FUSSBALL - BL, Groedig vs Ried
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Christian Haas

"SV Ried ist mein großes Vorbild"

Vor zwölf Jahren begann sich Christian Haas beim SV Grödig zu engagieren, mittlerweile hat er den Dorfklub in die Bundesliga gebracht. Im Interview mit Sturm12.at spricht der erfolgreiche Manager über Ziele, Vorbilder und seine langen Arbeitstage.

Wiki-User Steindy (CC BY-SA 3.0)

Unkompliziert ist er, der Christian Haas. Während sich andere Fußballmanager dieses Landes gerne auf Tauchstation begeben und für Journalisten nur schwer erreichbar sind, entgegnet einem der Pressesprecher des SV Grödig auf die Interviewanfrage mit Christian Haas: “Rufen Sie ihn einfach an und machen das gleich selbst mit ihm aus.” Haas selbst ist ähnlich locker und meint auf die Frage nach einem Termin für das Telefoninterview: “Rufen Sie mich einfach an.” Beim Interview selbst ist ihm anzumerken, dass der Kontakt mit Journalisten (noch?) nicht zur nervigen Pflicht geworden ist. Man spürt, dass Christian Haas gerne über sein Lebenswerk, den SV Grödig spricht. Und ist er erst in Fahrt, nimmt er im Interview gerne auch einmal die Fragen vorweg.

Herr Haas, das letzte Saisonviertel ist angebrochen. Wie sieht Ihr erstes Resümee für Ihre erste Bundesligasaison aus?
Das schaut natürlich sehr gut aus. Unser Ziel zu Saisonbeginn war es, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu bekommen und nie hinten reinzukommen. Ich hätte gedacht, wenn alles passt, können wir auch Fünfter oder sogar Vierter werden. Wenn man jetzt acht Runden vor Schluss auf der zweiten Tabellenstelle steht, ist man natürlich sehr zufrieden, auch wenn die letzten Ergebnisse nicht ganz zufriedenstellend waren. Aber gegen Ried sind wir wieder in die Erfolgsspur zurückgekommen.

Sportlich sind Sie also vollauf zufrieden. Wie sieht es mit den Zuseherzahlen aus? Da sind Sie ja mit knapp über 2.000 im Schnitt klar an letzter Stelle in der Liga.
Ach, sind wir wirklich über 2.000 im Schnitt? Das muss sehr knapp sein. Ich bin natürlich nicht zufrieden mit den Zuschauerzahlen. Mein Wunsch wäre gewesen, bei den kleineren Vereinen 2.000 und und bei den Topklubs 4.000 Zuschauer, also im Schnitt etwa 3.000, ins Stadion zu bekommen. Wir wissen aber auch, dass wir mit der Infrastruktur weit hinterher hängen und deshalb wird ab Mai am Stadion gebaut, damit wir etwa 4.500 überdachte Sitzplätze haben. Bei Spitzenspielen können wir dann sogar auf 6.000 erweitern. Auch die Zufahrt und die Parkplätze werden jetzt asphaltiert. Es war einfach ein Riesenproblem, bei Schlechtwetter zu uns zu kommen und das hat sich in den Zuseherzahlen bemerkbar gemacht.

Bei Ihnen in der Region gibt es mit Red Bull und der wiederauferstandenen Austria Salzburg zwei veritable Fanmagneten. Wie viel Fanpotenzial gibt es da überhaupt für Grödig?
Ich denke, wir sollten auf diesen Schnitt von 3.000 kommen können.

