Er gilt als Tiroler Urgestein. Zwölf Jahre spielte Roland Kirchler für Wacker Innsbruck (von 1990-92 FC Tirol, von 1993-2002 FC Tirol Innsbruck genannt) und holte zwischen 2000 und 2002 drei Meistertitel in Folge. Beinahe hätte er die Tiroler in die Champions League geführt, doch sein Schuss ging im Entscheidungsspiel gegen Lok Moskau (1:0) nur an die Latte. Ein 2:0 hätte den Einzug in die Königsklasse für den damaligen Krösus bedeutet.
Nach zehn Jahren ist der 42-jährige Innsbrucker wieder bei Wacker – und soll als Trainer den Traditionsverein vor dem Abstieg aus der Bundesliga retten. Kein leichtes Unterfangen für Kirchler, auf dessen Trainer-Visitenkarte bis dato einzig der Regionalligist WSG Wattens steht. Doch gleich mit zwei Siegen gegen Ried daheim (1:0) und den SV Mattersburg auswärts (2:1) konnte der Jungtrainer mit Wacker ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf setzen. Nur mehr einen Zähler liegen die Tiroler hinter dem Vorletzten Wiener Neustadt – und wollen mit einem Sieg am Samstag im direkten Duell an den Niederösterreichern vorbeiziehen.
Vor dem wichtigen Match gegen Neustadt will Kirchler aber noch im Cup-Achtelfinale in Liebenau Favorit Sturm Graz aus dem Bewerb werfen. Im Sturm12.at-Interview verrät der Wacker-Coach, wie die Überraschung gelingen soll. Zudem spricht er über seine neue Aufgabe, seinen Umgang mit Spielern und seine Ziele mit den Tirolern.
Herr Kirchler, in ihren ersten beiden Spielen als Wacker-Trainer konnten sie gleich zwei Siege einfahren. Ein klassischer Trainereffekt?
Nach den Resultaten schon. Es gibt aber keine Garantie, dass es auf Anhieb gleich so gut funktioniert. Es war etwas Glück dabei, aber ich bin froh, dass es so gelaufen ist. Das Team hat wieder Selbstvertrauen und glaubt an sich. In diesen Spielen war eine Steigerung erkennbar, auf der man aufbauen kann.
Sie waren vorher mit Wattens durchaus erfolgreich, in der Vorsaison hätte es fast zum Aufstieg in die Erste Liga gereicht. Warum nun das Engagement in Innsbruck, einem Abstiegskandidaten?
Es gab zwei Kandidaten, Michael Streiter (Anm. Horn-Coach) und ich. Als sich der Verein mit Streiter nicht einigen konnte, wurde ich kontaktiert. Ich hatte anfangs meine Zweifel, denn die Situation ist natürlich nicht leicht. Nach langen Gesprächen habe ich aber doch entschieden, diese Herausforderung anzunehmen. Ich bin ein junger Trainer und habe viel Energie. Ich will diese Chance nützen und das Schiff wieder flottmachen.
Sie waren viele Jahre Spieler hier. War es für Sie daher eine Herzensangelegenheit?
Klar, natürlich. Ich war beim Verein zwölf Jahre lang und habe dort viel erlebt. Da trifft das Herz auch eine Entscheidung. Außerdem wohne ich mit meiner Familie ganz in der Nähe, das spielt auch eine Rolle.
Als Walter Kogler noch Trainer war, lag Wacker vier Punkte hinter dem Vorletzten Wiener Neustadt. Jetzt ist es nur mehr ein Zähler. Hätten Sie gedacht, dass der Turnaround derart schnell geht?
Man wünscht sich so einen Start. Mit dem nötigen Glück, viel Einsatz und der Freude an der Arbeit haben wir das geschafft. Jetzt müssen wir so weitermachen.
“Die beste Medizin sind Siege”.
