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Europacupauftakt in Island

Torlos statt Vulkanausbruch

Was sich schon in einigen Testspielen abgezeichnet hatte, bestätigt sich heute im Ernstfall. Der SK ist vor dem Tor noch kein Sturm, sondern eher ein Lüftchen. Am Ende bleibt ein enttäuschendes 0:0 in Island, das aber natürlich alle Chancen auf ein Weiterkommen offen lässt.

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Island im Juli ist nicht das gleiche wie Graz im Juli. Unwirtlich geht es zu, im hohen Norden Europas. Wind und Regen wechseln einander ab, die Temperaturen sind etwa 20 Grad unter jenen in der Heimat. FC Breidablik hieß die große Unbekannte vor dem Europa League-Qualifikationspiel des SK Sturm heute am Abend in Kópavogur. Von Angst- bis Jausengegner reichten die Einschätzungen, so ganz genau wusste es keiner. Zwei Halbzeiten später ist jedenfalls eines klar geworden: Jausengegner waren die Nordmänner keine.

64 schwarz-weiße Schlachtenbummler haben keine Kosten und Mühen gescheut und die Reise ins Land der Vulkane und Geysire angetreten. Zu ihnen gesellten sich im Stadion der Heimmannschaft noch etwa 400 weitere interessierte, ortsansässige Personen. Um 19:15 Ortszeit ertönt schließlich der Anpfiff zu einem Spiel, das der SK Sturm Graz nach Meinung vieler eigentlich gar nie hätte bestreiten dürfen: Einem internationalen Bewerbsspiel der Saison 2013/14. Wie genau das ging, weiß keiner mehr. Fragte auch keiner mehr, als Schiedsrichter Ognjen Valjic heute bei acht Grad Celsius das Spiel eröffnete.

Die Mitte ist dicht in Island
Das Sturm des Darko Milanic kommt wie schon in den Testspielen im 4-4-2 daher, einzige Überraschung in der Startelf war wohl Manuel Weber, der gegenüber Daniel Offenbacher den zweiten Sechser neben Anel Hadzic geben durfte. Breidablik stellt formell ein 4-2-3-1 auf den Platz, mit der Solospitze Nichlas Rohde. Ein Däne und somit der einzige Legionär bei der Heimmannschaft. Die Anfangsphase zeigte dann keine eindeutig bessere Mannschaft, viel Geplänkel im Mittelfeld und kaum zusammenhängende Spielzüge. In der Sturm-Abwehr waren auch Abstimmungsprobleme zu sehen, das eine oder andere Mal musste Christian Gratzei bei brenzligen Situationen einschreiten. Besonders gefordert war die Mittelfeldzentrale beider Mannschaften, ein Großteil des Geschehens spielte sich dort ab. Wirklich zwingende Chancen konnten von beiden Mannschaften in der ersten halben Stunde nicht kreiert werden, eine Gelbe (Schwalbe) und ein Abseitstor von Marco Djuricin waren die Highlights.

Dann hat der andere neue Stürmer Robert Beric den einen oder anderen Moment. Einmal scheitert er nach Flanke von Aleksandar Todorovski nur knapp per Kopf. Der neue Rechtsverteidiger war einer der Aktivposten, immer wieder ging er nach vorne und versuchte den Ball zur Mitte zu bringen, meist allerdings erfolglos. Gegen Ende der ersten Halbzeit konnte Sturm das Spiel mehr und mehr in den Griff bekommen und hatte auch eine Feldüberlegenheit. Zu vielen, vor allem zu klaren, Torchancen kam es aber nicht. Zu gut präsentierte sich die Innenverteidigung und besonders die Doppel-Sechs der Isländer mit Finnur Margeirsson und Andri Yeoman. Durch die Mitte war nichts zu machen, in Halbzeit eins. Nach einer schwachen Partie geht es mit 0:0 in die Pause.

