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SK Sturm Alumni

Von alten Männern

Viele Ex-Spieler des SK Sturm können auf eine lange erfolgreiche Karriere zurückblicken, manche sogar auf eine ganz lange. Die drei Routiniers Pepi Schicklgruber, Frank Verlaat und Filip de Wilde haben ihre Karriere erst in hohem Alter beendet und sind den Fans nur als alte Männer in Erinnerung.

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Josef “Pepi” Schicklgruber
Der 1967 geborene Josef Schicklgruber begann seine Laufbahn im Alter von sechs Jahren beim ASK Nettigsdorf im Linzer Vorort Ansfelden und war anfangs Feldspieler. Zwar wurde er immer wieder im Tor getestet, fix im Kasten stand er dort aber erst mit 18 Jahren. Im Jahr 1990 gelang ihm in der Landesliga ein Ausschusstor gegen Vöcklamarkt, wodurch er plötzlich im Rampenlicht stand und sich der LASK seine Dienste sicherte. Sein Debüt feierte er im Derby gegen Vöest Linz und war von da an die klare Nummer eins beim LASK. 1992 war Schicklgruber sensationelle 1241 Minuten, also mehr als 13 Spiele, ohne Gegentor. Der damalige Weltrekord lag bei 1390 Minuten, doch diesen erreichte Schicklgruber nicht, da er ausgerechnet im Derby gegen den FC Linz ein Eigentor hinnehmen musste. Der LASK stieg in der Folge auf, hatte jedoch finanzielle Probleme. Schicklgruber war kurz davor, sich beim ÖFB als Profifußballer abzumelden, um nicht mehr an den LASK, der ihn in Zeiten vor dem Bosman-Urteil ja quasi besaß, gebunden zu sein und dann ein Jahr später wieder mit dem Profifußball zu beginnen. Man einigte sich doch noch, aber Schicklgruber wurde bei den Oberösterreichern nicht glücklich. Nach der Fusion mit dem FC Linz im Sommer 1997 war Zejlko Pavlovic die neue Nummer eins, im Sommer darauf kam David Wimleitner zum LASK, wodurch der einstige Star-Torwart Schicklgruber plötzlich nur noch auf der Tribüne saß.

Zu Schicklgrubers Glück wurde schnell ein Platz frei beim amtierenden Meister Sturm Graz. Nachdem sich Neuzugang Abiodun Baruwa nach nur einem Einsatz schwer verletzt hatte, kam Schicklgruber zu Sturm, um sich mit Kazimir Sidorczuk um das Einser-Leibchen zu streiten. Nachdem Sidorczuk verletzt vom polnischen Nationalteam zurückkehrte, bekam Schicklgruber die Chance und nutzte sie auch. Als der Pole nach über zwei Monaten Verletzungspause zurückkehrte, griff Ivica Osim zu einem unüblichen Mittel: Er ließ seine beiden Tormänner abwechselnd spielen. Am Ende dieser Saison stand der Meistertitel, in der nächsten folgte wieder eine Champions-League-Saison. Sturm qualifizierte sich als Gruppendritter hinter Manchester United und Olympique Marseille für das Sechzehntelfinale des UEFA-Cups, wo man gegen den AC Parma ausschied. Durch das entscheidende Gegentor, das so genannte Parma-Tor, wird Schicklgruber auf ewig Teil der Sturm-Historie sein: Der Oberösterreicher fing eine Flanke, war mit den Füßen weit hinter der Linie, hielt jedoch den Ball nach vorne. Nach langer Diskussion zwischen Schiedsrichter und Linienrichter wurde das Tor gegeben, in keiner Kameraeinstellung konnte man wirklich sehen, ob der Ball vor oder hinter der Linie war. Schicklgruber wurde während dieser Saison außerdem von Otto Baric, dem Trainer, der ihm beim LASK auf die Ersatzbank verfrachtete, ins Nationalteam einberufen. In der Saison darauf musste sich Schicklgruber mit der Ersatzbank begnügen, da der Verein nun, dank des länger laufenden Vertrages, voll auf Kazimir Sidorczuk setzte.

