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© Sturm12.at (KU)

Glanzparade

Frühlingserwachen?

Der letzte 12er-Stammtisch brachte kurz vor Start der Frühjahrsrunde so einige heiße Themen aufs Scherbenparkett. Es folgen ein paar Stichworte, markante Aussagen von den Beteiligten und natürlich der glanzparadistische Senf dazu.

© Sturm12.at

Es war eine durchaus muntere, sachlich harte und kritische Diskussionsrunde am vergangenen Mittwoch Abend in der Scherbe. Und auch wenn Sturmcoach Darko Milanic das Mikrophon immer wieder bis an den Kragen rutschte, konnte man, nach einiger Anlaufzeit, interessante Zwischentöne heraushören. Sehr gut vorbereitet präsentierten sich Fabian Zerche und Martin Konrad. Was folgt sind einige markante Themengebiete, die angerissen und debattiert wurden, die dazu passenden Aussagen der Protagonisten und mein unvermeidlicher Kommentar dazu:


Abseits des Platzes

Fabian Zerche: „Wenn es am Spielfeld und im Büro nicht funktioniert, hat man ein großes Problem.“

2013 war nicht nur ergebnistechnisch ein Seuchenjahr für den SK Sturm – 39 Punkte aus 37 Spielen, durfte man von sportnet.at-Redakteur Fabian Zerche erfahren. Er sprach auch von „jahrelangen Fehlerquellen, die Milanic nun ausbaden muss“ – Fehler in der Kaderplanung, die noch aus Zeiten von Franco Foda und Oliver Kreuzer stammen. Bekannterweise waren Turbulenzen nicht nur in sportlichen und sozialen Bereichen auszumachen, zuletzt drückten die verheerenden Zuschauerzahlen nicht nur aufs Gemüt der Verantwortlichen in Messendorf, sonders auch kräftig aufs Geldbörserl.

Um darüberhinaus nicht weiteren öffentlichen Unfrieden zu stiften, zeigt man sich bei Sturm äußerst bemüht Ruhe, Gelassenheit und Friede, Freude, Eierkuchen vorzugaukeln. Doch immer wieder gibt es Indikatoren, die dieser Idylle massiv zuwider sprechen: Im Dezember verabschiedete sich Marketingmann Philipp Lackner, im Laufe des Herbstes beendete Mario Haas seine Bürotätigkeit bei Sturm und die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass ein weiterer Abgang in den nächsten Monaten folgen könnte. Eine Wellness-Oase dürfte Messendorf Office gerade nicht sein.


Junge Truppe?

Darko Milanic: „Die Mannschaft ist jung, muss viel und täglich lernen, auch wie sie sich am Platz und außerhalb des Platzes benehmen müssen.“

Darko Milanic: „Das sind keine Leute, die 500 Spiele Erfahrung haben. Wir haben fünf U21-Nationalteamspieler. Sie haben nur Talent. Wir holen Amateure aus der Regionalliga. Regionalliga – das könnte ich noch spielen!“

Milanic streicht immer wieder die Unerfahrenheit der Mannschaft heraus. Wenn man allerdings den arrivierten Kern des Teams herausfiltert, sind mit Pliquett, Gratzei, Ehrenreich, Vujadinovic, Madl, Hadzic, Weber, Beric, Beichler, Todorovski, Dudic doch weit weniger „unerfahrene“ Spieler im Kader, als immer wieder herausgestrichen wird. Und auch das Zusammenspiel der Spieler kann durch die gemeinsame Zeit einfach nicht mehr als „unerfahren“ bezeichnet werden. Dass jedoch schon in der Vorbereitung von einer emotionaleren, lebendigeren Mannschaft die Rede ist, gibt Grund zur Hoffnung. Denn Sturm war immer mit großer spielerischer Leidenschaft verbunden, die dann auf die Fans überschwappte. Wenn diese kollektive Leidenschaft wieder sichtbar wird, wird es auch mit dem Publikumszuspruch wieder klappen.


