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Sturm Graz Damen/Stattegg

Teilnahme an 2. Frauenliga widerrechtlich?

Derzeit bereiten sich die Sturm-Damen auf die Rückrunde in der Frauenliga vor. Geht es nach DFC Leoben/GAK und FC Feldkirchen dürften die weiblichen Blackies daran allerdings gar nicht teilnehmen. Sie orten grobe Verstöße gegen die Statuten.

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Europol mag den größten Fußballwettskandal der Geschichte aufgedeckt haben – doch im steirischen Frauenfußball sorgte in den vergangenen Tagen ein ganz anderes Thema für Aufregung.

In der Vorwoche berichtete die Kleine Zeitung von einer Pressekonferenz des DFC Leoben/GAK und des FC Feldkirchen, bei der scharfe Kritik auf die Sturm Graz Damen/Stattegg, den ÖFB und den Steirischen Fußballverband (StFV) einprasselte.

Folgenschwere Pressekonferenz
Was war passiert? DFC Leoben/GAK-Obmann Robert Hitzelberger, Franz Krainer (GAK/Frauen) und Roland Gutsche (Feldkirchen) warfen den Sturm-Damen vor, “widerrechtlich” an der 2. Frauenliga Ost/Süd teilzunehmen.

An jener Liga, in der die weiblichen Blackies nach einer souveränen Herbstsaison auf Platz eins und damit auf Bundesliga-Kurs liegen.

Der ÖFB und der steirische Fußballverband hätten die geltenden Bestimmungen missachtet und somit den Sturm-Damen erst die Teilnahme ermöglicht, sagt Hitzelberger vom DFC Leoben/GAK. Unterstützt werden diese Vorwürfe von Rechtsanwalt Johannes Reisinger. Eine Klage vor dem Zivilgericht stünde im Raum, nachdem man alle Verbandsinstanzen ohne Erfolg durchlaufen habe.

Sturm und Verband schießen zurück
Wenige Tage später dann die Antwort der Sturm-Damen und vom Verband in der Kleinen Zeitung: Sektionsleiter Mario Karner wies die Vorwürfe zurück. Wolfgang Bartosch, Präsident des steirischen Fußballverbandes, stützte Karner und erklärte, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Sturm-Damen würden zurecht an der 2. Frauenliga Ost/Süd teilnehmen.

Causa geklärt? Keineswegs, beide Artikel des steirischen Massenblatts ließen viele Fragen offen. Sturm12.at hat mit allen beteiligten Akteuren gesprochen, um dem aktuellen Aufreger im steirischen Frauenfußball auf den Grund zu gehen.

Sturm-Antrag zunächst abgelehnt
“Das waren klare Regelverstöße”. Es sind schwere Geschütze, die DFC Leoben/GAK-Chef Robert Hitzelberger gegen die Sturm-Damen und den Verband auffährt. Dabei hatte alles regelkonform ausgesehen, als die Sturm Graz Damen/Stattegg  in diesem Herbst in die 2. Frauenliga Ost/Süd einstiegen. Doch was vorher passierte, sei nicht astrein gewesen, sagt Hitzelberger.

Im Mai 2012 hätte sich Stattegg von der 2. Frauenliga Ost/Süd offiziell abgemeldet, woraufhin Sturm Graz den freigewordenen Platz in der Liga einnehmen wollte. Die Stattegg-Spielerinnen seien bei ihrem Team abgemeldet und bei Sturm angemeldet worden, so Hitzelberger.

Anmeldungs-Tohuwabohu

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Einstimmig hätten die Vereine der 2. Frauenliga Ost/Süd dem Einstieg von Sturm zustimmen müssen, geht aus einem ÖFB-Rundschreiben hervor, das Sturm12.at vorliegt. Einige Vereine sprachen sich aber bei der Abstimmung gegen den Grazer Quereinsteiger aus, sodass der ÖFB den Antrag ablehnte.

Daraufhin seien die Spielerinnen wieder von Sturm zu Stattegg umgemeldet worden. Im Herbst des Vorjahres nahm Stattegg an der 2. Frauenliga als Spielgemeinschaft mit Sturm Graz teil – und das trotz voriger offizieller Abmeldung, empört sich Hitzelberger.

“Fundamentaler Verstoß gegen die Statuten”
“Zwei An- und Abmeldungen sind in der Übertrittszeit (Anm. Transferzeit) nicht erlaubt, das ist absolut gegen die Bestimmungen”
, sagt der DFC Leoben/GAK-Chef weiter.

Das ÖFB-Regulativ für Spieler und Vereine stützt Hitzelbergers Position, denn dort heißt es im § 7 Abs 4: “Ein Spieler darf in einer vom ÖFB festgelegten Übertrittszeit nur einen Vereinswechsel vornehmen”. Auch Rechtsanwalt Johannes Reisinger, spezialisiert auf nationales und internationales Sportrecht sowie Vereins- und Verbandsrecht, spricht in diesem Zusammenhang von einem “fundamentalen Verstoß”.

