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SC Rheindorf Altach - Sturm Graz

Umfaller zum Auftakt

Misslungen ist er, der Auftakt in die neue Saison. Ein Weitschuss entschied eine sommerliche Partie zugunsten von Altach und zum Leidwesen des SK Sturm.

Unter perfekteren Bedingungen könnte das 40-Jahr-Jubiliäum der Bundesliga nicht starten. Strahlender Sonnenschein und dreißig Grad im Ländle, dazu exzellente Stimmung auf den Rängen. Einzig die Anreise ist langwierig – neun Stunden mit dem Zug durch das gesamte Land der Berge, dabei vier Mal umgesteigen, bis man schließlich in Altach ankommt. Danach geht es über die klingende “Riedgasse” auf zum Stadion, wo sich noch nicht durchgesprochen hat, dass das WLAN bereits erfunden wurde. Auch von einem Verkehrskonzept, dass die Zuschauermassen der Bundesliga bändigen kann, ist beim Aufsteiger wenig zu merken. Aus Graz sind gut 300 Fans mit Bussen angereist, während auch die Altacher Fankurve gut gefüllt ist. Diese präsentierte vor dem Spiel stolz eine Chroeografie, hielt sich akustisch aber relativ bedeckt. Von den 6187 Zusehern belächelt wird indes der Stadionsprecher, der Sturm-Coach Darko Milanic fälschlicherweise als Milan Milanic ankündigt. Nach Präsentation der Aufstellungen kommen die Mannschaften aufs Feld, und Sturm weder in den schwarz-weißen Retro-Dressen, noch im weißen Auswärtslook. Neon-gelb ist der Dresscode bei den Grazern an diesem Abend, während der SCR Altach  in traditionellem weiß aufläuft.

Altach mit starkem Beginn, Sturm mit neuer taktischer Formation
Sturm-Trainer Milanic vertraut heute auf dieselbe taktische Formation wie schon im Cupspiel: 4-3-2-1 mit Marco Djuricin als Solospitze. Das Personal ist aber ein wenig anders: Tomislav Barbaric beginnt in der Inneverteidung und Aleksandar Todorovski rückt nach rechts. Im Mittelfeld beginnt überraschendrweise Simon Piesinger statt Daniel Beichler, womit Daniel Offenbacher auf die Zehn rückt. Der Beginn gehört den Altachern, die gleich zu guten Möglichkeiten über die Flanken kommen. Die erste nennenswerte Chance gibt es aber in Minute zehn: Aleksandar Todorovski verliert einen Zweikampf, hoftt auf den Schiedsrichterpfiff und bleibt dann stehen. Doch die Pfeife bleibt still und plötzlich steht Patrick Salamon im Sechzehner und spielt einen Stanglpass, der im letzten Moment geklärt wird. Und gleich darauf wieder die Altacher, dieses Mal über die rechte Seite. Tomislav Barbaric klärt und es gibt Eckball. 13. Minute: Es gibt erstmals Ecke für Sturm. Heimkehrer Marko Stankovic führt aus, doch da gibt es keinen großen Nikola Vujadinovic mehr  in der Mitte als Kopfballungeheuer, sodass die Gastgeber klären können. Drei Minuten später ist wieder alles anders – Ivan Kovacec tankt sich über links durch, lässt einige Sturmspieler stehen und kommt gut 20 Meter vor dem Tor zum Abschluss – gut einen halben Meter über das Tor von Christian Gratzei, der nach der Verletzung von Benedikt Pliquett wieder das Einserleiberl trägt. Indes kassiert Michael Madl die erste gelbe Karte der Saison nach einem schönen Konter der Hausherren. Der anschließende Freistoß aus dem Halbfeld muss wiederholt werden, nachdem sich plötzlich Stankovic auf dem Boden krümmt – Grund unbekannt.

