schopp
© SturmTifo.com

Markus Schopp im Gespräch

Philosophische Dominanz

Nach seiner schweren Erfahrung als Chef-Coach, zeigt die Kurve bei Markus Schopp wieder nach oben. 20 Punkte und die Tabellenführung stehen für die Amateure bis dato zu Buche. Wir haben mit dem Trainer aus gegebenem Anlass über diesen Lauf und einiges mehr gesprochen.

© SturmTifo.com

Knapp vier Monate sind vergangen, seit ein sichtlich geknickter Markus Schopp in den Katakomben von Liebenau bei der Pressekonferenz gesessen ist. Er hatte gerade das letzte einer Reihen von ernüchternden Spielen als Kurzzeit-Cheftrainer hinter sich. Sturm hat im Saisonfinale gegen Wiener Neustadt sang und klanglos mit 0:3 verloren. Schopp sollte damals von einigen Spielern sprechen, die nicht bereit seien, alles für den Erfolg zu tun. Mit diesem Kapitel hat der 43-jährige allerdings mittlerweile abgeschlossen. Er kehrte zurück zu “seinen” Amateuren und ist im wahrsten Sinne des Wortes neu durchgestartet.

Ein Höhenflug, der nach der letzten Saison in der Regionalliga Mitte so nicht zu erwarten war.Vor der Spielzeit hieß das Ziel eindeutig, den Abstieg in die Landesliga zu vermeiden. Sturm12.at wollte vom Amas-Coach wissen, wie er sich diesen Lauf von acht Spielen mit einer Ausbeute von 20 Punkten erklärt und inwieweit die Saisonziele vom Klassenerhalt nun in die Höhe geschraubt werden. Schopp erzählt außerdem über die durchgängige Spielphilosophie der schwarz-weißen Nachwuchsmannschaften, das Entwickeln junger Leute für die erste Mannschaft, warum er die aktuellen Entwicklungen unter Darko Milanic nicht kommentieren möchte, den Slowenen aber für den besten Mann für Sturm hält, und dass er durch rein gar nichts von seinem Weg als Trainer abzubringen sei.

Herr Schopp, Gratulation zu diesem hervorragenden Saisonstart. War derartiges vor Saisonbeginn vorstellbar?
Vielen Dank. Wir als ganzes Team haben in der letzten Saison viel Erfahrung gesammelt. Unter extrem schwierigen Bedingungen hat das Team bereits im Frühjahr eine äußerst positive Entwicklung genommen und wir sehen jetzt aus meiner Sicht die logische Fortsetzung dieser Entwicklung.

Ernten Sie gerade die Früchte einer guten Saisonvorbereitung oder hat der Kader schlichtweg so viel Potential?
Die Vorbereitung war auch in diesem Jahr eigentlich wieder sehr schwer, wir mussten auch heuer wieder ältere Leistungsträger der Amateurmannschaft ersetzen. Spieler wie z.B Rother, Balen, Habjanic oder auch Schmölzer sind weggegangen und versuchen sich bei anderen Teams. Christian Dengg wiederum fehlt seit Ende der Frühjahrssaison verletzungsbedingt. Trotz dieser schwierigen Ausgangssituation haben wir ein schlagkräftiges Team zusammengehalten und mit Leuten ergänzt, die zum teil sehr großes Potential haben.

Die Systemdebatte ist immer wieder auf der Agenda gewesen, in letzter Zeit. Wie legen Sie das an, hinsichtlich Spielstil, Spielsystem und Spielstrategie?
Sieht man ein Spiel der Amateure, sieht man ein Team das hungrig auf Erfolg ist. Wir versuchen immer dominant zu sein, arbeiten sehr aggressiv gegen den Ball und versuchen bei Balleroberung schnell umzuschalten. Unser Spiel ist sehr intensiv aber auch geprägt von vielen Torabschlüssen. Es ist kein Zufall, dass wir bereits 24 Tore erzielt haben.