Struktur im Spiel dahin, Tore Fehlanzeige
Die disziplinierte Strukturiertheit beider Mannschaften aus Halbzeit eins schien sich in der Kabine aufgelöst zu haben. Viel Krampf, Biss und unkoordinierte Aktionen bestimmen den Auftakt zu den zweiten 45 Minuten. Es geht hin und her, wirklich gezielt Aufgebautes gibt es nicht zu sehen. Man merkt, dass Sturm Graz gegen eine Mannschaft spielt, die sie so nicht erwartet hatte. Viel spielfreudiger und offensiver haben sich die Gastgeber in den vorangegangenen Spielen präsentiert. Jetzt sieht Darko Milanic seine Mannschaft einem Abwehrbollwerk gegenüber. Vor allem der nominelle Rechtsflügel Tomas Gardarsson steht phasenweise so tief, dass Darko Milanic später von einer gegnerischen Fünferkette sprechen wird. Der Trainer wird an der Seite zunehmend unrunder, will seine Mannschaft noch höher stehen sehen, seine Kommandos werden immer lauter. Nach etwas mehr als einer Stunde dann der erste Wechsel des Slowenen. Andreas Hölzl geht rechts im Mittelfeld und es kommt der schon von Beginn an erwartete Daniel Offenbacher. Das ändert aber weder am System noch am Spielverlauf etwas. Offenbacher übernimmt die Position von Hölzl, es bleibt beim 4-4-2. Die Grazer haben wie schon in der ersten Hälfte mehr Ballbesitz und wirken feldüberlegen, heraus kommt dabei aber nichts.

15 Minuten vor Schluss versucht es Milanic noch mit Imre Szabics statt Marco Djuricin. Der Ungar kommt auch gleich zu einer ganz guten Chance, nachdem Beric abtropfen lässt und sein Volley-Schuss über das Tor geht. In der Schlussphase lösen sich die Formationen wieder auf, es geht hin und her und es kommt zu Corner-Serien für beide Mannschaften. Tore sollte es an diesem Abend aber keine zu sehen geben, für die 450 Unentwegten im Stadion.

Es zeigte sich im Ernstfall heute wieder, was schon in den Tests oft zu sehen war: Sturm hat Probleme Chancen zu erarbeiten und zu verwerten. Das Sturmduo lässt erahnen, was es zu leisten imstande wäre, noch funktioniert die Sache aber nicht einwandfrei. Das ist nicht zwingend, nicht nachdrücklich, was hier vor dem Tor vorgetragen wird. Es reicht, wenn eine biedere Mannschaft hinten dicht macht, um den Grazern das Leben sehr schwer zu machen. Am Ende bedeutet das ein sang- und klangloses 0:0 in Kópavogur gegen den FC Breidablik. Das lässt Sturm zwar alle Chancen für das Rückspiel, man hatte sich im Vorfeld aber doch auch im Hinspiel schon einen Sieg erwartet. Der Optimismus ist jedenfalls ungebrochen, im Lager der Blackys. Gerhard Goldbrich und Bruno Hütter steigen in diesen Minuten schon in das Flugzeug nach Nyon, um der Auslosung für die etwaige nächste Runde beizuwohnen.

Blacky of the match: Marco Djuricin
Alles andere als leicht fiel heute die Wahl des Blacky of the Match. Nikola Vujadinovic spielte eine tadellose Partie, ebenso zeigten Anel Hadzic und Aleksandar Todorovksi phasenweise, wie wertvoll diese Neuzugänge in der neuen Saison noch werden könnten. Wir haben uns aber trotz Torflaute für einen der beiden Stürmer entschieden. Marco Djurcin ging sich ob der mangelnden Zuspiele bald bereitwillig die Bälle aus dem Mittelfeld holen und ließ in den verschiedensten Situationen seine Klasse aufblitzen – ob im Eins-gegen-Eins, per Kopf oder mit dem Fuß. Er erarbeitete sich die meisten Chancen und war derjenige Grazer, von dem mit Abstand die meiste Gefahr ausging. Einzig der Torerfolg blieb ihm bis zum Ende verwährt. Vielleicht beim nächsten Mal.

Kópavogsvöllur 2. Qualirunde - Hinspiel Zuschauer: 450

Breidablik Kopavogur
18.07.2013, 21:15 Uhr
0:0
(0:0)

SR: Ognjen Valjic

Sturm Graz
Spieler Karten Spieler
Marco Djuricin (Gelb)19. Minute
Aleksandar Todorovski (Gelb)70. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Gunnleifur Gunnleifsson   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Thordur Hreidarsson   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Kristinn Jonsson   Aleksandar Todorovski - Abwehr
Abwehr - Sverrir Ingason   Nikola Vujadinovic - Abwehr
Abwehr - Renee Troost   Christian Klem - Abwehr
Mittelfeld - Finnur Margeirsson   Andreas Hölzl - Mittelfeld
Mittelfeld - Elfar Adalsteinsson   Manuel Weber - Mittelfeld
Mittelfeld - Gudjon Lydsson   Florian Kainz - Mittelfeld
Mittelfeld - Tomas Gardarsson   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Andri Yeoman   Robert Beric - Angriff
Angriff - Nichlas Rohde   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Daniel Offenbacher für Andreas Hölzl 65. Minute
77. Minute Ellert Hreinnson für Tomas Gardarsson
Imre Szabics für Marco Djuricin 77. Minute