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Akademie Steiermark-Sturm Graz

Entlang am schwarzen Faden

Die Bestellung der Geschäftsführer glich einer Odyssee. Unter neuer Flagge segelt das Schiff der Akademie Steiermark-Sturm Graz nun seit neun Monaten und sei inzwischen voll auf Kurs. “Steuermann” und Akademieleiter Dietmar Pegam über Philosophie, Struktur und Spielverderber.

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Beinahe hätte Michael John Lema nicht alle drei Tore im Österreich-Finale des Nike Premier Cups 2014 erzielt. Womöglich hätte die U15 der Akademie Steiermark-Sturm Graz nicht so souverän mit 3:0 den Titel gewonnen und sich damit den Startplatz für das Europafinale gesichert. Fast würde der 14-Jährige auch längst für eine andere Mannschaft Tore wie am Fließband schießen. “Red Bull Salzburg wollte Michael haben, da war im Prinzip schon alles unter Dach und Fach“, erzählt der Leiter der Akadmie Steiermark – Sturm Graz, Dietmar Pegam.

Es ist noch nicht lange her, da gelangen Sturm keine solchen Nachwuchs-Coups. Im Jahr 2009, das ist im Jugendbereich eine halbe Ewigkeit, hatte der SK Sturm Graz keinen Scout, der täglich auf Talentsuche ging. Mittlerweile ist das anders. Mit Didi Schilcher und Sepp Jauk hat Sturm zwei eigene Jugendscouts und mit Walter Hörmann einen weiteren, der die beiden im Akademiebereich unterstützt. Die Akademie, so Pegam, sei unter anderem durch deren Arbeit auf einem richtig guten Weg: “Wir sind jetzt mittlerweile so weit, dass wir wirklich super Spieler in der Akademie haben – richtige Granaten.” Doch wie misst man die Qualität einer solchen Kaderschmiede? “Neben dem Spielstil der Akademieteams und der Anzahl der Spieler, die den Sprung in den Amateur-Profikader schaffen, ist für mich auch die Anzahl der Nationalteamspieler ein Kriterium”, erklärt der Akademieleiter. Geht man nach diesem Kriterium, dann hat sich in der Jugendarbeit tatsächlich vieles zum Positiven hin entwickelt. Vor fünf Jahren, als Pegam seinen Job als Chef der Akademie antrat, – und das ist der Zeitpunkt, ab dem er seine Arbeit auch gemessen sehen will – hatte der Verein drei Teamspieler. Nicht im A-Team wohlgemerkt – im gesamten Nachwuchsbereich. Von 90 Spielern attestierten die Trainer der verschiedenen Auswahlen lediglich dreien die Qualität, ihr Land gebührend zu repräsentieren. Marc Andre Schmerböck, Florian Neuhold und Florian Kainz waren die Auserwählten. Zudem stammt Neuhold aus der GAK-Akademie, erst Pegam selbst holte ihn zu Sturm. Jetzt, im April 2014, sitzt Dietmar Pegam in seinem Büro auf dem Gelände der HIB Liebenau, zeigt zufrieden Blätter ausgedruckter Kaderlisten und meint: “Die Arbeit fruchtet schön langsam.”

