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Saison-Sturmologe

In der Fremde fühlten sie sich wohl(er)

Der Sturmologe analysiert eine durchwachsene Grazer Saison. Es gab eine Überraschung in der Europa League und eine bittere Pleite im Cup. Einige magische Momente gab es dennoch – vor allem in der Fremde wurden Rekorde und Bänne gebrochen.

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Der Sturmologe blickt auf eine durchwachsene Saison des SK Sturm zurück. Da gab es ein frühes Aus in der Europa League-Qualifikation und eine späte Enttäuschung im ÖFB-Cup-Halbfinale. Die Saison beendete man dank eines kurzen erfolgreichen Punktefeldzugs auf Platz fünf. Der Sturmologe hat die ganze Spielzeit 2013/14 noch einmal statistisch durchleuchtet und dabei einige interessante Fakten herausgefunden.

Europa League

– Unerwartet früh kam das Ausscheiden in der Europa League Qualifikation. Zuletzt schied man im Jahr 2002 in der ersten Qualifikationsrunde eines internationalen Bewerbes aus. In der Champions League-Qualifikation fand man damals in Maccabi Haifa seinen Meister, durfte danach aber im UEFA-Cup weiterspielen.

– Die DDR existierte noch, als man zuletzt ohne ein Tor zu erzielen aus dem Europa-Cup ausschied. 1988/89 setzte es in der ersten Runde der Uefa-Cup-Qualifikation nach einem 0:0 im Hinspiel eine 1:0-Auswärtsniederlage bei Servette Genf.

– 7.803 Sturm-Anhänger wollten das Spiel Sturm gegen den FC Breidablik sehen. Weniger Zuseher kamen bei einem internationalen Spiel von Sturm zuletzt 2010 ins Stadion, als man in der Europa League-Qualifikation gegen Dinamo Tiflis spielte. Nur 4.657 Schaulustige fanden sich damals im Stadion Liebenau ein.

ÖFB-Cup

– Relativ überraschend kam auch das Aus im Cup. Im Halbfinale scheiterte man mit 0:1 nach Verlängerung am SKN St. Pölten, nachdem man zuvor vier Partien zu null gewinnen konnte. Noch nie in der Sturm-Historie erreichte Sturm Graz ohne ein Gegentor das Cup-Halbfinale erreichen – um sodann wenig ruhmreich auszuscheiden.

– Es war die 51. Niederlage im 201. Cup-Spiel von Sturm. 16 Mal stand es nach 90 bzw. 120 Minuten unentschieden, 134 Mal gingen die Grazer bereits nach 90 Minuten als Sieger vom Platz. Die Tordifferenz liest sich – wenig überraschend – sehr erfreulich: 478:247.

– Insgesamt blieb man 487 Minuten ohne Gegentor und überbot somit die seit 1997/98 bestehende Bestmarke mit 401 Minuten weißer Weste.

– Zuvor hatte man in sieben vorangegangenen Halbfinali sechs Mal den Einzug ins Endspiel geschafft. In St. Pölten war dieses Mal allerdings Endstation.

– Im Schnitt wollten 4.688 Besucher Die Cup-Partien von Sturm sehen, 23.438 waren es insgesamt. So einen hohen Durchschnitt gab es noch nie, wenn Sturm zumindest eine Runde des KO-Systems überstanden hatte.

– Ein einziges Mal gab es in dieser Saison ein Spiel mit Sturm-Beteiligung, das ausverkauft war: Jenes im Cup-Halbfinale gegen St.Pölten, wo 8.000 Besucher durch die Drehkreuze gingen.

Bundesliga

– Lediglich 7.529 Zuseher wollten Sturm durchschnittlich pro Spiel sehen. Dies ist der schlechteste Wert seit der Saison 2004/05, als nur 6.704 Besucher pro Match kamen. Seit dem Durchgang 2006/07 waren allerdings nie weniger als 10.000 Fans im Durchschnitt gekommen, um Sturm zu sehen.

– Sturm holte in dieser Saison exakt gleiche viele Punkte wie im Vorjahr, nämlich 48. Reichte dies im Vorjahr noch für Platz  vier und einen internationalen Startplatz, gibt es dieses Mal nur Platz fünf in der Endwertung.

