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© Adrian Engel

Trainingsbericht

Hyballa, Hyballa, Hyballa

Peter Hyballa und die Printmedien – eine angekratzte Beziehung. Dass den Sturmtrainer – gelinde gesagt – ein Großteil der medialen Berichte nicht glücklich stimmt, teilte er beim heutigen Vormittagstraining unmissverständlich mit.

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Peter Hyballa und die Printmedieneine angekratzte Beziehung. Nach dem verpatzten Frühjahrsauftakt sprach der Sturm-Coach von einer medialen Hetzkampagne gegen ihn. Eine Ansicht, die Kommentatoren-Legende Robert Seeger mit ihm teilt. “Peter Hyballa hat ein großes Problem. Er ist nicht der Liebling der Printmedien, das merkt man, wenn man Printmedien aufmerksam liest”, meinte dieser unlängst im Interview des Monats auf Sturm12.at. Dass den Sturmtrainer – gelinde gesagt – ein Großteil der medialen Berichte nicht glücklich stimmt, bekam man beim heutigen Vormittagstraining zu sehen.

Nach einem rund viertelstündigem Videostudium, in dem vermutlich der nächste Gegner Salzburg besprochen wurde, betreten Trainer Peter Hyballa, sein Betreuerstab und die Spieler den Rasen. Trainiert wird am Kunstrasenplatz, die Naturrasenplätze sind unbespielbar, vor allem Feld Nummer 1 ist gezeichnet vom gestrigen Spiel der Amateure. Während die Spieler aufwärmen, Konditionstrainer Walter Niederkofler das Trainingsgerät für seine Übungen platziert, nimmt sich Tormanntrainer Kazimierz Sidorczuk seinen Schützlingen Johannes Focher, Lukas Waltl und Pascal Legat an. Letzterer kommt aus dem Nachwuchs, steht aktuell im Kader der Amateure und trainiert diese Woche mit der Kampfmannschaft mit, da Christian Gratzei angeschlagen ist. Als die Aufwärmphase abgeschlossen ist, wird die Mannschaft in drei Gruppen unterteilt. Für Gruppe Nummer eins stehen Koordinations- und Stabilisationsübungen mit Walter Niederkofler am Programm, mit Gruppe Nummer zwei führt Co-Trainer Stojadin Rajkovic Passübungen durch und Gruppe Nummer drei trainiert unter dem Kommando Peter Hyballas Torabschluss. Nach einer gewissen Zeit tauschen die Gruppen ihre Stationen.

Ruhig und besonnen erklärt Rajkovic den Ablauf der Übungen in der Spielfeldmitte. Jedoch nicht emotionslos. Seine Mimik und Gestik sind durchaus reichhaltig an Begeisterung. „Wenn alle dem Ball nachlaufen, haben wir das Problem nicht“, zeigt der Co-Trainer auf, warum es beim ersten Übungsdurchgang zu Schwierigkeiten kam. Vertikale Pässe prallen lassen, in die

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Tiefe spielen, darum geht es bei Übung Nummer eins. „Wichtig ist es, den Ball so mitzunehmen, dass er sofort weitergespielt werden kann.“   bei Übung Nummer zwei müssen Spieler aus der Halbposition herauskommen, den Passgeber hinterlaufen und mit diesem einen Doppelpass spielen. Ein Spielzug, der zunehmend von der Mannschaft automatisiert wird und gegen Wiener Neustadt zu einigen aussichstreichen Spielsituationen führte. „Machen wir es langsam“, schlägt Rajkovic vor, als die Laufwege Verwirrung stiften. Keine Verwirrung gibt es bei Übung Nummer drei. Bei dieser müssen die Spieler ein Dreieck bilden und den Pass zum Mitspieler in der Mitte des Dreiecks spielen, der dann zum nächsten Eck prallen lässt.

Die Aufmerksamkeit der wenigen Schaulustigen – zwei ältere Herren – zieht allerdings jene Gruppe auf sich, die gerade am linken Spielfeldrand aufs Tor schießt. Trainer Peter Hyballa macht aus der Abschlussübung ein kleines Spiel. Die Spieler müssen ein Hütchen überspielen und vom Sechzehner abschließen. Für jeden gehaltenen oder verschossenen Ball bekommt der Tormann einen Punkt, für jedes erzielte Tor die Schützen. Nach jedem Durchgang wird die Art und Weise, wie das Hütchen überspielt werden muss, geändert; beispielsweise mit dem Ball in der Hand eine Finte und dann per Dropkick abschließen. Der Verlierer macht Liegestütze und andere Strafübungen. Mit Torabschlussübungen wie dieser soll die Mannschaft mehr Torgefahr im Spiel erreichen. Der von Hyballa nach dem Spiel gegen Wiener Neustadt angesprochenen Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor soll hiermit entgegen gewirkt werden. Und dabei wird es laut. Der Deutsche versucht die Spieler unter Druck zu setzten. Immerhin wird für die Wettkampfsituation trainiert. “Jetzt, komm, schneller”, schallt es den Spielern entgegen. “Warmschießen ist vorbei”, heißt es, wenn einer vergibt. Nach jedem Versuch ruft Hyballa den Punktestand heraus. “3:5, jetzt komm Pasci, du bist dran, die holst du dir, du bist dran” – motivierende Zurufe für den 17-Jährigen Tormann. Er bekommt vom Trainer eine Sonderbehandlung. “Wer gewinnt, Pasci”, wird er vor den Duellen gefragt. “Ich”, antwortet dieser leise. “Wer gewinnt?” “Ich”, diesmal mit erhöhter Stimme. “Jawohl, geh mal aus dir raus, Mann!”, Hyballa fordert Wettkampfslust von jedem. Der Druck, den die Situation mit sich bringt, soll angenommen werden – mit Freude. Respekt oder Angst sind  fehl am Platz. Das zu transportieren, gelingt ihm. Die Spieler nehmen den Wettkampf an, die Stimmung ist gut. “Sind sie dem Druck gewachsen, sind sie dem Druck gewachsen”, ruft Hyballa fragend vor sich hin, als nach Spielgleichstand der Tormann den letzten Ball hält und gewinnt. Mit frechen Ansagen möchte er seine Spieler provozieren. Teils sind diese Kalkül, teils spricht er sie einfach nur aus, weil sie ihm gerade durch den Kopf gehen. “Geht doch mit Granulat, Öhrli”, so Hyballa neckisch.

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Aber auch mit Polemik spart der Coach nicht. Als Einsertormann Johannes Focher für Pascal Legat ins Tor wechselt, meint er etwa:” Jetzt ist euer Schwachpunkt im Tor.” Da ist er wieder einmal, der Seitenhieb auf die mediale Berichterstattung. Dass ein Medienvertreter anwesend ist, nützt Hyballa aus, um subversive Botschaften zu transportieren. Etwa auch, als Jürgen Säumel den entscheidenden Ball verschießt: “Sturm12, nächste Schlagzeile: Jürgen Säumel versagt!”, ruft er dem Autor dieser Zeilen entgegen. Oder auch als Pascal Legat die erste Serie für sich gewinnt: ” Sturm12, erstes Spiel, Tormann gewinnt – top Jugendarbeit.” Ob jedoch, wenn der Deutsche Futter für Geschichten wie diese liefert, die Medien mehr über Fußball als über Nebenschauplätze berichten, so wie er es nach dem Wiener Neustadt-Spiel auf die Querelen rund um Ayhan Tumani angesprochen, forderte, darf bezweifelt werden.