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© SturmTifo.com

Drei Tore gegen Schwaz

Die erzwungene Speerspitze

Erstes Spiel, erster Sieg, erster Blacky of the Match. Wie bereits nach dem Auftaktspiel 2013/2014 schnappte sich gestern ein Stürmer den Titel. Der einzige echte, den Sturm Graz noch hat. Dabei machte er auch gleich drei Tore.

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Wie schon in den vergangenen Jahren startete Sturm Graz mit einem Erstrundenspiel im ÖFB-Cup in die neue Saison. Diesmal hieß der Gegner SC Schwaz. Der Tiroler Regionalligist hatte zwar eine 20-minütige, gute Phase in der zweiten Halbzeit, ansonsten war Sturm die klar bessere Mannschaft. Neu waren nicht nur Marko Stankovic und Naim Sharifi, auch das flache 4-4-2 wich einem 4-2-3-1. Statt der Doppelspitze, die mit dem vorhandenen Spielermaterial nicht mehr zu spielen ist, gibt es nun nur mehr eine Speerspitze, die Marco Djuricin spielt.

Der Stürmer zeigte gestern auch wieder, dass er ein Goalgetter sein kann, hat er doch immerhin drei Tore erzielt. Jedoch: Es hätten mehr sein müssen. Dennoch war Djuricin der beste Mann am Platz, weswegen er – wie bereits in der vergangenen Saison – der erste Blacky of the Match der Saison ist. Bleibt nur zu hoffen, dass er in der kommenden Spielzeit verletzungsfrei bleibt.

Marco Djuricin
Die neue Speerspitze der Blackies war gestern immer gefährlich. Anscheinend kommt der Ex-Berliner mit seiner neuen Rolle bei Sturm gut zurecht. Zwar wird Djuricin erst in Spielen mit Gegnern auf Augenhöhe beweisen müssen, dass er der Scorer ist, den die Grazer brauchen, seine Leistungen gestern in Schwaz und im letzten Frühjahr sprechen aber für ihn. Beim 1:0 stand er genau dort, wo er stehen musste, beim 2:0 und 3:0 spielte er seine technische Versiertheit perfekt aus und ließ dem Tormann der Tiroler keine Chance. Einziges Manko: Die Chancenauswertung. Wäre Djuricin noch besser im Einnetzen, hätten gut und gerne fünf “Hüttn” auf seiner Habensseite stehen können. Aber dazu ist die kommende Saison noch da, um sich zu steigern.

Marko Stankovic
Von jenen drei Mittelfeldspielern, die gestern und in Zukunft hinter Solospitze Marco Djuricin spiel(t)en, war Marko Stankovic deutlich der beste. Der Rückkehrer bewies, dass er sowohl gute Technik, als auch eine tolle Übersicht hat und sorgte in der Schwazer Abwehr für gehörig Wirbel. Deutlich zu sehen war auch, wie oft Stankovic im Angriffsspiel seinen Platz am linken Flügel verließ und gen Mitte zog. Hier müssen seine Mitspieler aufmerksam sein, um bei Ballverlust nicht plötzlich eine verwaiste linke Seite im Mittelfeld zu haben. Woran Stankovic aber noch arbeiten muss sind die Standards, die allesamt gestern harmlos waren.

Daniel Offenbacher
Auch Daniel Offenbacher beteiligte sich gestern sehr gut am Angriffsspiel. Interessant war auch, dass Sturms Nummer 20 im neuen System von Darko Milanic offenbar etwas besser zur Geltung kommt. Zwar wurde er nachwievor als nomineller Sechser neben Anel Hadzic aufgestellt und wurde des Öfteren auf dieser Position gesichtet, der Zug nach vorne in die Mitte als Ballverteiler war aber gestern deutlicher zu sehen, als im flachen 4-4-2. Offenbacher brachte einige sehr gute Pässe an den Mann. Negativ muss man auch bei ihm die schlechten Ausführungen der Standards anmerken.

Naim Sharifi
Der Neuzugang brachte gestern gehörig Schwung ins Angriffsspiel. Sharifi besitzt die notwendige Technik und Geschwindigkeit, die ein moderner Außenverteidiger haben muss, wenngleich er technisch gerne noch besser werden darf. Seine Flanken waren besser, als jene, die in der Vorsaison kamen, aber da kann auch noch mehr kommen. Wobei auch anzumerken ist, dass die Flanken in die Mitte nett gemeint waren, aber Djuricin im Angriffszentrum mit Thomas Burgstaller einen kopfballstarken Gegenspieler hatte. Was wiederum der Grund war, warum Djuricin nicht viel Freude mit hohen Bällen hatte. Was auch gestern klar zu erkennen war, war die Defensivschwäche des Verteidigers. Auch daran sollte noch gearbeitet werden.

