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SV Grödig - SK Sturm

In sieben Minuten Doom statt Ruhm

Der SK Sturm verliert in der Auswärtspartie in Grödig bereits sicher geglaubte drei Punkte. Zwei späte Tore der Heimmannschaft drehen das Spiel und die Grazer fahren mit leeren Händen nach Hause. Unnötig.

 

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Runde zwei der Dorfliga wird in Grödig angepfiffen. Dort, wo auch die Mädchen unter den Ballkindern ein Shirt mit der Aufschrift “Boibua” haben. Am Stadion der Heimmannschaft wird bis zuletzt geschweißt und so mancher Mast wird noch schnell provisorisch festgezurrt. Die Untersbergarena heißt neuerdings irgendetwas mit “Gold” im Namen. Ein auskunftsfreudiger Mann mit Lederhose weiß: “Guidberg hoaßt sie. Das is ana von de Caterer von Gastein aussa.” Jedenfalls nimmt der Platz so etwas wie Formen eines Fußballstadions an. Drei Seiten Tribüne mit Dach, nur gegenüber der Pressetribüne sieht man noch den schon recht hoch gewachsenen Mais. Dort stehen die Fernsehkameras, im TV sollte das also eh ganz ordentlich rüberkommen. Und, nicht zu vergessen, wir erleben heute die neue Vereinshymne der Grödiger. Einiges also los hier.

Der SK Sturm ist nicht gut in Altach gestartet und jetzt wartet gleich der Europacupstarter aus Salzburg. Alles andere als eine einfache Aufgabe. Für Aufsehen vor der Partie sorgte Kapitän Michael Madl mit einem Interview in der Kleinen Zeitung. Bei Sturm würden Leute mitreden, die keine Ahnung haben und schon nach einer Auftaktniederlage wäre die erste Krise ausgerufen. Wen er mit den Ahnungslosen meint, sagt er natürlich nicht dazu und dass er eine Krise sieht, ist noch merkwürdiger. Vielmehr müsste man sagen, schon nach Runde eins ist wieder die übliche Dünnhäutigkeit bei den Grazern ausgebrochen, wo man die Schuld immer beim Umfeld sucht und sich beschwert, wenn nicht nach einer schlechten Leistung alle “Gloria” rufen. Das kann ja eine heitere Saison werden.

Gleiches System, andere Personen
Zum Spiel. Die Grödiger unter Neo-Coach Michael Baur haben die erste Hürde im internationalen Bewerb geschafft und zudem in Runde eins in Wien der Austria ein 1:1 abgetrotzt. Die Motivationslage im Umland der Stadt Salzburg dürfte also passen. Ganz anders die Schwarz-Weißen, wo der Kapitän nach einer Niederlage bereits eine Krise, ausgerufen von den “Ahnungslosen”, wittert und beleidigt zum Interview schreitet. Dazu kommen der Abgang von Leistungsträger Florian Kainz vor ein paar Tagen und eben eine alles andere als vielversprechende Leistung vor einer Woche. Grödig ist wohl heute im Vorfeld als Favorit zu bezeichnen. Personell ist Benedikt Pliquett nach seiner Verletzung wieder im Kader, das Tor hütet aber erneut Christian Gratzei. Bis auf die Langzeitverletzten Martin Ehrenreich und Andreas Pfingstner fehlt aus dem Profikader niemand. Auch der beim Mediabriefing noch fragliche Naim Sharifi ist fit und steht sogar in der Startelf. Für Florian Kainz beginnt heute Daniel Beichler.

Darko Milanic lässt die Mannschaft wieder im 4-2-3-1 auflaufen, allerdings mit einigen Umstellungen. In der Innenverteidigung ersetzt Aleksandar Todorovski den Neuen Tomislav Barbaric, die damit vakant gewordenen rechte Außenbahn besetzt Naim Sharifi. Im Mittelfeld rückt wie erwähnt Beichler in die Startelf und startet zentral offensiv hinter Marco Djuricin. Links nominell Marko Stankovic, rechts wie zuletzt David Schloffer. Daniel Offenbacher muss somit wieder zurück in die defensivere Sechserrolle, die ihm weit weniger liegt als weiter vorne. Die Heimmannschaft in einer eins zu eins gespiegelten Formation wie die der Grazer. Vorne drin der Neuzugang aus dem Nachbarort, Yordy Reyna.