Der Jahrhundert-Jahrgang
Im freundschaftlichen U15-Testspiel Österreichs gegen Serbien standen Mitte April drei Spieler aus der  Akademie Steiermark-Sturm Graz in der Startformation. Es waren damit in einer Auswahl gleich viele wie vor fünf Jahren im gesamten Jugendbereich. Insgesamt tummeln sich allein im Jahrgang der U15 vier ÖFB-Spieler, dazu einer, der für das ungarische Nationalteam auflaufberechtigt ist und zwei Jungs, die zwar noch den kroatischen Pass haben, bei denen jedoch laut Pegam bereits das Einbürgerungsverfahren laufen würde. Wenn es um den Jahrgang 1999 geht, gerät Pegam, der ansonsten eher zurückhaltend spricht, regelrecht ins Schwärmen: „Der Jahrgang ’99 ist ein Jahrhundertjahrgang für Sturm Graz, dazu stehe ich”, sagt er. Jener Jahrgang war es auch, der im Nike-Cup Österreichsieger geworden war – und das ohne seiner auf Länderspielausflug befindlichen Nationalspieler. Diesem „unglaublichen Jahrgang“ gehören (möglicherweise zum letzten Mal) ausschließlich Sturm-Spieler an. Nach einer Vereinbarung mit dem Verband müssen Spieler beim Eintritt in die Akademie nicht mehr fix zum SK Sturm wechseln – sie müssen bis zu ihrem 16. Geburtstag bei ihrem Stammverein bleiben. Bei den im Sommer eintretenden 2000ern ist das zum ersten Mal der Fall. Dass Pegam mit seinem Betreuerstab damit theoretisch Spieler für die Konkurrenz ausbilden könnte, beunruhigt den Akademieleiter nicht: „In naher Zukunft besteht nicht die Gefahr, dass wir Nicht-Sturmspieler ausbilden. Und eines ist auch klar: Sturm ist in der Steiermark sicher die Top-Adresse, was die Jugendausbildung betrifft“, sagt er. Insgesamt zählt Pegam 17 aktuelle Akademie-Spieler, die im Laufe ihrer “Karriere” bereits für diverse Nachwuchsnationalteams aufgelaufen sind. “Mit dieser Anzahl an Teamspielern gehören wir zu den vier Akademien, die sehr viele Nationalteamspieler abstellen”, sagt Pegam, der vor zwei Jahren den Aufstieg unter die besten drei Akademien Österreichs als Ziel definiert hatte.

Mit Grün hinter den Ohren entlang am schwarzen Faden
Der Weg ist eben auch hier das Ziel, und dieser dürfte bei seinem Amtsantritt eher steiniger Natur gewesen sein. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man den Erzählungen des Akademieleiters lauscht. “Als ich gekommen bin, waren Akademie und Jugend zwei Abteilungen. Man hat nicht miteinander gearbeitet – ganz einfach. Ohne Schuldzuweisungen: Das war der Status Quo.” Zwei aneinander vorbei arbeitende Bereiche zusammenführen? Klingt nach viel Arbeit. Über die genauen Gründe der damals geringen Kooperationsfreude möchte Pegam nicht sprechen. Nur so viel: Es habe damals ein paar “Reibungspunkte” gegeben. Diese aus dem Weg zu räumen, sei eines der primären Antritts-Ziele von Johannes Sittsam, der administrativer Leiter der vorherigen Akademie war, dem Jugendleiter Gilbert Prilasnig und Pegam selbst gewesen. Denn alle Beteiligten würden von der untersten Altersklasse über die Akademie bis zu den Amateuren an einem Strang ziehen müssen. Nur so könne der Verein eine gesamtheitliche Linie, einen “schwarzen Faden“, wie Pegam ihn nennt, in der Ausbildung seines Nachwuchses verfolgen.

“Aber die Dinge dauern. Um dann wirklich an der Spitze zu sein – und schön langsam sind wir dort – bedarf es Kontinuität”, erklärt Pegam, dass die einheitliche Arbeit im Nachwuchs nicht von heute auf morgen umzusetzen sei. Gemeinsam mit Gilbert Prilasnig, der für die Altersklassen U10 bis U14 zuständig ist, Thomas Raffl, der mit den unteren Altersklassen betraut ist, Markus Schopp und den Akademie-Trainern habe er eine Ausbildungsphilosophie ausgearbeitet und bis diese greift, bedürfe es kontinuierlicher Arbeit.“Wir wollen einen kontinuierlichen Spielaufbau (keine Bälle hoch nach vorne schießen, hinten rausspielen). Wir wollen permanenten Ballbesitz. Wir wollen nach vorne spielen, nicht in die Breite oder nach hinten. Wir wollen technisch versierte Spieler ausbilden”, nennt Pegam die wesentlichen Eckpunkte der Ausbildungsphilosophie. Für diese Spielweise braucht es Spieler, die fähig sind, das am Platz umzusetzen. Das sei in seiner Anfangszeit nicht der Fall gewesen: “Wir haben technisch schwache Spieler gehabt, die das hinten nicht lösen konnten und hinten hängen geblieben sind. Dann haben wir halt das eine oder andere Gegentor bekommen, weil wir mit sehr viel Risiko hinten rausgepsielt haben.” Um das ballbesitzorientierte Spiel zur Marke der Akademie-Mannschaften zu machen, habe es daher auch einiger Beharrlichkeit benötigt: “Wir haben gesagt: ‘Nein, wir ziehen das durch, von den Kleinen weg, weil irgendwann kommt der Punkt, wenn er als Kleiner schon mit viel Risiko spielt und von hinten im Spielaufbau involviert ist, wird es irgendwann zur Selbstverständlichkeit.'” Mittlerweile ist klar definiert, was ein Spieler können muss, um in der Akademie zu spielen. Das vorhin erwähnte Konzeptionsteam hat einen Kompetenzkatalog erstellt.

