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Kartenspiele im Prater

Zwei Rote, neun Gelbe und ein Remis

75 Minuten nur Passagier gewesen und am Ende trotzdem mit einem Punkt aus Wien heimgefahren: Der SK Sturm präsentierte sich gegen Rapid phasenweise überfordert, nutzte aber das einzige Momentum im Spiel zu seinem Gunsten.

Die Uhr zeigte 18.26 Uhr an, als Florian Kainz und Robert Beric erstmals als Rapid-Spieler zum Aufwärmen gegen Sturm Graz einliefen. Und das Pfeifkonzert, das die beiden – vor allem aber Kainz – zuteil wurde, als Platzsprecher Andy Marek ihre Namen aufrief, war unglaublich laut, auch die Schmähgesänge. Beide durften gegen ihren Ex-Klub ran, wurden im Vorfeld sogar als Geheimwaffe auserkoren. Ob die Insiderinfos, die sie nach Wien-Hütteldorf mitbrachten, zu einem Sieg gegen Sturm verhalfen war fraglich. Die folgenden 90 Minuten sollten es zeigen oder widerlegen.

Die Wetterprognosen hielten nicht ganz. Von strahlendem Sonnenschein und 30 Grad, die die Meteorologen für den heutigen Samstag in Wien prognostizierten, war eine halbe Stunde kaum etwas zu sehen, im Gegenteil: Dunkle, ja fast schwarze Gewitterwolken zogen über dem Praterstadion auf, doch zu regnen sollte es nicht beginnen. Bei den Blackies gab es, im Gegensatz zum Wiener Neustadt-Spiel, nur eine Veränderung. Lukas Spendlhofer feierte sein Startelf-Debüt in Schwarz-Weiß und ersetzte den zuletzt schwachen Tomislav Barbaric, der angeschlagen ausfiel.

Noch zu Elft
Gleich zu Beginn sahen die rund 2.000 mitgereisten Sturm-Fans schwarz. Eine, von außen toll anzusehende, Rauch-Choreografie – in schwarz gehalten – sorgte für rund fünf Minuten dafür, dass man vom Auswärtssektor im 3. Rang nichts sehen konnte. Machte aber nichts, denn die beiden Mannschaften brauchten rund 15 Minuten, um halbwegs ins Spiel zu finden. Einmal war es Mario Pavelic vom Fünfereck, der das runde Leder neben das Tor von Christian Gratzei setzte. Ein ander Mal war es Marco Djuricin, der aus vielversprechender Position doch relativ kläglich am Tor vorbeischoss.

In der 25. Minute war es dann soweit. Robert Beric wurde seinem (Grazer) Ruf als Chancentod gerecht. In einer Drangperiode der Hütteldorfer stand der Slowene, nach einem Individualfehler der Grazer Hintermannschaft, plötzlich mutterseelenallein vor Christian Gratzei – schoss diesem aber quasi direkt in die Hände. Das hätte das 1:0 für Rapid sein müssen. Auch Florian Kainz versuchte sich zwei Mal in der ersten halben Stunde – vergeblich. Und Sturm? Das hatte alle Hände voll mit dem offensiven Pressing der Rapidler zu tun, machte seine Sache aber nicht so schlecht.

Ernst-HappelStadion

Nur mehr zu Zehnt
Und dann schwächte Daniel Offenbacher sein Team innerhalb von drei Minuten mit zwei Fouls selbst. Zunächst sah er in der 29. Minute den Gelben Karton (nach einem Bodycheck an Rapid-Mitglied Florian Kainz), um in der 31. Minute – nach einem klaren Foul an Dominik Wydra – mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen.

Doch Rapid vermochte diesen numerischen Vorteil in der verbleibenden ersten Halbzeit nicht zu ihrem Vorteil zu nutzen. Zwar waren die Grazer mit jeder Minute des Spiels mehr und mehr mit dem Verteidigen beschäftigt – Offensivaktionen waren Mangelwaren und absolut harmlos -, die Wiener jedoch brachten auch keinen ihrer Angriffe so richtig gefährlich vors Grazer Tor. Die logische Konsequenz – 0:0 zum Pausentee.

Beric jubelt
Gleich nach der Pause passierte es dann, wie es passieren musste. Beric traf gegen seinen Ex-Klub. Zunächst spielte Steffen Hofmann in der 49. Minute Thomas Schrammel perfekt links am Strafraum frei, der mit der Maßflanke vors Tor von Christian Gratzei und da Michael Madl gemeinsam mit Lukas Spendlhofer ein Schläfchen machte brauchte Robert Beric seine slowenische Stirn nur mehr hinzuhalten, um zum 1:0 für die Hausherren einzuköpfeln. So darf man das Gegentor nicht bekommen, lieber SK Sturm. So darf man es allerdings auch nicht zählen – der Torschütze stand hauchdünn im Abseits.