Djuricin vergibt die Riesenchance
Sturm steht in dieser Phase sehr hoch, probiert die Altacher reinzudrücken. Diese wiederum stehen hinten sehr kompakt und lassen keine riskanten Pässe zu. Für beide Mannschaften ist es ein temporeiches und anstrengendes Spiel, sodass Schiedsrichter Harald Lechner in Minute 25 erstmals zur Trinkpause bittet. Zu hervorheben sind in der ersten halben Stunde vor allem Todorovski und Stankovic, die auf der rechten Seite gut harmonieren, während Florian Kainz auf links noch etwas angeschlagen wirkt und auch Christian Klem mehr ab- als anwesend scheint. Und plötzlich ist sie da, die Riesenchance zur Führung für Altach: Hannes Aigner steht plötzlich alleine im Sechzehner von Sturm und zieht ab, nur hauchdünn am langen Eck vorbei. Da hätte gerade einmal ein Blatt Papier zwischen Ball und Stange gepasst. Während Sturm versucht das Spiel zu machen, spielen die Altacher auf Konter. Fast wäre die Taktik der Letztgenannten auch aufgegangen: Ivan Kovacec dribbelt nach einem Sturm-Angriff auf das Grazer Tor zu, aber verstolpert sich, womit Startelf-Debütant Tomislav Barbaric zum Einwurf klären kann. Mit dieser Chance reißen die Vorarlberger das Spiel an sich. 40. Minute direkt ausgeführte Ecke, die nur ganz knapp am Grazer Tor vorbeigeht. Im Füßewirrwar kommt keiner der Akteure richtig zum Ball. Und dann die 1000-prozentige Chance für Stürmer Djuricin. Der wird durch einen schönen Heber über die gesamte Altach-Abwehr freigespielt und steht plötzlich komplett alleine vor Keeper Martin Kobras. Die Altacher heben die Hände um das Abseits zu signalisieren und bleiben stehen, Djuricin selbst ist überrascht, blickt zum Linienrichter und stoppt ab. Die Fahne bleibt unten und die Nummer neun stürmt auf Schlussmann Kobras zu, überlegt und schießt, vorbei am langen Eck. Das hätte die Führung sein müssen. Im Gegenzug haben auch die Gastgeber noch einmal die Möglichkeit zur Führung: Außennetz. Halbzeit.

Der Aufsteiger aus dem Ländle dominierte die erste Hälfte, während man auf Seiten der Grazer eher mit Fouls glänzte. Die neue taktische Formation fand kaum Chancen vor, lief sich in der Verteidigung der Vorarlberger fest. Über links ging kaum etwas, die Flanken über rechts von Todorovski fielen zu schwach aus. Hinten hatte man Glück, dass man nicht früh mit 1:0 in Rückstand geriet.

Sturm läuft dem Rückstand hinterher

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Wiederanpfiff und nach einer Minute liegt Kainz bereits verletzt am Boden – gelbe Karte für Andreas Lienhart nach dem Foul. Und wieder sind es die Altacher jene Mannschaft, die die erste Möglichkeit haben. Kovacec, der Todorovski ausssteigt, schießt nur knapp am Tor von Gratzei dabei. Dann die 51. Minute: Freistoß der Gastgeber über rechts aus aussichtsreicher Position und Hannes “Magic” Aigner köpft nur knapp über das Gratzei-Gehäuse. Der hat sich mittlerweile warm gespielt. Fünf Minuten später erneut ein gefährlicher Kopfball, doch wieder muss Gratzei nicht eingreifen. Altach dominiert und dominiert. Nur eine Minute darauf wieder ein schöner Abschluss, dieses Mal Patrick Seeger, aber wieder drüber. In dieser Manier geht es munter weiter, die Altacher zeigen sich vor allem über die Flügel sehr aktiv, denn gegen die Grazer Innenverteidigung gibt es kein Durchkommen. Und Aigner zum dritten Mal mit dem Kopf, aber die Kurzhaar-Frisur sitzt. Es dauert zwanzig Minuten, bis auch Sturm zu ersten Chance kommt. Stankovic spielt Djuricin einen Pass in den Lauf, der hält aus spitzem Winkel drauf, aber nur Außennetz.