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Senkrechtstarter erlaubt
Ebenfalls ein wichtiges Credo in der Ausbildung der Akademie Steiermark-Sturm: Wenn ein Spieler seinen Altersgenossen einen Schritt voraus ist, dann kommt er in der nächsthöheren Altersklasse zum Einsatz. “Unser Philosophie ist die: Die vermeintlich besten Talente, wenn sie technisch, taktisch und körperlich so weit sind, so schnell wie möglich in die nächste Mannschaft hinaufzuschicken”, verrät der Akademieleiter. Jedoch kann es dann schon einmal vorkommen, dass eine Mannschaft viel jünger als der Gegner ist und diesem dann im Spiel körperlich unterlegen ist: “Wir sind in der Regel immer die jüngstaufgestellte Mannschaft in der U18. In der Jugend ist das ein enormer Unterschied.” Dass diese Taktik auch mit negativen (Ergebnis-)Konsequenzen verbunden ist, wissen zwar die Verantwortlichen der Akademie, der Rest – und da sieht er vor allem die Medien in der Pflicht – würde sich seine Meinung zum Nachwuchs immer nur anhand der Tabellenplatzierung bilden. Man müsse sich schon fragen, was im Akademiefußball richtiger Erfolg und was nur “plakativer Erfolg” sei. “Nicht das, was jeder in der Tabelle nachlesen kann, ist Erfolg im Jugendfußball“, sagt Pegam.

Die Nachwuchs-Philosphie des SK Sturm und der Akademie Steiermark-Sturm unterliegt, Pegams Worten nach zu urteilen, einem ständigen Prozess – sie werde stetig überarbeitet. Erst unlängst in der Teamsitzung sei die Spielanlage Thema gewesen: “Wir orientieren uns ja immer an den besten Teams Europas. Unser Ausgangspunkt ist: Wo entwickelt sich der Fußball hin? Auf was müssen wir Acht nehmen? Jetzt war die Dominanz von Barcelona mit permanenten Ballbesitz das höchste aller Gefühle, aber schön langsam geht die Tendenz Richtung dem Spiel, das Atletico Madrid zeigt: Schnelles Umschalten, schnell in die Tiefe spielen.” Was gerade international taktisches State of the Art sei, werde in der Akademie Steiermark-Sturm umgesetzt: Beispielsweise dass sich der Sechser hinten zwischen die Innenverteidiger fallen lässt. Dass die Außenspieler mehr ins Mittelfeld einrücken, sodass die Außenverteidiger vermehrt nach vorne kommen können. “Das sind technisch, taktische Geschichten, die im internationalen Fußball passieren und das versuchen wir so gut als möglich auf das Spiel der Akademie, aber auch auf das der Jugend herunterzubrechen.”

