12 Meter

"Irgendein Internet"

Die vielköpfige Hydra Internet nervt den SK Sturm in seiner Gesamtheit und sogar noch seine Ex-Spieler. Das führt zu Permanentaufregung, Fehleinschätzungen und daraus resultierenden Ho-Ruck-Reaktionen. Nicht zuletzt zeigt sich das Bild eines mehr und mehr überforderten General Managers, der die Geister, die er selbst rief, nicht mehr los wird. Einmal mehr sei an dieser Stelle angemerkt, dass der SK Sturm Graz dringendst eine professionelle Kommunikationsabteilung braucht.

© Sturm12.at
© Sturm12.at

Vor der Partie gegen den SV Grödig hat sich Gerhard Goldbrich in ein Mediabriefing gesetzt, weil er einige Dinge zum Transfer von Florian Kainz zu Rapid klarstellen wollte. So nebenher wurden von den anwesenden Journalisten andere Transfergerüchte abgefragt, bis der General Manager leicht genervt von sich gab, er möchte um Verständnis bitten, dass er nicht mehr jedes Gerücht kommentieren wolle, das jeden Tag in “irgendeinem Internet” auftauche. In irgendeinem Internet? Gibt es mehrere? Aber dazu später mehr.

Der angesprochene Florian Kainz, der mittlerweile in Wien weilt, gab dort dem Kurier ein Interview und erzählt darin von der permanenten Unruhe in Graz, hervorgerufen durch Fan- und Internetportale. Wenn es kurz nicht laufe, würde gleich immer alles aufgebauscht. Wen er da wohl gemeint hat? Aber auch dazu später mehr.

Wie es um das Nervenkostüm der Grazer insgesamt bestellt sein muss, zeigen die Aussagen von Kapitän Michael Madl in der Kleinen Zeitung, der nach nur einer Niederlage in Altach selbst als erster das Wort Krise in den Mund genommen und allen anderen daran die Schuld gegeben hat. Lügnern und Ahnungslosen nämlich. Wer diese seien, befand der Kleine-Journalist nicht für nötig nachzufragen. Präsident Christian Jauk hat ein paar Tage später überhaupt gleich Angriffe von außen und Beleidigungen ausgemacht. Wer die Angreifer denn seien, befand derselbe Journalist wieder nicht nötig nachzufragen. Bei laola1.at ist es aber mittlerweile ohnehin nachzulesen. Ein offenes Geheimnis, dass es sich bei diesen Wehklagen beispielsweise um die Tätigkeit des Portals „Sturm12“, das sich journalistisch und nicht in Haus- und Hofberichterstattung treu ergeben mit seinem Lieblingsverein auseinandersetzt, dreht“, schreibt Peter Altmann dazu. 

Ein sich mit diesen Dingen kontroversiell auseinandersetzender 12 Meter führte schließlich zu ziemlich hohen Wellen im Umfeld des SK Sturm und dem wiederkehrenden Vorwurf, das Umfeld würde die Unruhe hineintragen. Das ist an Lächerlichkeit natürlich kaum zu überbieten, aber wir halten das aus. Wie muss es aber um ein Team stehen, das die Nerven schneller wegwirft als Verleihnix bei einer Bemerkung über den Frischegrad seiner Fische? Selbst Ex-Kicker sind noch nicht über dieses Klima in Messendorf hinweg, siehe die Kainzsche Anmerkung zum schnellen Aufbauschen wenn es kurz nicht laufe. Außerdem: Kurz? Wann ist es seit 2011 gut gelaufen? Aber es ist natürlich besonders leicht, sich in den Internetportalen den Schuldigen für den eigenen Misserfolg zu suchen. Es grenzt sozusagen ja fast an ein Wunder, dass der SK Sturm vor drei Jahren trotz des Vorhandenseins von Sturm12.at Meister geworden ist.

