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Spielercheck

Trotzdem zu wenig

Das Kollektiv Sturm Graz hat gestern eine solide Leistung geboten – und dennoch hat es nicht gereicht. Während in der Offensive teils die Chancen ausblieben, präsentierte sich vor allem die Innenverteidigung stabil und sicher. Die Bilanz einer sieglosen Partie:

Es war ein ausgeglichenes Spiel, das die Serie des Wolfsberger AC am Ende eben doch nicht brechen konnte. Der SK Sturm zeigte Kampfgeist, dominierte das Spiel zu großen Teilen, riskierte – und verlor. “Wir wissen nicht, wie wir verlieren konnten”, sagte Michael Madl nach dem Spiel. Und sieht man sich dessen Statistik an, ist das auch eine berechtigte offene Frage. Der Abwehrchef hält die beste Passquote der gestrigen Partie inne. Mit ein Grund, den Mannschaftskapitän zum dieswöchigen Blacky of the Match zu küren. Doch es ist nicht nur Madl, es ist nicht nur die Innenverteidigung – es ist beinahe die ganze Mannschaft, die sich gestern in gutem Licht präsentierte. Und um seiner Aussage noch eine mögliche Antwort zu geben: Sturm hat sich wohl selbst um die Punkte gebracht. Nach dem verdienten Führungstreffer ließ die Mannschaft abermals nach und verlor sich in Passivität.

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Michael Madl
Der 26-Jährige erfüllte die Rolle des Abwehrchefs voll und ganz, agierte defensiv solide und signalisierte den Mannschaftskollegen durch Handzeichen immer wieder Ruhe. Das Zusammenspiel mit Pendant Lukas Spendlhofer funktioniert immer besser, es scheint, als würden sich die beiden gegenseitig Selbstvertrauen schenken. Mit sagenhaften 64 Ballkontakten, 47 angekommenen Pässen (bei nur sechs Fehlpässen) und elf von 13 gewonnenen Zweikämpfen schreibt Madl die besten Statistikwerte. Zudem bediente der Innenverteidiger per schnellem, hohem Steilpass nach vorne Marco Djuricin, der im Anschluss zum 1:0 traf. Da bewies Madl eine gute Übersicht mit Potential für die Spieleröffnung. Ein Zuckerpass.

Lukas Spendlhofer
Gemeinsam mit Michael Madl defensiv sehr stabil und sicher. Der 21-Jährige zeigte sich mutig im Spielaufbau, der oftmals aber auch glücklos endete. Insgesamt elf lange Pässe hat der Innenverteidiger zu verzeichnen. Er verhielt sich geschickt, zeigte sich taktisch klug – das scheint er in Italien gelernt zu haben. Auch die Spieleröffnung liegt ihm. Als Joachim Standfest zum zweiten Gegentor ansetzte, hat Spendlhofer den Schuss unglücklich abgefälscht. Vorwurf ist ihm allerdings keiner zu machen, denn die Alternative wäre schlicht keine Reaktion gewesen. Mit 72 Ballkontakten und 79 Prozent Passquote insgesamt eine gute Leistung!

Spielercheck_neu_Note_3,5

 

Marko Stankovic
Marko Stankovic präsentierte sich gestern als wahrer Teamplayer. Er spielte einige schöne Aktionen heraus und versuchte seine Kollegen in Szene zu setzen – etwa in Minute 25, als er David Schloffer per tollem Pass bediente oder in Minute 20, als ihm nach einem tollen Lauf der Pass misslang. Als Zehner bildet er nicht nur die Zentrale des Mittelfelds, sondern auch den Dreh- und Angelpunkt im Spiel des SK Sturm. Seine 71 Ballkontakte machen das deutlich, Stankovic ist eine beliebte Anspielstation. Auch 48 angekommene Pässe sprechen für sich, dem gegenüber stehen 15 misslungene Zuspiele. Allerdings waren seine Standards am gestrigen Abend eher mau, ebenso seine Abschlussversuche.