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Sharifi muss raus, ein Tor geht rein
Sturm steht zu Beginn hoch, attackiert früh, allerdings hat in den ersten 15 Minuten keine Mannschaft vom Spiel wirklich etwas. Von dem Bisschen aber vielleicht die Grazer ein wenig mehr. In Minute acht kommt ein weiter Ball von Todorovski, Michael Madl rasiert ihn per Kopf, knapp vorbei. Dann kommt aber Grödig. Einige Standards und ein wenig mehr vom Spiel für die Heimmannschaft im Verlauf der ersten Halbzeit. Es dauert bis Minute 30, ehe Sturm wieder eine wirkliche Chance vorfindet. Naim Sharifi setzt sich rechts gut durch, spielt einen Stanglpass auf Djuricin, der trifft aber mehr das Gras als den Ball – weit drüber. Sharifi ist einer der Aktivposten bei den Schwarz-Weißen. Über seine Seite gemeinsam mit Schloffer kommen die gefährlicheren Aktionen der Gäste und er wirkt weit aktiver als sein Gegenüber Christian Klem. Die Spielanteile drehen sich dann wieder zugunsten der Blackys, die dann eine engagierte Schlussphase in Durchgang eins hinlegen.

Und dann muss Sharifi raus. Ein unglückliche Aktion. Er klärt einen Ball, verdreht sich ohne Fremdeinwirkung das Knie und muss das Feld verlassen. Er war schon nicht ganz fit gewesen, möglicherweise wieder die Verletzung aus dem Training. Für ihn kommt Lukas Spendlhofer, der in die Innenverteidigung geht, Todorovski rückt nach rechts. Wechsel hin oder her, es folgt ein Tor für Sturm. Die Grazer mit ein paar Offensivaktionen nacheinander, bis in Minute 38 Anel Hadzic von der Strafraumgrenze draufhält, Beichler läuft in diesen Schuss und verlängert ihn per Brust ins Tor. Zu diesem Zeitpunkt eine nicht sehr, aber ein bisschen verdiente Führung. Ein “Phönix aus der Asche”-Tor. Daniel Beichler war nahezu unsichtbar bis zum Treffer. Manchmal hat man ihn meckern gehört, sonst war da nichts. Aber Tor ist Tor, und ein Tor ist gut.

Mehr Schüsse, weniger Ballbesitz
Die Statistik zu den ersten 45 Minuten spricht eine zwiespältige Sprache. Grödig mit mehr Ballbesitz und mehr gewonnenen Zweikämpfen. Sportchef Gerhard Goldbrich spricht im Pauseninterview vor allem von den guten Zweikämpfen seiner Mannschaft. Naja. Sturm aber jedenfalls eindeutig im Offensivvorteil. 11:1 Torschüsse für Schwarz-Weiß. Sturm versucht es oft mit vertikalen Pässen auf Solospitze Djuricin. Das klappt auch ganz gut, er kommt immer wieder zum Schuss, allerdings hat der Stürmer heute bis jetzt keinen sehr glücklichen Tag.

Grödig wechselt zur Pause. Philipp Huspek kommt für Daniel Schütz ins Spiel. Und nach ein paar Minuten Glück für die Grazer. Madl holt Tomi im Strafraum von den Beinen – und Schiedsrichter Gerhard Grobelnik gibt Schwalbe. Eine Fehlentscheidung. Die Hausherren drehen aber jetzt auf. Nach einer Flanke kommt der nicht gerade riesenhafte Reyna zum Kopfball, weil Spendlhofer schlecht steht, Gratzei muss retten (57.). Es ergeben sich dafür Kontergelegenheiten für den SK Sturm, die vorerst allerdings kläglich vergeben werden. Und dann kommt wieder Daniel Beichler aus dem Nichts. Davor wieder untergetaucht, prüft er mit einem Schuss von der Strafraumgrenze Goalie Cican Stankovic (61.). Sturm steht trotz Führung weiter hoch, lässt sich nicht hineinfallen. Das sieht nicht so schlecht aus jetzt.

