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Aleksandar Todorovski

Mission: Erster Meistertitel

Aleksandar Todorovski hat mit seinen 29 Jahren schon viele Stationen als Profifußballer hinter sich. Nicht alle davon waren aber unbedingt von Erfolg geprägt. Dass er ein Kämpferherz hat, das zeigt er im Gespräch mit Sturm12.at.

Schweißüberströmt setzt sich Aleksandar Todorovski nieder. Er atmet schnell, schnauft tief durch. “Hart, richtig hart!“, erzählt er über das Training, dass er soeben mit seinen Kollegen absolviert hat. Nach fast zwei Stunden am Trainingsgelände Messendorf hat er sich die Zeit genommen, um mit Sturm12.at über sich und seine Vergangenheit zu plaudern.

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“Ich möchte so schnell wie möglich Deutsch lernen!”
Guten Morgen“, “schnell, schnell” und “alle zusammen“. Soweit reicht sein Repertoire an deutschen Vokabeln bereits. Die Sprache möchte er so schnell wie möglich gemeinsam mit seiner Frau erlernen, wie berichtet wurde, wird er dabei auch vom Verein unterstützt. Es sei einfach eine Erleichterung, wenn er nicht ständig Englisch sprechen, oder sich im Dialog mit Vujadinovic nicht mehr auf Serbisch beschränken müsse, weil ihn sonst keiner seiner Kollegen verstehe. “In der kommenden Woche startet der Kurs“, sagt er, und nickt zu Vujadinovic, der am Nebentisch Platz genommen hat. Er lauscht dem Gespräch, und lächelt ab und zu, wenn Aleksandar ein Wort auf Englisch spricht. Die beiden werden den Kurs zusammen mit Robert Beric und Co-Trainer Nikcevic besuchen.

Finanzielle Schwierigkeiten in Polen
Neben Deutsch spricht Todorovski bereits Englisch, Griechisch und Polnisch. Letztere Sprache hat er in den letzten beiden Saisonen bei Polonia Warschau gelernt, einem Verein, bei dem er in der letzten Saison nur zwei Mal nicht im Kader war, und abgesehen von einer Verletzungspause (Rippenbruch, Anm.), die drei Spiele anhielt, immer zum Einsatz kam. Eigentlich zufriedenstellend, da er vor allem zu Beginn seiner Karriere nicht viel spielte, wie sich im Laufe des Gespräches noch herausstellen sollte. Dennoch denkt er nicht ganz glücklich an die Zeit in Polen zurück: “Dort gibt es viele finanzielle Probleme. Einige Vereine bekommen keine Lizenzen, die Gehaltszahlungen erfolgen unregelmäßig.” Die Geldprobleme seines Ex-Vereines Polonia Warschau entwickelten sich sogar so weit, dass der Verein, trotz Rang sechs in der letzten Saison, in die fünftklassige vierte Liga absteigen musste.

Grund genug für Todorovski, zu wechseln. Er habe drei, vier Angebote aus Polen gehabt, doch dort wollte er nicht mehr spielen. Er entschied sich für Sturm Graz. “Sturm ist ein großer Verein mit tollen Fans und hohen Ambitionen. Milanic ist ein guter Trainer und hat schon viel erreicht. Ich bin hierher gekommen, um in Europa zu spielen“, zeigt er sich begeistert. Im selben Moment wird er wieder nachdenklich: “Ja, ich weiß. Jetzt sind wir ausgeschieden. Es ist schwer zu erklären, warum das passiert ist, wir haben gekämpft und hatten die Chancen.” Seine Schultern zucken ratlos – “Wir brauchen noch Zeit.

