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Spielercheck

Der 10-Kämpfer

Leicht war es nicht, nach dem gestrigen Sonntagsspiel einen Blacky of the Match hervorzuheben. Zu gleichförmig war die Leistung der Grazer, zu wenige Ausreißer gab es in der mediokren Gesamtperformance. Doch haben wir einen gefunden. Einen mit Hirn und Schmalz.

Das Spitzenspiel, das keines war, endete gestern mit einem 1:1-Unentschieden. Sturm Graz zeigte dabei eine kollektiv recht gleichmäßige Leistung. Weder nach unten, noch nach oben ließen sich große Ausreißer aus der mediokren Mannschaftsleistung feststellen. Wenn Sturm im Aufwind war, zeigte David Schloffer wie schon so oft in solchen Situationen, was in ihm steckt. Er hatte so einige Momente in diesem Spiel – jeweils am Anfang der beiden Halbzeiten – und krönte einen davon mit einem Tor. Hing Sturm Graz durch, war es vor allem der junge Lukas Spendlhofer, der Nerven bewies und auch in scheinbar kollektiver Abwehrverweigerung das Schlimmste verhinderte. Doch unser Blacky of the Match ist ein anderer, der Kämpfer und Denker, der Zehnkämpfer dieses Spiels:

 

Spielercheck_neu_Note_3,5

Marko Stankovic
Marko Stankovic ist das Hirn dieser Sturm-Mannschaft – wenigstens im Offensivspiel. Und obendrein eines mit ordentlich Kampfkraft. Sein Laufpensum in den ersten 70 Minuten war bemerkenswert. Von Stankovics Pässen kamen knapp 60 Prozent – das sind 26 von 44 – bei seinen Mitspielern an. Für den Mann hinter der Spitze – zugegeben, diesen Part mimte er erst mit Beginn der zweiten Hälfte nominell – ein passabler Wert, insbesondere bei der gestern zumindest interessanten Idee des schwarz-weißen Spielaufbaus. Trotzdem lesen sich seine 44 (zumindest probierten) Zuspiele und 64 Ballkontakte sehr gut – er führt in beiden Kategorien die interne Wertung überlegen an. Immer wieder ließ sich Marko Stankovic in alle Himmelsrichtungen fallen und bot sich seinen Mitspielern an – etwa in Minute zwei, als er ein Zuspiel von Marco Djuricin annahm, den Schuss antäuschte, mit einem Haken an seinem Gegenspieler vorbeiging und nur knapp am langen Eck vorbeischoss. Gegen seinen Ex-Verein ist Marko Stankovic unser Blacky of the Match.

David Schloffer
…aber nur knapp. Denn auch David Schloffer hatte in diesem Spiel seine Momente. Aber wie. Dabei hätte man noch zur Halbzeitpause meinen können, David Schloffer spielt wieder ein Spiel, wie das gegen Rapid eines war. Unscheinbar bis schwach agierte der Rechtsaußen in der Offensive, kaum eine nennenswerte Offensivaktion entstand unter seiner Beteiligung. Doch mit Wiederanpfiff belehrte der Wingman seine Kritiker eines Besseren – er zündete ein fünfminütiges Offensivfeuerwerk. Drei Mal dribbelte der “Wühler” entlang der rechten Seite und bediente gekonnt einen seiner Mitspieler. Beim dritten Versuch wurde sein Zuspiel abgeblockt und fiel ihm erneut vor die Füße. Schloffer zog kompromisslos ab und erzielte unter Mithilfe eines Austria-Fußes das 1:1. In der 65. Minute verließ der Torschütze dann für Marc Schmerböck das Spielfeld. Alles in allem: 60 Minuten blass, 5 Minuten furios. Fein, da geht noch mehr.

Lukas Spendlhofer
Die Innenverteidigung spielte gestern eine solide Partie. Wie auch sein Innenverteidiger-Kollege wirkte Spendlhofer über 95 Minuten konstant. Im Spielaufbau passierten dem 22-Jährigen zwar gelegentlich Fehlpässe. doch ihm ist anzusehen, dass er um eine “moderne” Spieleröffnung bemüht ist, sprich gelegentlich als defensiver Mittelfeldmann fungiert. Was sein Zweikampfverhalten angeht, ist dem Innenverteidiger kein Vorwurf zu machen. Spendlhofer konnte acht von zehn Zweikampfduellen für sich gewinnen und präsentierte sich vor allem im Kopfballspiel stark.
Spielercheck_neu_Note_3

Christian Gratzei
Der Tormann der Blackies hatte am gestrigen Gegentor wohl keine Schuld: Viel eher ist das 1:0 der Abwehrreihe anzukreiden, die Daniel Royer die Strafraumgrenze entlang dribbeln ließ und ihn unzureichend bedrängte, als er abzog. Einen Flachschuss in Halbzeit eins parierte Gratzei sicher und auch bei Flankenbällen ließ er nichts anbrennen. An der soliden Partie des Manns zwischen den Pfosten gibt es nur zu bemängeln, dass seine Abschläge gestern viel zu unpräzise waren.

Michael Madl
Wie sein Nebenmann spielte Michael Madl am gestrigen Nachmittag ansehnlich. 13 seiner 17 Zweikämpfe konnte der Mann mit der Kapitänsschleife gewinnen – saubere Abwehrleistung. Im Gegensatz zu Spendlhofer war Madl in der Spieleröffnung jedoch nicht nur unsicher, sondern ausgesprochen fehleranfällig. 65 Prozent seiner Pässe fanden nur einen Gegenspieler als Abnehmer – vor allem die hohen Zuspiele in die Spitze waren entweder zu unpräzise oder Beichler und Djuricin verloren ihre Kopfballduelle. In der Defensive war das fein, in der Offensive geht noch einiges mehr.