Versucht man hier die Spielweise der Kampfmannschaft nach unter weiterzuziehen und auch bei den Amateuren sowie weiters in der Akademie so spielen zu lassen wie es Milanic tut?
Ein jeder Cheftrainer hat seine Idee vom Fußball die er gemeinsam in Zusammenarbeit mit seinem Team entwickelt. Die Schnelllebigkeit im Fußball bringt es jedoch mit sich, dass es immer wieder Veränderungen auf dieser Position gibt. Aus diesem Grund gilt es für Ausbildungsvereine eine Spielphilosophie zu definieren, die unabhängig vom aktuellen Cheftrainer, von den Kleinsten weg, vermittelt wird. Die Nachwuchsteams des SK Sturm versuchen alle in ihrer Spielanlage dominant zu sein und alle Mannschaften versuchen Spielrhythmus und Tempo vorzugeben. Wichtig für uns ist, dass sich jeder einzelne Trainer einbringt und so mehrere Ideen zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Die Nachwuchsteams des SK Sturm versuchen alle in ihrer Spielanlage dominant zu sein und alle Mannschaften versuchen Spielrhythmus und Tempo vorzugeben.
Markus Schopp über Spielphilosophie im Sturm-Nachwuchs

Wie läuft die Zusammenarbeit im Verein insgesamt? Wie greifen die Räder ineinander, zwischen den Profis und dem Nachwuchs? Wer hat hier welche Rolle?
Milanic, Schopp, Pegam, Hösele, Böcksteiner, Wetl sowie Prilasnig und Raffl stellvertretend für die Jugend, stehen für den fußballspezifischen Bereich. Der Torhüterbereich wird durch Kasi Sidorcuk und dem Team um Roland Goriupp abgedeckt. Im Individualtrainingsbereich verfügt der Verein über erfahrene Leute wir Rajkovic und Reinmayr. Dazu kommen Sportwissenschaftler angeführt von Walter Niederkofler, Martin Boran und Alex Kontra und Spezialisten im Bereich Scouting, Mental Coaching, Life Kinetik und im Bereich der Laufschule. Nicht zu vergessen die vielen Physios und Masseure sowie den Platzwarten. Damit alles reibungslos abläuft gibt es mit Johannes Sittsam auch einen administrativen Leiter der in Zusammenarbeit mit Bianca Winkler, Robert Jerovsek und David Tauschmann großartiges leistet. Alles in allem sind wir ein tolles Team in dem viel Potential steckt und das wir täglich zu verbessern versuchen.

Ich habe mir das Durchschnittsalter Ihrer Mannschaft ausgerechnet: 18,5 Jahre. Können die Jungs mit der Spitzenreiterrolle umgehen oder muss man derzeit viel an der Bodenhaftung arbeiten?
Wir nehmen die aktuelle Situation zur Kenntnis und verstehen sie als positive Bestätigung unserer Arbeit. Wir sind uns dennoch bewusst, dass wir in einer Liga spielen in der wir im Unterschied zu nahezu allen anderen Teams eine andere Hauptaufgabe zu erfüllen haben. Unsere Aufgabe ist es Spieler auszubilden und für höhere Aufgaben vorzubereiten. Wir machen diese Aufgabe unter ergebnisorientierten Bedingungen und jeder weiß: Lernen und auf Ergebnis spielen, sind zwei verschiedene Dinge. Der Vorteil der aktuellen Situation ist der, dass wir noch jüngere Spieler in die Mannschaft integrieren können und diese noch früher in Kontakt mit Erwachsenenfußball auf hohem Niveau bringen können. Unsere Priorität liegt ganz klar in der Entwicklung von Spielern und im Heranführen an die Kampfmannschaft.

Weil Sie die frühe Integration in den Erwachsenenfußball ansprechen: Vereine wie Rapid oder Ried binden teils 17 oder 18-Jährige in die Kampfmannschaft ein. Was kann man hier von Sturm in der nächsten Zeit erwarten?
In Bezug auf Ausbildung war und ist Sturm Graz ein interessanter Markt auch für andere Vereine. Um Talente nicht frühzeitig an die Konkurrenz zu verlieren gilt es auch für uns, unseren talentierten Nachwuchs an den Verein zu binden. Es gibt eine Vielzahl von großartigen Talenten in unseren Nachwuchsteams und ich bin davon überzeugt, dass die Fans schon bald wieder den einen oder anderen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Kampfmannschaft spielen sehen werden.