Trotz niedrigstem Budget, Wettskandal und gewaltigem Verletzungspech steht Grödig in der Tabelle auf Platz zwei. Ist Grödig wirklich so stark oder ist die österreichische Liga so schwach?
Naja, es ist bestimmt eines von beiden. Wahrscheinlich beides. Wir spielen sicher eine gute Saison, haben eine überragende Herbstsaison gespielt, und haben jetzt Philipp Zulechner und Thomas Salamon ziehen lassen. Wir haben sie auch ziehen lassen müssen, denn wenn einer unserer Spieler die Möglichkeit hat, zu einem großen Klub zu gehen, werden wir sie sicher nicht halten können. Das wird auch weiter ein großes Ziel sein: junge Leute zu holen, weiterzuentwickeln und bei großen Klubs unterzubringen. Das Frühjahr war bis jetzt ein wenig unter den Erwartungen, aber nach dem Ried-Sieg sind wir sicher wieder auf den Beinen. Man muss auch dazusagen, dass andere Mannschaften enttäuscht haben. Austria und Rapid hatten im Herbst die Doppelbelastung und kommen jetzt wieder. Viele Mannschaften haben heuer eine nicht so gute Saison gespielt, wir dagegen eine sehr gute.

Sie haben bereits angesprochen, dass die Spieler in Grödig schwer zu halten sind. Im Sommer laufen, wenn ich das richtig gesehen habe, 15 Verträge aus, es gibt auch einige Spieler, an denen größere Klubs Interesse haben sollen. Zulechner und Salamon sind etwa schon weg. Wie viel wird nächste Saison noch von der so erfolgreichen Mannschaft übrig sein?
Das stimmt so nicht ganz, wir haben fast überall Optionen, also laufen im Endeffekt nur sechs Verträge aus. 80 Prozent des Kaders wollen wir halten können, mit Mario Leitgeb zum Beispiel haben wir gerade erst einen wichtigen Spieler verlängert und sind mit einigen anderen in Gesprächen. Vom Interesse anderer Vereine erfahre ich leider immer als Letzter, nämlich dann, wenn die Spieler und Berater zu mir kommen und sagen, dass sie gerne wechseln wollen. Wir haben einfach nur das Budget, das wir haben, und lassen uns auf keine Abenteuer ein. Wenn ein Spieler bei einem anderen Verein wirklich einen besseren Vertrag bekommt, können wir ihn eben nicht halten.

Und wie sieht es mit dem Trainer aus? Adi Hütter scheint im Moment auch nicht gerade leicht zu halten zu sein.
Ich glaube schon, dass wir ihn halten können. Wir haben ihm ein Angebot vorgelegt und sind so verblieben, dass wir am 31. März eine Entscheidung wollen. Ich hoffe und glaube, dass der Adi Hütter in Grödig Trainer bleiben wird, aber am besten könnte diese Frage sicher der Adi Hütter selbst beantworten.

Grödig ist immer noch auf Platz zwei und somit auf gutem Weg in Richtung Europacup. Gibt es schon Pläne, wo man spielen möchte? In Grödig wären einige Adaptionen notwendig, die Red-Bull-Arena wäre wohl etwas überdimensioniert und teuer.
Wir haben uns jetzt einmal angeschaut, was von der UEFA vorgeschrieben wird. Sollte Grödig Dritter werden, und als Dritter steigt man in Qualifikationsrunde zwei ein, können wir die erste Runde wahrscheinlich in Grödig spielen. Runde drei könnten wir aber nicht mehr daheim spielen.

Vor einiger Zeit haben Sie gesagt, Sie wünschen sich, dass der Rapid-Bus in Grödig halt macht. Wenn man nächste Saison international spielt, welchen Bus hätten Sie dann gerne in Grödig?
Das kann man damit leider nicht vergleichen, denn wenn man in Runde zwei oder drei einsteigt, hat man wahrscheinlich noch kein sonderlich attraktives Los. Für Grödig wäre es so schon eine Sensation, international zu spielen, aber da wir jetzt noch so gut in der Tabelle liegen, haben wir es uns natürlich zum Ziel gemacht.

Im Verein sind Sie, so wirkt das zumindest nach außen, der absolute Alleinunterhalter und nebenbei leiten Sie noch ein Unternehmen. Wie geht sich das aus? Wie lange sind Ihre Arbeitstage?
Der Tag beginnt immer um sechs Uhr in der Früh, dann fahre ich in die Firma. Oft dauert die Arbeit, Besprechungen etwa, gerne mal bis Mitternacht oder noch länger. Es ist aber nicht so, dass ich Alleinunterhalter im Verein bin, auch wenn es in den Medien oft so wirkt, weil ich dort immer auftrete. Wir haben einen sehr guten Vorstand und mittlerweile schon drei Leute, die fix im Büro angestellt sind. Auch viele andere arbeiten im Hintergrund noch mit. Als Alleinunterhalter würde ich mich nicht sehen, eher als der, der vorangeht. Das Ganze ist auf die Dauer sehr anstrengend, aber mit den Siegen bekommt man das zurück und vergisst wieder, wie viel Arbeit das ist. Gerade jetzt habe ich mit dem Umbau des Stadions und den Verhandlungen wieder sehr viel Arbeit.

