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SK Sturm Graz vs. FK Austria Wien

Befreiungsschlag vs. Rückendeckung

Nach einem verpatzten Saisonauftakt ersehnt sich Austria Wien am Sonntag in Liebenau den Befreiungsschlag. Für Sturm geht es darum, die Rückendeckung nach den zwei passablen Spielen gegen Wiener Neustadt und Rapid aufrechtzuerhalten.

Es sind Spiele wie dieses. Wenn es so etwas wie richtungsweisende Spiele gibt, dann ist jenes am Sonntag eines. Sowohl für Sturm Graz als auch für den Gast aus Favoriten. Austria Wien verpatzte den Saisonstart gehörig und ist nach vier Runden immer noch sieglos – in der letzten Runde kamen die Veilchen nicht über ein 2:2 in Wiener Neustadt hinaus. Für die Elf von Trainer Gerald Baumgartner gilt es also den schlechtesten Saisonstart seit der Saison 2006/07 schleunigst auszumerzen und wieder Kurs Richtung Saisonziel zu nehmen. “Alles besser machen als letztes Jahr”, benannte Kapitän Manuel Ortlechner dieses vor Saisonstart. Ein Ziel, das bekanntlich auch Sturm Graz verfolgt. Sprich: Wie die Austria wollen auch die Grazer die Durststrecke beenden und nach Saisonende wieder international spielen. Ob Sturm dieser Eigen-Anforderung gerecht werden kann, wird von Spielen wie dem am Sonntag abhängen. Nach dem Horuck-Sieg gegen Wiener Neustadt und dem Unentschieden gegen Rapid Wien ist das Duell mit der angeknacksten Austria Indikator dafür, ob die Schwarz-Weißen die Leistungskurve stabil halten können oder den Anhängern erneut eine Fahrstuhl-Saison naht, in der man kurzzeitig sogar im Keller halt macht.

Chancentode mit Torgarantie
Für beide Mannschaften gilt es also zu punkten. Es scheint nicht unwahrscheinlich, dass beide nur mit einem Zähler vom Liebenauer Rasen gehen. Drei der letzten vier Duelle zwischen Austria und Sturm endeten unentschieden. Ein torloses Remis werden die Zuseher – geht es nach der Statistik – jedoch garantiert nicht zu sehen bekommen. Es handelt sich am Sonntag um ein (von der Statistik ernanntes) Spiel mit Torgarantie. Sturm hat in den letzten zwölf Heimspielen immer mindestens ein Tor erzielt, Austria Wien die letzten elf Mal, in denen man in Liebenau zu Gast war, immer getroffen. Doch auch wenn diese Zahlen den Grazer und Wiener Anhang viele Tore erhoffen lassen: Treten beide Teams in ihrer bisherigen Verfassung auf, wird es wohl kein Torfestival zu feiern geben. Es spielen gleichzeitig die aktuellen Chancentode der Liga gegeneinander. Sturm hat bisher die meisten Großchancen vergeben. Knapp dahinter rangiert die Austria mit fünf ausgelassenen Treffern.

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Verhaltene Austria
Dass die Heim-Statistik von Sturm bzw. die Liebenau-Statistik der Austria dennoch nicht fallen wird, dafür sprechen zwei Akteure in beiden Reihen. “Lebensversicherung” Marco Djuricin, der in der bisherigen Spielzeit bereits drei Mal traf, wird wohl auch gegen die Wiener für ein Tor gut sein. Auf der anderen Seite kann einer Neuerwerbung besondere Torgefahr attestiert werden. Omer Damari, der für eine Ablösesumme von mehr als einer Million von Hapoel Tel Aviv nach Favoriten wechselte, stellte sich in seinem ersten Einsatz gleich einmal mit einem Tor vor. Nach zehn Minuten überspielte er im Wiener Neustädter Strafraum seinen Gegenspieler in feiner Manier und schoss trocken zum 1:0 ein. Der israelische Nationalteam-Spieler dürfte allemal in der Lage sein, den zu Stades Rennes abgewanderten Phlipp Hosiner zu ersetzen. Er könnte den Veilchen das besorgen, woran es bei den Wienern zurzeit noch am meisten hakt: Das Toreschießen. Gegen Wiener Neustadt war die Austria mit 70 Prozent Ballbesitz klar die spielbestimmende Mannschaft, nützte ihre Chancen jedoch nicht ausreichend. Angesichts des großen Spielanteils hätte es von diesen auch mehr für die Austria geben müssen. “Wir haben es nicht geschafft, klare Chancen herauszuspielen”, sagte Gerald Baumgartner nach Schlusspfiff. Geht es nach dem Trainer, werden seine Spieler bald mehr Chancen produzieren. Seine Mannschaft sei kurz davor, loszulegen, so Baumgartner: “Es fehlt nur noch wenig.” Er selbst konnte in dieser Woche wenig mit der Mannschaft feilen. Der Austria-Coach befand sich bis Donnerstag beim UEFA-Pro-Lizenzkurs.