Christian Klem
Erstaunlich gut funktionierte bereits das Zusammenspiel von Christian Klem mit Marko Stankovic. Klem machte auf seiner linken Seite viel Dampf nach vorne und strahlte Gefahr aus. Gleich zu Beginn hatte Klem Glück, bei einem harten Foul von Sebastian Huber nicht verletzt worden zu sein. Klems Anfälligkeit bei großen Gegenspielern ist jedoch bekannt. Es bleibt abzuwarten, wie Klems Saison gegen starke Teams aussehen wird.

Christian Gratzei
Den Mann mit der Rückennummer eins zu bewerten ist schwer. De facto hatte Christian Gratzei, der seit dem 0:2 im Frühjahr bei Rapid erstmals wieder im Tor stand, wenig bis nichts zu tun. Einmal musste sich der gebürtige Leobener zwar kräftig strecken und bei einer abgerissenen Flanke zu einer Ecke klären, beim Gegentor war Gratzei aber chancenlos. Ansonsten hatte der Goalie nichts zu tun.

Anel Hadzic
Der einzige WM-Starter aus der österreichischen Bundesliga mit neuer Rückennummer machte gestern einen unauffälligen, aber soliden Eindruck. Einmal rückte er bei einem Distanzschuss in den Fokus der Aufmerksamkeit, sonst hatte Hadzic recht wenig zu tun, da Schwaz vor allem über die Seiten aktiv wurde. War jedoch zu erkennen war, war die klarere Aufgabenteilung zwischen ihm und Offenbacher. Hadzic ist der defensive, Offenbacher der offensive.

Aleksandar Todorovski
Der gelernte rechte Außenverteidiger rückte gestern wieder einmal in die Innenverteidigung, da die Neuzugänge Lukas Spendlhofer und Tomislav Barbaric noch Trainingsrückstand haben. Todorovski machte seine Sache zwar recht gut, dass er aber kein Innenverteidiger ist war auch klar zu erkennen. Immer wieder rückte er unnötigerweise auf die rechte Seite aus, sodass die Mitte dann kurzzeitig offen stand. Glücklicherweise führte das nie zu einer gefährlichen Situation. Sonst wurde Todorovski, wie auch Madl, wenig gefordert.

Michael Madl
Wie Aleks Todorovski musste auch Michael Madl gestern nur wenig ins Spiel eingreifen – meist bei Standards. Beim Gegentor war Pech dabei, er fälschte eine Ecke unhaltbar für Christian Gratzei per Kopf ins eigene Tor ab. Kurz darauf verfielen die Blackies in eine 15-minütige Panik. Dass Sturm in der Innenverteidigung der große Nikola Vujadinovic fehlt war deutlich zu sehen. Dennoch: Ein grober Bock unterlief dem neuen Kapitän der Grazer nicht.

Daniel Beichler
Irgendwie will es Daniel Beichler einfach nicht so richtig gelingen. Zwar hat die Nummer 28 gestern ein tolles Tor gemacht und damit wieder einmal seine Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor unterstrichen, spielerisch wird er aber wohl nie ein so gefährlicher Spieler wie Marco Djuricin sein. Nicht umsonst liegt seine Rolle im Team eher hinter der Spitze. Gemeinsam mit Marko Stankovic und David Schloffer versuchte Beichler Unruhe ins Defensivspiel der Schwazer zu bringen, was auch gut gelang. So richtig Gefahr strahlte Daniel Beichler aber selbst nicht aus. Im Verbund mit seinen Mitspielern war es aber dann doch passabel.

David Schloffer
Dass David Schloffer viel mehr kann bewies er in seinem bisher wohl größten Spiel beim 6:0-Auswärtssieg letzte Saison in Grödig. Gestern in Schwaz war Schloffer der unauffälligste aller Spieler. So richtig wollte ihm der Knopf nicht aufgehen, auch Offensivchancen und -aktionen waren Mangelware. Zu hoffen ist, dass er in Zukunft wieder mehr von dem bietet, was er draufhat. Wurde zurecht in der 64. Minute durch Marc Schmerböck ersetzt.

Marc Schmerböck
Auch Schmerböck kann deutlich mehr, als gestern in Schwaz. Positiv hervorzuheben ist eine brandgefährliche Hereingabe von links, an der Daniel Beichler nur knapp vorbeischlitterte. Sonst verhielt sich Marc Schmerböck eher unauffällig. Auch hier: Noch viel Luft nach oben, aber die Saison ist noch jung.

Zu kurz eingesetzt: Andreas Gruber (feierte seine Cup-Premiere für die Profis), David Schnaderbeck (wurde kurz vor dem Schlusspfiff eingewechselt)

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der beim Spiel anwesenden Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber subjektiv.