Der Gang durch die Hintertür
Doch die Vorwürfe gegen den Verband und die Sturm-Damen gehen noch weiter. Eine Spielgemeinschaft zu gründen sei im Frauenfußball nicht vorgesehen, sagt Reisinger. Dafür gäbe es in den ÖFB-Bestimmungen keine rechtliche Grundlage. Interessant in diesem Zusammenhang: neue Vereine müssten nach den Richtlinien des Steirischen Fußballverbandes (Punkt 27 d) in der untersten Klasse, also in der 1. Klasse, beginnen. Bei einer Spielgemeinschaft trifft das nicht zu. “Sturm hat eine Hintertür benützt, um sofort in der 2. Frauenliga zu starten – und der ÖFB und der steirische Fußballverband haben dabei geholfen”, so Hitzelberger.

Sturms Damen-Chef Karner: “Verwundert über die Vorwürfe”

© Sportmittelschule Bruckner
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ÖFB, Steirischer Fußballverband und die Sturm Graz Damen/Stattegg sollen also laut der Gruppe um DFC Leoben/GAK-Chef Hitzelberger widerrechtlich gehandelt haben, damit die schwarz-weißen Damen an der 2. Frauenliga Ost/Süd teilnehmen dürfen. Die Betroffenen wehren sich dagegen. Sturm-Damen-Sektionsleiter Mario Karner: “Ich bin sehr verwundert über die Vorwürfe seitens des DFC Leoben/GAK. Vielleicht wollen sie nur von ihren eigenen Problemen ablenken. Wir lassen uns jedenfalls davon nicht von unserem Weg abhalten”.

Kein Rückzug von Stattegg
Stattegg habe sich niemals offiziell zurückgezogen, so Karner. Sturm wollte zwar den Platz von Stattegg in der 2. Frauenliga übernehmen, nach ÖFB-Absage habe man diesen Plan aber verworfen. Zudem seien Spielgemeinschaften im Frauenfußball erlaubt, sagt Karner. Die Ab-, An- und Ummeldungen in der Transferzeit sieht der Sturm-Damen-Verantwortliche ebenfalls als regelkonform.

In der Spielgemeinschaft sei Stattegg auf dem Papier der Trägerverein, daher mussten die Spielerinnen von Sturm auf Stattegg umgemeldet werden. “De facto ist aber Sturm der Hauptträger, denn wir tragen alle Kosten und sorgen für die Infrastruktur. Die Spielerinnen gehören Sturm und sind an Stattegg verliehen”, erläutert Karner.

Spielgemeinschaft bis Sommer 2015
Bis Sommer 2015 laufe die Spielgemeinschaft zwischen Sturm und Stattegg, dann soll Sturm Stattegg übernehmen. Es sei die erste Spielgemeinschaft, die der ÖFB und der steirische Fußballverband im Frauenfußball genehmigt haben. Ab Sommer 2013 plant Karner, sowohl Sturm- als auch Stattegg-Spielerinnen bei der Spielgemeinschaft anzumelden. Derzeit verhandle man mit dem Verband über die Freigabe. Stützen wollen sich die Grazer auf den Fall SC Wiener Neustadt/Gloggnitz: dort seien bereits Spielerinnen beider Teams gemeldet.

“Rechtlicher Graubereich”
Obwohl Karner alle Vorwürfe der Gegenseite zurückweist, räumt er ein, dass Sturm teilweise im “rechtlichen Graubereich” agiert habe. Dennoch sieht er einer möglichen Klage von Hitzelberger und seinen Mitstreitern gelassen entgegen. “Die Causa ist bereits durch alle Instanzen des ÖFB gegangen, ohne dass der Beschwerde vom DFC Leoben/GAK stattgegeben wurde. Wir haben uns nichts zuschulden kommen”, sagt Sturms Damen-Chef. Dass der GAK auf der Gegenseite dabei sei, wundert ihn. “Wie kann ein Verein, den es nicht mehr gibt, eine Kooperation eingehen?”.

Spielgemeinschaft auch bei Frauen möglich
Auch Thomas Nußgruber, Referent beim Steirischen Fußballverband, verteidigt das Vorgehen der Sturm-Damen und des Verbandes.  Es gäbe eine generelle Bestimmung in den Statuten, dass Spielgemeinschaften gegründet werden könnten – das sei nicht nur auf den Herren-Bereich beschränkt, so Nußgruber.