Marco Djuricin
Wie so oft gab es wenige richtige Chancen für die Sturmspitze der Grazer. Offensiv war Djuricin zwar regelmäßig vorhanden, die wenigen Möglichkeiten wurden aber teils durch unüberlegtes Handeln gefährdet. Etwa, als Djuricin in der 29. Minute im Alleingang auf das Tor zielte, anstatt den Ball an einen seiner Mitspieler abzugeben. In Spielminute 52 ging der Ball dann aber doch an Manuel Kofler vorbei in das Tor der Kärntner. Der Stürmer traf aus 16 Metern Entfernung, stand allerdings im Abseits, als Michael Madl den Ball mit einem sehenswerten Steilpass an den 21-Jährigen abgibt. Ein schön herausgespielter Treffer des Angreifers, der vom Spielstil an Philipp Hosiner erinnerte. Ansonsten wich er des Öfteren auf den Flügel aus und ließ Daniel Beichler in die Mitte.

Anel Hadzic
Auch Anel Hadzic spielte gestern eine solide Partie. Er hat wie immer gut gekämpft und erwies sich als wichtiger Baustein im Aufbauspiel der Grazer. Abwechselnd mit Daniel Offenbacher ging Hadzic nach vor, wenn es die Spielsituation erlaubte. Seine offensiven Vorstöße waren aber in der Regel nicht zwingend. Ein einziger Torschuss steht bei Anel Hadzic zu Buche, sein Schuss in Minute 21 wurde aber von Michael Sollbauer geblockt. Mit 52 Ballkontakten zählte auch der 25-Jährige zu den beliebteren Anspielstationen in den eigenen Reihen, auch seine Passquote liest sich gut: 36 angekommene Pässe stehen acht Fehlpässen gegenüber. In der Zweikampf-Statistik muss er dagegen nachlegen: Acht gewonnene Eins-gegen-Eins-Duelle stehen sieben verlorenen gegenüber. Das ist für einen defensiven Mittelfeldspieler schlicht zu wenig.

David Schloffer
David Schloffer präsentierte sich gestern technisch stark und sorgte für viel Dampf über die rechte Seite. Laufstark wie eh und je spielte er einige schöne Aktionen über die Außenbahn heraus. Vor allem in der ersten Hälfte hatte er in gefühlt jedem Angriff seine Beine im Spiel. Offensiv gelang den Grazern zwar über 90 Minuten wenig, doch im ersten Durchgang war es am ehesten noch Schloffer, der mit Ideen den Zug zum Tor hatte. In den zweiten 45 Minuten baute der 22-Jährige ab und wurde zurecht in Minute 79 ausgewechselt. In Halbzeit eins stellte aber Schloffer den besten Spieler im schwarz-weißen Dress. Seine 25 angekommenen (gegenüber acht Fehlpässen) lesen sich ebenso gut wie seine zehn gewonnenen Zweikämpfe gegenüber sieben verlorenen. Eine solche Leistung bitte über 90 Minuten, dann erledigen sich die Diskussionen darüber, wer rechts spielen sollte, von alleine.

Christian Klem
Christian Klem war gestern offensiv einer der auffälligsten. Immer wieder tauchte er in der gegnerischen Hälfte auf und machte dem nicht mehr ganz so schnellen Joachim Standfest ordentliche Probleme. Seine vielen Vorstöße und Flanken blieben am Ende unbelohnt. Auch hinten machte Klem eine gute Partie, gegen die offensiv über weite Strecken schlchten Wolfsberger. Dadurch, dass Standfest selten mit nach vor ging, hatte es Klem nicht so schwer, wie oft sonst, da er kaum gegen zwei Spieler verteidigen musste. Christopher Wernitznig nahm er jedenfalls gut aus dem Spiel, bevor diesen Dietmar Kühbauer vom Feld nahm. Der für ihn eingewechselte Manuel Kerhe machte dann aber den Treffer. Klem war in dieser Situation vielleicht den Schritt zu weit weg und konnte den Schuss so nicht verhindern. Ansonsten aber eine starke Leistung, was sich auch in 74 Ballkontakten widerspiegelt.

Thorsten Schick
Feierte gestern sein Debüt im schwarz-weißen Dress, als er in Minute 64 für Daniel Beichler ins Spiel kam. Über seine knapp 30 Minuten am Feld gibt es wenig zu berichten. Gleich zu Beginn zeigte der Neuzugang zwei Zuckerpässe und ließ seine Kreativität aufblitzen. Das lässt erahnen, dass er noch eine wichtige Rolle im Spiel der Grazer spielen könnte.

