Glanzparade

Teures Pflaster

Nachdem sich der SK Sturm mit den Verantwortlichen fast aller Vereine um eine Lösung der Auswärtsticketpreise bemüht hat, ist zumindest der Stadionbesuch in der Fremde weitgehend leistbar geworden. Doch der Vergleich mit manchen europäischen Topligen zeigt, dass die Kartenpreise in der Fankurve bei Heimspielen mehr als nur überteuert sind. Vor allem für das, was man in heimischen Stadien geboten bekommt.

© sturm12.at
© sturm12.at

Man kann von einem durchaus ernüchternden Meisterschaftstart für die sogenannten Topvereine der Bundesliga sprechen. Die großen Drei (so sie es noch sind) hinter der Salzburger Bullenherde sind im unteren Punktebereich angesiedelt. Rapid, die Austria und Sturm müssen sich nach je sechs absolvierten Runden mit insgesamt 16 Punkten zufrieden geben – also im Schnitt weniger als einem Punkt pro Spiel. Während die Austria noch gar keinen vollen Erfolg am Konto hat, müssen sich Sturm und Rapid bisher mit einem mageren Sieg begnügen. Bescheiden, aber derzeit noch wenig aussagekräftig, denn die drittplatzierten Grödiger haben auch erst zwei Siege vorzuweisen und führen die Liste an Vereinen mit negativer Tordifferenz an. Auch ein Kuriosum.

Ebenso merkwürdig wie die Tatsache, dass manche beim Grazer 1-2 gegen die Punkteabräumer aus Wolfsberg tatsächliche Fortschritte erkennen wollten. Zumindest in Hälfte Eins soll es meinetwegen so sein. Nur hat man das nach der bescheidenen Performance in Altach auch getan – auch da hat man (unglücklich) mit 0-1 verloren. Und nachdem man sich gegen Wiener Neustadt sehr lange Zeit geplagt hatte und gegen Rapid über weite Strecken wirklich schlecht und klar unterlegen war, kann von Fortschritt doch nur dann die Rede sein, wenn man in den Spielen davor zumindest keine Rückschritte zeigt. So bewegt man sich am Stand. Das dafür engagiert!

Aber eigentlich ist es längst an der Zeit etwas anzuschneiden, was mir spätestens seit der Austria-Partie nicht aus dem Kopf geht: Die Kartenpreisgestaltung in der Fankurve. Ein “Offener Brief zur Eintrittskartenproblematik” seitens der Fangruppen im Mai diese Jahres hat insofern Früchte getragen, dass Sturm eine weitgehende Einigung bezüglich Auswärtstickets mit den anderen Klubs erreichen konnte. Dass die Vereine allein aus rechtlicher Sicht gut beraten waren einer derartigen Einigung zuzustimmen, geht aus dem im Fanschreiben erwähnten Verstoß gegen Paragraph 7, Abs. 2 der Bundesligarichtlinien hervor, der besagt, dass der Preis für den Auswärtssektor allerhöchstens einem vergleichbaren Sektor auf der Heimseite entsprechen dürfe. Wie sehr die Auswärtsfans hierzulande geschätzt werden, weiß man spätestens, seitdem es dem SK Rapid nicht zu peinlich war, die Sturm-Fans in den dritten Rang des Happel-Ovals zu platzieren, während zwei Drittel des Stadions leer waren. Die erzielte Einigung, ob dem Umgehen rechtlicher Fehden mit Fangruppierungen geschuldet oder nicht, ist aber prinzipiell ein richtiger und begrüßenswerter Schritt.

Bei den Tickets im eigenen Stadion schaut die Sache schon ganz anders aus. Selbst das Weekend Magazin entpuppte den SK Sturm jüngst als Spitzenreiter – die Kartenpreise betreffend. Die Abokosten unter die Lupe genommen, finden sich die Grazer klar vor den Ligakonkurrenten. Ein Blick in andere Ligen zeigt, dass die Kartenpreise in der Grazer Fankurve an der Grenze des Erduldbaren kratzen. Die Qualität des Gezeigten und die vorhandene Infrastruktur kann zudem in keiner Form in Relation gesetzt werden. Trotzdem kosten Abokarten in den Fansektoren der Deutschen Bundesliga nur beim SC Paderborn (255€) und bei Borussia Dortmund (204€) mehr als in Graz. Wirklich unerfreulich wird es aber bei den Tageskarten. Gegen die Austria durfte man um wohlfeile 25€ (Vollpreis) in den Fansektor, wer dem Spiel gegen die Admira beiwohnen will, muss 21€ über den Tresen wandern lassen, die billigsten Vollpreistickets findet man in den Sektoren 23 und 24 mit 18€. Beim FSV Mainz etwa kosten die Karten im “Supportbereich” gegen Hannover 96 zwischen 15 und 21€, die billigsten Vollpreistickets gibt es um 13,50€, gegen Borussia Dortmund um 16,50€. Beim FC Bayern kosten die Stehplätze unabhängig vom Gegner 15€.