Erwartungen an das Frühjahr

Martin Konrad: „Die Mannschaft hat im Moment die Qualität, dass sie eben dort steht. In diesem Bereich gibt es Möglichkeiten auch nach oben, man muss aber auch nach unten aufpassen“

Martin Konrad: „Wir dürfen nicht zu sehr nach Spanien, nach England schauen. Das sind Spieler von einer ganz anderen Qualität. Die gibt es hier nicht in Graz […] Wir müssen hier einen ganz anderen Level anlegen.“

Fabian Zerche: „Ich glaube, dass der vierte Platz auf jeden Fall das Ziel sein muss von Sturm […] Sturm hat in den letzten zehn, elf, zwölf Jahren einmal eine bessere Platzierung als Platz vier gehabt […] Sturm ist derzeit leider nur ein durchschnittlicher Verein.“

Was kann beziehungsweise darf man von Sturm in diesem Frühling verlangen? Da auch der Ausbildungsverein Udinese Calcio als Beispiel herangezogen wurde – wie die Norditaliener, müssen auch die Blackys begreifen, dass wahrscheinlich die einzige Chance auf internationales Glück heuer im Cup zu finden sein wird. Und mit entsprechender Konzentration, Stimmung und Euphorie muss man dem (vermeintlichen) Stiefkind des heimischen Fußballs auch begegnen. Und zwar alle Beteiligten inklusive der Fans! Denn selbst wenn der (fast) alljährliche Frühjahrseinbruch des Aufsteigers eintritt, wird sich Sturm sehr schwer tun, über die Meisterschaft in den Europacup zu kommen. Auch eine erfolgreiche Rückrundeinklusive entsprechender Tabellenplatzverbesserung ist nur dann möglich, wenn die Mehrzahl der direkten Kontrahenten versagt. Und das wird kaum passieren.


Ausbildungsverein – bla bla?

Jürgen Pucher: „Ist Sturm derzeit ein Ausbildungsverein?“
Darko Milanic: „Normal schon.“

Darko Milanic: „Was wollen wir mit U18-Spielern in der Bundesliga und andererseits hoffen alle, dass Sturm Meister wird.“

Fabian Zerche: „Meiner Meinung nach gehören 17-Jährige schon an die Kampfmannschaft herangeführt, nicht nur aus sportlichen Gründen. Wirklich interessant für ausländische Vereine sind die 17-, 18-, 19-Jährigen, die spielen, und nicht die 23-jährigen. Ablösesummen werden so generiert.“

Jürgen Pucher: „Wie groß ist die Chance, dass diese Einsatzzeiten bekommen?“
Darko Milanic: „97er-Jahrgang schwer. Im Moment sind sie zu jung. Das ist aber keine Frage des Prinzips.“

Fabian Zerche: „Prinzipiell muss sich Sturm als Ausbildungsverein positionieren. Weil wenn du Spieler, ausbildest hast du die Chance Ablösesummen zu generieren. Und das Budgetloch muss ja auch getilgt werden.“

Martin Konrad: „Ich hab ein Problem mit dem Begriff „Ausbildungsverein”. Was ist das Ziel? Bilde ich Spieler aus, bekomme ich dafür dann Geld und bleibe sportlich unerfolgreich? Sorry! Das kann nicht das Ziel sein aus meiner Sicht!“

Sehr reichhaltig wurde das Thema “Ausbildungsverein SK Sturm” behandelt. Wenn ich die Worte von Coach Milanic richtig interpretiere, spielt nicht das Alter, sondern allein die Qualität beziehungsweise seine Interpretation von Qualität eine Rolle beim Thema wer spielt und wer nicht. Das klingt soweit fair, kommt den Zukunftshoffnungen aber wenig entgegen, denn natürlich setzt man dann eher auf die Erfahrungskarte als auf Projektspieler. Das immer weiter aufklaffende Finanzloch wird zukünftig den Einsatz und die Präsentation von jüngeren Spielern nicht nur vorschlagen, sondern sogar verlangen, ob es dem Coach gefällt oder nicht. Zudem sehe ich im Wort Ausbildungsverein, vor allem in derzeitigen finanziellen Situation, eher eine Chance als eine Abwertung. Sturm hat keinen feudalen Finanzstatus und wird beim Verkauf von Talenten nicht automatisch schlechter. Nur diese Talente müssen, wie schon erwähnt, erst einmal präsentiert werden. Und ich glaube nicht, dass zum Beispiel die SV Ried mit ihrer Ausbildungspolitik so schlecht fährt. Im Gegenteil: Die Innkreiser sind gut platziert und schaffen mit ihren Veräußerungen auch immer wieder Platz für neue Investitionen – auch ohne kanadischen Onkel.