Christian Klem
Christian Klem war gestern der Sturm-Spieler mit den meisten angekommenen Pässen. 78 Prozent seiner Zuspiele kamen bei einem Mitspieler an. Eine Statistik, die für Klem spricht und gegen die restliche Mannschaft. Zahlreiche Spieler haben eine Passquote von unter 50 Prozent aufzuweisen. Klem konnte sich in der Offensivbewegung des Öfteren einschalten und trug damit zur ein oder anderen Torchance bei. In der Defensive hatte der Linksverteidiger jedoch alle Mühen mit seinem Gegenspieler Marco Meilinger. Der rechte Flügel der Austria umspielte Klem nicht nur einmal. Fazit: Defensiv inkonsequent, offensiv gut.

Anel Hadzic
Anel Hadzic spielte gestern als Schaltzentrale im Offensivspiel in Ordnung. Nach Balleroberung machte der Achter das Spiel gelegentlich schnell und brachte somit Schwung in Sturms Angriffe. Vor allem in Halbzeit zwei konnte Hadzic mehrmals für Torgefahr sorgen – er agierte noch offensiver. Dabei präsentierte er sich jedoch teilweise ein wenig ungeschickt. In der 52. Minute vertändelte er an der Strafraumgrenze einen Diagonalpass von Daniel Beichler, anstatt den besser postierten Marko Stankovic das Zuspiel zu überlassen. Sieben Minuten später ließ sich Hadzic nach feinem Dribbling beim erstbesten Kontakt mit einem Austrianer im gegnerischen Strafraum fallen und bekam zurecht keinen Elfmeter zugesprochen. Bitter auch das zaghafte Attackieren vor dem Gegentor: Gemeinsam mit Aleksandar Todorovski doppelte er zunächst Marco Meilinger, gab diesen dann jedoch nicht früh genug ab und ließ Daniel Royer so zu viel Platz.

Marco Djuricin
39 Ballkontakte sind für einen Stürmer ein passabler Wert. Trotzdem hing der 21-Jährige so ein bisschen in der Luft, er bekam einerseits zu wenig brauchbare Bälle, andererseits bot er sich auch zu wenig an. Nur ein Torschuss ist nicht einmal mehr zu wenig, das ist schlicht schlecht. Djuricin aber deswegen das Bemühen abzusprechen, wäre fahrlässig. Immer wieder ging er mit zurück, versuchte sich Bälle zu holen, zeigte einige technische Gustostückerl, oder lief gegen die gegnerische Abwehr an. Bloß: Glück und Momentum waren im gestrigen Spiel nicht auf seiner Seite.
Spielercheck_neu_Note_2,5

Daniel Beichler
Das Bemühen ist Daniel Beichler nicht abzusprechen. Der Offensivmann rackerte, blieb mit seinen Aktionen aber gänzlich unscheinbar. Entweder, weil er seine Zweikämpfe und damit den Ball verlor – in zehn von 18 Duellen ging er als Verlierer hervor – oder weil aus seinen Pässen keine Torgefahr resultierte. Und dieses Mal reichte es auch nicht dennoch für ein Tor. Und dann noch diese Schwalben…

Marc Andre Schmerböck
Marc Andre Schmerböck konnte nach seiner Einwechslung nicht wie gewohnt Schwung ins Spiel bringen. Der rechte Flügel hatte in seiner dreißigminütigen Einsatzzeit sehr wenige Ballkontakte (sechs an der Zahl) und konnte, wenn er den Ball hatte, keine Akzente setzen. In der Nachspielzeit kam er dann dennoch zu einer Torchance, konnte jedoch, als er unter Bedrängnis auf das Tor von Heinz Lindner zulief, nicht mehr den nötigen Druck hinter den Ball bringen.

Simon Piesinger
Simon Piesinger mimte neben Anel Hadzic den defensiveren Part in der Mittelfeldzentrale. Dabei zeigte der 22-Jährige, dass er das “viele Potenzial”, das ihm Trainer Darko Milanic vor dem Spiel im Sky-Interview zusprach, nicht abrufen konnte – da ist Luft nach oben. Piesinger erledigte viel Drecksarbeit in der Defensive, stopfte Löcher und lief Passwege zu, konnte sich im Zweikampfverhalten jedoch nicht durchsetzungskräftig präsentieren. Er verlor beinahe die Hälfte seiner Zweikampfduelle und ließ dabei auch seine Kopfballstärke vermissen. Ebenso in der Offensive gilt es für Piesinger, bei seinen kommenden Einsätzen besser zu spielen. Knapp die Hälfte seiner Zuspiele kamen nur beim Gegner an oder gingen ins Out. Gut ist anders.
Spielercheck_neu_Note_2

Aleksandar Todorovski
Als Daniel Royer in der 8. Minute das 1:0 schoss, attackierte Todorovski viel zu zögerlich bzw. konnte er sich mit Anel Hadzic wohl nicht einigen, wer für den jungen Steirer zuständig war. Der Mazedonier lieferte gestern eine maue Partie ab. Seinem in vielen Aktionen verhaltenen Abwehrverhalten ließ er noch mehr Gewicht durch viele Abspielfehler zukommen. Sinnbildlich für seine gestrige Leistung ist die Aktion in der Minute, als er mit einem Fehlpass ins Out eine aussichtsreiche Konterchance verspielte.

Zu kurz eingesetztAndreas Gruber (umtriebig), Sandi Lovric (16)

Anmerkungen

Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.