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Spielercheck

Der bessere Sechser

Sturm zeigte sich im Vergleich zum Vorarlberg-Gastspiel verbessert. Das Passspiel und die Laufwege waren besser abgestimmt, das Pressing war oft seine Mühen wert. Enden wollende Konzentration in der Defensive und ein zu harmloser Angriff besorgten den späten Punkteverlust.

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80 Minuten lang spielte der SK Sturm – zumindest bis zum Abschluss – recht guten Fußball. Der SV Grödig hatte dem vor allem in Hälfte eins wenig entgegenzusetzen. Es wurde recht hoch verteidigt, Abspielfehler gab es zwar, jedoch nicht zuhauf. Die Sturmspieler fanden in der Vorwärtsbewegung oft einen Mitspieler, Stellungsspiel und Laufwege schienen aufeinander abgestimmt zu sein. Es war die letzten Endes ungenaue und inkonsequente Defensive, und die dann doch etwas zu harmlose Offensive, die die Niederlage bedeuten. Blacky of the Match ist Anel Hadzic, der die Löcher stopfte und Laufwege geschickt unterbinden konnte und zudem das Aufbauspiel der Grazer lenkte.

Spielercheck_neu_Note_3,5

 

Anel Hadzic
Der Bosnier leistete, wenn auch eher nicht geplant, mit seinem Schuss die Vorarbeit zum 1:0. Hadzic war gestern subjektiv der bessere der zwei nominellen Sechser, hatte aber auch mehr Freiheiten als Nebenmann Offenbacher. Hadzic zeigte sich sehr gefällig im Passspiel, lenkte das Spiel und gab fleißig Akzente nach vorne. Durch cleveres Stellungsspiel war, vor allem in Halbzeit eins, auch oft bei ihm Endstation für die Metallprofis. Scheiterte beim Stand von 1:1 per Kopf nur am sehr guten Grödiger Schlussmann Stankovic.

Naim Sharifi
Sharifi war nach der ersten Hälfte der unglücklichste Grazer, nachdem er sich zehn Minuten vor der Pause ohne Fremdeinwirkung das Knie verdrehte und für Lukas Spendlhofer Platz machen musste. Zuvor zeigte sich der Russe  im Angriffsspiel engagiert, ließ etwa in Minute 25 Strobl schön aussteigen und bediente Djuricin in der Mitte mustergültig. Seine schöne Hereingabe bugsierte Djuricin allerdings in die Wolken. Saß anschließend mit dick einbandagiertem Knie auf der Bank und sah zu, wie seine Kollegen in Halbzeit zwei den Vorsprung aus der Hand gaben. Am Montag gab es die schlimme Nachricht aus dem Grazer UKH: Sharifi zog sich einen Kreuzbandriss zu und wird den Grazer zumindest sechs Monate fehlen.

Spielercheck_neu_Note_3

 

Christian Gratzei
Der Tormann war in der ersten Halbzeit mehr als nur unterbeschäftigt. 7:0 Torschüsse für den SK Sturm, das bedeutete einen ruhigen ersten Durchgang für den Leobener. Erstmals zeichnete er sich in Minute 57 mit einer wahren Glanzparade gegen Reyna aus, als er dessen Kopfball im letzten Moment entschärfte. Beim Ausgleichstreffer war für ihn nichts zu machen, er konnte lediglich zusehen wie der Ball per Innenstange im Tor landete. Für das Tor zum 2:1 kann man Gratzei wohl ebenso nicht verantwortlich machen, ein Lehrbeispiel für Torhüter war sein zurückhaltendes Herauskommen jedoch nicht.

Lukas Spendlhofer
Kam aufgrund der Verletzung von Sharifi zu seinem Bundesligadebüt in Schwarz-Weiß. Ist das Spiegelbild des Spiels aus Grazer Sicht: Spendlhofer agierte abgeklärt und konsequent, ehe er mit schlechtem Stellungsspiel gegen den pfeilschnellen Yordy Reyna das Nachsehen hatte. Setzte für den Anfang gute offensive Akzente. Beinahe hätte er in seinem ersten Spiel gleich sein erstes Tor geschossen, als er Grödig-Tormann Stankovic mit einem Kopfball prüfte. Da Todorovski nach der Sharifi-Verletzung wieder rechts hinten spielen wird, kann sich der 21-Jährige berechtigte Hoffnungen auf Einsatzminuten in den nächsten Spielen machen. Im direkten Duell um den zweiten Innenverteidiger-Posten dürfte er derzeit gegenüber Barbaric die Nase vorne haben.

