Djuricin Rapid
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Spielercheck

Die Lebensversicherung

Der SK Sturm holt gegen Rapid einen Punkt im Happel-Stadion. Grund dafür ist die Abgebrühtheit von Marco Djuricin, der in Minute 82 aus dem Nichts ein Tor erzielt hat. Er ist momentan die Grazer Lebensversicherung und damit auch Blacky of the Match.

Der SK Sturm holte sich in einem heißen Duell mit Rapid Wien einen Punkt. Rund eine Dreiviertelstunde spielten die Grazer dabei in Unterzahl. Die Innenverteidigung machte ganze Arbeit und begrenzte den Schaden auf nur ein Gegentor, was angesichts der Überlegenheit von Rapid keine schlechte Leistung ist. Nachdem der Gleichstand in Sachen Ausschlüssen wieder hergestellt war, stellte die momentane Grazer Lebensversicherung Marco Djuricin auch den Gleichstand bei den Toren her. Der Wiener im Dress der Grazer ist daher Blacky of the Match.

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Marco Djuricin
Er ist momentan die Lebensversicherung des SK Sturm. Auch wenn er über weite Strecken des Spiels kaum in Erscheinung trat, weil von hinten keine Bälle kamen, war er dann doch plötzlich da und netzte ein. Bereits in der ersten Halbzeit kam Djuricin quasi aus dem Nichts zu einer Chance. Marko Stankovic legte quer, Djuricin tanzte Mario Sonnleitner aus, schoss aber am langen Eck vorbei. Besonders auffällig war Djuricin aber in der Bewegung nach hinten. In Unterzahl lief er immer wieder zurück, um seine Mannschaft zu unterstützen. Die meisten Kontervorstöße, oft eingeleitet von Lukas Spendlhofer, blieben aber beim Versuch, da Djuricin meist nicht gegen drei Rapid-Spieler ankam. In der 82. Minute belohnte sich Djuricin dann aber doch noch für seine Mühen. Nach starkem Zweikampf von Michael Madl und gutem Abdecken von Marc Schmerböck, kam der Ball zu Djuricin und der Angreifer schob Jan Novota ein “Gurkerl”.

Michael Madl
Was wäre ein Goalgetter ohne den Abwehrchef? Dieses Mal nichts. Einerseits war er es, der quasi den Assist für Djuricins Ausgleichstreffer gab, indem er im Mittelfeld mit enormer Entschlossenheit in den Gegner grätschte und den Ball gewann. Andererseits hat Madl gemeinsam mit Lukas Spendlhofer wirklich ganze Arbeit geleistet, damit Sturm nicht noch höher in Rückstand geriet. Die beiden scheinen gut zu harmonieren, die vielen Weitschüsse von Rapid waren ein klares Zeichen dafür, dass die Abwehr gut stand. Auch über die Flanken versuchte es Rapid immer wieder, aber abgesehen vom Gegentreffer konnte Madl mit seinem Junior-Partner alles klären. Das Gegentor müssen sich die beiden aber zuschreiben lassen. Zwar war es Aleksandar Todorovski, der Thomas Schrammel frei zur Flanke kommen ließ, doch Robert Beric darf in so einer Position niemals so zum Kopfball kommen. Eine starke Leistung, letztlich aber getrübt durch ein Gegentor.

Lukas Spendlhofer
Das meiste, was es über Lukas Spendlhofer zu sagen gibt, wurde bereits im Absatz über Michael Madl erwähnt. Die beiden funktionieren schon nach kurzer Eingewöhnungsphase gut als Innenverteidigerduo, Tomislav Barbaric wird einen schweren Stand haben, sollte Spendlhofer weiterhin so agieren. Vor allem die Spieleröffnungen hebt Spendlhofer vom Rest der Innenverteidiger ab. Nicht nur einmal schickte er direkt aus einer Abwehrsituation Marco Djuricin mit viel Übersicht in eine Lücke. Dieser scheiterte dann zwar immer an der Überzahl an Gegenspieler, das macht Spendlhofers Pässe aber nicht weniger eindrucksvoll.

