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12 Meter

Der Sturmdump

Robert Beric ist Rapidler. Sturm hat ihn nach nur einer Saison verkauft. Des Trainers absoluten Wunschspieler von vor einem Jahr. Weil Onkel Frank den Grazern das Geld geschenkt hat, sieht die Sache von der Ferne ganz nett aus. Bei näherer Betrachtung tauchen aber viele Fragen auf.

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© 2014 Sturm12.at

Robert Beric spielt ab sofort bei Rapid. Eine knappe Million Euro könnte dabei für Sturm herausgekommen sein. Aus unmittelbar wirtschaftlicher Sicht sicher keine ganz üble Sache für die Grazer, die ja notorisch schlecht bei Kasse sind. Onkel Frank hat ihnen den Mann gekauft und den Erlös des Weiterverkaufs generös in der schwarz-weißen Geldschatulle belassen. Man kann diesen Transfer also durchaus so interpretieren, als wäre er eine gute Sache. Blickt man auf die diversen Kehrseiten dieser Medaille, bleibt von einer guten Sache aber nicht mehr viel übrig.

Robert Beric ist mit dem Mascherl “Investment-Modell” an die Mur gelotst worden. Das sollte bedeuten: Den holt man, macht ihn besser und verkauft ihn mit Gewinn wieder. Jetzt hat man ihn mit ziemlicher Sicherheit billiger verkauft, als verpflichtet. Auch wenn der Erlös zur Gänze an den SK Sturm geht: als wirtschaftlicher Erfolg ist das nicht zu verkaufen. Es ist wie wenn einem der Opa eine Wohnung schenkt, das Wohnviertel wird schlechter und man verkauft sie zu dem Zeitpunkt, wo die Preise gerade gesunken sind weiter. Die Einnahme ist kurzfristig nett, der Deal ist aber aus ökonomischer Perspektive keiner mit Weitblick. Wenn man ein wenig abgewartet, die Wohnung gut gepflegt hätte und es mit dem Viertel wieder bergauf gegangen wäre, hätte der Verkäufer einen weit höheren Gewinn erzielen können.

Außerdem haben die Sturmverantwortlichen den Angreifer nicht etwa ins Ausland verkauft, wo er “aus den Augen – aus dem Sinn” wäre. Beric geht zum unmittelbaren Ligakonkurrenten nach Hütteldorf, oder in den Prater, wo die Grünen ja die nächsten beiden Jahre wegen des Stadionneubaus kicken werden. So bekommt die Geschichte noch einmal einen neuen Blickwinkel. Weil jemanden unter dem Wert des Einkaufs zu verkaufen und zugleich zu riskieren, dass er genau das Potential dann bei einem Rivalen abrufen wird, das man ihm selbst zugetraut hat, ist auch durch die sportliche Brille ein wenig trüb anzuschauen. Nicht auszudenken, wenn Beric dort einschlägt und Rapid ihn um zwei-drei Millionen weiterverkauft. Der Fanzorn würde über Messendorf hereinbrechen. Und nachvollziehbar wäre das noch dazu.

Es hat schon etwas von “Dumping”, wenn eine solche Aktie schnellschnell nach nur einem Jahr verscherbelt wird. Darko Milanic hat ihn außerdem bei seinem Antritt als absoluten Wunschspieler mit nach Graz gebracht und er muss sich ja wohl irgendwas davon versprochen haben. Nach nur einem Jahr können die Erwartungen an einen solchen Wunschspieler doch nicht alle hinfällig sein. Ich habe die Worte hinsichtlich des Dreijahresvertrags, den der Sturm-Coach erhalten hat, noch in den Ohren. Langfristigkeit, mit diesem Trainer wollen wir was aufbauen, er ist der richtige Mann für Sturm. Und dessen Lieblingsspieler und mit Abstand teuerster Mann im Kader wird nach einer mickrigen Saison günstig an die Konkurrenz weitergereicht? Das ist schon bemerkenswert und es gibt nur zwei Erklärungen für mich: Entweder man hat sich komplett getäuscht und Robert Beric hat nicht dieses Potential, das ihm attestiert worden ist. Oder die Budgetsituation ist derart prekär, dass ein solcher Schritt notwendig geworden ist. In allen anderen Fällen ist dieser Verkauf für mich nicht nachvollziehbar und, siehe oben, perspektivisch äußerst fragwürdig.

