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Noch ein Grazer zu Rapid

Kainz folgt Beric nach Hütteldorf

Florian Kainz ist ein Grüner. Er folgt Robert Beric nach Hütteldorf. Obwohl der Flügelspieler immer ins Ausland wechseln wollte, ist es jetzt trotzdem Wien geworden. Gerhard Goldbrich ist verärgert und schon auf der Suche nach Ersatz.

© Peter Troissler
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Nach Wochen der Spekulationen, der Verhandlungen und des Ringens ist der nächste schwarz-weiße Abgang des Transfersommers fix: Florian Kainz wechselt zum Ligarivalen SK Rapid Wien. Der Flügelspieler hat bereits am heutigen Dienstag nicht mit der Mannschaft trainiert und wird am Mittwoch zu Gesprächen, sowie medizinischen Checks in Wien verweilen. “Florian hat uns mitgeteilt, dass er zum SK Rapid wechseln möchte“, so General Manager Gerhard Goldbrich. Kainz wird in Hütteldorf – nach positiver Absolvierung der sportmedizinischen Checks – einen Dreijahres-Vertrag unterschreiben. Nachdem die Grün-Weißen ihren Ligaauftakt mit dem 1:6 bei Red Bull einigermaßen verpatzt hatten und Sportdirektor Andreas Müller öffentlich um die Dienste des Steirers gebuhlt hat, machen die Wiener nunmehr von der festgeschriebenen Ablösesumme des Flügelspielers Gebrauch. Um die 700.000 Euro soll das nun in die Klubkasse der Schwarz-weißen spülen, wie zuletzt kolportiert worden ist. Noch im Februar hatte der Gewinner des letzten Sturm12.at-Leserzeugnisses seinen Vertrag in Graz verlängert. Um ein Jahr mit Option auf ein weiteres – geworden ist es ein halbes.

In Hütteldorf zeigt man sich indes einigermaßen begeistert von Neuzugang: “Florian Kainz passt genau in unser Anforderungsprofil und ich bin glücklich, dass wir den nächsten U21-Teamspieler bei uns begrüßen können. Kainz hat sich nach einem kleinen Tief in der vergangenen Herbstsaison zuletzt wieder sehr stark präsentiert und ist in der Offensive sowohl links als auch rechts auf der Außenbahn einsetzbar”, wird Trainer Zoran Barisic zitiert. Sportdirektor Andreas Müller meint zur Verpflichtung des “pfeilschnellen Grazers” (O-Ton Presseaussendung Rapid Wien), der die Abgänge von Marcel Sabitzer und Guido Burgstaller kompensieren soll: “Wir haben Florian Kainz schon länger auf dem Radar, er ist ein Spieler, der sehr gut in unsere Mannschaft passen würde. Trotz seiner Jugend kann er schon auf viel Erfahrung zurückblicken und ich bin überzeugt, dass er eine echte Verstärkung für uns ist.”

Reisende soll man nicht aufhalten
Noch um 13 Uhr hielt man sich heute bei Rapid bedeckt: “Wir vermelden, wenn es etwas zu vermelden gibt”, gab sich Pressechef Peter Klinglmüller am Telefon zurückhaltend. SK Sturm-General Manager Gerhard Goldbrich wurde dann am Nachmittag gegenüber Sturm12.at schon konkreter: “Gestern am Abend hat mich Flos Berater Rob Groener davon informiert, dass es ein Angebot von Rapid an den Spieler gibt und er stark am überlegen ist, dieses anzunehmen.” Heute in der Früh sei dann auch offiziell die Anfrage des SK Rapid in Messendorf eingetrudelt, wo sich die Wiener nach den konkreten Konditionen für einen Transfer erkundigt haben. Danach sei erst einmal Funkstille gewesen. Nichtsdestotrotz sei man ab diesem Zeitpunkt in Graz davon ausgegangen, dass Florian Kainz Sturmspieler gewesen ist.

Gerhard Goldbrich macht keinen Hehl daraus, dass er über die Umstände dieses Transfers nicht erfreut ist: “Das Ganze zieht sich jetzt seit sechs Wochen hin. Vor drei, vier Wochen haben uns Spieler und Berater signalisiert, dass Flo in Graz bleibt. Auch aus Wien war nie etwas Offizielles zu hören. Dann verliert Rapid den Auftakt und plötzlich ist es wieder ein Thema.” Man hätte Kainz nach seinem Bekenntnis zu Graz zum Vize-Kapitän gemacht, ihn außerdem in den Spielerrat berufen, auch um ihn in seiner Rolle zu stärken. “Aber wir sind jetzt auch an einem Punkt, wo wir sagen, Reisende soll man nicht aufhalten.” Besonders enttäuscht zeigt sich der General Manager der Grazer davon, dass Kainz immer signalisiert hätte, nur ins Ausland wechseln zu wollen. “Jetzt ist dieses Ausland eben 180 Kilometer entfernt im Norden von Österreich”, ätzt Goldbrich. “Er wird ein gutes Angebot bekommen haben, aber zumindest können wir eine Ablöse kassieren. Wenn Flo im Winter gegangen wäre, hätten wir nichts gekriegt.”

