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Sturm Graz - Wolfsberger AC

...und am Ende gewinnt doch der WAC

Ivica Osim ist in Graz. Der bislang ungeschlagene WAC ebenfalls. Sturm Graz spielt bei feuchtem Wetter eine gute Partie, geht in Minute 52 durch Marco Djuricin verdient in Führung…

Fünf Siege aus fünf Spielen – die bisherige Saisonbilanz des Wolfsberger AC liest sich beeindruckend. Auch die Serie des SK Sturm ist zu nennen – wenngleich weniger beeindruckend. Aber angesichts des mageren Saisonstarts, ist es durchaus zu erwähnen: Sturm hat die letzten drei Spiele nicht verloren. Sturm also, was die Ergebnisse angeht, wieder in der Spur. Unabhängig davon, wie die heutige Partie ausgeht, ist demnach eines schon jetzt sicher: Eine Serie wird zu Ende gehen. Doch wer entpuppt sich als Serienbrecher? Der Tabellenzweite und noch ungeschlagene WAC oder doch die Grazer Wundertüte?

Neuerwerbung Thorsten Schick sitzt heute auf der Bank, während Sandi Lovric das U17-Nationalteam als Kapitän gegen die Schweiz anführt. Und Taisuke Akiyoshi ist trotz endlich erfolgter Arbeitserlaubnis nicht im Kader. Darko Milanic schickt die beinahe schon übliche Startelf aufs Feld. Das System irgendwo zwischen 4-2-3-1 und 4-1-4-1 angesiedelt, aber diese Zahlenspiele sind ohnehin nebensächlich. Auch sein Gegenüber Dietmar Kühbauer hält an seiner Erfolgs-Elf fest – und am gleichen System wie Milanic.

Hoher Besuch
Die erste Aktion im Spiel gehört ausgerechnet Ex-Blacky Manuel Weber. Der erläuft sich den Ball, lässt zwei Gegenspieler stehen, passt aber zu ungenau auf Kollege Peter Zulj. Seinen Kollegen Weber hat Zulj im heutigen Gegnerinterview als einen Schlüsselspieler des WAC bezeichnet. Und dieser Weber ist es auch, der den ersten Schuss Richtung Tor abgibt, sein Flachschuss verzieht aber. Die Kärntner spielen eine ordentliche Anfangsphase, drücken die Grazer hinten rein und attackieren früh. Und Sturm schafft es mit ungenauen Pässen und schlampigen Ballannahmen anfangs nicht, sich zu befreien. Und dann gehts plötzlich ganz schnell. Aleksandar Todorovski mit einer Flanke auch Daniel Beichler, der macht einen Fallrückzieher – weggerutscht, Chance vertan.

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Sturms Jahrhunderttrainer Ivica Osim sitzt heute auf der Tribüne. Die Nordkurve feiert ihn mit Sprechchören und das Stadion applaudiert. Vor den Augen dieser Legende zu spielen, scheint die Schwarz-Weißen ganz schön anzustacheln. Man behauptet sich fortan besser im Ballbesitz und spielt schöne Aktionen – nur leider nicht zu Ende. Anel Hadzic etwa scheitert nach einem Doppelpass mit David Schloffer im gegnerischen Sechzehner. Und plötzlich beginnt Sturm zu drücken und Bälle zu behaupten. Wir schreiben die 20. Minute. Und wieder schallt Ivica-Osim-Gesang von der Tribüne im hohen Liebenauer Stadion-Norden.

Sturm versucht es vornehmlich über die Außenbahnen, wo Schloffer, Beichler, Todorovski und Christian Klem wirbeln. Die Flanken oder Pässe kommen zwar öfters an, doch in der Mitte weiß man mit den Bällen nicht so recht, was man mit dem Ball anstellen soll. Vor allem Marco Djuricin sieht sich meist zu vielen Gegenspielern gegenüber. Wenig Glück auf seiner Seite bisher – ob vor Nervosität angesichts des hohen Besuches von Osim, weiß man freilich nicht. Doch auch bei seinen Kollegen will es nicht so recht mit dem Abschluss klappen. Auf der gegenüberliegenden Seite das gleiche Szenario. Am Ende des ersten Durchgangs heißt es aus der Statistik-Abteilung: Null Schüsse aufs Tor – für beide Seiten.

Allerdings heißt es auch 60 Prozent Ballbesitz für Sturm und ebenso viele gewonnene Zweikämpfe. Statistik-Vorteil also für die Grazer. Und das spiegelte sich auch gegen Ende der ersten Halbzeit nieder. Sturm zeigt mehr Kampfgeist und Zug Richtung Tor. Immerhin hält man bei fünf Schüssen in Richtung des gegnerischen Kastens. Soll aber nicht heißen, dass der WAC am Schlafen wäre. Das Spiel verlagert sich munter von einer Spielhälfte auf die andere, immer und immer wieder. Da behauptet etwa Nemanja Rnic den Ball im eigenen Sechzehner und leitet über Weber den Konter ein, der auf Zulj abspielt – Daniel Offenbacher aber ist defensiv aufmerksam, behindert Zulj gekonnt und leitet prompt einen Gegenstoß seiner Mannschaft ein. Sturm hätte sich die Führung durchaus verdient, doch dafür bräuchte es halt Tore.