Sie haben in Ihren Spielen als Cheftrainer einige Amateure auf die Bank gesetzt und etwa einen Reinhold Ranftl öfter einmal auch eingesetzt. Darko Milanic verzichtet bisher großteils darauf, wie erklären Sie sich das?

Schopp glaubt an Reinhold Ranftl, © 2013 SturmTifo.com

Bekanntlich war die Situation der Kampfmannschaft bis vor Kurzem keine Leichte. Den richtigen Zeitpunkt zu finden , um einen jungen Spieler einzusetzen, definiert jeder Trainer für sich. Dabei gibt es viele Faktoren zu bedenken, aber ich bin davon überzeugt, dass wir etwa den angesprochenen Reinhold Ranftl noch öfters im Dress der Kampfmannschaft sehen werden.

Gerhard Goldbrich hat zuletzt beim 12er-Stammtisch sehr starke Signale in Richtung Einbau der Jungen gesetzt. Er spricht von einigen Talenten aus dem 1997er-Jahrgang, die bald Einsatzzeit bekommen sollen. Sehen Sie dieses Potential auch?
Generell gibt es im Moment wieder sehr talentierte Jahrgänge. Aber talentiert zu sein ist im modernen Fußball zu wenig. Es liegt an uns Trainern aus diesen talentierten Jahrgängen wieder vermehrt Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen. Die Hauptaufgabe trägt jedoch jeder Spieler selbst. Wie sehr will ich mein Ziel erreichen, was bin ich bereit dafür zu opfern und wie kritisch bin ich zu mir selbst? Mach ich alles um wirklich mein Ziel zu erreichen? Arbeite ich in allen Bereichen professionell oder wer kann mich in anderen Bereichen noch besser machen? Wie schaffe ich es mit Niederlagen umzugehen? Viele Fragen auf die sich die Jungs nur selbst die Antworten geben können.

Sturm nennt sich seit einiger Zeit auch Karriereplattform. Stefan Stangl, als eines von mehreren Beispielen, meinte kürzlich im Sturm12-Interview, er musste damals den Verein verlassen, weil er keine Chance mehr gesehen hat. Wie will man dieses Image drehen, dass man auch als diese Karriereplattform wahrgenommen wird?
Nicht nur Stefan sondern eine unglaubliche Anzahl an Spielern, ausgebildet im Sturm Graz Nachwuchs, agieren bei anderen Klubs und spielen teilweise wichtige Rollen bei diversen Bundesligavereinen. Hier ist nichts zu beschönigen, in der Vergangenheit sind Fehler passiert. Aber generell möchte ich auch festhalten, dass es sehr oft jungen Spielern an der nötigen Geduld fehlt.

Noch einmal zu Ihrer Zeit als Coach der ersten Mannschaft: Ende letzter Saison haben Sie nach dem Heimspiel gegen Wiener Neustadt gemeint, dass es mit einigen Spielern keinen Schritt weitergehen könne, da Sie sinngemäß nicht bereit seien genug zu investieren. Ein Großteil der damals Angesprochenen ist wohl noch immer im Kader, hat sich bei denen seit damals etwas geändert?
Ich bitte es zu respektieren, dass ich zum Thema der Kampfmannschaft nichts sagen möchte. Ich freue mich sehr, dass mit den zuletzt gezeigten Leistungen aber auch Resultaten einiges wieder in die richtige Richtung zeigt. Ich war und bin davon überzeugt, dass Darko der richtige Mann ist

Was haben Sie für sich persönlich aus dieser schwierigen Zeit als Cheftrainer mitnehmen können? Wie sehr hat das am Selbstbewusstsein gekratzt?
Jeder der mich kennt weiß, dass mich nichts von meinem Weg abbringen kann. Ich bin noch ein relativ junger Trainer der mittlerweile in seinem Job doch schon einiges erleben durfte.
Ich lerne jeden Tag aufs Neue und es macht mir enormen Spaß Ideen zu entwickeln und sie gemeinsam mit meinem Team umzusetzen.

Im Sommer 2014, nach Ende der Saison, was muss bei den Amateuren unter dem Strich stehen, damit Markus Schopp zufrieden in den Urlaub fährt?
Der sichere Verbleib in der Regionalliga sowie der Sprung einiger Spieler in den Kader der ersten Mannschaft.

Das Interview führte Katharina Siuka