Daniel Offenbacher
Sturm presste Grödig gestern phasenweise intensiv an und Daniel Offenbacher machte dabei einen guten Job. Mehrfach konnte der Zentrumspieler den Ball erobern und den Ball nach vorne treiben. Offenbacher sorgte so für gute Angriffsszenen, die jedoch allesamt unbelohnt blieben. In der Defensive zeigte er erneut, dass er weiter vorne besser aufgehoben ist. Ganz einfach, weil er vorne mit seinem Angriffsdrang fehlt und zwei Drittel seiner Zweikämpfe verlor. Seine Standards waren oft gut, gegen Ende kam der ein oder andere ruhende Ball zu ungenau.

Daniel Beichler
In den Pressingphasen leistete Daniel Beichler viel Laufarbeit. Von der Position her schien er hinter Djuricin nicht schlecht aufgehoben und seine Aufgabe gut erledigt zu haben. Torabschlüsse hat man, sieht man vom etwas glücklichen Tor ab, von ihm aber keine gesehen.

Spielercheck_neu_Note_2,5

 

Christian Klem
Auf der linken Seite unmittelbar vor ihm war diesmal nicht, wie gewohnt, Florian Kainz – womöglich auch ein Mitgrund warum nach vorne nicht vieles klappte. In der Defensive präsentierte sich Klem jedoch stark. Er konnte acht von zehn Zweikämpfen für sich gewinnen und war damit gestern der beste Zweikämpfer am Fuße des Untersberg. In den Duellen mit seinem Gegenspieler Daniel Schütz zeigte er sich sehr hartnäckig. Alles in allem: Hinten brav, vorne in Ordnung.

Michael Madl
“Die zwei Stopper standen zu weit auseinander”, so analysierte Trainer Milanic nach dem Spiel das Gegentor zum 2:1. Yordy Reyna nützte die Lücke, die Madl und Spendlhofer offen ließen und schoss die Grödiger zum Sieg. Ein Fehler, der 87 solide Minuten vergessen machen lässt. Denn Unkonzentriertheiten wie diese kosteten der Mannschaft nicht nur in Grödig wertvolle Punkte, wie Milanic in der Pressekonferenz nach dem Spiel hervorstrich.

Marko Stankovic
Marko Stankovic spielte gestern die zentrale Rolle gut. Weniger gut war, dass er eigentlich von Milanic am Flügel aufgeboten worden war. Stankovic putzte nicht nur einmal in der eigenen Gefahrenzone aus, offensiv suchte man ihn jedoch vergeblich.

Aleksandar Todorovski
Neben dem schweren Fehler, der zum Ausgleich führte – Todorovski schlug den Ball nur halbherzig weg und spielte ihn so dem Gegner zu – beging der Mazedonier einige Stellungsfehler. Schade, denn der Innenverteidiger (und nach der Verletzung von Sharifi wieder Außenverteidiger) verpatzte sich so seine gute Leistung aus der ersten Halbzeit.

David Schloffer
David Schloffer machte in der vergangenen Saison gegen Grödig seine besten Spiele. Gestern konnte er diese Leistung nicht wiederholen. In der 60. Minute hatte Schloffer zwar eine Einschussmöglichkeit vom Sechzehner – nach Vorlage von Hadzic. Ansonsten blieb der Rechtsaußen am gestrigen Tag gänzlich harmlos.

Marco Djuricin
Es war nicht der Tag des Marco Djuricin. Der Neuner agierte an vorderster Front meist unglücklich. Er bekam viele Zuspiele, vergab jedoch jedes einzelne davon. Interessant ist, dass sich Djuricin laut seiner Heatmap vor allem auf der Seite und nicht im Zentrum aufhielt.

Zu kurz eingesetzt
Marc Andre Schmerböck, Josip Tadic

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.