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Glanzparade

Eh und Immerhin

Der Grazer Rasen kränkelt, der Generalmanager grantelt, Florian Sittsam plaudert und die Mannschaft hofft zumindest auf die Bestätigung der Leistung von Ried. Eine Nachbetrachtung, eine paar Anmerkungen und ein paar Tipps, weil “immerhin” geht es “eh”. Oder so.

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Es ist doch schön, wenn Spieler, in diesem Fall ehemalige Spieler, von jeglichem Maulkorb befreit, ihren Gedanken freien Lauf lassen können. Zumindest hin und wieder. Im Fußball herrschen ja oft militärische Strukturen mit Pönalen, Straftrainings, Verweisen, mündlichen Abmahnungen oder etwa Suspendierungen. Deswegen duckt es sich oft leichter, als die Hand zur Wortmeldung in die Höhe zu strecken. Florian Sittsam – mit Sicherheit eines der hoffnungsvollsten Sturmtalente der letzten Jahre – fand unlängst im Interview mit Kollegen Jürgen Pucher ob seiner Demontage beim SK Sturm klare Worte.

Als steter Beobachter des schwarz-weißen Profifußballs, der ja nicht mit Taurinbrause-Millionen gesegnet ist, muss man sich schon wundern dürfen, wenn Spielerpotential à la Sittsam einfach vor die Tür gesetzt werden kann. 12 Jahre war Florian Sittsam bei seinem Herzensverein, doch nun dürften persönliche Befindlichkeiten über dem Vereinswohl gestanden sein und Sittsams Abgang nicht nur empfohlen, sondern gar diktiert haben. Denn dass dem 19-jährigen mangelndes Talent zugesprochen wurde, kann wohl weniger der Fall gewesen sein.

Eigentlich sollte man schon nochmal drüber reden, oder? Denn Sittsam sprach ganz offen über den mangelnden Mut, trotz schwacher Mannschaftsleistungen, jungen Spielern Chancen einzuräumen, die mögliche Rolle seines oft (zu) kritischen Vaters, vom nichtvorhandenen Spagat zwischen Karriereplattform und Mannschaft, von Auffassungsunterschieden zwischen Trainer und Sportdirektor und, dass “eigentlich alle an einem Strang ziehen sollten und […] die sportliche Leitung das nicht so umsetzt, wie es der Präsident vorgibt.” Und natürlich auch von der “großen Enttäuschung, wie das letztlich bei Sturm verlaufen ist.” Und er sprach über Gerhard Goldbrich, bei dem er nicht das Gefühl gehabt hatte, dass er ihn gerne weiter beim Verein gesehen hätte. “Ist diese Karriereplattform ein Ziel von Goldbrich”, fragte Pucher. Sittsams Antwort: “In der Öffentlichkeit transportiert er es so, oder?” Bedenklich? Bedenklich!

Vielleicht ist es ja auch ein Florian Sittsam, der zu jenen Leuten gehört, die Gerhard Goldbrich vergangenen Samstag im TV angesprochen hatte: “Die Situation ist nicht so schlimm wie es leider Gottes sehr oft von jenen die alles besser wissen hineingetragen wird in den Verein”. Diese Worte nämlich richtete der Generalmanager nach dem Spiel in Ried in die TV-Kamera des ORF. Oder sind damit nur die ungemütlichen Rabauken diverser Onlinemedien gemeint und all jene, die sich weniger gut lenken lassen, wie das ein oder andere Tagesblatt’l. Von welcher “nicht so schlimmen Situation” nun die Rede ist, darf nur vermutet werden. Die traurige finanzielle Situation des Vereins und der damit verbundene Zuschauerschwund, die Ausmusterung diverser Talente, variable Mannschaftsbefindlichkeiten, rezessiver Fokus auf zukünftige Online- und Marketingaktivitäten, auslaufende Verträge, die Stimmung innerhalb der Achse Präsident-Generalmanager-Trainer und repektive auch die Stimmung in und rund um Messendorf. Natürlich kann man das Abo nun als Parteibuch betrachten und die “Hände falten, Gosch’n halten”. Und natürlich kann es sein, dass dies “eh” alles nicht “so schlimm” ist, wenn man sich Erträglichkeit als Optimum setzt. So könnte man natürlich auch alles à la Gunkl betrachten und nichts mehr hinterfragen: Man weiß zwar nicht wie, aber “es geht EH und IMMERHIN geht es EH.” Aber dies zu konstatieren, dafür gibt es “eh” andere. Jedoch dazu wurde Sturm12.at nicht ins Leben gerufen. Immerhin!

Es bleibt zu hoffen, dass sich der spielerisch und kämpferisch durchaus positive Trend der letzten Partie gegen Ried am Liebenauer Rasen widerspiegeln wird. Ach ja, der Liebenauer Rasen, da war auch noch was. Am Wochenende kommt der WAC und nächste Woche steht das nächste U21-EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien an der Reihe. Eine Zusatzaufgabe also für das angeschlagene Spielfeld und auch in Sachen Rasenpflege. Aber seitens der Stadionverwaltung ist man sich anscheinend nicht ganz im Grünen, was die Bundesligaspieler am Grazer Feld zu bemängeln haben. Ein guter Ansatz wäre beispielsweise schon, wenn während der Halbzeitpause mehr als nur eineinhalb mäßig engagierte Herrschaften mit ihren Händen in den Hosentaschen Löcher zuzutreten versuchten (so gesehen gegen Salzburg). Aber wenn die Einsicht fehlt, dass da was nicht so im grünen Bereich ist, bleibt wohl auch am Rasen alles anders, alles holprig. Aber solange es eh geht…