Ein Schritt in die falsche Richtung
Den Beginn seiner Profikarriere startete Aleksandar Todorovski im Alter von 18 Jahren bei Radnicki Belgrad, damals noch in der zweithöchsten serbischen Liga. Nach zwei Saisonen mit soliden Leistungen und regelmäßigen Einsätzen stieg er mit dem Verein in die höchste Liga auf, war dann allerdings nur mehr zweite Wahl. Was folgte war ein Wechsel nach Zypern zu APOEL Nikosia. Ein Schritt, der im Nachhinein ein falscher war, wie er erklärt: “Ich war noch zu jung. Zypern hat eine gute Liga mit guten Spielern, da ist es schwierig für junge Leute.” Bei APOEL reichte es schlussendlich nur für vier Ligaeinsätze. Bei seiner nächsten Station in Zypern, Digenis Akritas Morphou, spielte er zwar öfter, der Verein stieg aber ab. Darum stand der nächste Wechsel an, diesesmal zu AEL Limassol. Auch hier kam er kaum zu Einsätzen. Bei drei zypriotischen Vereinen hat er es also versucht, nirgendwo wurde er glücklich. “Ein wenig bereue ich es, nach Zypern gegangen zu sein. Ich hätte wohl in meiner Heimat bleiben sollen.” Und dorthin kehrte er im Sommer 2008 auch wieder zurück. Er wechselte zu Rad Belgrad, wo er, wie er sagt, seine bisher beste Zeit als Fußballer erlebte.

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Unrühmliches Ende einer erfolgreichen Zeit
Für seine regelmäßigen Einsätze bei Rad Belgrad, die er sich durch seine Stabilität in der Defensive verdiente, wurde er mit Einberufungen in das mazedonische Nationalteam belohnt. Nach drei Saisonen in Belgrad endete sein Engagement im Frühjahr 2011 aber ziemlich abrupt, wei er erzählt: “Der Präsident wollte mich an Roter Stern Belgrad verkaufen. Polonia Warschau kam allerdings mit einem Angebot, ich unterzeichnete dort, und das hat ihm nicht sehr gefallen“. Die Folge: Todorovski wurde von Rad Belgrad suspendiert und begnügte sich drei Monate lang mit selbstständigem Training – als mazedonischer Nationalteamspieler, wohlgemerkt.

Erster Meistertitel als nächste Errungenschaft
Sturm Graz lautete nun sein nächstes Ziel. Er hat noch nie eine Meisterschaft gewonnen, und auf die Frage, ob er dies denn mit Sturm Graz erstmals erreichen möchte, nickt er und gibt ein klares “Ja!” von sich. Er gibt sich und seinen Kollegen aber die Zeit, und weiß, dass dies nicht bereits in dieser Saison geschehen kann: “Der dritte Platz ist unser Ziel. Wir möchten nächstes Jahr international spielen, dafür werden wir kämpfen.” Jedenfalls ist er überzeugt von der gesamten Mannschaft. Mit Daniel Offenbacher, Andreas Hölzl und Patrick Wolf spielten schon mehrere Kollegen auf der Position vor ihm. “Daniel ist sehr stark. Er ist flexibel, hat aber vielleicht in der Mitte mehr Stärken. Hölzl ist auch sehr gut, und Patrick ist schnell, er bringt gute Bälle in die Mitte.

In Graz hat er sich mittlerweile eingelebt. Er bekennt sich zu einem großen Fan von Arnold Schwarzenegger: “Ich weiß, dass unser Stadion einmal nach ihm benannt war. Und dass es hier irgendwo ein Haus von ihm gibt, da möchte ich noch hingehen.” Sonstige Tipps über das Land Österreich wird er sich noch von jemand anderem einholen: Ilco Naumoski. Die beiden spielten zusammen bereits im mazedonischen Nationalteam: “Ilco ist am Feld ein richtig guter Mann. Privat werde ich ihn noch besser kennenlernen.

Zwei die sich verstehen
Auf die Frage, was der nächste Schritt in seiner Karriere wäre, entgegnet er: “Ich möchte zwei gute Saisonen für Sturm spielen. Und wenn mir das gelingt, dann bleibe ich auch hier. Warum nicht?” Nach einer guten halben Stunde, in der er sich ein paar Mal noch den Trainingsschweiß von der Stirn wischte, ist das Gespräch beendet. Nikola Vujadinovic sitzt noch immer am Tisch, und fragt, ob wir fertig sind. Aleksandar antwortet: “Ja, sind wir!” Während sie weggehen, dreht er sich aber noch einmal um, zeigt mit dem Finger auf Nikola und sagt: “Er ist übrigens unser bester Mann!” Nikola: “Toll. Jetzt wo das Interview vorbei ist, sagst du das.