Nach seinem Vertragsende bei Sturm im Sommer 2001 ging Schicklgruber wieder zurück nach Oberösterreich und unterschrieb beim FC Pasching, der damals in die zweite Liga aufgestiegen war. Er wurde mit dem Klub aus dem Linzer Vorort Meister, womit man als erster Verein in Österreich den Durchmarsch schaffte. Auch in der kommenden Saison spielte Pasching vorne mit und führte zeitweise die Bundesliga an, am Ende reichte es zu Platz fünf und somit zum UI-Cup. Dort schaffte man es, nachdem man Werder Bremen geschlagen hatte, bis in die letzte Runde, in der die Endstation aber Schalke 04 hieß. In den nächsten Jahren festigte sich Pasching in der oberen Tabellenhälfte und qualifizierte sich stets für internationale Bewerbe. Dort scheiterte man aber zweimal gegen Zenit St. Petersburg und gegen Livorno. Ab 2005 wurde es aber sehr turbulent in Pasching. Zahlreiche Trainerwechsel sorgten für ständige Unruhe im Verein und der Aufstieg des LASK in die Bundesliga im Jahr 2007 veranlasste Präsident Franz Grad dazu, die Lizenz des Klubs nach Klagenfurt abzugeben, wo er als Austria Kärnten im neuen EM-Stadion spielen sollte. Schicklgruber zog nicht mit nach Kärnten, sondern kehrte im Alter von 40 jahren zurück zum SK Sturm, wo er als Ersatzmann für Christian Gratzei nur zu wenigen Einsätzen kam. Im Sommer 2008 beendete Schicklgruber seine Karriere, wurde aber zu Beginn der Herbstsaison noch einmal reaktiviert, da sowohl Christian Gratzei als auch Martin Kobras verletzt waren. In der Winterpause ging Schicklgruber zu Altach, ehe er im Sommer 2009 noch einmal für eineinhalb Jahre zum mittlerweile in der Regionalliga spielenden FC Pasching ging. Ab Anfang 2011 war Schicklgruber Torwarttrainer bei Vorwärts Steyr, im Sommer wechselte er schließlich noch für ein halbes Jahr zum Landesligisten Weißkirchen als Spielertrainer. Aktuell ist Schicklgrubr als privater Tormanntrainer aktiv, leitet spezielle Trainings, nimmt an Benefizveranstaltungen teil und macht diesen Sommer gemeinsam mit Manfred Bender ein Fußballcamp.

Frank Verlaat
Der Niederländer Frank Verlaat begann seine Karriere in der renommierten Jugend von Ajax Amsterdam. In seinen ersten drei Profijahren reichte es nur für 17 Einsätze beim Spitzenklub und so zog es den Libero 1989 in die Schweiz zum FC Lausanne. Dort war er für drei Jahre gesetzt und erzielte sogar 15 Treffer. Eine ähnlich gute Bilanz hatte Verlaat nach seinem Wechsel zum aufstrebenden französischen Klub AJ Auxerre. Diesen verließ er 109 Partien und 15 Treffer später. Seine neue Heimat war der VfB Stuttgart, der mit Stars wie Krassimir Balakov, Giovane Elber und Fredi Bobic für Furore sorgte. 1997 führte Verlaat den Verein als Kapitän zum Cup-Sieg gegen Energie Cottbus. Im Jahr darauf schaffte man es sogar ins Finale des Europapokals der Pokalsieger. Bei der Niederlage gegen den FC Chelsea kam der Niederländer allerdings nicht zum Einsatz. Nach einer weiteren Saison in Stuttgart überwies Verlaats Heimatklub aus Amsterdam umgerechnet 4,4 Millionen Euro, um den Abwehrspieler zurückzuholen. Dort machte Verlaat, der während der Saison immer wieder leicht angeschlagen war, nur 21 Spiele und wechselte nach der Saison um knapp über zwei Millionen Euro in den hohen Norden Deutschlands: Werder Bremen. Dort war der 32-Jährige uneingeschränkter Abwehrchef und erreichte mit dem Klub die Ränge sieben, fünf und sechs.

