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Spielercheck

Spielt Sturms Spitze gut

…passt meist auch das Ergebnis aus Grazer Sicht. Bis zum gestrigen Abend hatten weder der SK Sturm noch der SC Wiener Neustadt Punkte auf ihrem Tabellenkonto. Am Ende blieb dies nur bei den Gästen der Fall. Sturm fuhr – angeführt von einem Stürmer – gegen den “Angstgegner” den ersten Bundesliga-Dreier der heurigen Saison ein.

1DCB3718 Die Statistiken zum gestrigen Sieg gegen den SC Wiener Neustadt sprechen für die Grazer: 60 Prozent Ballbesitz und im Schnitt 75 Prozent Passquote. Katastrophale und absolut vermeidbare Fehler in der Defensive führten aber doch zur 2:1-Halbzeitführung für die Niederösterreicher. Eine ruhige Kabinenansprache zur Pause von Darko Milanic wirkte scheinbar auf die Mannschaft ein: Mehr Offensivaktionen gelangen, ein besseres Kombinationsspiel wurde aufgezogen. Und weil der Gegner gleichzeitig nachließ, konnte sich die Defensive stabilisieren. Ganz vorne mittendrin war Marco Djuricin.  Die Rückennummer neun ist gleichzeitig unser Blacky of the Match.

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Marco Djuricin
Wesentlich öfter als sonst drang die Sturmspitze gestern gefährlich in den gegnerischen Strafraum ein. Das erste Tor für den SK Sturm ging auf seine Kappe – oder auf seinen Rücken. Die Aktion, die von Mattias Sereinig klärend sein sollte, streifte den Stürmer und ging geradewegs ins Tor. Kurz nach Halbzeitpfiff und nach fünfzehn (!) gelungenen Pässen innerhalb der Mannschaft, zog Djuricin ab, der Ball ging leider erneut knapp am Tor vorbei. Das zweite Tor von Djuricin wurde ebenfalls durch Sereinig verschuldet – der Verteidiger foulte den 21-Jährigen im Strafraum. Schiedsrichter Dominik Ouschan pfiff Elfmeter, Djuricin verwertete. Sollte er so weiter machen, kann er bei Sturm viel erreichen. Dass er viel kann, hat er gestern erneut bewiesen: beweglich, laufstark, kämpferisch. Trotz mancher Fehler klar unser Blacky of the Match.

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David Schloffer
Bereits nach 19 Sekunden ging der erste Schuss von David Schloffer knapp am Tor vorbei. Der 22-Jährige zeigte sich gestern sehr aktiv und wagte sich in viele Zweikämpfe, die Statistik lässt dann aber doch zu wünschen übrig: Acht gewonnenen stehen sieben verlorene Duelle gegenüber. Mit einer Passquote von 70 Prozent zählt der gebürtige Grazer jedoch zu den besten Männern am Feld. Trotzdem legte der Offensivmann in Halbzeit zwei einen quirligen Auftritt hin und konnte einige Chancen der Grazer einleiten. Schloffer ist gerannt und hat gearbeitet, bis er stehend k.o. war.

Anel Hadzic
Eine starke Partie des Mittelfeldspielers. Er strahlte viel Ruhe aus und verlor kaum Bälle. Der Mann im Zentrum konnte diesmal zusätzlich zur Defensivarbeit auch nach vorne mit guten Pässen Akzente setzen. Und er könnte wohl auch offensiver agieren, hätte er einen zweiten echten Sechser an seiner Seite. In der 29. Minute kam er nach einem Eckstoß von Daniel Offenbacher an den Ball, zielte dann jedoch knapp am Tor vorbei. Insgesamt eine gute Leistung des Bosniers.

Christian Klem
Der linke Außenverteidiger kann auf ein aus seiner Sicht historisches Spiel zurückblicken, seine Leistung kann als passabel bezeichnet werden. Ab und zu unterliefen ihm die gewohnten Stellungsfehler, grundsätzlich zeigte er sich aber stabil. Offensiv war Klem sehr aktiv und war regelmäßig im Angriffsspiel aufzufinden. Allerdings ist Klem mit Marko Stankovic auf der linken Seite noch nicht annähernd so gut eingespielt wie mit Florian Kainz. Sein Abstaubertor kann als Belohnung für die Offensivbemühungen und konsequentes Nachsetzen interpretiert werden. Alles in allem eine ordentliche Partie des Grazers, dem im 118. Bundesliga-Spiel in Schwarz-Weiß sein erster Treffer gelang.

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Daniel Offenbacher
Ein satter Distanzschuss war es, den Offenbacher zum 4:2 verwertete. Die restlichen 89 Minuten verbrachte der Mittelfeldspieler mit ungefährlichen Standards und mit Abholen seiner obligatorischen gelben Karte durch ein hartes Foul. Ansonsten bleibt unter dem Strich nicht viel zu berichten. Zwar defensiv bemüht, liegt ihm die Position des Sechsers nicht so sehr wie die Offensive. Und auch Milanic sieht Probleme im Zusammenspiel der zwei Sechser: Piesinger und Lovric scharen wohl schon in den Startlöchern.