– Die Blackys haben auch genauso viele Tore geschossen, wie sie bekommen haben. Und das gab es nicht zum ersten Mal. 2006/07 erzielte man 40 Tore und bekam 40 Tore – in der Differenz also ebenso null.

– Zum insgesamt dritten Mal gab es im Stadion Liebenau eine Spielabsage wegen Schlechtwetters. Die Partie Sturm gegen SV Ried musste im November wegen zu starkem Regenfall verschoben werden. Den Nachtrag gewannen die Hausherren mit 2:0. Es war das erste Nachtragsspiel in Liebenau-Neu, das die Blackys gewinnen konnten. In den beiden anderen Partien, die verschoben worden waren, hatte man zwei Mal das nachsehen: 1:5 gegen Real Madrid 1998 und 0:2 gegen den GAK im Derby 2005.

– Die meisten der 55 erzielten Tore gelangen Sturm in der Schlussviertelstunde. Es waren zwölf.

– Ebenfalls zwölf Tore waren es, die man in den letzten fünfzehn Minuten erhielt.

– Trotz der hohen Gegentrefferzahl von 55 hatte Sturm die viertbeste Abwehr der Liga.

– In der Endtabelle gibt es nur drei Teams, die eine positive Tordifferenz aufweisen. Es sind dies Meister Salzburg, Rapid Wien und Austria Wien.

– Nur schleppend fand man in die Saison. Es dauerte sechs Spiele, bis es in Runde sieben den heiß ersehnten ersten Sieg im Spiel gegen den Wolfsberger AC gab.

– Ernüchternd liest sich die Sieges-Bilanz der Schwarz-Weißen. Es gelangen nur 13 Siege, wobei sieben davon auswärts glückten. Zuhause ist man nur das siebentbeste Team der Liga, holte nur 1,22 Punkte im Schnitt. In der Auswärtstabelle liegt man mit 26 Punkten immerhin auf Platz drei.

– Die beste Tabellenplatzierung gab es nach der ersten Runde, als man nach einem 2:2 am Tivoli auf Rang drei lag. Besser sollte es die ganze Saison nie werden.

– Der Fluch von Salzburg ist gebannt. Unglaubliche 4.287 Tage oder umgerechnet etwas weniger als zwölf Jahre mussten Sturm und der schwarz-weiße Fananhang auf einen Sieg in der Mozartstadt warten. Da hieß der Bundespräsident noch Thomas Klestil, der Papst war noch Johannes Paul II. und in Deutschland war gerade “Es gibt nur ein’ Rudi Völler” der Satz des Jahres. Im 150. Aufeinandertreffen der beiden Teams gelang den Blackys dann aber endlich wieder ein Erfolg. Die Torschützen Marco Djuricin und Florian Kainz bescherten den Grazern einen 2:1-Triumph, das gleiche Endresultat wie schon beim letzten Sieg 2002 im Lehener Stadion. Zugleich bedeutete der Sieg das Ende einer 32-Spiele langen Serie, in der die Bullen zuhause ungeschlagen geblieben waren.

– Den höchsten Auswärtssieg der Bundesliga-Geschichte konnte Sturm in dieser Saison erringen. Ein 0:6 gab es vor dem 26.03.2014 tatsächlich nie. Doch dann gastierte man in Grödig. Es war dies übrigens das am schlechtesten besuchte Bundesliga-Spiel mit Sturm-Beteiligung seit 1997. Damals kamen nur 950 Zuseher zur Partie SC Niederösterreich Wacker Admira gegen Sturm Graz auf den St. Pöltner Voith-Platz.

Robert Beric und Daniel Beichler sind die besten Torjäger bei Sturm. Beide erzielten je zehn Tore.

– Beric war mit elf Assists auch der beste Vorlagengeber dieser Saison. Der letzte, dem mehr Vorlagen gelangen, war Jakob Jantscher in der Spielzeit 2009/10 mit 13 Assists.