Dass möglicherweise weit gereiste Tagesgäste, als motivierte Kurvengäste und Stimmungsmacher, wenig Lust verspüren auch noch ordentlich ins Börserl greifen zu müssen, versteht sich. Man sollte bei der Heim- versus Auswärtsspielthematik eines nicht vergessen: Für sehr viele Sturmfans ist ein Spiel in Graz einem Auswärtsspiel gleichzusetzen, wenn man die Anreisestrecke (oft aus Wien oder entlegeneren Gebieten der Steiermark) mit einberechnet. Und jene Grazer die wieder mit an Bord genommen werden sollen, sehen 25€ auch nicht unbedingt als Willkommensgruß an.

Oder will man wie in der Premier League mit ihrer mittlerweile absurden Kartenpreisgestaltung langsam die Widerstandsfähigkeit und die Geduld der Fans überstrapazieren? Dort verlangt etwa der FC Arsenal unfassbare 1.275€ für eine Jahreskarte. Ein Wert der die Demografie im Publikum des einstigen Arbeitervereins nachhaltig zu verändern droht. Bei vielen anderen Klubs ist die Situation nicht viel besser. Die Proteste werden immer lauter. Unter dem Titel “Affordable Football for All” trafen Fußballfans vieler Vereine vor der Hauptgeschäftsstelle der Premier League in London zu einem Protestmarsch zusammen. Auch die Aktion “Twenty’s Plenty for Away Tickets” kritisiert die wachsenden Ticketpreise für Auswärtsfans.

Eine deutsche Agentur die sich auf “Pricing” spezialisiert hat, hat im Auftrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Saison 2008/09 die durchschnittlichen Kartenpreise für den Besuch von Fußballspielen diverser europäischer Ligen erhoben. Mit Einbeziehung von Sonderaktionen, Abos und Sondertickets kam man auf einen durchschnittlichen Ticketpreis von 21,79€ für die höchste deutsche Spielklasse. Zum Vergleich: In der Premier League errechnete man 43€ im Durchschnitt, in La Liga 40€ und in der Ligue 1 26€. Natürlich sind die Kartenpreise in den letzten sechs Jahren etwas gestiegen, die Verhältnismäßigkeiten sind aber in etwa konstant geblieben. Die Agentur hat den deutschen Vereinen in der Studie geraten, im Sinne von Mehreinnahmen ihre Kartenpreise insgesamt anzuheben. Jedoch hat man folgendes nicht unerwähnt gelassen: “Man muss vor allem mit den Stehplatzbesuchern sensibel umgehen. Die Vereine tun gut daran, die Preise in Maßen zu erhöhen.” Derzeit liegt man in Deutschland bei einem Schnitt von etwas über 23€ für alle verfügbaren Tickets. Wenn man bei Sturm schon für den Stehplatz bis zu 25€ zahlen muss, kann man sich den Gesamtschnitt also ganz gut vorstellen.

Mir stellt sich nun die Frage ob Sturm tatsächlich “sensibel” mit dem Fanblock umgeht? Gerhard Goldbrich hat schon öfters hören lassen, dass ein Abo bei Sturm mindestens 20 Heimspiele bieten würde. Das ist bei Rapid auch der Fall, und ebenso bei der Austria und auch bei allen anderen Bundesligamannschaften. Und dass das heurige Abo-Geschenk, das Fan-Gummiringerl aka Schlüsselanhänger (oder was auch immer das ist) die hohen Kosten rechtfertigt, ist wohl eher auszuschließen. Sich 25€ für Spitzenspiel der heimischen Liga im Fanblock verlangen zu trauen, vor allem in Zeiten wo man jeden einzelnen Fan mit dem Scheibtruhe persönlich von Zuhause abholen müsste, ist mehr als merkwürdig. In der Schweiz, wo die Karten in Relation zu Österreich im Schnitt ohnehin billiger sind, haben unlängst der FC Sion und der FC Luzern die Abopreise um bis zu 100 Franken gesenkt. Mit der Begründung “die Tribüne wieder zu füllen und neue Fans ins Stadion zu bringen”. Denn die Kurve darf und soll nicht zum Luxusgut werden, so die Meinung der Verantwortlichen. Eine Maßnahme die dem SK Sturm auch nicht so schlecht bekommen würde.