“Mit Unzufriedenheit muss man umzugehen lernen, da hab’ ich bei Sturm Erfahrungen gesammelt”, sagt Kainz dann auf einmal im in der Einleitung erwähnten Interview zu Alexander Huber. Wir hätten zu diesen teilweise widersprüchlichen Aussagen natürlich auch die eine oder andere Frage gehabt und haben einen Gesprächstermin mit Florian Kainz für den 12. August vereinbart. Alles bestätigt, alles klar, bis dann Kainz am Tag des Interviews kalte Füße bekommen und den Termin verweigert hat. Die Schmähungen der Sturmfans beim Spiel am Samstag davor im Prater hätten ihm sehr zugesetzt. Er wolle deshalb im Moment nicht über Sturm sprechen und Gras über die Sache wachsen lassen, ließ der Spieler ausrichten.

Schon sehr interessant, wenn einer kurz davor im Interview einmal kräftig austeilt und über die Unruhe durch Internetportale schimpft, die Fans von der Kritik ausnimmt und sich dann wegen der Fans dem Internetportal kein Interview mehr geben traut. Kainz muss wohl noch die eine oder andere weitere Erfahrung im Umgang mit Unzufriedenheit sammeln, um sich wie ein erwachsener Mann den Tatsachen stellen zu können. Ihm bleibt zu wünschen, dass es bei Rapid gut für ihn läuft. Der 21-Jährige hat sich offenbar noch nicht mit den möglichen Stimmungslagen des Rapid-Anhangs bei Pleitenserien auseinandergesetzt. Wenigstens wird beim Kurier nachgefragt.Ihnen ist aber schon bewusst, dass Misserfolg auch bei Rapid schnell für Aufregung sorgt?“, will Alexander Huber wissen. Ja, die Erwartungen in Wien seien noch höher als in Graz, ließ Florian Kainz verlautbaren. Da soll sich noch einer auskennen. 

Und zuletzt noch eine Anmerkung zum schwarz-weißen General Manager, der durch diverse Internets genervt ist. Ihm sei ein Auszug aus dem Zauberlehrling ans Herz gelegt: “Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.” Bei kaum einem anderen Verein besteht eine ähnliche Standleitung zum Sportchef wie in Graz. Er selbst hat diese Tür weit aufgemacht, ist die einzige Ansprechperson, auch für noch so kleine Kleinigkeiten, wo anderswo die Pressestelle Auskunft geben würde. Gerhard Goldbrich hat sich sogar nicht nur einmal dafür loben lassen, immer das Telefon abzuheben. Und er hat sich des Öfteren, speziell bei Sturm12.at, darüber beschwert, wenn man einmal keine Stellungnahme bei ihm eingeholt hat.

Aber wenn der Stress nun plötzlich durch das viele Telefonabheben doch zu groß geworden ist – er wäre mittlerweile lange genug im Amt, sodass er dieses Prozedere abstellen könnte. Man könnte zum Beispiel seine Kommunikationsabteilung aufwerten, hier im 21. Jahrhundert ankommen und nicht Printurgesteine für den Web-Support anheuern. Eine professionelle Pressestelle mit ausreichend Personal würde sich dann auch im Zeitalter des Internets vielleicht ein wenig besser zurechtfinden und mit der Informationsflut dort umgehen können. Es würden dann die Dinge gefiltert und nur bei Relevanz zum Chef weitergegeben. So bliebe für den auch mehr Zeit für Scouting und Kaderplanung ohne Störgeräusche am Telefon.

Dann würde es vielleicht nicht passieren, dass man Spieler wie Erfan Zeneli gegenüber Medien als sehr interessant und ein Thema für den SK Sturm bezeichnet, die mittlerweile längst bei einem anderen Verein (HJK Helsinki) unterschrieben haben. Das alles hat Goldbrich, aus welchen Gründen auch immer, nicht gemacht. Dann muss er sich eben weiter über die vielen Notwendigkeiten zur Kommentierung von Gerüchten aus den unterschiedlichen Internets beschweren. Und der SK Sturm ist weiter weg denn je, vom Weg zurück in die Zukunft.