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Glanzparade

Millionen Optionen

Der vermeintlich ruhige Transfersommer scheint durch den Beric-Abgang, spätestens aber durch mögliche weitere Spielerverkäufe Geschichte. Nachjustierungen wären wahrscheinlich. Außer das sportliche Führungsduo bleibt konsequent auf Kurs Jugend.

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Eigentlich hätte es eine ruhige Transferzeit werden sollen. Zumindest was die Zugänge betrifft. Geld für große Würfe ist ja kaum bis definitiv gar nicht vorhanden. Dass teure Gehaltsbezieher und Wenigdienstleister á la Manuel Weber, Andreas Hölzl und Patrick Wolf abgegeben würden, stand schon länger fest. Luft erspielte man sich nur bedingt, da die schwarz-weißen Gehaltskosten trotzdem über dem budgetierbaren Niveau liegen. Rund 7.500 Zuschauer Schnitt muss man als publikumsverwöhnter Traditionsverein erst verkraften. Und die mangelnde Internationalität dieser Saison, gepaart mit der spielerischen Laktosefreiheit der vergangenen Spielzeit gibt zum einen wenig Hoffnung auf wachsende Besucherzahlen und lässt zum anderen die Aboverkäufe in knöcheltiefen Dimensionen.

Dass durch die einstündige WM-Teilnahme des Anel Hadzic auch internationale Manager auf den Bosnier aufmerksam geworden sind ist schön und gut. Dass dieser nun englischen Vorzeigeklubs angeboten wird, klingt ambitioniert. Bei allen Respekt vor dessen Potential dürften die genannten Vereine der Marke Newcastle oder Everton doch ein, zwei Nummern zu groß sein. Schicksale á la Marc Janko oder Paul Scharner drohen. Hadzic zu verkaufen wäre vor dem Hintergrund finanzieller Engstellen kein schlechter Plan, zumal die Lust in Graz zu bleiben aus dessen Aussagen nicht massiv herauszuhören ist. Britische Onlinemedien meinten zuletzt, Hadzic wäre “for as little as 2.5 million pounds” zu haben. Die Wahrheit der festgeschriebenen Ablösesumme dürfte aber weit darunter liegen. Zuletzt soll auch der Mittelständler aus der englischen Championship, der AFC Bournemouth am 24-jährigen interessiert sein, was sich auch sinnvoller und realitätsnäher anhört.

Auch Robert Beric ist weg. Der Weg in eine größere internationale Liga soll also über das Happel-Oval und den SK Rapid führen. Die spielen im Gegensatz zu Sturm in der Europa-League-Auslage. Gestern trat der Slowene im Interview mit laola1.at nochmal kräftig nach: „Sturm Graz war eine Geschichte für sich. Wenn ich nach zwei Monaten bei Sturm ein Angebot von Rapid gehabt hätte, wäre ich auch gegangen.“ Na prack. Trotzdem schmerzt der Abgang des besten Torschützen, unermüdlichen Ballverteidigers und ambitionierten Assistgebers mehr, als viele Kritiker des Slowenen zu wissen glauben. Aus finanzieller Sicht hat sich der Beric-Abgang jedoch gelohnt, da offenbar tatsächlich 100 Prozent des Transfers bei Sturm bleiben. Zudem scheinen die (für die kommenden zwei Jahre nicht) Hütteldorfer weiterhin an Florian Kainz interessiert zu sein. Und auch der will zeitnahe im Ausland Profisport betreiben.

Ein frisch-saftig-steirisch-Verfechter schrieb vom Konzept “Milanic-Goldbrich” das durch “ständig wiederkehrende Querschüsse von verschiedenen Seiten” gestört würde. Von diesem “Konzept” wird man “so scheint es zum jetzigen Zeitpunkt […] nicht abrücken”. Zum jetzigen Zeitpunkt also! Das Wort “Konzept” schließt nämlich den Zwang konsequenter Kontinuität aus, da ein Konzept ein “vorläufiger, nicht bis in Detail ausgeführter Plan” (Wikipedia) ist. Entspricht eigentlich den bisherigen Erfahrungswerten. Schau ma moi, dann seh’n ma eh. Also jung und steirisch, aber nur solange wir absolut ned anders können.

Sollten sich also die Exportpforten noch weiter öffnen, darf man, ohne den bisherigen “Einkäufen” zu Nahe treten zu wollen, doch eher von Qualitätsverlust in schwarz-weiß sprechen. Die bisherigen Testkandidaten dürfen auch eher vor dem Hintergrund der Low-Budget-Vorhaben der letzten Wochen betrachtet werden. Die unverhoffte Möglichkeit das noch vor kurzem vorhandene Minus in ein doch nicht so unangenehmes Plus zu verwandeln, stößt nun aber neue transfertechnische Potentiale auf. Auf alle Fälle könnte schon mit Ablauf dieser Woche alles anders sein. Zumindest dürften dann die zuletzt aufgetauchten Optionen der Marken Emmanuel Frimpong oder Victor Pálsson, sowie ein Stürmer abseits jeglicher Verlegenheitsoptionen finanzierbar sein. Wenn man das will. Man darf dann gespannt sein, in wie weit das Konzept dann nur Konzept war oder sogar zur Strategie mutiert. Die möglichen Transfers der Herren Kainz und Hadzic könnten also den angekündigten “Steirerjogger”-Trend und die “Taten eines Duos” ad absurdum führen und der “einzige Weg für Sturm” könnte wirklich nur von konzeptioneller, also temporärer Natur sein. Auch wenn man das dann wieder nicht bemängeln dürfte…