Rapid wildert erneut in Graz – Sturm wird reagieren

 © Peter Troissler
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Die Grazer werden nach diesem Transfer selbst auch noch einmal aktiv werden und sich nach einem Ersatz umsehen. Laut Gerhard Goldbrich habe man diese Situation immer ein wenig im Hinterkopf gehabt und sich deshalb laufend nach Ersatzkandidaten umgesehen, auch wenn Kainz zwischenzeitig einen Verbleib signalisiert hätte. Ein Problem gäbe es aber nun schon: “Da sich die Sache so lange hingezogen hat, sind einige Leute, mit denen wir uns einig gewesen wären, mittlerweile wo anders untergekommen und weg vom Markt”, bedauert der Grazer Sportchef. “Aber es ist nun so und wir werden damit umgehen.” Konkrete Namen für potentielle Kainz-Nachfolger wollte Goldbrich noch keine nennen.

Der Flügelspieler folgt mit seinem Wechsel zu Rapid seinem früheren Mannschaftskollegen Robert Beric nach, der vor ein paar Wochen bei den Grünen unterschrieben hat. Wechsel von Graz in die Bundeshauptstadt sind traditionsgemäß heikle Angelegenheiten. Man denke an einen Mario Sonnleitner, der vor seinem Abgang bei Sturm auch immer davon gesprochen hat, nur ins Ausland zu gehen. Schließlich hat er aber doch Rapid vorgezogen. Hier wiederholt sich die Geschichte, Florian Kainz hat ebenfalls immer von einem Wechsel in eine andere Liga gesprochen. Der Empfang in Liebenau wird beim ersten Gastspiel der Wiener wohl dementsprechend herzlich ausfallen. Viel schwerer als die Atmosphäre zu diesem Transfer wiegt allerdings die Tatsache, dass nach Beric ein zweiter Leistungsträger der Grazer einen unmittelbaren Konkurrenten verstärken wird.

Der Besuch der alten Dame
Kainz, der seine Karriere als Kind beim FC Stattegg begann, wechselte im Jahr 2000 in die Akademie von Sturm Graz. Als Sechzehnjähriger ist er erstmals bei den Sturm Amateuren aufgelaufen und innerhalb von eineinhalb Jahren hat er es in die Kampfmannschaft geschafft, wo er mit 17 Jahren im ÖFB-Cup gegen den SV Horn am 13. August 2010 sein Debüt feiern durfte. Bereits in seinem zweiten Pflichtspiel für die Blackys eine Woche darauf schlug für ihn die erste Sternstunde. Trainer Franco Foda schickte ihn im Heimspiel gegen Juventus Turin aufs Feld, wo er gegen Stars wie Diego oder Amauri groß aufgespielt hat. Zum Sieg hat es dennoch nicht gereicht, die “alte Dame” ging glücklich mit 1:2 als Sieger vom Platz, nachdem man erst in der Nachspielzeit den Siegestreffer erzielt hatte. Trotzdem es im Rückspiel für die Blackys erneut eine Niederlage setzte, war es für die noch junge Karriere des Florian Kainz ein großer Moment. Im Verlauf der Saison ließ Foda den Jungspund noch 13 Mal in der Bundesliga auflaufen und in weiterer Folge fixierte er den Meistertitel mit Sturm, wobei er vor allem im Saisonfinish eine wichtige Rolle gespielt hat. Er erzielte einen wichtigen Treffer in Runde 35 gegen den SC Wiener Neustadt und hat einen weiteren im meisterschaftsentscheidenden Spiel gegen Wacker Innsbruck vorbereitet. Mitspieler Gordon Schildenfeld prognostizierte ihm in der daraufhin produzierten Meister-DVD eine große Karriere. In den folgenden Saisonen avancierte Kainz zum Stammspieler des SK Sturm, absolvierte in den vergangenen drei Bundesliga-Durchgängen nie weniger als 25 Partien und kam bis zu seinem Transfer zu Rapid insgesamt auf 122 Pflichtspiel-Einsätze. Nachdem er in der Vorsaison zwischenzeitlich in einer Krise steckte und auch bei den Fans teilweise in Ungnade fiel, rehabilitierte sich der Grazer mit guten Leistungen im Frühjahr 2014, gewann das bereits erwähnte Leserzeugnis und erhielt die Vertragsverlängerung.