Der Ruf aus der Ferne in jungen Jahren
Des Öfteren hat der internationale Fußball scheinbar an den Akteuren dieses Spiels und jenen der Akademien anderer Bundesligaklubs Interesse. Denn dass heimische Jugendspieler von ausländischen Klubs abgeworben werden, passiere “öfter als man glaubt”. Zuletzt war das der Fall bei einem erst 14-jährigen Grazer Talent, das ab Sommer seine kleinen Fußballschuhe für den großen FC Bayern München schnüren wird. “Wenn so etwas kommt, dann führen wir mit den Eltern ein Gespräch. Das ist so ausgemacht, weil die wollen ja auch eine Trainingserlaubnis für den ausländischen Verein haben”, erklärt Pegam, der den Eltern dann Vor- und Nachteile eines Auslandswechsels erläutert und ihnen dann etwa sagt: “Ausland ist zwar gut und schön, hört sich alles gut an, aber das Beispiel Alaba gibt es halt nicht so oft.” Auch dass junge Spieler bei prominenten Vereinen auf Probetrainings eingeladen werden, komme gar nicht so selten vor, wirklich wechseln würden dann aber nicht allzu viele. Die Akademie-Verantwortlichen versuchen in den Gesprächen mit der Vereinszugehörigkeit zu punkten, und dass es eben ein Wert hat, das Wappen von Sturm Graz zu tragen. “Die meisten sagen dann ‘Nein, Ausland interessiert mich nicht, ich möchte meinen Weg hier bei Sturm Graz machen, in die Bundesliga kommen und wenn ich das geschafft habe, dann denke ich ans Ausland.’  Das macht mich schon stolz. Das ist auch eine Einstellung”, sagt Pegam, der aber einräumt: “Wenn Bayern München anklopft, dann ist das natürlich für die Spieler und die Eltern hochinteressant und wir verhindern das auch nicht.”

Spielverderber
Wer glaubt, dass lediglich ausländische Klubs ein Auge auf die Youngsters werfen, der irrt – auch die heimische Konkurrenz fischt hin und wieder in fremden Becken. Dies sei vor einigen Jahren noch gang und gäbe gewesen, passiere in der jüngsten Vergangenheit jedoch immer weniger. Auch, weil die Vereine untereinander ein Gentlemen’s Agreement vereinbarten, an das sich auch alle halten. Mit einer Ausnahme: Red Bull Salzburg. “Die sagen: ‘Nein, das Agreement interessiert uns nicht. Wir wollen die Besten haben'”, erklärt Pegam. Das aggressive Abwerben, wie es in Salzburg in der Anfangszeit Usus war, hat sich nach dem Amtsantritt von Red-Bull-Nachwuchschef Ernst Tanner mittlerweile aber gelegt. Vereinzelt komme es noch vor, dass Spieler ein Wechsel-Angebot vom österreichischen Meister erhalten. Voriges Jahr sei Salzburg an drei Spielern interessiert gewesen, die dann jedoch von den Sturm-Verantwortlichen überzeugt in der Akademie Steiermark-Sturm blieben. Ein ständiges Feilschen um die Gunst der Jugendlichen hätte laut Pegam ohnehin fast ausschließlich negative Folgen. “Dann werden alle verrückt. Die Eltern und die Buben. Das wäre nicht gut für die Entwicklung der Jungen.”

Kroatisches Vorbild
Generell rät Pegam seinen Spielern, sich erst in der heimschen Liga durchzusetzen und als Persönlichkeit zu reifen und dann den Weg Richtung Ausland einzuschlagen. Dieser Weg sei einerseits erfolgreich, wie man derzeit an den zahlreichen österreichischen Exporten in die deutsche Bundesliga sehen könne. Andererseits hätte daran auch der jeweilige Ausbildungsverein etwas. “Dass wir Spieler haben, die in der Bundesliga spielen und den ein oder anderen Topspieler haben, der so begehrt ist, dass Sturm Graz mit dem ein paar Millionen Euro verdient, das wäre meine Wunschvorstellung”, gibt Pegam preis und schießt wenig später eine Frage mit Aufregerpotential hinten nach: “Warum soll es nicht möglich sein, dass Sturm einmal einen Spieler hat, den man so wie die Kroaten um fünf oder sieben Millionen Euro verkaufen kann?” Derzeit würde für einen Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien leichter Geld auf den Tisch gelegt werden als für einen österreichischen Spieler. “Man muss halt schauen, dass die Spieler was wert werden“, sagt Pegam. Das geht nur mit einer großen Portion Mut in der höchsten Ebene, der Kampfmannschaft. “Bei Dinamo Zagreb ist es Vereinsstrategie, dass der eine oder andere Spieler einmal früh reingehaut wird und das sind dann natürlich andere Voraussetzungen, um den Wert eines Spielers zu steigern.” An dieser Stelle wirft sich die Frage auf, wie intensiv sich der Cheftrainer mit dem eigenen Nachwuchs beschäftigt. Ist Darko Milanic bei Spielen der Akademie-Mannschaften anzutreffen, Herr Pegam? „Ich weiß nicht, wie oft er sich Spiele ansieht. Da müssen sie ihn selber fragen. Ich hoffe schon, weil es ganz ganz wichtig ist, dass auch der Cheftrainer weiß, was in der Akademie passiert.“

