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SK Sturm Graz - SC Wiener Neustadt

Schlagabtausch in Liebenau

Der SK Sturm verabschiedet sich heute mit einem 4:2-Sieg vom Tabellenletzten SC Wiener Neustadt. Dem Rückstand der ersten Halbzeit folgte die Wende in der zweiten, als der Kampfgeist durch Koordination ergänzt wurde.

In dieser Saison gibt es erstmals fünf internationale Startplätze für Österreichs Fußballmannschaften. Momentan stehen die Grazer auf dem achten Tabellenrang. Das kann nicht der Anspruch von Sturm Graz sein. In dieser Saison gibt es einen Qualifikationsplatz mehr als vorige Saison. Die Europa League muss also ein Ziel sein”, erklärte Darko Milanic vor Saisonbeginn. Die Zielsetzung bei Wiener Neustadt ist eine andere: Die Niederösterreicher kämpfen unter Trainer Heimo Pfeifenberger gegen den Abstieg. Punktelos blieben bisher beide Mannschaften, der SC Wiener Neustadt bildet das Tabellenschlusslicht aufgrund des schlechteren Torverhältnisses.

Für die Steirer wäre der heutige Sieg ein wichtiger erster Schritt in Richtung eines internationalen Gedankens. In der Qualifiktationsrunde der Europa League stand er bereits: Christian Gratzei, der heute Benedikt Pliquett im Tor ablöst. Taisuke Akiyoshi, dessen Vertragsunterzeichnung am Mittwoch während des Testspiels gegen den HSV bekanntgegeben wurde, wird auf der Zuschauerbank Platz nehmen – der Japaner hat noch keine Arbeitsbewilligung. Ebenso fallen Martin Ehrenreich, Andreas Pfingstner und Naim Sharifi weiterhin verletzungsbedingt aus. Und da sowohl Aleksandar Todorovski als auch Daniel Beichler rechtzeitig fit geworden sind, birgt die Startelf wenige Überraschunge – lediglich Tomislav Barbaric in der Innenverteidigung könnte als eine solche durchgehen.

Keller-Anpfiff
Die Nordkurve wäre schon jetzt bereit für die Europa League – ob auch die Milanic-Elf bereit ist,für diese zu kämpfen, werden die kommenden 90 Minuten zeigen. So lasset das Kellerduell beginnen. Sturm Graz wird heute erstmals Abgang Tobias Kainz im blau-weißen Dress begegnen. Nach zwei Jahren in Graz muss er auf den Jubel verzichten, den es bereits nach zehn Minuten zu verzeichnen gibt. Das zuvor schon lang ersehnte, und am Mittwoch kläglich vermisste Tor fällt: Mattias Sereinig will klären, schießt den Ball auf Marco Djuricins Hinterkopf, von wo der Ball ins rechte Eck abprallt. Als Torschütze gilt aber nicht Sereinig, dem die Grazer das erlösende Tor verdanken, sondern Djuricin.

Und plötzlich geht es Schlag auf Schlag in Liebenau. Die Niederösterreicher gleichen aus: Daniel Schöpf heißt der Torschütze, die schwarz-weiße Defensive hat Mühe, ihn zu bedrängen. Postwendend setzen die Grazer zum Ausgleich an: Christian Klem erkämpft sich den Ball, passt auf Djuricin und der zielt ins linke Eck. Der Ball ist im Tor, doch er im Abseits. Gerade erst gepfiffen, setzen die Wiener Neustädter zum Konter an. Doch der nächste Torschuss geht direkt in die Hände von Christian Gratzei. Beide Mannschaften kämpfen hier in Liebenau, der SC Wiener Neustadt gegen den Abstieg, der SK Sturm um Rehabilitation und der Etablierung im oberen Tabellendrittel, um bereits jetzt um Europa zu spielen.

Führungs-Hektik
Bereits in der 22. Spielminute erzielen die Gäste das zweite Tor. Fehler seitens Michael Madl und Tomislav Barbaric, die hoch stehen – ein Risiko, das im Offensivspiel zwar zu berechnen ist, aber ein Fehler, der so keinesfalls passieren darf. Herbert Rauter bekommt den Ball ins Loch gespielt, startet seinen Sprint und die beiden Innverteidiger schauen zu. Fazit: Rauter trifft sehenswert ins linke Kreuzeck, Christian Gratzei hat keine Chance. Und wieder war es einer dieser “Scheiß-Fehler”, die Darko Milanic bereits nach dem Spiel gegen Grödig angesprochen hat. Der schwarz-weiße Wille allein genügt nicht, wenn die Hektik am Spielfeld Fehlpässe verursacht und das Spiel der Grazer zu einem schlechten mutieren lässt. Beim zweiten Treffer hat die gegnerische Offensive zu viel Handlungsspielraum. Das Fazit der ersten Halbzeit lautet somit: Der Körper war willig, doch der Geist zu schwach.