Der SK Sturm war es dann auch, der das Spiel einfach nicht mehr in den Griff bekam. Rollende Angriffe der Rapidler waren es, was die 16.800 Zuschauer im Praterstadion zu sehen bekamen – aber keine der Blackies. Teils haarsträubende Fehler mischten sich hinzu, während die Grün-Weißen rund um Florian Kainz durch die Gegend wirbelten. Für die Rapid-Fans sicher toll anzusehen. Da half nicht mal mehr eine Schwalbe von Marco Djuricin kurz vor dem Sechzehner, der bei einem der seltenen Konter gleich vier (!) Rapid-Spieler gegen sich hatte, um zumindest einen Freistoß rauszuholen. Diesen bekamen in der 74. Minute dann die Hausherren – und der Spezialist für die ruhenden Bälle, Steffen Hofmann, sorgte dabei für einen Lattenkracher. Eigentlich war es nur mehr eine Frage der Zeit, bis die Hütteldorfer den Sack zumachten.

Djuricin gelingt das 1:1
Doch plötzlich wurde es wieder hektisch. Nach einem harmlosen Foul an Marko Stankovic fiel bei Robert Beric der Schalter – Rot für den Slowenen nach einer Tätlichkeit gegen Hadzic. Völlig zurecht. Glück aber für Marko Stankovic, dass Schiedsrichter Manuel Schüttengruber seinen Kopfstoß gegen Steffen Hofmann unmittelbar davor nicht gesehen hatte. Auch hier hätte es für eine Aktion der Marke “superintelligent” Rot geben müssen. Diesen Ausschluss nutzten die Grazer, um sich eine zweite (oder war es gar die erste) Luft im Spiel zu holen. Nur Augenblicke später tauchte nämlich Marc Schmerböck nach einem tollen Stanglpass vor Jan Novota auf, doch der Slowake konnte den Ball in dieser Situation noch abwehren.

Noch? Ja, denn in der 83. Minute war der Ausgleich hergestellt. Michael Madl machte seinen Fehler vor dem Gegentor wieder gut, grätschte toll in einen Zweikampf. Marc Schmerböck ließ am Sechzehner den Ball für Marco Djuricin traumhaft durch und der Stürmer, der plötzlich komplett alleine vor Jan Novota stand, schenkte dem Rapid-Tormann ein klassisches “Steirergoal” ein. Traumtor. Und genau dieses Tor ließ die Partie endgültig kippen. Sturm auf einmal die bessere Mannschaft, Rapid durch den Ausschluss und das Gegentor wie ausgewechselt.

Doch nach 95 Minuten und einem letzten Hofmann-Freistoß knapp übers Tor mit dem Schlusspfiff war es amtlich: Florian Kainz, Robert Beric und der gesamte SK Rapid nutzten 75 dominierende Minuten nicht zu einem Sieg gegen Sturm Graz. Und ob Marko Stankovics Tätlichkeit vor dem Beric-Ausschluss noch Folgen haben wird hängt davon ab, ob Schiedsrichter Manuel Schüttengruber das Foul überhaupt gesehen hat. Vermutlich nicht, sonst wäre auch Stankovic vorzeitig duschen gegangen. Sei’s drum: Sturm entführt einen Punkt aus Wien und kann mit diesem auch sehr gut leben. Nächste Woche wartet in Liebenau die zurzeit schwächelnde Austria, ebenfalls aus Wien.

Ernst-Happel-Stadion 4. Runde Zuschauer: 16.800

Rapid Wien
09.08.2014, 19:00 Uhr
1:1
(0:0)

SR: Manuel Schüttengruber

Sturm Graz
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Robert Beric (Thomas Schrammel) 49. Minute
83. Minute Marco Djuricin (Michael Madl)
Spieler Karten Spieler
Mario Sonnleitner (Gelb)15. Minute
Thanos Petsos (Gelb)17. Minute
29. MinuteDaniel Offenbacher (Gelb)
31. MinuteDaniel Offenbacher (Gelb/Rot)
Christopher Dibon (Gelb)56. Minute
Robert Beric (Gelb)65. Minute
67. MinuteMarco Djuricin (Gelb)
76. MinuteAnel Hadzic (Gelb)
Robert Beric (Rot)76. Minute
Philipp Schobesberger (Gelb)81. Minute
Brian Behrendt (Gelb)86. Minute
95. MinuteSimon Piesinger (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Jan Novota   Christian Gratzei - Tormann
Abwehr - Christopher Dibon   Christian Klem - Abwehr
Abwehr - Mario Sonnleitner   Lukas Spendlhofer - Abwehr
Abwehr - Mario Pavelic   Michael Madl - Abwehr
Abwehr - Thomas Schrammel   Aleksandar Todorovski - Abwehr
Mittelfeld - Steffen Hofmann   Marko Stankovic - Mittelfeld
Mittelfeld - Louis Schaub   David Schloffer - Mittelfeld
Mittelfeld - Thanos Petsos   Anel Hadzic - Mittelfeld
Mittelfeld - Dominik Wydra   Daniel Offenbacher - Mittelfeld
Mittelfeld - Florian Kainz   Daniel Beichler - Mittelfeld
Angriff - Robert Beric   Marco Djuricin - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
Brian Behrendt für Mario Pavelic 60. Minute
61. Minute Marc Andre Schmerböck für David Schloffer
Philipp Schobesberger für Louis Schaub 79. Minute
Deni Alar für Dominik Wydra 84. Minute
86. Minute Simon Piesinger für Anel Hadzic