Und auf einmal steht es 1:0. Christian Klem wehrt eine ungefährliche Flanke in die Mitte ab. Felix Roth lässt sich diese Gelegenheit nicht nehmen und zieht aus 30 Metern mit dem Außenrist (!) ab – Kreuzeck, keine Chance für Goalie Gratzei, der wie angewurzelt und einfach machtlos stehen bleibt. Die Wiedeholung zeigt, dass Madl den Ball noch abfälscht, keine Chance also für den Grazer Tormann. Altach führt nach 70 Minuten verdient mit 1:0. Sturm wirkt ab diesem Zeitpunkt unsicher, die Verteidigung schwimmt, die Nummer eins von Sturm gfreift zwischenzeitlich bei einer Flanke ins Leere, der Plan fehlt. Vereinzelt tun sich aber dennoch Chancen auf, jedoch keine zwingenden. Hannes Aigner und Patrick Seeger werden inzwischen unter tosendem Applaus der Heimfans verabschiedet, Trainer Damir Canadi bringt in Minute 78 gleich zwei Stürmer: Louis Ngwat-Mahop und Darijo Pecirep. Nun erstarkt aber plötzlich der SK Sturm wieder. Der eingewechselte Daniel Beichler nimmt sich aus 20 Metern ein Herz und zieht eiskalt ab, Kobras kann aber mit einer Glanztat klären. Jetzt ist Sturm am Drücker, aber zu spät. Der ebenso eingewechselte David Schloffer im Zusammenspiel mit Hadzic, dessen Schuss nur knapp abgelenkt wird – Ecke. Nach dieser kommt Marc-Andre Schmerböck zum Abschluss und hält mit einem kräftigen Volleyschuss drauf. Aluminium und Abstoss. Danach versuchen es die Grazer weiter, kommen aber zu keinem nennenswerten Abschluss mehr. Schlusspfiff und 1:0-Endstand.

Wieder einmal war es nichts mit drei Punkten. Die Altacher gingen motiviert in ihr erstes Bundesliga-Duell seit vier Jahren, während bei Sturm scheinbar die Energie fehlte, oder zumindest eine Idee Marco Djuricin richtig in Szene zu setzen. Defensiv stand man, von ein paar Standards abgesehen ganz gut, nach vorne muss sich noch was tun. 35 Runden bleiben noch, um es besser zu machen und die weite, bestimmt sehr schlauchende, Anreise nach Altach muss man zum Glück für Mannschaft und Fans nur noch einmal in dieser Saison machen.

Schnabelholz-Stadion 1. Runde Zuschauer: 6.187

SCR Altach
19.07.2014, 19:00 Uhr
1:0
(0:0)

SR:

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
66. Minute Felix Roth ()
Spieler Karten Spieler
Michael Madl (Gelb)21. Minute
46. MinuteAndreas Lienhart (Gelb)
Christian Klem (Gelb)48. Minute
Marko Stankovic (Gelb)55. Minute
Alexandar Todorovski (Gelb)71. Minute
87. MinuteLouis Ngwat-Mahop (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Martin Kobras   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Andreas Lienhart   Alexandar Todorovski - Abwehr
Abwehr - Emanuel Schreiner   Christian Klem - Abwehr
Abwehr - Jan Zwischenbrugger   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Alexander Pöllhuber   Tomislav Barbaric - Abwehr
Mittelfeld - Ivan Kovacec   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Patrick Seeger   Florian Kainz - Mittelfeld
Mittelfeld - Felix Roth   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Philipp Netzer   Marko Stankovic - Mittelfeld
Mittelfeld - Patrick Salamon   Simon Piesinger - Mittelfeld
Angriff - Hannes Aigner   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Daniel Beichler für Simon Piesinger 56. Minute
Marc Schmerböck für Florian Kainz 75. Minute
David Schloffer für Marko Stankovic 75. Minute
76. Minute Darijo Pecirep für Hannes Aigner
78. Minute Louis Ngwat-Mahop für Patrick Seeger
85. Minute Boris Prokopic für Felix Roth