Spielercheck_neu_Note_3,5

Anel Hadzic
Darko Milanics neue Variante mit Daniel Offenbacher hat funktioniert – zumindest für Anel Hadzic. Dass Offenbacher weniger damit klar gekommen ist, zeigt sein früher Ausschluss. Hadzic machte in der Zeit, in der er (relativ) offensiv neben Marko Stankovic agieren konnte, einen guten Eindruck und bewies immer wieder Übersicht. Nach dem Ausschluss war er aber mit Defensivarbeit überhäuft, sodass er sein wahres Potenzial nur bedingt ausspielen konnte. Allerdings machte der WM-Teilnehmer auch bei der Drecksarbeit einen guten Eindruck. Dazu beigetragen, dass das Spiel doch noch zugunsten der Grazer gekippt ist, hat Hadzic weniger Spielerisches, als allerhöchstens schauspielerisches Talent. Als ihn Beric stieß, ließ er sich geistesgegenwärtig und wohl auch etwas übertrieben fallen. Wie auch immer, die Rote für den Gegner hat es gegeben, wahrscheinlich auch zurecht, demnach also eine gute Aktion von Hadzic.

Marc Andre Schmerböck
Marc Schmerböck gab gestern eine klare Empfehlung Richtung Startelf ab. Er kam nach einer Stunde für David Schloffer ins Spiel und wechselte regelmäßig mit Daniel Beichler die Seite. Offensiv konnte sich Schmerböck zweimal toll in Szene setzen: Beim ersten Mal kam er im Sechzehner nach Stanglpass von Beichler an den Ball, doch Novota konnte abwehren. In seiner nächsten Szene drängte er einen Verteidiger von Rapid ab und erreichte so, dass der von Madl kommende Ball bei Marco Djuricin ankam, der in Folge das Tor erzielte.

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Marko Stankovic
Marko Stankovic hat gestern einmal mehr gezeigt, wieso man ihn geholt hat. Nicht, oder zumindest nicht nur wegen seiner spielerischen Qualität, sondern weil er ein Leader ist. Stankovic zeigte permanent vollen Einsatz, ging am zweitmeisten in die Zweikämpfe – wenngleich einige davon verloren gingen – und riss seine Mannschaft mit. Spielerisch war, abgesehen von der Vorlage zu Marco Djuricins erster großer Torchance, eigentlich wenig zu sehen. Aber mit seinem emotionalen Auftreten gegen Steffen Hofmann provozierte er die Rudelbildung, die letztlich zur roten Karte für Beric führte. Damit hat er gewissermaßen den Umschwung in der Partie eingeleitet. Dazu sagen muss man aber auch, dass Stankovic ebenfalls vom Platz fliegen hätte können, hätte sich Hofmann in dieser Szene fallen gelassen. Der Einsatz hat gepasst, als Spielmacher kann er aber sicher mehr. Allerdings waren diese Qualitäten in der langen Zeit, die Sturm in Unterzahl spielte, ohnehin nur am Rande gefragt.

Aleksandar Todorovski
Die guten Nachrichten vorweg: In der ersten Halbzeit hatte Todorovski seine Abwehrseite ganz gut im Griff. Florian Kainz machte kaum einen Stich gegen den resolut auftretenden Mazedonier, der ohne gelbe Karte auskam. Des weiteren schlug Todorovski laut Statistik der Bundesliga die einzige Flanke im Spiel des SK Sturm und hatte die meisten Ballkontakte. Negativ muss man jedoch die zweite Hälfte, im speziellen das Gegentor erwähnen. Todorovski zog bei Ballbesitz von Steffen Hofmann in die Mitte Richtung Innenverteidigung und ließ Thomas Schrammel in seinem Rücken gewähren, sodass dieser in perfekter Flankenposition stand. Als Todorovski herangeeilt kam, war es aber schon zu spät. Am Stellungsspiel muss der Mazedonier noch weiter arbeiten. Auch die vielen Vorstöße blieben gestern aus, wobei laut Flanken-Statistik die gesamte Mannschaft kaum welche zustande brachte.