Wacker hatte vor den beiden Siegen etliche Spiele verloren, die Unsicherheit war groß und das Selbstvertrauen am Boden. Was muss man als Trainer in so einer Situation tun, um die Spieler wieder aufzurichten?
Die beste Medizin sind natürlich Siege. Ich habe viele Einzelgespräche geführt und wollte den Spielern die Angst nehmen. Der Sieg gegen Ried war dann enorm wichtig. Wir waren zwar nicht die bessere Mannschaft, haben aber dennoch gewonnen. Solche “dreckigen” Siege sind wichtig, wenn man unten drinnen ist. Ich merke im Training, dass die Köpfe jetzt frei sind und dass sich die Spieler wieder mehr zutrauen.
Einige ihrer Spieler meinen, dass die Lockerheit nun wieder da sei. Sind Sie ein eher kumpelhafter Trainer, der den Spielern Nähe geben will?
Eigentlich schon. Ich habe das bereits in Wattens so gemacht. Ich bin zwar nicht der Freund der Spieler, will aber für sie da sein, wenn es Probleme gibt. Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen sind mir wichtig, das ist meine Art. Ich verlange aber dafür Respekt und Disziplin von den Spielern.
Zwei Siege sind nun eingefahren, die Situation in der Liga sieht jetzt wesentlich besser aus. Waren Sie zufrieden mit der Leistung ihrer Mannschaft in diesen beiden Partien?
Ja, durchaus. Der Einsatz und der Siegeswille haben gestimmt. Zudem haben wir die individuellen Fehler in der Abwehr abgestellt, das ist ein großes Plus. Das liegt auch am Selbstvertrauen, welches wieder da ist. Ich hoffe, es bleibt so.
Die Offensive wusste noch nicht zu überzeugen. Muss hier noch der Hebel angesetzt werden?
Klar, es ist noch nicht alles Gold, was glänzt. Wir müssen uns noch in einigen Bereichen verbessern, sowohl im offensiven als auch im defensiven Bereich. Unser Offensivspiel muss interessanter, variantenreicher werden. Zudem sollen die jungen Spieler weiter entwickelt werden. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.
Sie haben im Heimmatch gegen Ried den jungen Alex Fröschl von Beginn an gebracht, auch der 19-jährige Sascha Wörgetter kam zu Einsatzminuten. Wollen Sie künftig vermehrt auf junge, hungrige Spieler setzen?
Ja, das habe ich in Wattens auch gemacht. Ich sehe im Training einige sehr gute Talente, die viel Potenzial haben. Die Aufstellung von Fröschl und die Einwechslung von Wörgetter war ein Zeichen, den Tiroler Weg zu gehen. Ich will junge Spieler einbauen, so wie Sturm es vor zwei, drei Jahren etwa mit Christian Klem und Florian Kainz gemacht hat. In diesem Bezug ist Sturm ein Vorbild. Wir sind nicht mit Geld gesegnet und wollen daher junge Talente entwickeln.
Vor dem Duell mit Ried kündigten Sie an, aktiv auf die Fans zugehen zu wollen. Einige Wacker-Fans nehmen Ihnen ihr Gastspiel bei Red Bull Salzburg in der Saison 2005/06 nach wie vor übel. Gab es bereits Gespräche?
Ja, sie sind sehr gut verlaufen. Ich habe mich mit den Fans ausgetauscht und viele Sachen bereinigen können. Sie haben nicht die ganze Wahrheit über die Salzburg-Sache gewusst, jetzt sind aber die Unklarheiten beseitigt. Ich freue mich, dass die Fans den gemeinsamen Weg gehen wollen.
“Ich will, dass wieder 10000 Fans ins Stadion kommen.”
In den bisherigen Heimspielen kamen für Tiroler Verhältnisse nur wenige Zuseher, die Leistungen waren aber auch eher dürftig. Wie wollen Sie die Fans wieder ins Stadion locken?