Christian Gratzei
Der älteste Spieler der Grazer zeigte sich gestern solide. Bei Gegentoren war er schuldlos, vor allem Herbert Rauters Bombenschuss in der 22. Minute war für ihn unhaltbar. Und der neue Tormanntrainer Martin Klug scheint Wirkung zu zeigen: Am Ball wirkte der 32-Jährige sicherer als früher und auch seine Ausschüsse gelangen besser. Die große Paraden ließen aber auf sich warten – aber fast alles, was zu halten war, hielt er. Einzig ein paar Ausflüge, um lange Bälle abzufangen, waren etwas zögerlich, ebenso schien er beim Fangen nicht immer sicher und ließ zumindest ein Mal den Ball wieder fallen. Hier braucht es mehr Entschlossenheit.

Lukas Spendlhofer
20 Pässe in 24 Einsatzminuten können sich sehen lassen. Rechts hinten ist Spendlhofer nicht unbedingt zuhause, er zeigte aber eine grundsolide Partie ohne negativ aufzufallen. Der große Moment fehlte aber. Zum Schluss noch ein Vergleich: Aleksandar Todorovski kam in derselben Position zuvor zu 31 Ballweitergaben, stand aber 66 Minuten am Feld.

Marko Stankovic
Der 26-Jährige fiel kaum auf, war jedoch meist gut im Passspiel: 76 Prozent seiner Pässe kamen am gewünschten Ziel an. Doch zehn verlorene Zweikämpfe von insgesamt 14 drücken die Statistik. Auch einige Ballannahmen ließen zu wünschen übrig. Stankovic erarbeitete sich trotzdem einige gute Chancen, etwa in der 65. Minute, als ein Pass von Djuricin bei ihm ankam – Vollnhofer hielt jedoch ohne Mühe. Nach dem Seitenwechsel kamen auch von ihm mehr Impulse in der Offensive. Der offensive Mittelfeldspieler wäre aber direkt hinter der Sturmspitze wohl besser aufgehoben, da er links positioniert doch sehr oft in die Mitte zieht. Diesen Umstand sprach auch Milanic des Öfteren an, dennoch setzt er Stankovic immer wieder auf der Seite ein.

Daniel Beichler
Eine glücklose Partie. Stellenweise gab es ein gutes Zusammenspiel mit Stankovic, Klem und Djuricin, meistens wirkte Beichler gedanklich nicht im Spiel, was oft unnötige Ballverluste mit sich brachte. Man muss dem Spieler aber zugute halten, dass auch er nicht zu hundert Prozent fit ist. Zudem gelang ihm im zweiten Durchgang offensiv mehr als noch vor der Pause – wenngleich seine Aktionen kaum vom Glück gesegnet waren.

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Michael Madl
Auch der Abwehrchef glänzt mit einem guten Prozentsatz: 40 seiner insgesamt 51 Pässe waren richtig gesetzt. Doch der Glanz währt nicht lange, wenn man das Verhalten des Kapitäns während des Spiels betrachtet. Der 26-Jährige agierte am Spielfeld oft trotzig, die gegnerischen Tore wurden teils von ihm mitverschuldet. Zusammen mit Barbaric vergaß er in der 22. Minute komplett auf Herbert Rauter – was einfach nicht passieren darf – und kann dem Torschützen zum 2:1 für die Gäste nur noch hinterhersehen. Alles in allem machte der Kapitän aber einen etwas sichereren Eindruck als Nebenmann Barbaric.

Aleksandar Todorovski
In Anbetracht der Tatsache, dass der Mazedonier nach wie vor krank ist, war die Leistung passabel. Verglichen mit seiner sonstigen Leistung war das gestrige Spiel jedoch zu wenig. Der Außenverteidiger stand teilweise viel zu hoch und konnte so keine direkten Duelle bei Angriffen über seine Seite annehmen, wodurch Offenbacher viel aushelfen musste. Der 30-Jährige wurde dann auch krankheitsbedingt in der 66. Minute von Spendlhofer abgelöst. Man darf auf baldige Genesung und damit verbunden eine Leistungssteigerung hoffen.

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Tomislav Barbaric
Mit insgesamt nur 23 Pässen in 90 Minuten lässt sich auch die gute Statistik des Kroaten erklären: 78 Prozent in der eigenen und 50 Prozent in der gegnerischen Spielhälfte kamen erfolgreich an den Mann. Aber eben nur 23 an der Zahl. Und viele davon waren Sicherheitspässe zurück zu Gratzei oder quer auf Madl oder Todorovski. Vier gewonnenen stehen drei verlorene Kopfballduelle gegenüber – einen Nikola Vujadinovic ersetzt er damit nicht. Auch etwa die Hälfte der Zweikämpfe gingen verloren. Die Einwechslung von Lukas Spendlhofer in der 66. Minute brachte allgemein etwas mehr Ruhe in die Verteidigung, auch Barbaric profitierte von der Auswechslung seines angeschlagenen Kollegen rechts außen. Seine Leistung ist summa summarum aber trotzdem unterdurchschnittlich.

Zu kurz eingesetzt
Simon Piesinger, Marc Andre Schmerböck

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.

Ein Spielercheck von Katharina Siuka, Matthias Strohmeier und Alexandra Polic.