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Daniel Beichler
Einmal mehr erwies sich gestern, dass der Grazer im linken Mittelfeld besser aufgehoben ist als in der zentralen Offensive. Insgesamt zeigte der 25-Jährige eine gute, aber nicht überragende Leistung. Sechs verlorenen Zweikämpfen steht lediglich ein gewonnener gegenüber. Im Angriff unterstützte er dafür des öfteren Marco Djuricin, versuchte auch zu riskieren – etwa mit einem Weitschuss oder einem Fallrückzieher. Doch ähnlich wie bei Lukas Spendlhofer wurde der Mut nicht belohnt. Zwar scheute Beichler das ein oder andere Mal die Defensivarbeit – fand sich dafür aber umso öfter im Sturm an Djuricins Seite wieder -, versuchte aber oft mit cleveren Attacken hinten zu agieren. Nach knapp einer Stunde musste Beichler vom Feld – nur 28 Ballkontakte zeigen, dass es nicht der beste Tag des Offensivmannes war. Trotzdem eine bemühte Leistung.

Aleksandar Todorovski
Todorovski präsentierte sich abermals agil und gefällig, was 56 Ballkontakte unterstreichen. Zudem sorgte er offensiv, zusammen mit David Schloffer, für viel Wirbel. Dank defensiver Unterbeschäftigung in Halbzeit eins konnte sich Todorovski offensiv immer wieder anbieten und Flanken schlagen (versuchen). Hier fehlte ihm aber das eine oder andere Mal mehr Genauigkeit. Todorovski verzeichnete 36 angekommene Pässe gegenüber 14 Fehlpässen, was eine Passgenauigkeit von 60 Prozent ergibt. Beim zweiten Gegentor lenkte der rechte Außenverteidiger den Ball unglücklich zu Joachim Standfest, dem Torschützen. Hoch anzurechnen ist ihm aber, dass Todorovski den wendigen und starken Jacobo fast das gesamte Spiel über neutralisieren konnte.

Daniel Offenbacher
Nach seinem gelb-roten Ausschluss vor zwei Wochen, riss sich Daniel Offenbacher gestern zusammen und kassierte noch nicht einmal eine gelbe Karte. Auch sonst hielt er sich eher im Hintergrund zurück. Defensiv verrichtete der Steirer seine Arbeit ohne Komplikationen, konnte so den einen oder anderen Vorstoß des Gegners mit gutem Tackling und Körpereinsatz unterbinden. Allerdings ist seine Zweikampf-Statistik knapp negativ, was für einen defensiven Mittelfeldspieler schlicht zu wenig ist. Seine Passstatistik liest sich zudem hervorragend: 41 angekommene Pässe bei acht Fehlpässen, was 80,5 Prozent Passgenauigkeit ergibt. Offensiv ging bei Offenbacher dafür wenig, was aber auch nicht seine primäre Aufgabe ist.

Christian Gratzei
Der Torwart des SK Sturm war gestern selten im Bild. Bis zur 66. Minute konnte er in aller Seelenruhe seinen Kollegen zusehen und musste lediglich einige schwache Flanken herunterpflücken und hier und da einen schlecht platzierten Schuss abfangen. Dann in Minute 66 musste er plötzlich den Ball aus dem Netz holen. Manuel Kerhe traf unhaltbar ins untere lange Eck. Wenige Minuten später Gratzei erneut im Bild. Spendlhofer fälschte einen Schuss von Standfest ab, Gratzei zwar noch dran, aber er konnte das Tor nicht verhindern. Danach war der Torwart wiederum kaum im Bild. Zwei nahezu unhaltbare Bälle nicht gehalten, einige ungefährliche Bälle locker gehalten, keine Ausreißer nach oben oder unten.

Zu kurz eingesetzt
Marc Andre Schmerböck (unauffällig)
Simon Piesinger (trotz seiner Größe wenig Stoßstürmer-Qualitäten gezeigt)

Anmerkungen

Die Leistung der Sturm-Spieler wird anhand von Bällen bewertet. Die höchste Bewertung sind dabei fünf Bälle, die niedrigste Bewertung ist ein Ball. Eine durchschnittliche Leistung ist mit drei Bällen gleichzusetzen, die auch den Ausgangs- bzw. Basiswert darstellen.

Das Ergebnis ergibt sich dabei aus der gemeinsamen Diskussion der Sturm12.at-Redakteure, bleibt aber letztlich subjektiv.

Ein Spielercheck von Katharina Siuka, Alexandra Polic und Matthias Strohmeier