Das Auffliegen des Wettskandals um Dominique Taboga ist noch nicht allzu lange her, kürzlich warf Ihnen Taboga in einem TV-Interview Schwarzgeldzahlungen vor. Wie ist man im Verein damit umgegangen? Irgendwie hatte man von außen den Eindruck, dass nie wirklich Unruhe ausbrach.
Im Verein wird es natürlich unruhig, aber wir haben ganz normal unsere Aufgaben gemacht. Wir versuchen auch immer alles, so gut es geht, von der Mannschaft wegzuhalten und dass wir das im Vorstand alles regeln. Die Spieler sollen sich so wenig wie möglich damit befassen und sich auf ihren Beruf konzentrieren, nämlich Fußball zu spielen. Man muss auch dazusagen, dass wir noch ein ungeheures Verletzungspech und zwei Spielerverkäufe hatten und trotz allem läuft es so gut. Da muss man wirklich den Hut ziehen vor dem Trainerteam und der Mannschaft.

Über den Europacup, das heurige Saisonziel, haben wir schon gesprochen, auch über das Stadion. Wie lauten die sportlichen Ziele für die nächste Saison? Will man wieder so weit oben dabei sein oder geht es erst mal um den Klassenerhalt?
Mein Vorbild ist da immer die SV Ried. Die machen aus sehr geringen Mitteln sehr viel und schauen, dass sie immer um einen Eurpacup-Platz mitspielen können. Auch wir sollten jedes Jahr eine Mannschaft zusammenstellen können, die zumindest nichts mit dem Abstieg zu tun hat, und wenn es gut läuft, um Europa mitspielt. Aber wir können natürlich nicht sagen, wir wollen jedes Jahr international spielen, weil zumindest Salzburg, Rapid, Austria und Sturm normalerweise klar über uns zu stellen sind. Im Fußball geht es sehr darum, wie man in die Saison startet und das Ziel ist eben, nichts mit dem Abstieg zu tun haben, und wenn es gut läuft, um die internationalen Plätze zu spielen.

Wo sehen Sie den Verein in zehn Jahren?
Auch da ist Ried mein großes Vorbild. Sie spielen in einem kleinen feinen Stadion, das voll ist mit Werbung von Sponsoren, und machen auch sportlich gute Arbeit. Wir wollen natürlich in der Bundesliga bleiben und wenn wir uns so etablieren können, wie Ried, wäre das sehr schön.

Am Mittwoch kommt Sturm Graz. Die Mannschaft war angeschlagen, konnte aber zuletzt wieder gewinnen. Wie erwarten Sie den Gegner und das Spiel?
Wenn man sich die Namen durchliest, ist das eine sehr starke Mannschaft. Wieso es dieses Jahr nicht so läuft, kann ich nicht beurteilen. Sie haben jetzt gegen Innsbruck gewonnen, wir haben zum Beispiel gegen Innsbruck nur Unentschieden gespielt und gegen Wiener Neustadt verloren. Man sieht, wir brauchen gegen jeden Gegner einen sehr guten Tag und den werden wir auch morgen brauchen. Sturm ist jetzt im gesicherten Mittelfeld, die internationalen Plätze werden sich wohl eher nicht mehr ausgehen, aber sie werden trotzdem Vollgas geben und fahren auch hierher, um zu gewinnen.

Trauen Sie sich, einen Tipp abzugeben?
Nach meinen Tipps sollte man nicht gehen, denn ich sage immer, dass Grödig gewinnt. Ich hoffe, dass wir gewinnen: 2:1.