– Statistisch gesehen ist Beric somit besser als Ivica Vastic (145 Tore für  Sturm)  in seiner ersten Saison bei Sturm Graz. Vastic erzielte 1994/95 für Sturm sieben Tore, wobei ihm kein Assist gelang. Vastic wurde als Fehlverpflichtung tituliert.

Daniel Offenbacher bekam in 33 Spielen 14 Mal den gelben Karton vor die Nase gehalten – die meisten aller Bundesligaspieler.

– Einen unliebsamen Gegner sieht man auch nächste Saison wieder. Gegen den SC Wiener Neustadt setzte es in vier Aufeinandertreffen drei Niederlagen, bei nur einem Sieg. Nur zwei Siege und zwei Unentschieden gab es in den letzten elf Partien gegen die Neustädter zu holen.

– Mit Wacker Innsbruck verliert man dafür einen Lieblingsgegner. Gegen den Absteiger gelangen drei Siege, nur im ersten Spiel der Saison musste man sich mit einem 2:2 begnügen. Dort schlug ein gewisser Roman Wallner wieder einmal zu: Bei 16 Treffern gegen Sturm (für fünf verschiedene Klubs) hält der Ex-Blacky mittlerweile.

– Nie konnten die Kicker in schwarz-weiß länger als vier Runden ungeschlagen bleiben. Von Runde 19-22 und 31-34 gelang es allerdings unbesiegt zu sein.

– 15 Spiele en suite gelang es dem SK Sturm zumindest immer ein Tor zu erzielen. So geschehen in Runde 15 bis 29.

– Sturm schoss sich selbst allerdings auch drei Eigentore. Nach Wacker (5 Eigentore) ist man somit der Verein mit den zweitmeisten Eigentoren der Liga.

– Der Platzverweis von Rapidler Maximilian Hofmann beim ersten Saison-Gastspiel der Grün-Weißen in Graz, der zu einem Elfmeter führte, war der schnellste Platzverweis der Bundesliga-Geschichte.

– Tormann Benedikt Pliquett war der erste Sturm-Keeper seit Christian Gratzei, der einen Elfmeter parieren konnte. Dies gelang ihm auswärts in Salzburg. Fünf Jahre dauerte es, bis dieser Bann gebrochn war. Gratzei parierte im Frühjahr 2008 einen Elfer gegen Peter Orosz am Tivoli.

– Seit Einführung einer gesamtösterreichischen Liga im Jahr 1949 hält Sturm in 1840 Spielen nun bei 702 Siegen, 462 Unentschieden und 676 Niederlagen. Die Tordifferenz ist nur knapp nicht ausgeglichen: Bei 2662:2664 steht es momentan.

– Die Sturm-Fans taten sich in dieser Saison wieder einige Strapatzen an. 8.144 Kilometer legten die Aficionados heuer in der Liga zurück, gemessen vom Stadionvorplatz in Graz zum Stadionvorplatz des jeweiligen Gegners. Mit dem Aufstieg des SC Altach wird sich dieser Wert in der nächsten Saison noch einmal erhöhen.

Sonstiges

– In dieser Spielzeit stand kein Blacky im Aufgebot des A-Teams der österreichischen Nationalmannschaft. Drei Teamspieler hat Sturm dennoch: Robert Beric spielt im Nationalteam Sloweniens, Alexander Todorovski in der mazedonischen Auswahl, Anel Hadzic steht im Kader des Bosnischen Teams und darf wahrscheinlich nach Brasilien zur WM 2014 fahren.

Sturmologe

– Die aktuelle Ausgabe ist die 142. des Sturmologen. Das sind genau gleichviele Ausgaben, wie Manuel Weber Bundesliga-Spiele für Sturm Graz absolviert hat.

– Sage und schreibe 106 Sturmologen lieferte Benjamin Sikora, Jan Michael Machart neun, Christopher Houben zwei. Der derzeitige Autor des Sturmologen, Patrick Weißenbacher, verfasste inklusive diesem Artikel bislang 26 Sturmologen.

– Zum neunten Mal gibt es nun bereits einen (Halb-)Saison-Sturmologen. Drei weitere Ausgaben beschäftigten sich mit Spezial-Themen.