Stunde Null in Halbzeit zwei
Nach der Pause scheinen die Grazer für kurze Zeit das Ruder herumzureißen. Vor allem
David Schloffer zeigt sich agil und macht auf seiner rechten Seite ordentlich Betrieb. Und dann passiert es. Nach einem Foul an Djuricin zeigt Schiedsrichter Dominik Ouschan auf den Punkt. Djuricin, der selbst antritt, macht den Ausgleich, der Schuss geht links am Tormann der Wiener Neustädter vorbei. Das Stadion bebt. Sturm Graz will die Punkte, um einen schlechten Saisonstart wettzumachen. Und Wiener Neustadt will nicht absteigen. Nun sind beide Mannschaften gleichauf. Erneute Stunde Null nach dem 2:2, noch 27 Minuten sind zu spielen.

Für den heute eher schwachen und nach wie vor nicht gesundeten Aleksandar Todorovski kommt Lukas Spendlhofer, der nun auf der weit aktiveren rechten Seite mitwirkt. Aber dann ist es doch die linke Seite, die den SK Sturm in Führung bringt. Nach einem Abpraller – Djuricin hat auf Torhüter Vollnhofer gespitzelt – gelangt der Ball zu Christian Klem, der die Reaktionsträgheit der gegnerischen Abwehr nutzt. Sturm führt mit 3:2. Die Ereignisse scheinen sich jetzt zu überschlagen. Daniel Offenbacher bekommt etwa 20 Meter vor dem Strafraum etwas glücklich den Ball und erzielt mit einem Traumschuss das 4:2 für die Grazer – offiziell wird er jedoch nur als Assistgeber geahndet, da Daniel Beichler den Ball abfälscht und als Torschütze gilt. Vollnhofer ist zwar noch dran, aber am neuen Spielstand kann er schlussendlich auch nichts mehr ändern.

Während die Heimmannschaft mit der Führung einen neuen Energieschub erlebt, scheinen die Gäste langsam zu ermüden und lassen nach. Immer öfter laufen die Grazer in den gegnerischen Spielraum, lassen aber ihre Chancen ungenützt -beim Spielstand von 4:2 ist das auch genehm. Und sie laufen nicht nur, sie brennen. Sie brennen auf einen auf Wiedergutmachung, auf drei Punkte und den Traum vom internationalen Startplatz. Die Mannschaft verabschiedet sich, die Fans verabschieden sich – aus einer zweiten Halbzeit, die dem SK Sturm verdient den Sieg bescherte.

Stadion Liebenau 3. Runde Zuschauer: 6.019

Sturm Graz
02.08.2014, 19:00 Uhr
4:2
(1:2)

SR: Dominik Ouschan

SC Wr. Neustadt
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Mattias Sereinig (Daniel Offenbacher) 10. Minute
12. Minute Daniel Schöpf ()
22. Minute Herbert Rauter (Daniel Schöpf)
Marco Djuricin () 59. Minute
Christian Klem (Marco Djuricin) 68. Minute
Daniel Offenbacher (David Schloffer) 74. Minute
Spieler Karten Spieler
Anel Hadzic (Gelb)17. Minute
27. MinutePollhammer (Gelb)
34. MinuteSchöpf (Gelb)
Daniel Beichler (Gelb)51. Minute
Daniel Offenbacher (Gelb)56. Minute
Michael Madl (Gelb)76. Minute
Marco Djuricin (Gelb)84. Minute
Tomislav Barbaric (Gelb)93. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Christian Gratzei   Thomas Vollnhofer - Tormann
Abwehr - Tomislav Barbaric   Christian Deutschmann - Abwehr
Abwehr - Aleksandar Todorovski   Mattias Sereinig - Abwehr
Abwehr - Christian Klem   Dennis Mimm - Abwehr
Abwehr - Michael Madl   Mario Pollhammer - Mittelfeld
Mittelfeld - Marko Stankovic   Lukas Denner - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Offenbacher   Christoph Freitag - Mittelfeld
Mittelfeld - Anel Hadzic   Tobias Kainz - Mittelfeld
Mittelfeld - David Schloffer   Daniel Schöpf - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Beichler   Herbert Rauter - Angriff
Angriff - Marco Djuricin   Michael Tieber - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
55. Minute Mario Ebenhofer für Daniel Schöpf
Lukas Spendlhofer für Aleksander Todorovski 66. Minute
73. Minute Julian Salamon für Michael Tieber
77. Minute Thomas Pichlmann für Herbert Rauter
Marc-André Schmerböck für David Schloffer 78. Minute
Simon Piesinger für Daniel Beichler 93. Minute