinnvollen Plan verfolgt. Geradezu unglaublich, nämlich unglaublich traurig, ist es, was das Grazer Innenverteidiger-Talent Florian Neuhold seit der Sommerpause gezeigt hat. Ungeachtet der wohl vorhandenen Kommunikationsprobleme mit Trainer Peter Hyballa beziehungsweise der in diesem Alter bekannten Formschwankungen, ist die mitunter den Weg vom gesunden Selbstbewußtsein zur unangebrachten Selbstüberschätzung nehmende Entwicklung des Talentes Neuhold noch augenfälliger. Wer sich defensiv so verhält wie die Grazer Zukunftshoffnung bei nicht weniger als drei der vier “billigen” Gegentreffer des SAK, kann keinen Trainer durch Leistung eines Besseren belehren. Und Neuhold ist da nicht der einzige der hoffnungsvollen Nachwuchsspieler. In Summe konterkariert das aber all die nicht genug zu lobenden Bemühungen vieler, den SK Sturm Graz auf neue und durchaus junge Spiel(er)beine stellen zu wollen.

Messendorfer Seitenblicke
Die Spiele der Sturm Amateure in Messendorf erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, wobei sich das weniger durch einen Anstieg der durchschnittlichen Besucherzahl manifestiert – die hält sich derzeit sehr konstant im Rahmen zwischen 250 und 350 Besuchern – als durch die Anwesenheit von prominenten Zaungästen und Daumendrückern. Dieses Mal stattete der NHL – Star Thomas Vanek – ein echter Sturmfan von Kindheit an – Messendorf einen Besuch ab und konnte mit seinem natürlichen und völlig allürenfreien Auftreten viele Sympathiepunkte gewinnen. Möglicherweise auch ein ungewollter Fingerzeig für so manchen aufstrebenden Sturm-Nachwuchsspieler.

Teile diesen Artikel mit deinen Freunden


Heimo Mürzl (hm)

Jahrgang 1962, verbrachte seine Kindheit fern großer Fußballstadien in Mariahof, einem kleinen Ort in der Obersteiermark. Die Fußball-WM 1970 in Mexiko, die unvergessene Ajax-Jahrhundertmannschaft rund um Johan Cruijff und das so unglücklich endende Messestädte-Cup-Duell von Sturm Graz gegen Arsenal London machten den von Kleinauf selbst kickenden Buben zum späteren Fußballverrückten. Mit dem Studiumbeginn in Graz wurde es ihm auch endlich möglich, sein Fantum nicht nur vor dem Fernsehschirm auszuleben, sondern selbst im Liebenauer Stadion und in der Gruabn Teil der kollektiven Emotionen zu werden. So verbringt er auch heute noch sehr viel Zeit in den diversen Weihetempeln des runden Leders, wo Sehnsüchte erzeugt und mitunter auch gestillt werden. Mit großer Freude schreibt er für das Extra der Wiener Zeitung und das SturmEcho, das Klubmagazin des SK Sturm Graz.



Kommentare

eckballverursacher says:

“Möglicherweise auch ein ungewollter Fingerzeig für so manchen aufstrebenden Sturm-Nachwuchsspieler.” finde ich eine sehr gelungene Spitze gegen in England hoch gelobte Innenverteidiger :-)

archaeopterix says:

Die Entwicklung von Neuhold & Rother ist mir eigentlich rätselhaft !? – Ebenso , daß 4 Verstärkungen von der Kampfmannschaft nichts geholfen haben !?? ………

Chrisi2408 says:

Ich finde die Entwicklung in unserer Amateurmannschaft auch sehr bedenklich. Jedes Jahr wird mit Ach und Krach der Klassenerhalt geschafft um dann trotz guter Vorsätze wieder aufs Neue vor den gleichen Problemen zu stehen. Kann mir das eigentlich nicht erklären. Vor allem wenn man zum Beispiel die Regionalliga Ost betrachtet die wohl qualitativ eine Stufe über der Regionalliga Mitte steht (OK, Momentan durch GAK, Klagenfurt, Pasching, Lask vielleicht nicht). Trotzdem dominieren dort die Amateurmannschaften die Liga. Austria-, Rapid-, Mattersburg- und Admira-Amateure. Allesamt im oberen Tabellendrittel. Austria Amas sogar ungeschlagener Tabellenführer. Naja wenigstens ist Hoffnung in Sicht wenn man sich die Entwicklung der U-15 anschaut – die stimmt ein wenig positiv. Hoffentlich schafft man es diese Talente erfolgreicher auf den Profifußball vorzubereiten als man es in der Vergangenheit bei anderen machte.

Viele Spiele der RLO dürftest du aber noch nicht gesehen haben. Bis auf 1-2 Teams neben den Amas ist dort nicht wirklich starke Konkurrenz zu finden. Wie auch, wo doch schon fast Alles darauf verzichten, die Lizenz für oben zu beantragen.

Pingback: Sturm12.at | Amateure: Die Arbeit trägt Früchte

Hinterlassen Sie einen Kommentar