Daniel Beichler
Daniel Beichler ist dieses Mal schwer zu bewerten. Zunächst muss man festhalten, dass Beichler in 90 Minuten nur ganze 18 Pässe gespielt hat und auch an vorderster Front kaum zu sehen war. Umgekehrt ließ er hinten Christian Klem nicht selten alleine. Was tat Daniel Beichler also das ganze Spiel über? Arbeiten! Der Grazer war nach Stankovic und Klem in den meisten Zweikämpfen verwickelt und gewann – auch wenn seine Statistik insgesamt negativ ist – einige sehr eindrucksvoll. Beichler spielte phasenweise eine Ein-Mann-Pressingmaschine und lief im Mittelfeld voll auf den Gegner, wodurch er einige Ballverluste provozieren konnte. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass Beichler dadurch oft weit von seiner angestammten Position verschwand und Christian Klem alleine stand. Den Einsatz kann man Beichler nicht absprechen, ganz im Gegenteil, allerdings muss er noch mehr darauf achten, wann sein Hintermann ihn braucht. Offensiv gibt es am linken Flügel, den Beichler neuerdings bekleidet hat, auch noch ordentlich Aufholbedarf. Abgesehen von der schönen Hereingabe auf Schmerböck etwa zehn Minuten vor Schluss, gab es da noch zu wenig zu sehen.

Christian Klem
Der linke Außenverteidiger hatte heute einen ganz schweren Stand. Sehr oft wurde er gegen Louis Schaub und den großartig aufspielenden Mario Pavelic alleine gelassen. Daniel Beichler war sehr oft nicht zur Stelle, wenn es ums Verteidigen ging. Dass daraus kein großer Schaden entstanden ist, haben seine Kollegen in der Innenverteidigung zu verantworten. Wenn Klem Unterstützung hatte oder er sich nur einem Gegner gegenüber sah, machte er seine Sache meist souverän. Offensiv versuchte es Klem zwar immer wieder mit Vorstößen, erreicht hat er damit aber wenig. Alles in allem eine durchschnittliche Leistung.

Christian Gratzei
Christian Gratzei bot gestern abermals eine solide Leistung, wenn auch mit ein paar (unbestraften) Fehlern. Was zu halten war, hielt er. Gegen die scharfe Flanke von Schrammel war kein Kraut gewachsen, hier wäre, dank dem tollen Stellungsspiel von Robert Beric, wohl jeder Einsatz des Torhüters zu spät gekommen. In Halbzeit eins stellt er großartig den Körper gegen den freien Beric hin und verhinderte damit einen früheren Rückstand. Negativ zu bemerken ist eine schwache Ballannahme nach einem Rückpass von Todorovski. Die Situation konnte er dann aber mit einem schönen Haken gegen den heraneilenden Steffen Hofmann lösen. Darüber hinaus wurde ein Weitschuss, der kurz vor ihm am Boden aufkam, böse nach vorne abgewehrt. Zum Glück für die Grazer war aber kein gegnerischer Spieler auch nur annähernd in der Nähe.

Spielercheck_neu_Note_2,5

David Schloffer
Manchmal reißt David Schloffer ein Spiel richtig an sich, er kann sich aber auch 90 Minuten über verstecken. Im Happel-Stadion war eindeutig Zweiteres der Fall. Nur ein gewonnener Zweikampf von insgesamt zwölf, sowie eine Passquote von 58 Prozent sprechen Bände. Offensiv kam Schloffer kaum zur Geltung, defensiv arbeitete er fleißig und stellte zumindest Räume zu, um Aleksandar Todorovski zu unterstützen. Bleibt zu hoffen, dass David Schloffer gegen Austria Wien wieder besser in Schuss ist – Fußball spielen kann er ja. Ansonsten gäbe es mit Marc Schmerböck mehr als einen adäquaten Ersatz für die rechte Seite.

Spielercheck_neu_Note_1,5

Daniel Offenbacher
Zwei dumme Fouls, viel mehr war von Daniel Offenbacher gestern nicht zu sehen. Beim ersten dieser Fouls ließ er den Gegner in einer eigentlich ungefährlichen Situation am Mittelkreis auflaufen, zwei Minuten später kam er gegen Pavelic den Schritt zu spät und trat ihm mit den Stollen auf den Knöchel. Die Folge war Gelb-Rot. Auch sonst war wenig Brauchbares dabei, in der Rolle des Solosechsers war Offenbacher sichtlich überfordert. Den Kartenkaiser der Liga als solchen aufzustellen, war von Milanic vielleicht etwas zu riskant. Auch von den ansonst guten Standards war in der halben Stunde, die Offenbacher am Spielfeld stand, nichts zu sehen.

Zu kurz eingesetzt: Simon Piesinger (solide)

Anmerkungen
Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.