Mehr von der Partie, Spiel verloren
Die Grazer haben die Partie mehr und mehr im Griff und insgesamt weiter die besseren Chancen. Lukas Spendlhofer zeigt sich vor allem als Lichtblick. Einmal schlecht gestanden, spielt er aber ansonst eine starke Partie. Er schaltet sich außerdem immer wieder mit in die Angriffe ein, in der 74. Minute scheitert er nur knapp mit einem Kopfball. Nicht stark war hingegen Marko Stankovic. Er bleibt farblos und macht Marc Schmerböck Platz (78.).

In der 80. Minute aber kommt es dann dick. Grödig greift durch die Mitte an, niemand attackiert richtig, der Ball kommt rechts zu Tomi und der schlenzt den Ball mit dem linken Fuß ins lange Eck. Keine Chance für Christian Gratzei. Detail am Rande: Tomi dürfte eigentlich gar nicht mehr am Feld stehen. Er hatte bereits die gelbe Karte und nach einem Fausthieb an Offenbacher verschonte ihn allerdings Schiedsrichter Grobelnik. Milanic überrascht in Folge: Er tauscht offensiv, nimmt Beichler vom Feld und bringt Neuzugang Josip Tadic. Er will den Sieg und verliert das Spiel. Es geht kurz hin und her, dann kommt es noch dicker. Langer Ball auf den schnellen Yordy Reyna, aber der ansonsten starke Lukas Spendlhofer steht ein zweites Mal schlecht und der Grödiger läuft ihm davon. Allein vor dem Tor umkurvt er Gratzei und schiebt ein. Wir schreiben Minute 86. Es geht nichts mehr. Sturm verliert spät, vielleicht unglücklich.

Aber derart unnötige Konzentrationsschwächen am Ende lassen aus drei Punkten eben keinen werden. Ein verschenkter Sieg, nicht einmal nur ein verschenkter Punkt. Man beraubt sich um die Arbeit, um die Chance, einen Aufwärtstrend einzuleiten, um die positive Stimmung. “Von scheiß Fehlern”, spricht der Trainer dann sogar bei der Pressekonferenz. Das Nervenkostüm des Kapitäns und seiner Mannschaft wird sich nicht unbedingt stabilisieren. Die Gesprächigkeit nach dem Spiel war schon ein erstes Indiz, wohin die Reise in den nächsten Wochen gehen wird.

Stadion Grödig 2. Runde Zuschauer: 2.126

SV Grödig
27.07.2014, 16:30 Uhr
2:1
(0:1)

SR: Gerhard Grobelnik

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Daniel Beichler (Anel Hadzic) 38. Minute
81. Minute Tomi Correa ()
87. Minute Yordy Reyna ()
Spieler Karten Spieler
5. MinuteTimo Brauer (Gelb)
Marco Djuricin (Gelb)23. Minute
David Schloffer (Gelb)25. Minute
51. MinuteTomi Correa (Gelb)
90. MinuteSandro Djuric (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Cican Stankovic   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Simon Handle   Chrisitian Klem - Abwehr
Abwehr - Matthias Maak   Naim Sharifi - Abwehr
Abwehr - Maximilian Karner   Aleksandar Todorovski - Abwehr
Abwehr - Robert Strobl   Michael Madl - Abwehr
Mittelfeld - Daniel Schütz   David Schloffer - Mittelfeld
Mittelfeld - Timo Brauer   Marko Stankovic - Mittelfeld
Mittelfeld - Sascha Boller   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Stefan Nutz   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Yory Reyna   Daniel Beichler - Mittelfeld
Angriff - Tomi Correa   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Lukas Spendlhofer für Naim Sharifi 36. Minute
46. Minute Philipp Huspek für Daniel Schütz
62. Minute Christoph Martschinko für Robert Strobl
78. Minute Sandro Djuric für Matthias Maak
Marc Andre Schmerböck für Marko Stankovic 78. Minute
Josip Tadic für Daniel Beichler 84. Minute