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Glanzparade

Lauter Gewinner

Nach Wochen der Erfolglosigkeit ist die Milanic-Elf auf die Siegerstraße eingebogen. Individuelle Leistungssteigerungen, richtige Personalentscheidungen und das berühmte Glück des Tüchtigen machen derzeit den Unterschied und fast alle zu Gewinnern.

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Seit der siebenten Bundesligarunde liest sich die schwarz-weiße Saisonbilanz doch mehr als beachtlich: 12 aus 15 möglichen Punkten, der wichtige Cuperfolg gegen Wr. Neustadt und 13:4 Tore. Es hat zwar (zu) lange gedauert, aber es scheint als würden die richtigen Schlüsse aus der Anfangsmisere – schnelles Aus in der Europa League-Qualifikation, nur drei magere Pünktchen in der Meisterschaft – gezogen worden sein. Dazu kommt auch ein bisschen Glück, die ein oder andere bizarren Schiedsrichterleistung (derzeit eher zugunsten von Sturm) und des Öfteren krampft man mehr recht als schlecht über die 90 Minuten, ABER: Man punktet und von außen spürt man, dass da jetzt schon was anders ist!

Eine kurze Replik: Ansätze eines Aufschwungs waren schon gegen erschreckend schwache Wolfsberger sichtbar und auch die Effizienz in Wiener Neustadt war erfreulich. Doch bei der äußerst unglücklichen Niederlage gegen die Wiener Austria sah man plötzlich eine Sturm-Truppe, die unbekümmert und launig drauf los spielte. Als ob der Underdog-Status genau diesen Frosch aus den Hälsen brachte, der sich schon viele Wochen festzusetzen schien. Endlich. So wurde sogar in Unterzahl nicht nur dagegengehalten, sondern phasenweise sogar diktiert. Danach folgten die Schiri-Lechner-Festspiele im Cup und die glanzlosen und mühsam erarbeiteten Siege gegen Innsbruck und Grödig. Vielleicht kamen auch genau zur richtigen Zeit die richtigen Gegner: Eine vom Porto-Spiel müde und an manchen Positionen geschwächte Austria, inferiore Wolfsberger, ineffiziente Wr. Neustädter, ideenlose Innsbrucker und ein Grödiger Team, das mit einfachen Taktikanweisungen effizient ausgebremst wurde.

Und auch wenn die Leistungen schwanken, sind es vor allem individuelle Erfreulichkeiten die das Team als Ganzes derzeit aufblühen lassen. Viele Spieler zeigen sich stark verbessert. Anel Hadzic setzt langsam jene Akzente, die man sich von ihm erhoffen durfte; Daniel Beichler ist ein ständiger Unruheherd, immer torgefährlich und im Abschluss effizient; Kreativfaktor Daniel Offenbacher brilliert durch präzise Standards, gefährliche Weitschüsse und als umtriebiger Ideengeber; Florian Kainz bewegt sich gut, wirbelt durch die gegnerische Defensive und kommt zum (oft unglücklichen) Abschluss. Zudem ermöglicht das (temporäre?) Projekt der rechten Achse Hölzl-Wolf dem schon beinahe abgewanderten David Schloffer längst verdiente Einsatzminuten, für die er sich auch zuletzt mit seinem Siegestreffer gegen Grödig bedankte. Und dann gibt es auch noch den U21-Teamspieler Tobias Kainz, der mehr als nur eine gute Option in der Mittelfeldzentrale ist.

Und auch der anfänglich etwas komisch anmutende Last-Minute-Transfer von Benedikt Pliquett hat sich durchaus als Glücksgriff für alle Beteiligten erwiesen. Nicht allein deshalb, weil Pliquett ein toller Tormann zu sein scheint, sondern weil er Grund seines freundlichen und immer positiven Naturells der Mannschaft einfach gut tut. Ob nach der hoffentlich erfreulichen Länderspielpause und dem Ablauf der Sperre von Christian Gratzei die Tormannfrage gestellt werden soll/darf/muss, wird im übrigen Heimo Mürzl in “Mo’s Corner” am Samstag zur Diskussion stellen.

Und selbst jene die derzeit nicht auf den ersten Blick an vorderster Front triumphieren, sind doch bei genauerer Betrachtung eher auch unter die Gewinner der letzten Wochen einzureihen. Manuel Weber zum Beispiel – einer der personifizierten Sündenböcke für alles Schlechte der letzten Wochen. Dass Weber nicht unbedingt zu den unbeeindruckten Teflon-Charakteren der Liga zu zählen ist, sollte mittlerweile bekannt sein. Allerdings ist es nicht Weber anzulasten, nicht jener hitzebeständige Führungsspieler zu sein, als den man ihn gerne gesehen hätte, sondern jenen, die ihn vehementest in diese Rolle manövrierten. Ihn temporär aus dem Spiel und somit aus der Schusslinie zu nehmen, war deswegen ebenso gut und richtig, wie nun zu versuchen, ihn allmählich und behutsam mit Kurzeinsätzen an sein eigentliches Potential heranzuführen.

Dass Imre Szabics nun mit 32 Jahren vom ungarischen Nationalteamkader in die Scoutingabteilung des SK Sturm gewechselt ist, kam doch sehr überraschend. Da seine letzten Monate im Sturmdress nicht unbedingt unter einem guten Stern standen, er mit seiner Familie aber in Graz sesshaft bleiben will, scheint auch hier eine noble und konfliktfreie Lösung gefunden worden zu sein.

Und so scheint auch Trainer Darko Milanic seine persönlichen Lehren aus seinen anfänglichen Starrköpfigkeiten gezogen zu haben. So haben auch Trainer mit Champions League-Erfahrung Lernpotential. Wie schon beim letzten 12er-Stammtisch angemerkt, hätte man Peter Hyballas teils richtigen und guten Analysen zumindest ansatzweise Gehör schenken können. Doch Milanic scheint seinen Weg und seine Optionen – mit vielleicht vermeidbarer Verzögerung – auch so gefunden zu haben. Wenn jetzt noch sein fleißiges und äußerst engagiertes Mitbringsel aus Maribor zu treffen beginnt, dann gibt es derzeit sowieso nur noch lauter Gewinner…