Wiewohl es in diesem Fall angemerkt gehört, dass Beric nie wirklich in Graz angekommen ist. Er hat nicht sehr glücklich agiert, sein Potential wollten viele im Grazer Anhang deshalb nicht erkennen. Und die hohe Ablösesumme inklusive Vorschusslorbeeren von Sportchef und Trainer wirkten sich wie Blei an seinen Füßen aus. Ein generelles Sturm-Problem. Aus der Emotion heraus jemanden vorab hochjubeln, anstatt den Ball flach zu halten. Auch unlängst wieder zu beobachten, anlässlich des Profivertrages für Sandi Lovric. “Supertalent”-Zuschreibungen und Jubelarien des General Managers bei diversen Pressekonferenzen sind schon vor dem ersten Pflichtspiel des jungen Mannes ein recht schwerer Rucksack. Den zu tragen ist für einen 16-jährigen, der direkt aus der Akademie kommt alles andere als eine einfache Situation.

Und eben auch für Robert Beric war es alles andere als einfach zu entsprechen, nachdem er als der “Superstürmer” angepriesen wurde. Er hatte schnell den Ruf des Chancenverneblers Nummer eins, auch wenn die nackten Zahlen für den Slowenen sprechen. Gute Zweikampfwerte und nicht zuletzt war er der beste Scorer bei den Grazern. Das bedeutete zwar nur Rang acht österreichweit, aber wenn man die magere Ausbeute der Blackys insgesamt nimmt, rückt seine in ein durchaus recht helles Licht. Zudem sich die Unterstützung von seinen Mitspielern, die besonders im biederen Milanic 4-4-2 dringender als anderswo nötig gewesen wäre, sehr in Grenzen gehalten hat. Er hat keine Bälle bekommen, um das in der Fußballphrasensprache auszudrücken. Das war alles nicht genug, weil die Erwartungshaltung sich der Realität nie angepasst hat, gar nicht anpassen konnte. Nicht verwunderlich, dass Beric dem Vernehmen nach alles andere als ungern in Graz den Hut genommen hat.

Umso mehr nagt der Abgang von Beric außerdem an der Glaubwürdigkeit von Darko Milanic und seiner Art Fußball spielen zu lassen. Ich wiederhole, der Mann war der absolute Wunschspieler für sein System. Es gibt keinen zweiten, der so Fußball spielt im Kader. Marco Djuricin und Daniel Beichler sind andere Typen, nicht so sehr auf die Behauptung des Balles an vorderster Front ausgerichtet. Im Milanic-System funktionieren diese beiden gemeinsam nicht, das 4-4-2 braucht einen wie Robert Beric in der Doppelspitze. Entweder ändert man also die Spielweise, oder man braucht ihn. Da leider davon auszugehen ist, dass Milanic am System festhalten wird, ist der Beric-Verkauf bei der erstbesten Gelegenheit ein großes Risiko. Adäquaten Ersatz zu finden, dürfte nicht ganz einfach sein. Natürlich könnte das gegen den Willen des Übungsleiters passiert sein, dagegen sprechen aber die Worte von Gerhard Goldbrich. Das Trainerteam wäre in diese Entscheidung eingebunden gewesen. Fazit: Der SK Sturm hat eine seiner Aktien mit großem Potential verkauft. Er geht damit das Risiko ein, einen für das System des Trainers sehr wichtigen Mann nicht adäquat nachbesetzen zu können. Das Ganze eine Woche vor dem Pflichtspielstart. Irgendwie bin ich besorgt.