12 Meter

Laufende Litfaßsäulen

In Vorarlberg hat am Samstag die Puntigamer-Mannschaft gegen die Cashpoint-Truppe mit 1:0 verloren. Abgesehen von der heimischen Unsitte mit Sponsor im Vereinsnamen, ist die mit Werbung zugekleisterte Spielkleidung zunehmend eine Beleidigung für das Auge.

© Sturm12.at
© Sturm12.at

Auftakt beim Aufsteiger. Wohl das undankbarste Los, das man ziehen kann. Dementsprechend ist das Spiel auch ausgefallen. Eine Niederlage, die fast zu erwarten war. Bei Sturm ist wieder einmal alles neu und es beginnt nun wieder die Leier mit der Geduld, die man haben wird müssen. Eh. Zumindest hat sich Darko Milanic offenbar entschlossen, am schon fast dogmatisch geglaubten 4-4-2 nicht festzuhalten. Er ist dorthin umgeschwenkt, was bei der letzten WM gerade in der Mottenkiste entsorgt worden ist, zum 4-2-3-1. Aber gut, Österreich hinkt immer ein bisschen hinterher bei den internationalen Trends, also nennen wir das einmal einen Innovationsschub. Der ist auch den Kollegen bei den Printmedien aufgefallen, allerdings machen sie die Niederlage am fehlenden Biss, der fehlenden Laufarbeit und dem nicht vorhandenen Kampfgeist fest. Merkwürdig. Da übt man sich seit Jahren im Kuschelkurs mit den Sturmverantwortlichen, dann kommt plötzlich schon nach Spiel eins Kritik, aber die ist ein hanebüchener Unsinn. Aus denen werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr schlau. Auch die heute im Blatt vorgenommene Bemerkung, Simon Piesinger sei der Herr der Lüfte, spricht Bände. Wohl weil er groß ist, einen anderen Grund kann es nicht geben. Die Statistik sagt 12 Kopfballduelle, vier gewonnen, acht verloren…

Die Niederlage hatte viele Gründe, an diesen Stammtischparolen à la “die rennen nix” liegt es jedenfalls nicht. Man könnte versuchen auszuführen, warum eine Mannschaft das Spiel breit machen muss wenn ein Gegner so tief stehend verteidigt wie Altach, aber wir wollen die Saison nicht mit einer Überforderung beginnen. So viel nur einleitend am Rande, denn eigentlich wollte ich über dieses erste Spiel etwas ganz anderes schreiben. Als ich den Fernseher aufgedreht habe, habe ich gerade einmal die gelbe Farbe der Auswärtsdressen verdaut, als ich mich nach ein paar Minuten gefragt habe, was hier so schiach ist. Die gelbe Montur war eine Notlösung, wegen ansonsten zu geringer Unterscheidbarkeit von den Vorarlberger Outfits, das geht wieder weg. Was sonst noch das Auge beleidigt hat, wird bleiben. Die Fußballer des SK Sturm sehen aus wie wandelnde Litfaßsäulen. Aus manchen Perspektiven wirkt es so, als wären das Werbeflächen mit ein bisserl Farbe, nicht umgekehrt.

Lotto-Logo und Kleine Zeitung decken den Arm mehr oder weniger komplett zu. Holding Graz vorne, Energie Graz hinten und wieder großes Lotto-Logo machen die Hose fast unsichtbar. Tipico Bundesliga sowie erneut Lotto außerdem noch auf der Brust. Auf den Socken nicht zu vergessen – richtig! – einmal noch Lotto! Die Puntigamerflächen nehmen schließlich gefühlt schon mehr Platz ein, als der gesamte Rest der Kleidung Oberfläche hat. Riesen-Logo vorne, ein breiter Schriftzug am Rücken und sogar auf den Socken muss noch einmal das blaue Bier stehen. Da hat man sich offenbar die Entfernung aus dem Vereinslogo teuer abkaufen lassen, bei den Vertragsverhandlungen. Das schöne Sturmemblem ohne blaue Störung geht auf der linken Brust in diesem Fleckerlteppich völlig unter. Liebe Leute beim SK Sturm: Das sieht in seiner Gesamtheit einfach grauenhaft aus.

Wenn ein Verein schon einen derart präsenten Hauptsponsor hat, müsste sich doch wenigstens ein Deal vereinbaren lassen, wie man die Farben des Klubs einigermaßen erhalten kann. Geht es uns im Fußball nicht außerdem auch darum? Um unsere Farben? Die weit verbreitete laufende Werbung in der heimischen Liga bedeutet nichts anderes, als diesen Anspruch mit Füßen zu treten. Und der SK Sturm ist vorne dabei. Radikaler zukleistern kann man ein Trikot kaum noch, als jenes der Schwarz-Weißen in dieser Saison. Ich frage mich ernsthaft, ob das langfristig die zielführendste Lösung ist, den Sponsorenzoo am Dress spazieren zu führen? Langfristigkeit ist nun in Messendorf, wie wir wissen, ein oftmals nicht besonders wohlgelittener Begriff. Nicht einmal der Trainer hat Interesse daran, länger als ein paar Wochen vorauszuschauen. Dreijahrespläne findet er überhaupt blöd. Vielleicht gilt dieser Zugang ja auch fürs Sponsoring?

Jedenfalls frage ich mich außerdem: Sollten nicht auch die Geldgeber, vor allem die Herrschaften von Puntigamer, ein bisschen ein Interesse an Alleinstehung haben? Ist es deren Anspruch, einer von vielen zu sein, oder jene Marke, die der Zuseher mit dem Klub identifiziert? Der Hauptsponsor kann doch nicht zufrieden sein, wenn er fast untergeht, im Konzert der Energielieferanten, Boulevardblätter und Ausrüster? Und vielleicht wäre es dann möglich, die flächigen Dimensionen ein wenig herunterzuschrauben und einen dezenten, formschönen Auftritt hinzulegen – siehe Europacup-Wäsche von vorvoriger Saison. Weniger ist mehr, ist nicht umsonst eine sehr beliebte Phrase. Derzeit ist jenen, die sich ein solches Trikot im Fanshop kaufen, zu ihrem modischen Mut zu gratulieren. Ich wünsche Ihnen, dass sie nicht für Zeitungskolporteure, Gasmänner oder Bierlieferanten gehalten werden. Nur um ein internationales Beispiel aufzugreifen: Celtic Glasgow, ebenfalls mit Biermarke als Hauptsponsor, bietet etwa für Kinder ein sponsorfreies Shirt an. Und wenn man hier kurz hineinklicken möchte, kann man sich ansehen, was ungefähr ein stilvolles Dress sein könnte.

Der Ball liegt in dieser Frage auch ein wenig in der Fankurve. Diese Bemerkung sei abschließend noch erlaubt. Brigata und Co verweigern sich selbst schon lange den offiziellen Merchandisingprodukten. Ein kleines Statement zu diesem Sponsorenwildwuchs auf ihren Farben wäre mehr als angebracht. Ein solches ist aber derzeit eher unwahrscheinlich. Schon in der letzten Saison gaben sich die Fangruppen gegenüber Messendorf nibelungentreu, wiewohl es nicht nur einen Kritikpunkt gegeben hätte, der ein wenig Aufmerksamkeit wert gewesen wäre. Schwer vorstellbar, dass sich das über den Sommer geändert hat.