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Ferdinand Feldhofer

Ein Sturm-Herz mit Narben

Am 14. September 1999 schickt Ivica Osim in der Champions League gegen Olympique Marseille einen 19-jährigen Innenverteidiger aus Vorau aufs Feld. Heute beendet dieser gegen Paris St. Germain seine Karriere. Die Geschichte des Ferdinand Feldhofer.

Marseille, 14. September 1999: Sturm trifft im ersten Champions League Spiel der Saison 1999/2000 auswärts auf den französischen Vizemeister Olympique. 45 Minuten vor Spielbeginn steuert Ivica Osim in den Katakomben des Stade Vèlodrome auf den damals 19-jährigen Ferdinand Feldhofer zu. “Jetzt hast du noch Zeit, um auf das Klo zu gehen. Dann musst du spielen.” Zum ersten Mal läuft Ferdinand Feldhofer von Beginn an für die Profis des SK Sturm Graz auf. Zum ersten von insgesamt 127 Malen.

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Abschied wider Willen
“Eine Lebensschule” sei das damals für ihn gewesen, wie er heute sagt – als junger Spieler zwischen gestandenen Verteidigern wie Darko Milanic, Günther Neukirchner und Franco Foda und unter seinem großen und frühen Förderer Ivica Osim. Bald entwickelte sich der U21-Nationalteamspieler zur Stammkraft in einer doch recht erfolgsverwöhnten schwarz-weißen Mannschaft. Zu dieser Zeit wurde dem jungen Vorauer von allen Seiten eine goldene Zukunft prophezeit – doch sollte seine Karriere fürs Erste nicht in Graz ihre Fortsetzung finden. Es war im Herbst 2001, als ihn der damalige Präsident Hannes Kartnig zu einer Vertragsverlängerung drängen wollte. “Er sagte: ‘Entweder du unterschreibst jetzt den Vertrag, oder du bist bei den Amateuren’. Ich habe mich dann geweigert, denn erpressen lasse ich mich nicht.” So kam es, dass er – nach einer unschönen Gerichtsposse gegen seinen damaligen Arbeitgeber – schließlich sein Glück in der Ferne suchte, genauer beim SK Rapid Wien. Keine einfache Zeit für ihn, so sei, wie er heute sagt, ein Abgang von Sturm für ihn nie geplant gewesen. Er “hatte nie etwas dagegen, in Graz zu bleiben.” Diese Möglichkeit hätte er damals sogar gehabt – so lag ihm zu diesem Zeitpunkt auch ein Angebot des Lokalrivalen GAK vor. “Aber das kam für mich nie in Frage”. Ein Satz, wie Musik in schwarz-weißen Ohren.

Die Österreich-Rundfahrt des Ferdinand F.
Vier Jahre verbrachte Ferdinand Feldhofer an der Donau – vier erfolgreiche. Auf Anhieb spielte er sich in die Stammelf von Trainer Lothar Matthäus. Dies änderte sich (von einer schweren Verletzung im Herbst/Winter 2002 abgesehen) auch unter Josef Hickersberger nicht. Unter ihm gelang 2005 sogar der Meistertitel – der dritte in der Karriere des Ferdinand Feldhofer. Trotzdem standen die Zeichen in diesem Sommer auf Abschied – auf Abschied Richtung Westen: Das Gastspiel des Ferdinand Feldhofer in Tirol begann. Auch in Innsbruck war er von Beginn an Stammkraft und wurde schon nach einer Saison zum Kapitän ernannt. Doch gerieten mit dem Abgang von Sportdirektor Alfred Hörtnagl die am Beginn gesetzten sportlichen Ziele außer Reichweite. Die Mannschaft begann zu bröckeln – der Abstieg im Jahr 2008 war die Folge. Für Feldhofer war die Zeit gekommen, um zu seiner Jugendliebe zurückzukehren. Nach sieben langen Jahren mit Meistertitel, Abstiegskampf und Nationalteam holt ihn sein ehemaliger Mannschaftskollege Franco Foda im Sommer 2008 heim. Heim nach Graz.

Tradition mit Vorbehalt
Sturm Graz, Rapid Wien und Wacker Innsbruck waren die Profi-Stationen im Leben des Ferdinand Feldhofer – drei Vereine, die eines gemeinsam haben, nämlich eine lange Tradition. Wie wichtig ist Ferdinand Feldhofer Tradition im Fußball? “Sehr”, antwortet er ohne zu zögern, mit Nachsatz: “Sonst wäre ich wahrscheinlich ins Ausland gegangen.” Hier hätten aber die ganz großen Angebote in den richtigen Momenten gefehlt, wie er zugibt. Ganz so romantisch lässt er die Vorstellung vom ewigen Traditionsverein dann aber doch nicht stehen. So räumt er, angesprochen auf die unmoralischen Angebote, wie sie etwa Red Bull Salzburg einigen seiner Kollegen immer wieder gemacht hat, ein: “Wenn man das Drei-, Vier-, oder Fünffache verdient, weiß ich nicht, ob man da einem Menschen böse sein kann, wenn er ein solches Angebot annimmt. Wie lange kann man aktiv als Fußballer arbeiten? Deine Karriere kann durch eine Verletzung sofort und jederzeit vorbei sein. Man muss das auch einmal aus einer anderen Sicht sehen.