Gratis-Beratung aus dem Hause Sturm 
Eine “bedenkliche” Entwicklung sieht der Akademieleiter in der Rolle, die Spielerberater mittlerweile auch im Jugendbereich spielen. Es gibt kaum mehr junge Spieler, die keinen Berater hätten. Ganz egal, ob sie bereits Jugend-Nationalteamspieler sind oder nur ein Fünkchen Talent haben. Pegam wolle zwar “nicht alle Berater verdammen”, aber manche würden eben “ihre Spielchen spielen. Ich sage den Eltern schon eines immer: ‘Jetzt kommt der Berater. Der war zweimal bei euch zu Hause, hat euch erklärt wie alles abläuft und jetzt ist auf einmal er der Vertrauensmensch von euch und nicht der Trainer, der den Bub zwei oder drei Jahre lang begleitet hat?'” Man wisse aber mittlerweile mit den Dingen umzugehen, so sei eben das Geschäft und junge, talentierte Spieler seien eben naturgemäß auch bei den Beratern begehrt. Dennoch fehlt Pegam in manchen Vertragsverhandlungen die Wertschätzung gegenüber dem Stammverein: “Es gibt Berater, die kommen, wenn du als Verein dem Jungen einen super Jungprofi-Vertrag anbietest und wollen dies und das und das… Von uns kriegen sie die Beratung gratis. Mein Know-how, das ich mit Verträgen habe, das bekommen sie gratis”, so Pegam. Wenn es aber richtig ernst werde und ein Sprung ins Ausland bevorsteht, dann sei ein Vertrag mit einem Berater durchaus legitim.

Kopftraining
Wenn bereits in deren jungen Jahren um sie gefeilscht wird, sinkt der Druck auf den Schultern der Spieler natürlich nicht. Generell seien die Akademie-Spieler einigen Belastungen ausgesetzt. Immerhin werde in der Akademie – genauso wie bei den Profis – sechs, sieben Mal in der Woche trainiert und an einem Tag gespielt – und das über elf Monate im Jahr hinweg. Im Gegensatz zu den Profis kommt jedoch noch hinzu, dass die Jugendlichen nebenbei zur Schule gehen. “Es kommen natürlich Probleme auf, weil die Jungs einen ziemlichen Stress haben. Dann kommt Erfolgsdruck, manchmal auch von den Eltern, dazu. Das müssen wir ihnen nehmen und die Jungs in eine gute Balance während dieser vier Jahre bringen. Dass sie nicht komplett frustriert sind, weil sie immer überall Leistung bringen müssen.” Diese Anforderungen an die jungen Spieler verlange natürlich ein pädagogisches Gespür der Trainer, so Pegam. Deshalb arbeite auch ein Sportpsychologe regelmäßig mit den Spielern und deshalb seien auch sehr viele Trainer im Team ausgebildete Pädagogen. Oftmals sei deren Rolle nicht jene des Motivators, sondern des entlastenden Zusprecher: “Unsere Buben sind oft so verkrampft. Unsere Aufgabe ist es oft, Druck zu nehmen. Die sind so ehrgeizig, dass ihnen eine gewisse Lockerheit fehlt.” Oberste Priorität in der Arbeit des gesamten Betreuerteams habe es, den Spieler in erster Linie als Menschen zu betrachten und ihn in seiner persönlichen Entwicklung zu begleiten. Nicht zuletzt deshalb, weil nun einmal sehr viele der Jungen, die in der Akademie ausgebildet werden, schlussendlich nicht den Weg des Profifußballs gehen: “Wir haben hier einen Betrieb, der nicht nur aufs Fußballerische schaut, sondern wir sehen einen jungen Menschen. Wir wissen, dass aus einer Vielzahl der Spieler aus der Akadmie nur wenige dann wirklich Profis werden.”