Serien(ver)brecher wird enthüllt
Und die passieren in Hälfte zwei. Sturm kommt gut aus der Kabine und kann den Ball oft lange in den eigenen Reihen behaupten. Und plötzlich schießt Michael Madl weit nach vor, in die Tiefe, und bedient so Kollege Djuricin, der trocken einnetzt. 1:0 für den SK Sturm, aus sehr abseitsverdächtiger Position wohlgemerkt. Eine verdiente Führung zu diesem Zeitpunkt, denn Sturm hält wie erwähnt mehr Spielanteile und zeigt sich gewillter. Nach jetzigem Stand also heißt der Serienbrecher Sturm Graz, ebenso wie der Dritte in der Blitztabelle. Ivica Osim dürfte es freuen.

Die Grazer mit ihrer Führung im Rücken bleiben am Drücker, behaupten in der Defensive gut die Bälle und leiten einen Vorstoß nach dem anderen ein. Bloß gelingen will an vorderster Front nichts mehr so recht. Beichler macht also Platz für Neuerwerbung Thorsten Schick, der für frischen Wind sorgen soll und dies auch tut. Doch wie auch schon in den letzten Spielen schleicht sich dann irgendwie die altbekannte Passivität nach Toren ein. Die Offensiv-Bemühungen der Grazer flachen ab und der WAC erhöht stetig den Druck. Und dann ist es der zuvor eingewechselte Manuel Kerhe, der flach aus 20 Metern zum 1:1 einschießt. Der Ball genau platziert, ein Glücksschuss, meinen manche.

Sturm bricht dann ein bisschen ein. Und Wolfsberg kann das druckvolle Spiel, das sie ganz zu Spielbeginn kurz gezeigt haben, auspacken. Die Kärntner drücken Sturm hinten rein, spielen erneut aggressiver und zwingen die Grazer zu Ballverlusten. Und als dann Sturm zu neunt am eigenen Strafraum werkt und den Ball nicht ordentlich entschärfen kann, hält Joachim Standfest aus gut 20 Metern drauf – und trifft so zum 1:2. Der Ball böse abgefälscht. Christian Gratzei kommt zwar noch heran, kann den Treffer aber nicht mehr verhindern. Der WAC hat die Partie somit gedreht. Und ist nun der Serienbrecher.

Zehn Minuten vor Spielende scheint Sturm die guten Ideen aus Halbzeit eins vergessen zu haben und hat nur noch wenige zündende Ideen. Hinten steht die Kärntner Defensive dicht und lässt Sturm wenig Raum. Auch ein letztes Aufbäumen der Schwarz-Weißen hilft nichts mehr. Die Wolfsberger prolongieren mit einem 2:1-Sieg ihre Serie und gewinnen auch ihr sechstes Saisonspiel. Und Sturm? Verliert nach beherztem Kampf.

Stadion Liebenau 6. Runde Zuschauer: 9.298

Sturm Graz
23.08.2014, 16:30 Uhr
1:2
(0:0)

SR: Harald Lechner

Wolfsberger AC
Torschütze (Vorlage) TORE Torschütze (Vorlage)
Marco Djuricin (Michael Madl) 53. Minute
66. Minute Manuel Kerhe ()
77. Minute Joachim Standfest ()
Spieler Karten Spieler
Anel Hadzic (Gelb)27. Minute
38. MinuteStephan Palla (Gelb)
Marko Stankovic (Gelb)48. Minute
50. MinuteJoachim Standfest (Gelb)
55. MinuteNemanja Rnic (Gelb)
David Schloffer (Gelb)73. Minute
81. MinuteTadej Trdina (Gelb)
83. MinuteBoris Hüttenbrenner (Gelb)
Spieler Aufstellung Spieler
Tormann - Christian Gratzei   Christian Dobnik - Tormann
Abwehr - Christian Klem   Joachim Standfest - Abwehr
Abwehr - Lukas Spendlhofer   Michael Sollbauer - Abwehr
Abwehr - Michael Madl   Nemanja Rnic - Abwehr
Abwehr - Aleksander Todorovski   Stephan Palla - Abwehr
Mittelfeld - David Schloffer   Christopher Wernitznig - Mittelfeld
Mittelfeld - Marko Stankovic   Peter Zulj - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Beichler   Jacobo - Mittelfeld
Mittelfeld - Daniel Offenbacher   Boris Hüttenbrenner - Mittelfeld
Mittelfeld - Anel Hadzic   Manuel Weber - Mittelfeld
Angriff - Marco Djuricin   Tadej Trdina - Angriff
Spieler Wechsel Spieler
57. Minute Silvio für Peter Zulj
58. Minute Manuel Kerhe für Christopher Wernitznig
Thorsten Schick für Daniel Beichler 64. Minute
Marc Schmerböck für David Schloffer 79. Minute
Simon Piesinger für Daniel Offenbacher 88. Minute
88. Minute Dario Baldauf für Tadej Trdina