Akiyoshi in der Warteschleife
“Wenig” vermisst auch Darko Milanic. Der Sturm-Trainer sagte beim Mediabriefing vor dem sonntäglichen Duell, dass gegen Rapid das Pressing noch nicht so recht funktionierte – ansonsten zeigte er sich mit der Mannschaftsleistung im Happel-Stadion zufrieden. Erst ab der 75. Minute sei es seiner Mannschaft gelungen, den Gegner anzupressen. Eigentlich habe er druckvolles Agieren schon in früheren Phasen des Spiels vorgesehen. Die Zuseher dürfen also gespannt sein, ob Sturm die erstmals in den neuen Auswärtsdressen (ganz in Weiß) spielende Austria schon vor der Schlussphase in Bedrängnis bringen kann. Es ist davon auszugehen, dass sich Milanic das erneut von seiner Mannschaft wünscht. In dieser wird anstatt des gesperrten Daniel Offenbacher vermutlich Simon Piesinger neben Anel Hadzic im Mittelfeldzentrum spielen. Zwar war Piesinger den Großteil der Trainingswoche nicht fit, Milanic dürfte ihn jedoch – so er halbwegs einsatzfähig ist – dem 16-jährigen Sandi Lovric vorziehen. Nach wie vor zusehen muss Taisuke Akiyoshi. Der Japaner wartet noch auf die Freigabe des bosnischen Verbandes. In der Innenverteidigung dürfte erneut Lukas Spendlhofer neben Kapitän Michael Madl stehen – der 21-Jährige zeigte gegen Rapid eine solide Leistung.

Die “Exil”-Hütteldorfer sind übrigens – nach dem Gastspiel in Graz – der nächste Gegner der Austria. Gewinnen die Veilchen gegen Sturm und das Wiener Derby, stehen sie aufgrund der geringen Abstände ab Rang drei in der Tabelle plötzlich vor den beiden Konkurrenten. Es würde also Rückendeckung seitens Fans und Medien nach dem getanen Befreiungsschlag geben. Sturm trifft in der nächsten Runde auf den euphorischen WAC und auf die mächtigen Salzburger. Verlieren die Schwarz-Weißen alle drei Spiele, warten sie auf den Befreiungsschlag.

Spieldaten
SK Sturm Graz – FK Austria Wien
Bundesliga, 5. Runde
Sonntag, 17. August 2014, 16:30 Uhr – Liebenauer Stadion

Wettervorhersage
Scheiße

Schiedsrichter
Dieter Muckenhammer
1. Assistent: Christian Rigler
2. Assistent: Johannes Pummerer

Mögliche Aufstellungen
Sturm Graz (4-2-3-1)
Gratzei – Todorovski, Spendlhofer, Madl, Klem – Piesinger, Hadzic – Schmerböck, Stankovic, Beichler – Djuricin

Ersatz
Pliquett – Lovric, Schnaderbeck, Barbaric, Rosenberger, Schloffer

Es fehlen
Sharifi (Kreuzbandriss), Pfingstner (Knochenödem), Akiyoshi (fehlende Arbeitsbewilligung), Tadic (Bauchmuskelzerrung), Schützenauer (verletzt), Offenbacher (gesperrt)

FK Austria Wien (4-2-3-1)
Lindner – Stryger Larsen, Ortlechner, Ramsebner, Suttner – de Paula, Leitgeb – Gorgon, Grünwald, Meilinger – Damari

Ersatz
Hadzikic – Sikov, Holland, Salamon, Harrer, Royer, Kamara

TV
Sky Sport Austria und ORF (live ab 16:30 Uhr)