Der Vorwurf, dass es zwei Übertritte statt einem gegeben habe, sei laut Nußgruber nicht richtig. “Der Ersttransfer von Sturm zu Stattegg wurde gelöscht. Das war nötig, weil wir das ursprüngliche Anliegen von Sturm (Anm. Platz von Stattegg einnehmen) abgelehnt hatten, dafür in der Folge aber die Spielgemeinschaft unter Auflagen genehmigten”, sagt der Funktionär. Die Auflage: alle Spielerinnen müssten bei Stattegg gemeldet sein, was darauf passiert sei. Auch er ist gelassen im Bezug auf einen möglichen Zivilprozess: “Für uns ist dieser Fall schon lange erledigt”.

“70.000 Euro Schaden durch eklatante Wettbewerbsverzerrung”

© Robert Hitzelberger

DFC Leoben/GAK-Chef Robert Hitzelberger und Rechtsanwalt Johannes Reisinger wollen in dieser Causa aber auf keinen Fall lockerlassen – obwohl sie in allen Verbandsinstanzen abgeblitzt sind. Sie beharren auf ihrem Standpunkt, dass der Verband und Sturm nur mit groben Verstößen gegen die Statuten den Sturm-Damen eine Teilnahme an der 2. Frauenliga Ost/Süd ermöglichten.

Sie beziffern den Schaden durch die erlittene “eklatante Wettbewerbsverzerrung” für den DFC Leoben/GAK und Feldkirchen mit 70.000 Euro. Besonders Feldkirchen hätte “enorme finanzielle Belastungen” aufgrund des Einstiegs von Sturm Graz/Stattegg in der 2. Frauenliga zu tragen, heißt es in einer Chronologie der Ereignisse, die Sturm12.at vorliegt.

Der Fall Feldkirchen
Nach dem Rückzug von Stattegg im Mai 2012 hätte sich Feldkirchen als Landesligameister aus Kärnten für die 2. Liga “sportlich qualifiziert”. Als der Verband am “letzten Tag der Übertrittszeit”  Sturms Spielgemeinschaft mit Stattegg genehmigte und damit für die Grazer der Weg in die 2. Liga frei war, musste Feldkirchen in der Landesliga verbleiben. 40.000-50.000 Euro seien Feldkirchen deshalb entgangen – vor allem weil einige Sponsoren nur im Aufstiegsfall ihre Unterstützung zugesagt hatten.

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Rund 23.000 Euro Schaden soll auch der DFC Leoben/GAK erlitten haben – wegen einer Entscheidung des Steirischen Fußballverbandes. Dieser habe dem GAK im Mai 2012 verweigert, in die Landesliga einzusteigen, weil “ein Einstieg in eine höhere Klasse nicht möglich” sei.

Dadurch habe der GAK mit Leoben und Oberaich eine “sehr teure” Kooperation eingehen müssen, um über den Platz von Oberaich an der Landesliga teilzunehmen.

Damals sei eine Spielgemeinschaft im Frauenfußball “nicht erlaubt” gewesen. Diese wäre aber wesentlich “kostengünstiger” gewesen. Auch Leoben seien durch die Kooperation zusätzliche Kosten entstanden, etwa weil “alle Spielerinnen und Funktionäre” zu den Trainings und Matches nach Oberaich fahren mussten – in Summe 140 Mal.

Hitzelberger: “Dann gibt es wieder ein Kasperltheater, wenn das durchgeht”
DFC Leoben/GAK-Chef Hitzelberger lässt sich noch diese Woche Zeit, ehe er gemeinsam mit Rechtsberater Reisinger über eine Klage vor dem Zivilgericht entscheidet. Er zeigt sich trotz der Vorfälle in der Causa gesprächsbereit. “Wenn der Verband und Sturm zu mir kommen und darüber reden wollen, wie man eine vernünftige Lösung in dieser Sache findet, dann werde ich die Tür nicht verschließen”, sagt Hitzelberger. Er pocht darauf, dass der Verband bei Sturm mit zweierlei Maßstäben gemessen habe. Wenn man dieses Vorgehen durchgehen lasse, “gibt es dann wieder ein Kasperltheater. Das kann es nicht sein”.

Gang zur UEFA als letzte Option
Er führe keine Vendetta gegen den Stadtrivalen. “Ich habe nichts gegen Sturm. Ich finde es gut, wenn namhafte Vereine ein Damenteam aufstellen. Aber da müssen sie sich als “Große” so wie alle anderen an die Bestimmungen halten”. Hitzelberger hat es satt, “immer der Böse zu sein”, obwohl er viel Zeit und Engagement in den Frauenfußball investiert und sich an die Richtlinien gehalten habe. Sogar bis zur UEFA will Hitzelberger in dieser Causa gehen, wenn er vor dem Zivilgericht abblitze. Mit diesem Schritt hätte dann wohl auch der steirische Frauenfußball seinen ersten Skandal auf dem internationalen Fußball-Parkett.