© Sturm12.at
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Spielbericht

Geteilte Punkte sind halbes Leid

Sturm und Austria trennen sich wieder einmal unentschieden. In einem verhaltenen Spitzenspiel trafen beide Mannschaften einmal und wollten dann, konnten aber nicht nachlegen. Ein Punkt, der beide Seiten halbwegs zufriedenstellt.

Es klingt nicht nach Druck. “Unsere Aufgabe ist es einfach, gut zu spielen”, sagte Darko Milanic vor dem heutigen Spiel. Seine Mannschaft müsse gegen die Austria nach vorne spielen und ihre Chancen nützen, so der Trainer. Das Erfolgsrezept lautete also: Angriff. Vor dem Spiel durfte der geneigte Zuseher davon ausgehen, dass Milanic den Gast aus Favoriten sogar mit Pressing in die Defensive zwingen möchte. Erstmals seit Mai 2012 sollte es wieder für einen Sieg in Liebenau gegen die Austria reichen – in den letzten vier Duellen trennten sich Sturm und Austria drei Mal unentschieden.

Die Startaufstellung, mit der Milanic dieses Vorhaben in die Tat umsetzen wollte, präsentierte sich am Spielbericht gewohnt Überraschungs-befreit. Simon Piesinger ersetzte den gesperrten Daniel Offenbacher. Der unter der Trainingswoche “nicht fitte” und wiedergenesene 22-Jährige lief neben Anel Hadzic in der Mittelfeldzentrale auf. Rookie Sandi Lovric und der in Sachen Ersatz erfahrene David Schnaderbeck wären ebenfalls zwei ernstzunehmende Alternativen gewesen. Ansonsten schickte Milanic die gleiche Elf wie gegen Rapid ins Spiel.

Sieben Minuten Rausch
Sturm und Drang. Wie Sturm in den ersten Minuten beweist, schließt das einander nicht aus. David Schloffer schickt nach Kombination mit Hadzic an der Mittellinie Marco Djuricin in die Tiefe. Der Neuner spielt im Strafraum weiter auf den Zehner Marko Stankovic, der den Schuss antäuscht, mit einem Haken an seinem Gegenspieler vorbei- und mit seinem Schuss nur knapp das lange Eck verzieht. Das wäre es beinahe gewesen, das 1:0 durch die Nummer zehn. Sturm präsentiert sich mit viel Zug nach vorne und ist drauf und dran am Führungstreffer. Nur zwei Minuten später kommt Simon Piesinger nach einem Stankovic-Eckball zum Kopfball - Heinz Lindner kann den gut angetragenen Ball gerade noch so von der Linie kratzen. Im Gegenzug macht die Austria die sehenswerten Anfangs-Sieben-Minuten von Sturm jedoch zu Nichte – unter kräftiger Mithilfe von Sturm. Daniel Royer nimmt sich ein Zuspiel am Grazer Sechzehner in aller Ruhe an, zieht entlang der Strafraumgrenze zur Mitte und schießt unbedrängt und für Christian Gratzei wohl unhaltbar zum 1:0 ein.  Nach dem frühen Gegentreffer ist Sturms Elan passe – sicheren Kombinationen in die Spitze folgen unsichere Zuspiele und Zittern in der Defensive. In der 10. Minute kassieren die Schwarz-Weißen beinahe des 2:0. Ein abgefälschter Schuss kullert knapp am Tor von Gratzei vorbei, der am falschen Fuß erwischt worden wäre.

Neue Saison, altes Gesicht
Die Austria zwingt Sturm nun gänzlich in die Defensive, die Heimmannschaft kommt nur durch schnelle Gegenstöße vor das gegnerische Tor – Pressing ist am Liebenauer Rasen keines zu sehen. In der 16. Minute lässt sich Daniel Beichler nach einem dieser bemühten Angriffe im Austria-Strafraum fallen – lupenreine Schwalbe. Sturms Glück ist es, dass der Gegner in dieser Phase des Spiels ebenso ungeschickt agiert. In der 22. Minute setzt Omer Damari nach abgefälschter Freistoß-Flanke von Marco Meilinger den Ball volley aus zwei Metern über das leere Tor. Das hätte das 2:0 für die Wiener sein können, nein müssen. Es zeichnet sich eine erste Hälfte ab, wie sie die Zuseher in Liebenau in der Vorsaison ein ums andere Mal gesehen hatten. Sturm startet engagiert, bekommt früh ein Gegentor und kann sich davon nicht mehr erholen. Allerdings kann die Austria nicht nachlegen. Nicht heute. Beide Mannschaften spielen nun verhalten. Beide wollen nach vorne spielen, beide können nicht – Mittelfeldgeplänkel deluxe. Ein Ballverlust folgt auf den anderen. In der 33. Minute zieht Stankovic in gewohnter Manier von links in die Mitte und schießt aus zwanzig Metern drei Meter über das rechte Kreuzeck. Die restlichen Minuten vor dem Halbzeitpfiff behauptet die Austria für sich, spielt allerdings weiterhin ebenso unpräzise. Die Wiener kommen zwar regelmäßig vor den Grazer Strafraum, schießen dort jedoch – meist zögerlich bedrängt, Sturms Defensive rückt auffällig halbherzig aus dem Strafraum heraus – immer klar am Tor vorbei. Somit beendet Schiedsrichter Dieter Muckenhammer beim Zwischenstand von 1:0 eine von beiden Seiten bemühte, aber dennoch träge vorgetragene erste Halbzeit.