Mit 35, also in einem Alter, in dem die meisten allmählich ihre Fußballschuhe an den Nagel hängen, wechselte Verlaat noch einmal den Verein. Im Sommer 2003 lockte ihn Frank Stronach zu Austria Wien. Der schon etwas in die Jahre gekommene Niederländer machte 19 Partien, konnte sich aber nie ganz durchsetzen. Speziell gegen Ende der Saison gab es kaum mehr Einsätze für ihn. Zum Ende der Transferzeit 2004 wurde Verlaat an den SK Sturm verliehen. Dort bildete er mit Günther Neukirchner und Franck Silvestre eine routinierte Abwehr. In der Winterpause dieses Jahres entschied Frank Stronach, den Niederländer fix nach Graz gehen zu lassen. Es war eines von vielen Geschenken an den SK Sturm, und damals speziell an seinen Freund Hannes Kartnig. Sturm platzierte sich im unteren Mittelfeld und auch in der nächsten Saison blieb die routinierte Innenverteidiger-Duo Silvestre/Verlaat bestehen. In seiner letzten Saison, 2006/07, hatte Verlaat nicht mehr Silvestre und Neukirchner an seiner Seite. Er bildete nun mit dem blutjungen Sebastian Prödl, der von der Erfahrung des Niederländers enorm profitieren konnte, die Innenverteidigung. Sein letztes Spiel für Sturm machte Verlaat am 17. Mai 2007, beim letzten Grazer Derby, danach beendete er im Alter von 38 Jahren seine Karriere. Nun lebt Verlaat mit seiner Familie in Portugal an der Algavre und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Lediglich sein Sohn Jesper Verlaat lebt in Deutschland, denn er spielt seit 2012 in der Jugend von Werder Bremen.

Filip De Wilde
Im Alter von 16 wechselte der belgische Torhüter Filip De Wilde von seinem Heimatklub Zele zu SK Beveren. Dort war die belgische Torwartlegende Jean-Marie Pfaff unter Vertrag. Als dieser im Sommer 1982 zu Bayern München wechselte, bekam der erst 18-jährige De Wilde das Vertrauen. Bereits in seiner ersten Saison als Stammtorwart gewann sein Klub den belgischen Pokal, in der nächsten wurde Beveren Meister und erreichte das Achtelfinale des Pokals der Pokalsieger. Bis 1987 blieb De Wilde bei Beveren und machte dort insgesamt 176 Spiele. Dann wechselte er zum damaligen Serienmeister RSC Anderlecht und blieb dort bis 1996, vier Mal Meister und drei mal Cup-Sieger. 1989 debütierte Filip de Wilde im belgischen Nationalteam und wurde 1990 und 1994 in den WM-Kader berufen. Dort absolvierte er aber kein einziges Spiel.

1996 ging de Wilde nach Portugal. Sein neuer Klub hieß Sporting Lissabon, kurioserweise der Stadtrivale seines Konkurrenten um das Einserleiberl im belgischen Team, Michel Preud’homme. 1998 spielte der schon in die Jahre gekommene Preud’homme keine Rolle mehr und de Wilde durfte in zwei Gruppenspielen der Weltmeisterschaft 1998 spielen. Nach der WM kehrte er im Alter von 34 wieder zurück zum RSC Anderlecht und spielte dort weitere fünf Jahre, in denen er 2000 und 2001 noch einmal Meister wurde. Sein großes Karrierehighlight war die Heim-Europameisterschaft im Jahr 2000. De Wilde stand bei allen drei Gruppenspielen im Tor, konnte aber das Ausscheiden nach der Gruppenphase nicht verhindern. Von sich reden machte er vor allem durch einige kuriose Situationen, wie etwa seinen Ausschluss im letzten Gruppenspiel, bei dem er Hakan Sükür weit draußen am Feld zu Boden riss.

Für die Saison 2002/03 holte der Klub den Tschechen Daniel Zitka, um den mittlerweile 38-Jährigen als Stammtorhüter abzulösen. De Wilde blieb diese Saison noch bei Anderlecht, war aber auch danach noch nicht bereit aufzuhören. Im Sommer 2003 wechselte De Wilde zu Sturm Graz, wo die Abgänge von Heinz Weber und Daniel Hofmann ein großes Loch hinterließen. Im Winter verließ de Wilde Sturm nach 17 Einsätzen wieder und Thomas Mandl übernahm seinen Posten. Aber noch immer war der Belgier nicht satt und spielte bis zum Herbst 2004 beim belgischen Erstligisten Lokeren. Seine Karriere beendete De Wilde im April 2005, als 41-Jähriger, beim mittlerweile nicht mehr existenten Klub KFC Verbroedering Geel in Belgiens zweiter Liga. Danach übernahm  er einen Posten als Jugendtrainer beim belgischen Fußballverband. 2007 wechselte de Wilde als Tormanntrainer zu RSC Anderlecht, ehe er 2012 Tormanntrainer der belgischen U21-Nationalmannschaft wurde.