Mit Bedacht & Gänsehaut
Ferdinand Feldhofer scheint das oft zu tun. Jeder seiner Sätze zeugt von Reife, Zufriedenheit und Unaufgeregtheit. So möchte man ihm stundenlang zuhören, wenn er von seinem ersten und einzigen Doppelpack im Cup in Wolfsberg spricht, sich über ehemalige Gegenspieler ärgert, oder von seinem heurigen ersten Sommerurlaub mit seiner Familie träumt. Auch der Anspielung auf den Rapid-Titel, respektive welcher der schönste Meistertitel seiner Karriere war, entgegnet er souverän: “Im Nachhinein immer der Letzte”, sagt er mit einem Lächeln und beginnt zu Schwärmen vom Frühjahr 2011. Eine “geile Zeit” sei das gewesen, sagt er und deutet auf seinen Unterarm, an dem sich immer noch eine Gänsehaut abzeichnet, sobald er an diesen 25. Mai 2011 zurückdenkt. Den Tag, an dem Ferdinand Feldhofer zum vierten und letzten Mal in seiner Fußballer-Karriere einen Meisterteller in den Himmel stemmen durfte.

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Einer für die Jugend
Angesprochen auf die jüngste Vergangenheit des Vereins gibt sich der Routinier allerdings nicht besonders optimistisch. Er ortet hier ein Missverhältnis zwischen der vereinbarten Grundidee des Ausbilungsvereins und der Umsetzung in der Realität. “Ich kenne Sturm noch immer als Ausbildungsverein. Da muss man schauen, dass man da wieder hinkommt – da muss der Anspruch dann auch nicht Top 2 sein.” Die dafür notwendigen Talente gäbe es in der Steiermark – es sei an einer gesunden Akademie, einer konsequenten Jugendarbeit und damit an der Philosophie des Vereins, dass diese auch an die Kampfmannschaft herangeführt werden können. In diesem Zusammenhang sei es zu hinterfragen, ob der ein oder andere Transfer – zu Missgunsten von jungen Eigenbauspielern – überhaupt notwendig gewesen wäre. Andererseits habe er aber auch Verständnis für das Handeln des Vereins in den beiden “unglaublich schwierigen” vergangenen Jahren.

Kein rühmlicher Abschluss
Graz, 25. Mai 2013: Am Ende einer desaströsen Frühjahrssaison empfängt Sturm Graz zuhause den SC Wiener Neustadt. Die angestammte Innenverteidigung der abgelaufenen Saison steht wegen Verletzung (Milan Dudic) und Gelbsperre (Nikola Vujadinovic) nicht zur Verfügung. Ferdinand Feldhofer steht parat – wie er immer parat steht, wenn er gerade gebraucht wird. Gemeinsam mit dem Debütanten Zeljko Balen soll er den Rückhalt einer schwer angeschlagenen Mannschaft bilden. Nach 90 hässlichen Minuten verliert Sturm Graz die Partie mit 0:3. “Ihr solltet arbeiten gehen” skandiert die Nordkurve. Ferdinand Feldhofer wird das fürs Erste nicht mehr tun: Es wird dies das letzte Pflichtspiel seiner Karriere bleiben. Gut ein Monat nach Saisonschluss ist sein Karriereende besiegelt. “Der Verein hat mir gesagt, dass meine Dienste als Spieler nicht mehr benötigt werden.” Und mit “der Verein” meint er den neuen Trainer Darko Milanic, der diese Entscheidung nach einem persönlichen Gespräch und einer darauf folgenden Bedenkzeit getroffen habe. Ein neuerlicher Wechsel wäre für ihn jedenfalls nicht in Frage gekommen – schon mit der Rückkehr zu Sturm stand für ihn fest, dass er seine Profikarriere hier in Graz beenden würde.

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Quo vadis, Ferdinand Feldhofer?
Seither hört man immer wieder von einer anderen Tätigkeit im Verein, die Feldhofer ab jetzt übernehmen sollte. “Ich stehe nach wie vor mit Sturm in Verhandlungen – soviel kann ich verraten. Aber welche Position…vielleicht kann ich morgen mehr sagen”, gibt er sich (nicht mehr berufsbedingt) defensiv. Doch wird man das Gefühl nicht los, dass es sich bei dieser “anderen Tätigkeit” um einen Posten in der neuen Akademie handeln könnte. Zu gern spricht er vom Ausbildungsverein, von Jugendarbeit und, eben, der Akademie. Die nächsten Tage werden zeigen, wohin der Weg des Ferdinand Feldhofer gehen wird. “Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ist für mich sicher der erste Schritt. Aber irgendwann habe ich schon vor, Profi-Trainer zu werden. Am schönsten wär’s natürlich bei Sturm.”