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Die Schloffer-Fünf-Minuten
Nach Wiederanpfiff scheint Sturm seine Verve aus den ersten sieben Minuten des Spiels wiedererlangt zu haben. Vor allem David Schloffer spielt plötzlich locker, gar kreativ. Der Rechtsaußen zündet eine fünfminütige Drangphase. In der 50. Minute kommt der in der ersten Halbzeit Gänzlich-Blass-Gebliebene nach einem Eckball zum Abschluss – Lindner hält. Nur zwei Minuten später zieht Schloffer auf rechts zur Mitte, umspielt einen Austrianer und spielt Daniel Beichler Nähe der Cornerlinie frei, dessen Pass zum Elferpunkt Anel Hadzic dem viel besser postierten Marko Stankovic wegschnappt und vertändelt. Doch mit dem dritten Versuch sollte es dann gelingen.  Schloffer spitzelt sich den Ball an seinem Gegenspieler vorbei, will vom gegnerischen Strafraum in die Tiefe spielen, sein Pass wird abgeblockt und den Abpraller verwertet er unter Mithilfe eines Austrianer Fußes zum 1:1. Der zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente Ausgleich – weil die Austria wie in Hälfte eins weiterhin unterentwickelt spielt.

Heads up
Wer gedacht hat, dass Sturm das Spiel nun dreht, irrt jedoch. Die Grazer können nicht nachlegen. In der 59. Minute dribbelt sich Hadzic nach einem Djuricin-Ableger von außen in den Strafraum, lässt sich beim erstbesten Kontakt mit einem Austrianer fallen und bekommt vom Schiedsrichter zurecht nicht den Elfmeter, sondern die gelbe Karte zugesprochen. Sturm, das in der zweiten Halbzeit im 4-1-4-1 mit Piesinger als Solo-Sechs spielt, will unbedingt den Sieg. Kann jedoch genauso wie die Gäste aus Favoriten keinen Druck erzeugen. Dem ereignisreichen Beginn in Halbzeit zwei folgen wie in der ersten Hälfte ein angriffsarmer Schlagabtausch im Mittelfeld. In der 65. kommt Marc Schmerböck für den Torschützen ins Spiel. Klares Zeichen vom Trainer: Hajde! Doch am Liebenauer Rasen passiert im Torraum auf beiden Seiten nichts. Ein Schuss von Markus Suttner verfehlt klar das Tor von Gratzei, Marco Djuricin steht nach aussichtsreichem Zuspiel im Abseits – das höchste der Gefühle in acht Minuten der entscheidenden Endphase. In der  83. ersetzt Andreas Gruber Beichler. Milanic will jetzt den Sieg und lässt den rechten Flügel debütieren. Doch seine Mannschaft kommt nicht aus der Defensive raus. James Holland deckt nach einem Lochpass den Ball in Sturms Strafraum ab, will zum Sechzehner auflegen und verpatzt das Zuspiel zugunsten Sturms kräftig. In der Nachspielzeit – Schiedsrichter Muckenhammer legt großzügig fünf Minuten drauf – hat Sturm trotzdem noch die Chance auf den Sieg. Gruber deckt den Ball am Austria-Strafraum gekonnt mit dem Rücken ab, dreht sich von seinem Gegenspieler weg und schießt gute zwei Meter über das Tor. Im Anschluss feiert noch der 16jährige Sandi Lovric, der bereits minutenlang für seine Einwechslung bereit stand, sein Debüt. Das soll es dann auch gewesen sein. Sturm und Austria trennen sich wieder einmal unentschieden. Ein Punkt, der für beide Mannschaften mehr als gerecht ist.

Stadion Liebenau 5. Runde Zuschauer: 9.229

Sturm Graz
17.08.2014, 16:30 Uhr
1:1
(0:1)

SR: Dieter Muckenhammer

Austria Wien
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
8. Minute Daniel Royer (Marco Meilinger)
David Schloffer () 51. Minute
Spieler Karten Spieler
23. Minute Jens Stryger Larsen (Gelb)
37. MinuteMario Leitgeb (Gelb)
David Schloffer (Gelb)56. Minute
Anel Hadzic (Gelb)59. Minute
Simon Piesinger (Gelb)79. Minute
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Christian Gratzei   Heinz Lindner - Tormann
Abwehr - Christian Klem   Markus Suttner - Abwehr
Abwehr - Michael Madl   Vance Sikov - Abwehr
Abwehr - Lukas Spendlhofer   Manuel Ortlechner - Abwehr
Abwehr - Aleksandar Todorovski   Jens Stryger Larsen - Abwehr
Mittelfeld - Daniel Beichler   Alexander Grünwald - Mittelfeld
Mittelfeld - Simon Piesinger   Daniel Royer - Mittelfeld
Mittelfeld - Anel Hadzic   Mario Leitgeb - Mittelfeld
Mittelfeld - David Schloffer   James Holland - Mittelfeld
Mittelfeld - Marko Stankovic   Marco Meilinger - Mittelfeld
Angriff - Marco Djuricin   Omer Damari - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
58. Minute Martin Harrer für Alexander Grünwald
Marc Andre Schmerböck für David Schloffer 65. Minute
71. Minute Alexander Gorgon für Daniel Royer
Andreas Gruber für Daniel Beichler 80. Minute
83. Minute Ola Kamara für Omer Damari
Sandi Lovric für Marko Stankovic 93. Minute