Vertragssituation

Darko Milanic: „Ich glaube nicht, dass diese Mannschaft extrem viele neue Spieler braucht.“

Fabian Zerche: „Ich glaube schon, dass im Sommer insofern etwas passieren wird, weil es kein Geheimnis mehr ist, dass eine Summe um die Million Euro im Budget fehlt. Und es gibt drei bis vier Spieler, die sehr gut verdienen aus der Foda/Kreuzer-Ära und deren Verträge auslaufen […] weil zu den Konditionen werden sie ganz sicher nicht verlängert.“

Fabian Zerche: „Ich würde den ein oder anderen nicht verlängern.“

Martin Konrad: „Wer verlängert wird, das wird sich zum Teil auch von selbst ergeben. Wenn die Mannschaft erfolgreich ist, dann werden diese Spieler auch für andere Klubs interessant sein.“

Es ist eigentlich ein Teufelskreis, den Martin Konrad beschrieben hat. Und in diesem Punkt muss ich ihm Recht geben. Einerseits muss man hoffen, dass Weber, Madl, Vujadinovic und Co. einen sensationellen Frühling spielen. Doch was passiert, wenn jene Spieler, deren Verträge auslaufen, wirklich derart reüssieren, dass sie nicht gehalten werden können? Dann verliert man mögliche Führungsspieler ohne finanziellen Gewinn und startet in wichtigen Positionen wieder bei Null in der kommenden Saison. Ich denke, dass es ein sehr, sehr schwieriger Transfersommer wird.


Robert Beric

Darko Milanic: “Robert Beric ist extrem wichtig für unsere Mannschaft. Er ist aber leider kein richtiger Goalgetter.”

Darko Milanic: “Er hat ein großes Problem: Er hat viel Geld gekostet und alle glauben, er kann gleichzeitig flanken und selber das Tor schießen.”

Martin Konrad: “Er wird völlig zu Unrecht kritisiert: Sechs Tore, vier Torvorlagen, also zehn Scorerpunkte, sprich an jedem dritten Sturmtor war er beteiligt […] Über 330 Zweikämpfe in der Herbstsaison und damit auf Rang vier der gesamten Bundesliga.”

Martin Konrad: “Eine Million kostet er übrigens nicht, er kostet eigentlich das Doppelte, da gibt es nämlich ein paar Tranchen in den nächsten Jahren, die an Maribor bezahlt werden müssen.”

Ich erinnere mich gerne an die Saison des Klemen Lavric bei Sturm zurück. Eine sensationelle Frühjahrssaison folgte einem katastrophalen Herbst. Im Gegensatz zu Lavric musste Beric allerdings keinen verspäteten Fastenmonat einlegen. Der 1(-2)-Million(en)-Euro-Mann wird im Frühjahr weit weniger “verhungern” (das ist jetzt nicht auf Lavric bezogen), als vergangenen Herbst. Sollte Djuricin verletzungsfrei bleiben, kann Beric auch vielleicht sein Speerspitzendasein zurückschrauben und die gesamte Sturmoffensive unberechenbarer und deswegen auch erfolgreicher machen. Wie all das aber in der Realität ausschaut, am und jenseits des Platzes, wird man schon dieses Wochenende, aber vor allem in den nächsten Monaten und im kommenden Transfersommer sehen.