Natürlich mit Siegen, aber vor allem mit attraktivem Spiel. Jeder gibt zwar alles, doch es braucht noch Zeit. Wir können nicht sofort eine Galavorstellung abliefern. Auch das Publikum braucht noch Zeit. Ich glaube aber, dass wir mit schönem Angriffsfußball die Leute wieder zurückholen können. Mein Ziel ist es, dass wieder 10.000 Fans ins Stadion kommen.
Was ist ihr Ziel mit Wacker in dieser Saison?
Bis zum Winter wollen wir den letzten Platz verlassen, das hat Priorität. Wir wollen den Rückstand auch auf Mattersburg und den WAC bis dahin weiter verkleinern. Ich denke, dass diese Teams mit Wiener Neustadt schlussendlich um den Klassenerhalt spielen werden. Im Frühjahr ist es dann unser Ziel, einen Platz im gesicherten Mittelfeld zu erreichen.
Neben der Bundesliga gibt es für Wacker aber auch noch den Cup. Im Achtelfinale tritt ihr Team auswärts gegen Sturm an. Die Grazer haben die letzten vier Partien nicht gewinnen können, Wacker befindet sich hingegen im Aufwärtstrend. Sehen Sie das als möglichen Vorteil für ihre Mannschaft?
Nein. Man muss die Kirche schon im Dorf lassen. Wir haben gegen Ried und Mattersburg gespielt, Sturm hatte es hingegen mit anderen Kalibern zu tun. Sie sind der Favorit in diesem Spiel. Wir haben großen Respekt vor ihnen, sie zeigen einen beherzten, gefährlichen Offensivfußball. Dennoch wollen wir unser Fell so teuer wie möglich verkaufen und Sturm Paroli bieten.
Der letzte Sturm-Sieg in der Liga gelang aber ausgerechnet gegen Wacker mit einem klaren 3:0.
Damit beschäftigen wir uns nicht. Das Team ist jetzt anders, und auch Sturm ist nun anders. Meine Spieler denken nicht an dieses Spiel.
Wie erwarten Sie die Grazer vor eigener Kulisse?
Ich denke, sie werden wie immer offensiv spielen. Peter Hyballa stellt oft drei Stürmer auf, auch das Mittelfeld ist sehr offensiv ausgerichtet. Sturm wird versuchen, uns von Anfang an stark unter Druck zu setzen. Da müssen wir standhalten und dann selbst unsere Konterchancen nützen. Die Tagesverfassung wird auch eine Rolle spielen.
Abschließend: Sie hatten vor kurzem ihre Trainerprüfung. Wie ist sie verlaufen?
Ich habe bestanden und bin nun diplomierter Profi-Lizenz-Trainer (Anm. UEFA-Pro-Lizenz), darf also nun ein Bundesliga-Team trainieren. Es war eine spannende und ganz witzige Sache. Ich habe etwa eine Arbeit (Anm. Titel “Der Trainer als Führungsfigur”) schreiben und präsentieren müssen. Ich bin froh, dass ich diese Prüfung absolviert habe und mich nun voll auf Wacker konzentrieren kann.
Das Interview führte David Donnerer

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Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es dem FC Wacker Innsbruck wirklich wünsche, dass sie in der Liga bleiben und auch wieder vorne mitspielen. Dieser Verein hat einfach ein großes Potenzial, ähnlich wie Sturm Graz, das noch nicht annähernd ausgeschöpft wird. Ein schönes Stadion mit angemessener Infrastruktur, Fanpotenzial und Bewusstsein für Tradition ist auch vorhanden. Der Verein ist in der Stadt verwurzelt und die Bundesliga braucht Traditionsvereine wie den FC Wacker Innsbruck in der Liga!
Ups, hab versehentlich deinen Beitrag gemeldet. Dabei wollte ich dir nur zustimmen. Ein wirklich sympathischer Verein, den ich mir such weit nach vorne wünsche, aber natürlich immer einen Rang unter Sturm
Was sagen wir wenn Innsbruck nach Graz kommt und gewinnen möchte? “Not today!”