Walter Hörmann
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Die Achse Pegam-Hörmann
Neben Pegam der oberste “Beratende” in der Akademie Steiermark-Sturm ist Walter Hörmann. Der Sportdirektor des steirischen Fußballverbandes und Trainer der steirischen U14-Auswahl ist der zweite Akademie-Geschäftsführer. Zwar organisiert Pegam als sportlicher Leiter – Sturm dürfte diesen Posten in zähen Verhandlungen für sich errungen haben – das sportliche Tagesgeschen der Akademie, doch in langfristige sportliche Entscheidungen ist Hörmann auch eingebunden. Sein Partner nach dem Vier-Augen-Prinzip – Sturm hält 51% an der GmbH und der StfV 49% – sei zum Beispiel, so Pegam,  gelegentlich bei den Sitzungen dabei und entscheide bei den Spieler-Aufnahmen in die Akademie wesentlich mit. Und das sei gut, denn “Walter Hörmann hat sportlich ein sehr großes Know-How”. Und wirtschaftlich habe er das sowieso. Das braucht er auch für die Aufgabe des Geschäftsführers, die laut Pegam eine “rein wirtschaftliche” sei. Er zeigt sich erfreut über die gemeinsame Geschäftsführung mit Hörmann, denn “die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut”.

Tiqui Taca-Ausflug
“Mir ist auch wichtig, dass sich jeder in den unterschiedlichen Bereichen weiterbildet“, verlangt Pegam von seinem Betreuerstab. Er selbst hospitierte bereits beim Schweizer Nachbar Basel, in Kiew, Leverkusen und sogar in Irland. Zuletzt stand eine UEFA-Studienreise in den sonnigen Süden zum spanischen Fußballverband auf dem Programm, Präsentationen über Methodik und die Spielphilosophien von Barcelona und Real Madrid inklusive. Wird man angesichts der ungleich höheren Möglichkeiten und Trainingsbedingungen neidisch, Herr Pegam? “Nicht Neid, nur Bewunderung. Die haben 44 Jahre lang mit ihrer A-Nationalmannschaft nichts gewonnen. Im Nachwuchs aber schon und sie haben gesagt, sie gehen ihren Weg weiter. Ich bewundere das.“ Im täglichen Training würde beim katalanischen Nachwuchs im Detail vielleicht mehr hingesehen, aber “die Trainingsübungen, die Barca macht, unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von unseren”, lässt der Akademieleiter wissen. Wie kommt es dann, dass La Masia, jene berühmteste aller Fußballschulen, regelmäßig neue Megatalente ausspuckt, als sei sie eine Manufaktur, in der es nur ein einziges Fabrikat – jenes mit der Aufschrift “weltklasse” – gibt? Die Trainer seien womöglich “pädagogisch noch besser” und würden noch mehr auf den “Lebensstil” achten, den die jungen Menschen außerhalb des Platzes führen.
Dann schließt der Mann, der seit knapp fünf Jahren der oberste Mann über die steirische Talenteschiede ist, seine Mappe mit all den Kaderlisten mit unbekannten Namen, die nur darauf warten, einmal populär zu sein. Und er wirft zum Abschluss eine Frage in die Runde: “Was unterscheidet einen sieben- oder achtjährigen Buben, der in Barcelona aufwächst von einem, der in Graz aufwächst? Nichts.”