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Jelani Smith

Der College-Boy mit dem Turboantrieb

Sturms Neuzugang Jelani Smith ist für Europäer ein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Wir haben uns in die unendlichen Weiten des Internets gestürzt und einiges über die bisherige Karriere des Kanadiers herausgefunden.

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Jetzt hat der SK Sturm also doch noch zugeschlagen am Transfermarkt. Rund drei Monate nach seinen Probetrainings in Graz bekommt Jelani “Lany” Smith also doch einen Kontrakt bei Sturm Graz. Zwar bekommt der Innenverteidiger nur einen kurzen, stark leistungsbezogenen Vertrag, doch für einen jungen, vereinslosen Kicker aus Übersee, der in Europa Fuß fassen möchte, ist das schon ein guter Anfang – und für Sturm ein gutes Schnäppchen.

Erst Profiliga, dann College
Der 1,94 Meter große Kanadier wurde 1991 in Missasauga, einem Vorort von Toronto geboren. Der schon früh groß gewachsene Jelani Smith machte im kanadischen Fußball schon in jungem Alter auf sich aufmerksam. Mit 16 Jahren und sieben Monaten wechselte Smith zu den Canadian Lions und war in Folge  der jüngste Spieler und Torschütze in der Canadian Soccer League, Kanadas höchster Spielklasse. Die Bezeichnung höchste Spielklasse ist in diesem Fall jedoch relativ, denn je zwei kanadische Teams spielen in den weit stärkeren amerikanischen Ligen MLS und NASL. Diese vier Teams sind es im Endeffekt auch, die dann die internationalen Plätze ausspielen.

Ein Jahr später wechselte Smith gemeinsam mit seinem Bruder Jamaal Smith innerhalb der Liga zu den Italia Shooters, wo er allerdings meist nur in der Reserve, vergleichbar mit den Amateuren hierzulande, zum Einsatz kam. Bereits früh war er auch auf Probe in Europa, beispielsweise bei Jugendteams von Mainz 05 und Sampdoria Genua. Im Jahr 2009 verabschiedete er sich dann endgültig aus Kanada und zog in den Süden, genauer gesagt nach Florida, um aufs College zu gehen.  Seine gesamten vier Jahre an der Florida Gulf Coast University spielte Smith für das College-Team, die FCGU Eagles. Da der Sport in den USA üblicherweise sehr saisonal ist und College-Fußball in erster Linie im Herbst gespielt wird, ist eine ganzjährige Saison sicher eine Umstellung. Auch die Spielzeit pro Spiel ist im Profifußball ganz anders als am College, denn dort darf der Trainer so oft wechseln wie er will und das Spiel endet ohne Nachspielzeit nach exakt 90 Minuten.

Mit High-Speed nach Europa
Wie es in Sachen Ausdauer aussieht, wird sich noch weisen, doch in Sachen Athletik lässt Jelani Smith keine Fragen offen. Der groß gewachsene Kanadier ist vielleicht sogar der schnellste Kicker, den Österreich je gesehen hat. Auf dem Laufband lief er, wie dieses Video zeigt, sensationelle 48 km/h (30mph), wenn auch mit einer Stabilisierungshilfe. Dass er dieses Tempo auf normalem Untergrund nie laufen kann, ist klar, Usain Bolt, zum Vergleich, läuft auf der Bahn Höchstgeschwindigkeiten von 45 km/h. Dennoch ist diese Leistung gewaltig, für die meisten Kollegen im Canadian Soccer Fitness Training Centre, sind die 32 km/h (20mph) am Laufband schon eine Hürde.

Im Sommer 2013 verließ Smith nach vier Jahren das College und begab sich auf Vereinssuche. Einem Probetraining bei Twente Enschede folgte jenes bei Sturm. Vorerst konnte Jelani Smith nicht überzeugen, auch wenn ihm Darko Milanic großes Potenzial attestierte. Doch Smith blieb in der Nähe – kein Wunder angesichts dessen, dass sein Berater der Grazer Mikis Schilcher ist. Im Herbst fand Smith dann einen Klub, allerdings nur um mitzutrainieren. Er und ein weiterer junger Kanadier, Mark Malamura, waren im Mannschaftstraining und in Testspielen des slowakischen Erstligisten AS Trencin mit von der Partie und kämpften um einen Vertrag. Einen solchen bekam Smith auch, aber nicht in der Slowakei, sondern in Graz.

Option für Abwehr und Angriff
Wieso jetzt und nicht schon im Sommer, ist die Frage der Fragen. Der SK Sturm war auch im Sommer schon dünn besetzt in der Innenverteidigung, doch nun fällt auch noch Andreas Pfingstner aus. Die Verpflichtung des Kanadiers war nun eine perfekte, weil risikolose, Lösung. Er kommt ablösefrei und hat einen stark leistungsbezogenen Vertrag. Wenn er überzeugt, wird er am Ende der Saison verpflichtet, wenn nicht, dann nicht und eines ist sicher: Sturm wird nächste Saison neue Innenverteidiger brauchen, denn von einem Abgang von Milan Dudic ist auszugehen. Auch Michael Madl und der bekanntermaßen sehr begehrte Nikola Vujadinovic haben noch keine neuen Verträge. Sollte der Fall der Fälle eintreten, stünde somit bereits ein Innenverteidiger bereit, der bei Sturm eingespielt ist. Doch nicht nur für die Abwehr ist Smith eine Option, der Kanadier spielte in der Jugend und teilweise auch noch am College im Angriff. Ein großer, pfeilschneller Stürmer wäre für den SK Sturm sicher auch kein Schaden.